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ÖKO-TEST September 2017
vom

Versender, Kindermode & -artikel, Jako-O

Problemkinder

Wir haben 20 Produkte des Kinderausstatters Jako-O untersucht: Die Hälfte der Produkte ist gut entwickelt — einige Sorgenkinder und fünf Problemkinder benötigen aber deutlich mehr Zuwendung.

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31.08.2017 | Unter Familien mit Kindern genießt Jako-O einen guten Ruf. Die Produkte sind nicht günstig, viele Eltern schätzen aber die Qualität und die pfiffigen Ideen. Zum Beispiel Babybodys, die durch eine zweite Knopfreihe mitwachsen. Das Versandhaus hat seinen Sitz in der oberfränkischen Stadt Bad Rodach. Diese lag im Jahr 1987, dem Gründungsjahr von Jako-O, noch an der Grenze zur DDR in Thüringen. Ebenda hatte im Jahr 1938 Eugen Habermaaß zwei Firmen gegründet: eine für Holzspielwaren, die heute Haba heißt, und das Unternehmen Wehrfritz, das Kitas und Schulen ausstattet. Die Unternehmensgruppe bezeichnet sich heute selbst als "Haba-Firmenfamilie" und hat zuletzt im Jahr 2004 Nachwuchs bekommen: Über fit-z.com vertreibt die Gruppe Teenagermode und über quiero.de Mode und Accessoires für Frauen.

Bettina Peetz, Geschäftsleiterin von Jako-O, erinnert sich: "Wir haben in unserem ersten Katalog gerade einmal 500 Artikel angeboten. Das waren damals alles Produkte, die Eltern aus unserem Wehrfritz-Katalog für Kindergärten bestellt haben." Als Nächstes nahm Jako-O Anziehsachen in Grundfarben für Kita- und Schulkinder ins Sortiment auf. Es folgten Kollektionen für Babys und Mode für Kinder unter der Eigenmarke Jako-O. Aktuell umfasst das Sortiment rund 25.000 Produkte. Darunter Ausstattungsartikel wie Kindersitze und Taschen, Schuhe der Marke Jako-O, aber auch Produkte etlicher Outdoormarken, die zum praktischen Image des Versandhauses passen. Dazu kommt jede Menge Spielzeug - wie die gesamte Produktpalette der Marke Haba.

"Bei uns sollen Familien das bekommen, was wirklich nützlich für ein Leben mit Kindern ist", sagt Peetz. Dazu würde sich das Produktmanagement weltweit umschauen. Die Produktmanager und Mitarbeiter mit Kindern würden interessante Produkte dann in einem Musterzimmer testen und sie im Alltag einem Dauertest unterziehen. Artikel, die sich als robust, praktisch und langlebig erwiesen, würden ins Sortiment übernommen, andere verbessert und selbst produziert. Das Credo laute "best for kids" - nur das Beste für Kinder: Druckknöpfe, die das Anziehen erleichtern, bequeme Schnitte, Wohlfühlstoffe, fröhliche Farben und Muster, Praktisches gegen Chaos, schadstoffgeprüft. Soweit der eigene Anspruch.

Die Realität sieht ein bisschen anders aus. Jako-O-Produkte fallen in ÖKO-TESTs immer wieder mit schlechten Noten durch. Deshalb haben wir dieses Mal 20 ganz unterschiedliche Produkte ausgewählt und umfassend auf Schadstoffe testen lassen. Die meisten Artikel, zum Beispiel Schuhe, Badeanzug und Regenjacke, schickten wir zudem durch eine Praxisprüfung.

Das Testergebnis

"Getestet & sorgfältig ausgewählt"? Jein. Im ÖKO-TEST hat gerade einmal die Hälfte der Produkte die Qualität, die Jako-O verspricht. Ein Viertel der Produkte ist lediglich mittelmäßig, fünf Artikel rasseln mit "mangelhaft" und "ungenügend" durch den Test.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
20 verschiedene Produkte für Babys, Kleinkinder und Kinder landeten in unserem Jako-O-Warenkorb. Darunter Basic-Teile zum Anziehen, Spielzeug, Schuhe sowie Ausstattung für Zuhause wie Bettwäsche und Bademantel und für unterwegs wie Lunchbox und Kulturbeutel.

Die Inhaltsstoffe
So vielfältig wie unsere Produktauswahl war auch unser Testprogramm. Wir ließen nach problematischen Farbbausteinen fahnden und schickten Artikel aus Kunststoff durch ein umfassendes Screening auf umstrittene und problematische Substanzen, die als Verunreinigung in die Produkte geraten können oder als Weichmacher und Flammhemmer eingesetzt werden. Die Gummistiefel und Schuhe wurden zudem auf krebserregende Nebenprodukte, die bei der Gummiherstellung entstehen können, geprüft. Bei der Lunchbox wollten wir auch wissen, ob Schadstoffe in Lebensmittel übergehen.

Die Praxisprüfung
Laufen T-Shirt oder Bademantel beim Waschen ein oder leiern sie aus? Kleckert die Trinkflasche, die Kinder während des Ausflugs stundenlang im Rucksack herumtragen? Riecht und schmeckt das abgefüllte Wasser nach Plastik? Lösen sich Farben aus dem Gewebe, wenn das Kind darin schwitzt oder das Baby daran nuckelt? Erfüllt Spielzeug die Anforderungen der europäischen Spielzeugnorm?

Die Weiteren Mängel
Die Verpackungen ließen wir auf umweltschädliche Stoffe wie PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen prüfen. Alle textilen Anteile hat das Labor zudem auf Rückstände an Nonylphenolethoxylaten untersucht. Diese finden während der Produktion häufig als waschaktive Substanzen Verwendung, sie setzen jedoch Nonylphenol frei, das langlebig in der Umwelt ist und schädlich für Wasserorganismen.

Die Bewertung
An Produkte für Babys und Kinder stellen wir besonders hohe Anforderungen und werten Schadstoffe rigoroser ab als in Produkten für Erwachsene. Produkte, die in der Praxis versagten wie eine undichte Regenjacke oder eine tropfende Trinkflasche, konnten insgesamt nur schlecht abschneiden.

So haben wir getestet

Löst sich Nickel, das ein bekanntes Kontaktallergen ist? Dazu wurden Metallknöpfe eine ganze Woche in Kunstschweiß eingelegt und dieser anschließend auf das Schwermetall untersucht.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 9/2017:

Kindermode & -artikel, Jako-O

Problemkinder.

Unter Familien mit Kindern genießt Jako-O einen guten Ruf. Das Credo des Unternehmens lautet "best for kids" - nur das Beste für Kinder. ÖKO-TEST wollte wissen, ob die Firma ihre Versprechen hält. Es zeigte sich, dass die Realität oft ein bisschen anders aussieht. Gerade einmal die Hälfte der Produkte überzeugt, ein Viertel der Produkte ist lediglich mittelmäßig, fünf Artikel rasseln mit "mangelhaft" und "ungenügend" durch den Test. Chefredakteur Jürgen Stellpflug erklärt, wo die Probleme liegen.