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20 Luxuscremes im Test

ÖKO-TEST Mai 2009
vom 24.04.2009

20 Luxuscremes im Test

Nix für ungut

Das tut sicherlich so mancher Frau weh: Die meisten superteuren Luxuscremes in unserem Test sind so schlecht, dass die Hersteller Ihr gutes Geld einfach nicht verdienen. Wenn es schon teuer sein muss, dann investieren Sie zum Beispiel in Naturkosmetik, die hat gut abgeschnitten.

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24.04.2009 | Was in Hollywood passiert, bleibt nicht lange hinterm Berg. Vor ein paar Jahren zum Beispiel, als Frauenschwarm George Clooney statt in lang gestreckter Limousine in einem kleinen Hybridflitzer vor den roten Teppich rollte, schnellte der Absatz der Öko-Autos weltweit nach oben. Oder: Seit Schauspieler Leonardo diCaprio medienwirksam auf seinem Mountainbike durch New York radelt, will plötzlich jeder in die Pedale treten. Oder: Nachdem Julia Roberts vor wenigen Jahren in einem Interview über ihre Lieblingsschminke geplaudert hatte, die zuvor kaum jemandem bekannt war - schon gar nicht in Hollywood - wollte jede Frau auch in exakt diesen Tiegel greifen. Dass dieser Naturkosmetik enthielt, war damals für viele Frauen noch zweitrangig. Mittlerweile ist grüne Kosmetik ein Megatrend.

Die Deutschen haben im Jahr 2008 für rund 600 Millionen Euro grüne Kosmetik gekauft

Auf jährlich eine Milliarde Euro wird allein der europäische Markt für Naturkosmetik geschätzt, die Deutschen haben im Jahr 2008 für rund 600 Millionen Euro grüne Kosmetik gekauft - zehn Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Zwar liegt laut Erhebungen des Marktforschers "Organic Monitor" der Anteil der Öko-Pflege am gesamten Kosmetikmarkt bei nur fünf Prozent, dies sei aber das einzige Segment, das wachse - und zwar kräftig.

Ihren Siegeszug aus den Naturwarenläden in die glitzernden Auslagen von Parfümerien und Kaufhäusern haben die Öko-Cremes schon lange angetreten. Zertifiziert, also mit einem anerkannten Naturkosmetiklabel versehen, sind dabei aber nur wenige. Zahlreich geworden sind hingegen die Firmen, die mit "Bio" und "Öko" ihre Cremes an die Frau bringen wollen.

Sogar die klassischen "Bios" sind auf Luxuskurs und setzen auf das gehobene Preissegment

Auch die Großen der Branche surfen längst mit auf der grünen Welle: Kosmetikriese Clarins brachte unlängst die Naturkosmetiklinie Kibio auf den Markt. L'Oréal kaufte 2006 das französische Naturkosmetikunternehmen Sanoflore, das Luxuslabel Gucci ließ die britische Stardesignerin Stella McCartney eine Öko-Kosmetiklinie kreieren.

Luxus und "Bio" - das funktioniert aber offenbar auch andersherum. Denn sogar die Bio-Veteranen setzen inzwischen auf das gehobene Preissegment. Adressat der Edeloffensive sind klassische Parfümerie-Kundinnen, die auf Naturprodukte umsteigen wollen. Laveré zum Beispiel, die Luxusmarke aus dem Bio-Haus Laverana, bietet eine Tagescreme für stolze 83,33 Euro pro 50 Milliliter an, Logona wartet mit einer Gold-Creme für 45 Euro pro 50 Milliliter auf.

Das Edelmetall - obschon nur in winzigen Spuren enthalten - sowie lange Wirksamkeitstests und kostbare Pflanzenextrakte machten die Creme so teuer, sagt Silke Fliess von Logona.

In Sachen Preis ist die Crème de la Mer aus dem Haus Estée Lauder in unserem Test klarer Spitzenreiter. 50 Milliliter kosten mehr als 200 Euro. Sie ist so etwas wie die Ursuppe aller Luxuscremes. Nicht nur weil sie als eine der ersten einen dreistelligen Betrag kostete, sondern vor allem weil sie traditionell aufwendig produziert wird - was sich inzwischen viele Hersteller für ihre Luxusprodukte auf die Fahnen schreiben und dies, neben den als hochwirksam gepriesenen Inhaltsstoffen und der kostspieligen Forschung, als Begründung für hohe Preise angeben.

An der Rezeptur für die Luxuspionierin hatte ihr Erfinder - der amerikanische NASA-Physiker Max Huber - satte zwölf Jahre getüftelt. Dabei hatte er zunächst nur seine eigene Haut im Sinn; die hatte er sich nämlich bei einer Kerosinexplosion verbrannt und litt nun unter den schmerzenden Narben.

Ein Physiker der NASA experimentierte zwölf Jahre - und erfand dabei die erste Luxuscreme

Er experimentierte in seinem Privatlabor, bis er 1965 schließlich die Crème de la Mer aus der Taufe hob. Inhalt: vor allem Algen. Produktion: kompliziert. Denn die Triebe werden nicht bloß zusammengemixt, sondern, ähnlich wie Tee, monatelang fermentiert und obendrein mit speziellen Licht- und Klangfrequenzen bearbeitet - für die optimale Wirkung, sagt der Hersteller. Gewirkt hat die Creme zumindest bei Max Huber: Sie soll ihm Linderung verschafft haben - und den Käuferinnen die Hoffnung auf einen nie versiegenden Jungbrunnen.

Wir haben zum Muttertag 20 Luxuscremes eingekauft und ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Von Luxus keine Spur: Mehr als die Hälfte der Marken bekommt ein "ungenügend". Überzeugen konnten nur die beiden zertifizierten Naturkosmetikcremes sowie das Produkt von Annemarie Börlind.

In acht Cremes hat das Labor sogenannte polyzyklische Moschus-Verbindungen gefunden. Das sind künstliche Duftstoffe, die sich im menschlichen Fettgewebe und sogar in der Muttermilch anreichern. Mit den Stoffströmen gelangen sie ins Abwasser, in die Weltmeere - und letztlich auch in unsere Nahrungskette. In manchen Fischarten hat man die widerstandsfähigen Stoffe bereits nachgewiesen.

Für so teure Cremes sollten die Hersteller hochwertige Rohstoffe verwenden. Im Falle der Fette geht der Trend jedoch leider zu künstlichen Paraffinen/Erdölprodukten/Silikonen. 14 Marken enthielten solche Stoffe. Natürliche Öle und Fette integrieren sich aber viel besser in die Haut.

In der Multi-Active Day Cream Protection Plus von Clarins steckt Triclosan. Dieser Stoff steht in Verdacht, Bakterien resistent gegen Antibiotika zu machen. Daher ist auch das Bundesinstitut für Risikobewertung gegen den Einsatz von Triclosan in Kosmetika: "Triclosan sollte nur in Kliniken und Arztpraxen eingesetzt werden", so BfR-Präsident Professor Andreas Hensel.

Kosmetik und Mogelpackungen

Eine Rechtsvorschrift, die das Größenverhältnis zwischen Umverpackung und Tiegel klar regelt, gibt es bei Kosmetika nicht. Das Eichgesetz schreibt zwar vor, dass Verpackungen so gestaltet sein müssen, dass sie keine größere Füllmenge vortäuschen, als in ihnen enthalten ist (§ 7, Abs. 2) - aber mit ein paar Tricks können Hersteller diese Regelung leicht umgehen. Sie können zum Beispiel ein Sichtfenster in die Umverpackung einbauen oder den Tiegel in Originalgröße auf der Außenpackung abbilden - und flugs wird aus einem Riesenkarton, den jeder gesunde Menschenverstand als Mogelpackung registrieren würde, eine legitime - und ordnungsgemäße - Umverpackung. Dennoch: Solche Luftnummern will niemand haben. Das dickste Ding in unserem Test lieferte übrigens die Retinology Total Age Solution Cream von Lancaster: Der Umkarton war um stattliche 25 Mal größer als der Tiegelinhalt.

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sehr gut

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Babor Cosmetics

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ausreichend

Biotherm Biofirm Lift Anti-Falten Festigkeitspflege
Biotherm

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ungenügend

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sehr gut

Chanel Précision Hydramax + Active Crème
Chanel

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ungenügend

Clarins Multi-Active Day Cream Protection Plus
Clarins

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ungenügend

Clinique Repairwear Lift SPF 15 Tagescreme
Clinique

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ungenügend

Lancaster Retinology Total Age Solution Cream
Coty Prestige Lancaster

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ungenügend

Dior Capture R 60/80 XP Crème Réparation Rides
Dior

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ausreichend

Douglas Beauty System Blue Lotus, Feuchtigkeitspflege
Douglas

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ungenügend

La Mer Crème de la  Mer Intensive Feuchtigkeitspflege
Estée Lauder

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ungenügend

Estée Lauder Time Zone Line and Wrinkle Reducing Creme
Estée Lauder

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ausreichend

Guerlain Super Aqua-Day Crème Confort
Guerlain

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mangelhaft

Helena Rubinstein Skin Life Repair Creme
Helena Rubinstein

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ungenügend

Juvena Juvedical Erneuernde Tagescreme
Juvena

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ungenügend

Lancôme Rénergie Morpholift R.A.R.E. Lifting-Pflege
Lancôme

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ungenügend

Laveré Solution Power Royal Day Intensive Tagescreme
Laverana (Naturwarenladen)

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sehr gut

Lierac Lipofilling Anti-Age Tiefenlifting Volumenkorrektur
Lierac (Apotheke)

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ungenügend

Marbert Anti-Age Care Profutura Cream
Marbert

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ungenügend

Shiseido Benefiance Daytime Protective Cream
Shiseido

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ungenügend