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20 Kinderjeans im Test

ÖKO-TEST Mai 2013
vom 26.04.2013

Jeans, Kinder

Hosen runter!

Jeans sind praktisch, robust. Doch viele Testmodelle strotzen nur so vor Schadstoffen. Wenn es um Informationen zu Lieferanten und Arbeitsbedingungen geht, lassen nur wenige Anbieter die Hosen runter.

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26.04.2013 | Kinderkleidung kaufen macht Spaß. Kinderjeans sehen großartig aus, fast so wie die Modelle für Erwachsene - mit aufwendigen Waschungen, Spezialeffekten wie ausgebleichten Oberschenkeln, Flicken, aufgerautem Gewebe oder Knitterlook. Teuer sind sie auch nicht - beim Textildiscounter sind Kinderjeans für rund zehn Euro zu haben.

Doch die Freude an den günstigen schicken Hosen wird getrübt, wenn man sich vor Augen führt, unter welchen Bedingungen die Kinderkleidung hergestellt wird und wie hoch der Preis ist, den die Arbeiterinnen in Entwicklungsländern für unsere billigen Jeans bezahlen müssen: Im November 2012 kamen bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch 112 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben - die Sicherheitsstandards waren nicht eingehalten worden.

Brandkatastrophen wie diese kommen immer wieder vor. Sie sind die tragischste Konsequenz aus den miserablen Zuständen in vielen Produktionsstätten. Obwohl sich die meisten Unternehmen der Textilbranche mittlerweile soziale Verantwortung auf die Fahnen geschrieben haben, sieht die Realität für die Arbeiterinnen und Arbeiter vielerorts immer noch düster aus. Nichtregierungsorganisationen wie die Kampagne für saubere Kleidung beklagen Lohndumping, Diskriminierung und die Missachtung von Arbeitnehmerrechten. "Die sogenannten Verhaltenskodexe der Unternehmen sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind", sagt Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von Femnet, einer Trägerorganisation der Kampagne für saubere Kleidung. In der Praxis würde das Recht auf Organisationsfreiheit verletzt und Zwangsüberstunden angeordnet. Die Diskriminierung von Frauen sei in Ländern wie Indien oder Bangladesch an der Tagesordnung.

Um in den Bekleidungsfabriken der Welt bessere Bedingungen zu erreichen, muss noch viel getan werden. Ein erster, wichtiger Schritt auf dem Weg dahin ist mehr Transparenz. Die Anbieter müssen ihre Lieferanten nennen und sich der Kontrolle der Öffentlichkeit stellen. Zu den Überprüfungen vor Ort sollten Trainings und Schulungen für die Mitarbeiter kommen. Zudem brauchen die Textilanbieter eine faire Einkaufspolitik: Wer immer billiger und schneller produzieren lässt, setzt seine Lieferanten unter enormen Druck und fördert miserable Arbeitsbedingungen. Gefragt sind aber auch die Konsumenten: Wer es immer noch billiger haben will, fördert das Leid all jener Menschen, die unter unwürdigen Bedingungen und oft für einen Hungerlohn schuften müssen.

Wir haben bei unserem ÖKO-TEST von 20 Kinderjeans auch die Produktionsbedingungen der Hosen unter die Lupe genommen und uns dabei auf die Bewertung der transparenten Darstellung der angestrebten Arbeitsbedingungen konzentriert. Außerdem haben wir prüfen lassen, ob die Jeans schädliche Substanzen enthalten.

Das Testergebnis

Tote Hose. So schlecht waren die Ergebnisse bei einem ÖKO-TEST Jeans noch nie. Keine einzige Kinderjeans ist "gut" oder "sehr gut". Vier Hosen schaffen ein "befriedigendes" Gesamturteil. Mehr als die Hälf

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 20 Bluejeans für Kinder in Größen von 116 bis 122 eingekauft, darunter etliche Modelle mit Bleich- und Wascheffekten. Bei der Auswahl haben wir traditionelle Jeansmarken ebenso berücksichtigt wie Hosen von Textildiscountern und Versandunternehmen sowie von Anbietern zertifizierter Naturtextilien.

Die Inhaltsstoffe
Klassischerweise werden Jeans zwar mit dem unproblematischen Farbstoff Indigo gefärbt. Die beauftragten Labore haben dennoch untersucht, ob in den Jeans auch gefährliche Farbstoffbestandteile stecken - krebserregende oder krebsverdächtige aromatische Amine etwa oder allergieauslösende Dispersionsfarbstoffe. Außerdem wollten wir wissen, ob sich in den Hosen halogenorganische Verbindungen finden, die zum Beispiel aus einer bleichenden Behandlung mit Chlor stammen können, oder ob die Jeans überflüssige optische Aufheller enthalten.

Die Materialeigenschaften
Dass Bluejeans nach und nach an Farbe verlieren und ausbleichen, liegt an ihrer speziellen Färbung. Zu stark sollte der Farbverlust aber nicht sein, sonst hinterlassen die Jeans leicht Spuren auf hellen Kissen oder Sofas. In einem Test auf Reibechtheit wurde daher mit einer Maschine ein Stückchen heller Baumwollstoff in trockenem und nassem Zustand über den Jeansstoff gerieben und danach überprüft, wie stark der Jeansstoff Farbe abgegeben hat.

Transparente Darlegung der angestrebten Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen in vielen Textilfabriken der Welt sind katastrophal. Ein wichtiges Mittel, um daran etwas zu ändern, ist Transparenz: Nur wer darlegt, wo und wie er produziert, kann durch unabhängige Dritte kontrolliert werden und stellt sich dem Urteil der Öffentlichkeit. Wir wollten von den Anbietern wissen, inwieweit sie Verantwortung dafür übernehmen, wie ihre Textilien produziert werden. In einem umfangreichen Fragebogen haben wir Informationen und Nachweise zur gesamten Produktion der getesteten Jeans angefordert: vom Baumwollanbau über die Spinnereien bis zur Konfektionierung, also dem eigentlichen Nähen der Jeans. Wir wollten wissen, ob die Anbieter mit ihren Vertragspartnern Regelungen zu Mindestlöhnen und zu wichtigen Arbeitsnormen, wie der Vereinigungsfreiheit, getroffen haben und wie sie die Einhaltung der Regeln kontrollieren. Wir haben zudem gefragt, welche Methoden und Chemikalien für Spezialeffekte an den Jeans zum Einsatz kommen, welche Arbeitsschutzmaßnahmen es dafür gibt und wie es um den Brandschutz bestellt ist.

Die Bewertung
Schadstoffe haben in Kinderkleidung nichts verloren. Besonders streng bewerten wir Farbstoffbestandteile, die unter Krebsverdacht stehen oder gar als krebserregend eingestuft sind. Weniger streng beurteilen wir Stoffe, die für Allergien verantwortlich sein können wie halogenorganische Verbindungen.
Hersteller, die unseren Fragebogen gar nicht oder nur sehr lückenhaft beantwortet haben, bewerten wir in der Darlegung der Arbeitsbedingungen als "intransparent". Als "kaum transparent" bezeichnen wir die Antworten von Herstellern, die nur sehr wenige oder nicht zuordenbare Nachweise vorgelegt haben. So schickte uns H&M zwar eine von einem Jeanshersteller unterzeichnete Erklärung zu, wonach es die Vertragsbedingungen akzeptiere, auf unsere Frage nach Sitz und Ort der an der Lieferkette beteiligten Firmen schrieb H&M aber, darauf wolle man aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht antworten. Es geht auch anders, das zeigen die "weitgehend transparenten" Antworten von sechs Herstellern. Doch auch hier gab es noch Lücken, sodass wir das Gesamturteil um eine Note heruntersetzen mussten. Die Hersteller mit "kaum transparenten" und "intransparenten" Antworten müssen sich hier zwei Abstufungen gefallen lassen. Auch eine "weitgehend transparente" Darlegung der Arbeitsbedingungen bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Situation vor Ort von der Darstellung nicht abweichen kann.

So haben wir getestet

Das Sandstrahlen von Jeans ruiniert die Gesundheit der Arbeiter. Die meisten Jeansanbieter untersagen ihren Lieferanten mittlerweile ausdrücklich, die umstrittene Praktik anzuwenden.