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20 Spielzeug-Klassiker im Test

ÖKO-TEST Dezember 2016
vom 24.11.2016

Spielzeug, Klassiker

Marke oder Makel?

Käthe Kruse, Steiff, Playmobil: Kinder von heute spielen oft mit denselben Marken wie schon ihre Eltern oder Großeltern. Traditionsfirmen versprechen Qualität. Doch halten sie die ein? Mehrheitlich ja, wie unser Test zeigt. Problemkinder Nummer eins: Puppen.

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24.11.2016 | Die Augen der beiden kleinen Mädchen werden groß. Neugierig drücken sie ihre Nasen gegen die Glasscheibe der Vitrine, hinter der sich ein riesiges Puppenhaus befindet. Der Inhalt jedes der Zimmerchen wird genau studiert. Tatsächlich, in einem steht sogar ein Weihnachtsbaum, geschmückt mit klitzekleinen Kugeln.

Das bestaunte Objekt, das vierstöckige "Kaufhaus am Alex", gilt mit seiner Fläche von 3,20 mal 1,20 Metern als das größte Miniatur-Kaufhaus der Welt. Die 17 Verkaufsräume sind mit insgesamt 120 Puppen bestückt, gekleidet in der eleganten Mode des anbrechenden 20. Jahrhunderts. Das warme, gelbe Licht im Innern dringt aus 500 elektrischen Miniglühbirnen, die in winzigen Kronleuchtern und Tischlämpchen stecken. Die Modellbauerin Brigitte Reiser aus dem hessischen Dreieich gestaltete den Kaufladen nach einem alten Original, dem Warenhaus Hermann Tietz (Hertie), das einstmals am Alexanderplatz in Berlin stand, der Stadt ihrer Kindheit.

Zu bewundern ist es im Hessischen Puppen- und Spielzeug-Museum in Hanau, Geburtsstadt der Brüder Grimm. Es ist eines von insgesamt 79 Spielzeug- und Kindermuseen, die es laut Institut für Museumsforschung in Deutschland aktuell gibt.

Das Museum öffnete im Jahr 1983, es zeigt Exponate von der Antike bis in die Gegenwart. Ein Kindertraum wird wahr: 800 Quadratmeter voller Spielzeug. Und erstaunt nimmt der Besucher zur Kenntnis, dass Roboter schon in den 1950er-Jahren, Jahrzehnte vor den Star-Wars-Blechmännern C-3PO und R2-D2, ein bei Kindern beliebtes Spielzeug waren. Zum Beispiel der Strenco ST-1, der seine Beine bewegen und sogar Funken sprühen kann, ein Feuerstein in seinem Innern macht's möglich.

"Für das Kästchen dort hat uns schon mal ein Sammler 180 Euro geboten", sagt der kommissarische Leiter des Museums, Joachim Wiebel, und deutet auf eine weitere Vitrine. Darin liegt, auf den ersten Blick etwas unscheinbar, ein Päckchen Lego aus den 1960ern, mit dem sich ein Auto-Verkaufspavillon - inklusive zweier Mini-VW-Käfer - zusammenbauen lässt, alles im farbenfrohen Stil der Wirtschaftswunderjahre gehalten.

Besucher aller Generationen kommen in das Museum. Nicht nur Kinder mit ihren Eltern, sondern auch die Großeltern, die hier einige der alten Spielsachen wiederentdecken, mit denen sie früher selbst einmal gespielt haben. Etwa die von den 1930er- bis in die 1950er-Jahre produzierten Schildkröt-Puppen Inge, Hans und Bärbel, heute gesuchte Sammlerstücke. "Damals waren die Haare einfach nur aufgemalt, die Puppen waren aus Zelluloid", erklärt Wiebel mit Blick auf die Schildkröt-Vitrine. Zelluloid? "Ja, das ist das Material, aus dem früher die Filmrollen im Kino waren, stark brennbar, deshalb wird es heute nicht mehr verwendet."

Schildkröt, Lego - mit all diesen Marken spielen Kinder noch heute. ÖKO-TEST hat insgesamt 20 Spielzeugklassiker eingekauft, allesamt Traditionsmarken, um zu testen, ob ihr großer Name auch heute noch für Qualität steht.

Das Testergebnis

... ist erfreulich! Elf von 20 Produkten schneiden mit "sehr gut" ab. Im Vergleich zu unseren sonstigen Spielzeug-Tests ein ganz hervorragendes Resultat.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Was sind die Klassiker auf dem großen Markt? Auf jeden Fall Spielzeug, mit dem schon die Eltern, Großeltern oder gar die Urgroßeltern der heutigen Kinder spielten. Wir haben 20 Produkte von etablierten, bekannten Marken eingekauft: Puppen, Stofftiere, Fahrzeuge, Figuren, Bausteine, ein Gesellschaftsspiel, einen Arztkoffer, einen Werkzeugkasten und ein Kasperletheater.

Die Inhaltsstoffe
Auch wenn sie schon seit Jahrzehnten auf dem Markt sind: Spielzeuge, auch Puppen aus Traditionshäusern, bestehen heutzutage vorwiegend aus Kunststoffen. Diese ließen wir auf Phthalate und andere Weichmacher, auf potenziell krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und verbotene Farbstoffe sowie Schwermetalle untersuchen. Ebenso ob sich Antimon aus Polyesterbestandteilen und -füllungen löst. Stoffe und textile Bestandteile analysierten die von uns beauftragten Labore auf umweltschädliche Nonylphenolethoxylate, potenziell gesundheitsschädliches Formaldehyd/-abspalter, halogenorganische Verbindungen und optische Aufheller. Holz und Lacke auf ausgasendes Formaldehyd, Farben auf ihre Schweiß- oder Speichellöslichkeit. Puppen und Stofftiere, die sich in ihrer Gestaltung bereits an Unter-Dreijährige richten, wurden daraufhin untersucht, ob sie die Sicherheitsanforderungen der Spielzeugnorm DIN EN 71 einhalten, beispielsweise keine herausragenden Teile oder spitzen Kanten aufweisen.

Die Bewertung
Ein "sehr gutes" Spielzeug muss sicher und frei von bedenklichen und umstrittenen Inhaltsstoffen sein. Zwar existieren in der EU für einige Substanzen Grenzwerte. Im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes legt ÖKO-TEST in der Bewertung teilweise jedoch noch strengere Maßstäbe als die Gesetzgeber an.

So haben wir getestet

Wie schnell brennt die Puppe? Zum Praxistest gehörte unter anderem auch eine Entflammbarkeitsprüfung.