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15 Kinderteppiche im Test

Das Spiel ist aus

ÖKO-TEST September 2015 | Autor: Kai Thomas | Kategorie: Kinder und Familie | 28.08.2015

15 Kinderteppiche im Test

Kinderteppiche laden Kinder zum Toben und Träumen ein. Im Test überzeugte die Qualität der meisten Matten. In vier Teppichen stecken allerdings sehr problematische Inhaltsstoffe, das Haba-Produkt ist aus unserer Sicht nicht verkehrsfähig.

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Über die Dächer huscht ein dunkler Schatten, aus den Fenstern brennt es lichterloh. Mit gewaltigen Schwingen reißt Dagomir im Sinkflug noch die Bauklotzmauer ein. Dann landet der Plastikdrache auf der großen Kreuzung und der Teppich mit der aufgedruckten Stadt ist erobert. Doch die Playmobil-Indianer geben nicht auf. "Wuh hu uh uh", heult Theo und klopft sich mit der flachen Hand auf den Mund. Auf allen vieren rutscht der Fünfjährige herum, stellt die Spielfiguren neu vor sich auf. Pfeile zischen vor den Augen des Jungen über den Teppich. Schließlich sinkt das feuerspeiende Fabeltier getroffen auf den Bodenbelag.

Eine typische Szene, wie sie Kinder mit ein wenig Fantasie oft auf bunt bedruckten Teppichen erleben. Straßen, Bauernhöfe, Comic-Helden und ganze Ritterburgen: Motivmatten machen das Kinderzimmer gemütlich und laden zum Toben und Träumen ein. Weil sie auch ordentlich Lärm schlucken, freuen sich nicht nur die Eltern, sondern auch die Nachbarn über einen Kinderteppich. Bei all den Vorzügen vergessen Eltern schnell, um was für ein sensibles Produkt es sich handelt. Kleinkinder knabbern und sabbern an und auf den Matten. Der Nachwuchs liegt beim Spielen oft stundenlang darauf, reibt Arme und Handflächen über die Fasern, kann so Schadstoffe über Haut und Mund aufnehmen. Welche verboten sind und wie viel drin sein darf, steht allerdings nicht klar fest. Denn Kinderteppiche sind nicht eindeutig Spielzeug, für das die EU-Spielzeugrichtlinie gilt: "Teppiche werden dann zu einer Spielware, wenn ein Spielwert vorliegt. Das ist bei einem Teppich mit abgebildeten Straßen der Fall. Ein Teppich, der nur ein dekoratives Bild aufweist, ist keine Spielware", erklärt Achim Ginkel vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz.

Dieter Bohn vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor ergänzt: "Es handelt sich um Einzelfallentscheidungen. Ist eine Einordnung als Spielzeug nicht vorzunehmen, so handelt es sich um Bedarfsgegenstände, die länger mit der Haut in Berührung kommen." Für die würden dann die laxeren Werte der EU-Chemikalienverordnung REACH gelten. Ob die Matte fürs Kinderzimmer nun Spielzeug oder Bedarfsgegenstand ist: Gesetzliche Pflichtkontrollen wie etwa bei Verlegeteppichen gibt es für die sogenannten abgepassten textilen Bodenbeläge nicht. Die Industrie setzt - wenn überhaupt - auf freiwillige Qualitätskontrollen.

Zu kaufen gibt es unüberschaubar viele Spielmatten, meist als Stückware für teils weniger als fünf Euro. Solche Preise machen in der Herstellung billige Kunststofffasern wie Acryl, Nylon, Polyester und Polyamid möglich. Sie sind im Vergleich zu Naturfasern technisch einfacher zu bedrucken. Und Importe: Das Gros der zugeschnittenen und eingefassten Velours- und Schlingenteppiche stammt dem Statistischen Bundesamt zufolge aus Belgien, den Niederlanden, der Türkei, aus Ägypten oder China. Gefertigt werden sie dort meist industriell. Nur bei aufwendigeren Motiven wird noch mit der Hand bestickt. Beim maschinellen Tuf


Kinderteppiche: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Jako-O Spielteppich Ritter
  • Jako-O

Ikea Hopplek Teppich Kurzflor, bunt
  • Ikea

Brink & Campman Kids Buddy, blau-grau
  • Brink & Campman

Duoplay Wende-Spielteppich Farm/Streets
  • Meubinex

Handgetufteter Kinderteppich Zoo
  • Esprit

Sigikid Kinderteppich Pinky Queeny
  • Wecon Home

Theko Kids Maui Little Princess, rosa
  • Theko

Toys "R" Us Fast Lane Teppich
  • Toys"R"Us

Kinderteppich Marvel Ultimate Spider-Man, blau
  • Böing Carpet

Haba Teppich Wiese, grün
  • Habermaaß

Kinderteppich Casita, blau
  • Lorena Canals

Pocoline Kinderteppich Eule, türkis
  • Poco

Schleich Spieleteppich Farm Life
  • Schleich

Kinderteppich World of Cars II-97, grau
  • Associated Weavers

Spiegelburg Die Lieben Sieben, blau
  • Coppenrath Verlag

15 Kinderteppiche im Test
ÖKO-TEST September 2015 Seite 112
ÖKO-TEST September 2015 Seite 113
ÖKO-TEST September 2015 Seite 114
ÖKO-TEST September 2015 Seite 115
ÖKO-TEST September 2015 Seite 116
ÖKO-TEST September 2015 Seite 117

6 Seiten
Seite 112 - 117 im ÖKO-TEST September 2015
vom 28.08.2015
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben 15 Teppiche eingekauft. Darunter sind sowohl Spielteppiche im engeren Sinn mit aufgedruckten Straßen und Bauernhöfen als auch eher dekorative Kinderteppiche, etwa mit Motiven von Trickfiguren, Teppiche teurer Marken ebenso wie die Billigvarianten aus Möbelhäusern und Onlinehandel. Die günstigste Matte kostet 15,99, die teuerste 145 Euro. Die Teppiche bestehen überwiegend aus Acryl, Nylon und Polyester. Aber auch ein Teppich aus Baumwolle und einer aus Schurwolle kamen in die Labore.

Die Inhaltsstoffe

Kinderteppiche werden überwiegend im Tuftingverfahren gefertigt. Dabei wird das Garn in vorgefertigtes Trägermaterial eingestochen, ein Gewebe meist aus Polyester oder Polypropylen. Die Webmaschine fixiert dann die Fäden von unten, etwa mit Klebstoff oder Polyurethanschaum. Da kann einiges an problematischen Stoffen zusammenkommen, weshalb wir die Teppiche etwa auf hormonwirksame Weichmacher, allergisierende optische Aufheller und Latexproteine sowie krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und chlorierte Verbindungen untersuchen ließen. Über den Färbeprozess können halogenorganische Verbindungen in die Teppiche gelangen, über die Farben allergisierende Dispersions- oder krebserregende Azo-Farbstoffe, aber auch Schwermetalle. Die verarbeiteten Garne dünsten möglicherweise auch aus, weshalb wir nach flüchtigen organischen Verbindungen fahnden ließen. Weil wir ein schimmelanfälliges Schurwolleprodukt berücksichtigten, war zudem ein Check auf aufgebrachte Pestizide unumgänglich.

Der Praxistest

Oberflächen aus Kunststoffen können sich elektrostatisch aufladen. Es genügt, wenn das Kind beim Spielen mit Kleidung reibt oder mit der Hand oder dem Fuß über den Teppich streicht. Und Kinder verbringen sehr viel Zeit auf Spielteppichen. Eine zu hohe elektrostatische Oberflächenspannung wirkt sich negativ auf das Raumklima aus, da die Spannung Staub und Schadstoffe aufwirbelt. Baubiologen haben diese Elektrizität unter realistischen Alltagsbedingungen erzeugt und gemessen. Interessiert hat uns auch, ob die Teppiche schweiß- und speichelbeständig sind.

Die Bewertung

ÖKO-TEST macht es wie Eltern es tun: Geht es ums Kindeswohl, gibt es keine Kompromisse. Bestenfalls bereitet ein Spielteppich über lange Zeit Spielspaß - aber nur wenn er frei von Schadstoffen ist. So kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis der Tests Inhaltsstoffe und Praxisprüfung.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST September 2015
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Erschienen am 28.08.2015

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