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ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
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Milchbildungstees

Ins Kraut geschossen

Wenn es mit dem Stillen nicht klappt, sollen spezielle Tees helfen. Doch egal ob hilfreich oder nicht - einige Produkte sind mit Vorsicht zu genießen. Sie enthalten krebsverdächtige Substanzen, die auch in die Muttermilch übergehen können.

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11.10.2013 | So natürlich das Stillen auch ist - nicht bei jeder Frau klappt's auf Anhieb. Viele setzen dann auf Stilltees. Sie enthalten Kräuter, denen eine milchbildende Wirkung nachgesagt wird, wie Bockshornklee, Geißraute, Anis, Kümmel und Fenchel. Doch Studien dazu gibt es kaum. Dem internationalen Ärzteverband Academy of Breastfeeding zufolge spielt der Placeboeffekt deshalb eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Doch die Tees bergen noch ein anderes Risiko. So fand das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kürzlich heraus, dass Kräutertees erheblich mit gesundheitsschädlichen Stoffen belastet sein können. Dabei handelt es sich um sogenannte Pyrrolizidinalkaloide - das sind natürliche Inhaltsstoffe, die bestimmte Pflanzen bilden, um Fraßfeinde abzuwehren. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass diese Stoffe das Erbgut verändern und Krebs auslösen können - eine Wirkung, die auch für den Menschen als relevant erachtet wird. Es gibt darüber hinaus Hinweise auf entwicklungstoxische Effekte - die Daten dafür sind aber noch spärlich. In hohen Dosen wirken Pyrrolizidinalkaloide akut leberschädigend.

Zur Verunreinigung von Kräutertees können Pflanzen beitragen, die die giftigen Alkaloide enthalten und als Beikräuter im Umfeld der Kräuterpflanzen wachsen. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang vor allem das gelb blühende Jakobskreuzkraut. Geraten Teile davon in die Kräuterernte, kann dies zu einer hohen Belastung der daraus hergestellten Tees mit Pyrrolizidinalkaloiden führen. Da die Giftstoffe wasserlöslich sind, ist von einem vollständigen Übergang in das aufgebrühte Teegetränk auszugehen. Auch die Plazenta und die Brustdrüse stellen keine Barrieren dar, weshalb das BfR insbesondere Schwangeren und Stillenden rät, Kräutertee derzeit nur im Wechsel mit anderen Getränken zu konsumieren.

Im ÖKO-TEST: 15 Still- und Milchbildungstees in Bio-Qualität und konventionell. In den Laboren ließen wir nach Pestiziden und dem Schimmelpilzgift Ochratoxin A fahnden, daneben standen mikrobiologische Analysen auf dem Plan. Das Hauptaugenmerk lag jedoch auf der Analyse der Pyrrolizidinalkaloide.

Das Testergebnis

Giftstoffe in fünf Tees: Drei Bio-Tees und zwei konventionell hergestellte Produkte sind zum Teil so hoch mit den giftigen Alkaloiden belastet, dass wir dies mit einem "mangelhaft" bewerten. Die übrigen Produkte schneiden zum Glück meist "sehr gut" ab.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Aus der großen Auswahl an Stilltees und Milchbildungstees, die im Handel und in Apotheken zu bekommen sind, haben wir uns für 15 Produkte entschieden. Der Großteil davon ist aus kontrolliert ökologischem Anbau. Drei Tees sind hingegen konventionelle Produkte.

Die Inhaltsstoffe
Hohe Nitratgehalte können vor alllem in Kräuterteemischungen und insbesondere in Tee mit Brennnesselkraut vorkommen, sagt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Deshalb ließen wir bei allen Produkten prüfen, ob und wie viel Nitrat sie enthalten. Außerdem suchten die von uns beauftragten Labore nach Pestizidrückständen sowie nach dem häufig vorkommenden Schimmelpilzgift Ochratoxin A.

Die milchbildende Wirkung
Ob Stilltees die Laktogenese, also die Milchbildung, tatsächlich fördern, ist umstritten. Hersteller, die explizit damit werben, die Milchbildung mit ihren Tees nachweislich anzuregen, baten wir deshalb um Belege. Schließlich ist diese Behauptung ein Wettbewerbsvorteil gegenüber denjenigen, die lediglich eine Unterstützung der Milchbildung deklarieren.

Die Bewertung
Ein Stilltee sollte, wie jeder andere Tee auch, möglichst frei von Pestiziden und Schimmelpilzgiften sein, niedrige Nitratwerte haben sowie keine gesundheitsbedenklichen Keime enthalten. Bei Pestizidrückständen bewerten wir strenger als der Gesetzgeber - vor allem bei Bio-Ware. Denn hier gilt der BNN-Orientierungswert, wonach die Menge eines einzelnen Pestizids nicht größer als 0,01 mg/kg sein sollte.

So haben wir getestet

Ob sie tatsächlich die Milchbildung anregen, können wir nicht testen. Wohl aber, ob die Tees Schadstoffe enthalten

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