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4 Babyfone und Babysensormatten im Test

Big Mother is watching you

ÖKO-TEST September 2015 | Kategorie: Kinder und Familie | 28.08.2015

4 Babyfone und Babysensormatten im Test

Anbieter von Babyfonen und Sensormatten haben das Wohl der Kinder und die Sicherheitsbedürfnisse der Eltern im Sinn. Warum bieten sie dann Geräte an, die jede Menge Elektrosmog produzieren?

Der Plötzliche Kindstod (engl. SID, sudden infant death) ist für Familien eine Tragödie in mehreren grausamen Akten. Sie müssen den jähen Verlust ihres Kindes verkraften. Und da für die Eltern erkennbare Todesursachen fehlen, bleiben sie oft verstört zurück, quälen sich mit Fragen nach dem eigenen Fehlverhalten, entwickeln Selbstzweifel, spüren Schuldgefühle. Eben weil eine erkennbare Todesursache fehlt, sind Eltern und Geschwister im Moment der tiefsten Trauer auch noch mit der Aufklärung der Todesursache durch die Polizei konfrontiert. Spätestens jetzt reagiert das Umfeld der Familien oft nicht nur mit Anteilnahme, sondern auch mit Misstrauen.

Der Plötzliche Kindstod ist aber auch ein Geschäft, ein Geschäft mit der Angst der Eltern. Neben der akustischen Überwachung der Babys per Babyfon bieten die Hersteller schon seit Langem den Blick ins Kinderbett mittels Überwachungskamera an. Ebenfalls seit Jahren schon messen in die Senderstation integrierte Thermometer die Raumtemperatur in Babys Nähe. Denn auch zu warme Räume gelten als Risikofaktor, der den Plötzlichen Kindstod begünstigen kann. Zur Videofunktion gesellte sich als vorläufiger Höhepunkt der vermeintlich lückenlosen Überwachung: der Bewegungssensor. Diese Geräte reagieren auf Bewegungen, genauer auf Druckunterschiede: den Druck, den der Brustkorb eines Kindes beim Atmen auf die Matratze ausübt im Gegensatz zu dem Druck, den der Körper ohne Atembewegung verursacht. Meistens funktionieren diese Sensoren dank Piezoeffekt: Sogenannte Piezokristalle im Inneren der Sensormatten reagieren auf Druck mit der Erzeugung elektrischer Ladungen an der Oberfläche. So kann ein akustisches Signal erfolgen.

Die Bewegungssensormatten, die an flache Personenwaagen im Mini-Format erinnern, liegen unter den Matratzen und sollen Alarm schlagen, wenn die Atembewegung zu lange ausbleibt. Allerdings reagieren die Sensoren auch auf Bewegungen, die sich im Kinderzimmer durch andere Quellen ergeben: etwa Schwingungen, die die Lautsprecher des Nachbarn, die schleudernde Waschmaschine oder auch Trittschall verursachen. Das Fatale daran: Da der Bewegungssensor dann ja eine (externe) Bewegung registriert, löst er keinen Alarm aus - auch wenn das Kind nicht atmete.

Während Bewegungssensormatten mit drucksensiblen Piezokristallen oder über andere hoch sensible elektronische Fühler Bewegungen registrieren, messen medizinische Überwachungssysteme über Elektroden (verkabelte Plättchen), die auf den Körper des Kindes geklebt werden, Atmung und Herzaktion sowie die Sauerstoffsättigung. Sie schlagen Alarm, wenn eine dieser Funktionen nicht im eingestellten Grenzbereich registriert wird. Dieses medizinische Heim-Monitoring kommt in Absprache mit dem Arzt zum Einsatz, zum Beispiel bei Frühgeborenen (vor der 30. Schwangerschaftswoche) oder Kindern mit nachgewiesenen Atem- und Herzstörungen. Neben dieser medizinischen Überwachung ist für Eltern von Risikokindern auch wichtig, im Fall des Alarms dank eines Reanimationskurses dem


Babyfone und Babysensormatten: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

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ÖKO-TEST September 2015 Seite 110
ÖKO-TEST September 2015 Seite 111

6 Seiten
Seite 106 - 111 im ÖKO-TEST September 2015
vom 28.08.2015
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben auf dem Markt vier Sets gefunden, die neben einem Babyfon zur akustischen Überwachung des Babys auch eine Sensormatte enthalten, die die Bewegungen des Brustkorbs und damit die Atmung des Babys überwacht.

Die Strahlenmessung

Wir wollten wissen, ob die Babyfone Dauersender sind, also auch dann unnötig elektromagnetische Strahlung abgeben, wenn es überhaupt kein Geräusch zu übertragen gibt. Und wir ließen prüfen, ob sie dies mit gepulster Strahlung tun, die Hirnströme verändert und das Krebsrisiko erhöhen kann. Deshalb ließen wir die Babyfone und Sensormatten unter normalen Raum- und Nutzungsbedingungen senden und jeglichen Elektrosmog messen: die elektrischen und magnetischen Wechselfelder, die von Kabeln und Geräten im Netzbetrieb ausgehen genauso wie die elektromagnetische Strahlungsstärke in der Nähe des Kindes.

Die Geräte

Akustik Babyfon: Der Sender muss empfindlich genug sein, um auch ein leises Weinen übertragen zu können. Andersherum sollte die Ansprechschwelle individuell regelbar sein. Außerdem prüften die Experten auch die Sprachqualität des Senders und inwieweit Verzerrungen die Wahrnehmung des Tonsignals stören.

Technik/Sicherheit Babyfon: Was hören Mama und Papa vom Liebling, wenn vier Wände zwischen ihnen stehen oder 200 Meter zwischen Babys Schlafplatz und der Gartenparty liegen? Wie lange bleibt der batteriebetriebene Empfänger im Praxistest "auf Sendung"? Im Falltest zeigten die Geräte, ob sie auch nach mehreren Stürzen aus einem Meter Höhe noch funktionieren.

Funktionstest Sensormatten: Voraussetzung für den Funktionstest war die realistische Simulation der Atmung eines Babys. Als Grundlage dienten hierfür Probemessungen an einem Kleinkinderbett, während ein Baby darin schlief. Daraus entwickelte ein Speziallabor den Versuchsaufbau für den Funktionstest. Die Sensormatten wurden wie in den jeweiligen Anleitungen beschrieben installiert und mit einem Oszilloskop verbunden. Es wurde ein kleines Luftkissen auf die Matratze gelegt und mit einem Wasserkissen beschwert. Das Gewicht eines Babys im vom Hersteller empfohlenen Altersbereich wurde mit genau abgewogenen Gewichten in Form von feinem Kies simuliert, schwerere Körperteile wie der Kopf wurden dabei etwas stärker belastet als der Bereich der Lunge. Das Luftkissen wurde pneumatisch befüllt und entleert und so ein realitätsnaher Atemzyklus eines Babys simuliert. Wir ließen so prüfen, ob die Sensormatten bei aussetzender Atmung verlässlich Alarm geben oder ob es zu Falschdetektierungen kommt: Verhindern von außen einwirkende Vibrationen / Schwingungen das Auslösen des Warnsignals, obwohl die Atmung des Babys ausgesetzt hat? Während des Einsatzes von Störgrößen ruhte das pneumatische System, um erkennen zu können, ob diese das Sensorsystem derart stören, dass es die Atemaussetzung nicht registriert und kein Warnsignal gibt. Eingesetzte Störgrößen: zwei Lautsprecher mit Musik mittlerer Lautstärkeeinstellung, Erschütterungen durch umhergehende Personen im Raum, Beschallung über vier Lautsprecher mit gepulstem Rauschen bei 63 Hz und einer Lautstärke von 75 dB.

Die Weiteren Mängel

Bromierte Flammschutzmittel auf den Platinen der Geräte, PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in den Produkten oder Verpackungen werden spätestens zum (Umwelt-)Problem, wenn die Babyfone und Sensormatten einmal im Müll landen.

Die Bewertung

Ein Babyfon-Sensormatten-Set muss im Test Geräte glänzen, um ein "sehr gut" zu erhalten. Doch produzieren die Geräte zu viel Elektrosmog, nützt auch ein mit Bravour gemeisterter Praxistest nichts. Denn das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnis Strahlungsmessung.

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Erschienen am 28.08.2015

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