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466 Wahltarife von Krankenkassen im Test

Gesunde können Kasse machen

Ratgeber Gesundheit und Fitness 9: 2009 | Kategorie: Geld und Recht | 04.05.2009

466 Wahltarife von Krankenkassen im Test

Trotz des seit 2009 einheitlichen Beitragssatzes gibt es einen Preiswettbewerb unter den Krankenkassen. ÖKO-TEST hat 466 Wahltarife genau verglichen.

Mit dem Gesundheitsfonds kommt 2009 die große Einheit in der gesetzlichen Krankenversicherung. Seit Anfang Januar gilt bekanntlich der allgemeine Beitragssatz von 15,5 Prozent, ab 1.7. sollen es 14,9 sein. Für die meisten Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen bedeutet die verordnete Beitragseinheit eine Beitragserhöhung. Und das, obwohl die Leistungen ihrer Kasse oft durchaus die gleichen geblieben sind. Für viele Versicherte ein Grund sich nach einem besseren Anbieter umzusehen. Im Wettbewerb um Kunden wollen einige der Kassen ihren Mitgliedern jetzt finanzielle Vorteile verschaffen: "Die einzige Krankenkasse, bei der Sie 100 Euro im Jahr zurückbekommen" - so warb Anfang des Jahres die IKK Südwest-Direkt im Radio. Krankenkassen, die mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds besser wirtschaften und am Ende etwas übrig behalten, können diese Überschüsse nämlich an ihre Kunden auszahlen. Ein unschlagbares Angebot? Nicht schlecht - aber es geht noch sehr viel mehr, wie unser Test der Krankenkassenangebote zeigt: Mit Wahltarifen kann man bis zu 900 Euro im Jahr sparen.

ÖKO-TEST hat Selbstbehalttarife, Tarife mit Beitragsrückgewähr und Kombinationen beider Produkte untersucht. Bei Selbstbehalttarifen erklärt sich der Versicherte bereit, im Krankheitsfall Leistungen bis zu einer vereinbarten Höhe aus eigener Tasche zu bezahlen. Im Gegenzug zahlt die Kasse eine bestimme Prämie aus. Da bis auf Ausnahmen der Selbstbehalt größer ist, als die vertraglich zugesagte Prämie, trägt der Versicherte ein gewisses finanzielles Risiko. Anders ist es bei den sogenannten Beitragsrückgewährtarifen: Ohne zusätzliches Risiko erhalten Versicherte eine Rückerstattung, wenn sie und ihre Angehörigen ein ganzes Jahr keine Leistung beansprucht haben. Dies betrifft nicht bestimmte wichtige Vorsorgemaßnahmen wie Prävention, Schutzimpfungen oder die halbjährliche Untersuchung beim Zahnarzt und die medizinische Behandlung von mitversicherten Kindern.

Einen Nachteil haben beide Tarife: Versicherte binden sich für drei Jahre an diese Vereinbarung. So will es der Gesetzgeber. Ein Sonderkündigungsrecht, selbst wenn die Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt, entfällt also in dieser Zeit.

Das Testergebnis

Die höchste Ersparnis bieten mit 870 bis 900 Euro und bis zu 30 Prozent im Jahr die Kombitarife der BIG, der BKK Pfalz, der BKK IHV, der BKK Publik under der BKK TUI. Allerdings rechnet die BIG anders als marktüblich die Leistungen für Kinder unter 18 zu 50 Prozent auf den Selbstbehalt an.

Am unteren Ende der Bewertungsskala liegen 46 Tarife, mit denen sich weniger als fünf Prozent des eigenen Beitrags sparen lassen. Zwei Tarife der BKK Gesundheit, je einer der BBK Ford & Rheinland, der Novitas BKK und der Barmer Ersatzkasse kommen auf nicht einmal zwei Prozent. Für solche Minivorteile lohnt es unserer Meinung nicht, sich für mindestens drei Jahre an einen Tarif zu binden.

Eine Besonderheit sind einige Tarife der DAK und der Hamburg Münchener (HMK). Während die Selbstbehalttarife grundsätzlich so konstruiert sind, dass der im Krankheitsfall zu zahlende Selbstbehalt immer höher ist als die ausgeschüttete Prämie, gehen Versicherte des ProAktiv-Tarifs der DAK sowie der MeinePrämiePlus-Tarifen der HMK kein finanzielles Risiko ein. Bei ProAktiv und Meine Prämie Plus gibt es allerdings kein Geld zurück, sondern ein Leistungs- und Servicepaket.

Auch den ProPartner-Tarif hat die DAK abweichend gestaltet. Beispiel höchste Einkommensstufe: Zwar liegt hier der höchstmögliche zu vereinbarende Selbstbehalt mit 550 Euro nicht über der entsprechenden Prämie von 552 Euro im Jahr. Wird jedoch innerhalb eines Jahres vom Versicherten eine ärztliche Leistung beansprucht, dann entfällt die Prämie vollständig. Dafür beteiligt sich die DAK zu 50 Prozent am Selbstbehalt. In dieser Einkommensstufe hätten Mitglieder im Durchschnitt von drei Jahren also ein maximales Risiko von 275 Euro. Das Gleiche gilt für die MeinePrämieVario-Tarife der HMK.

Im Zuge der Gesundheitsreform mussten viele Kassen notwendigerweise ihre Satzungen ändern oder ergänzen. Im Hinblick darauf haben wir noch einmal genauer hingeschaut und siehe da: Einige Kassen stellen ihre Kunden mit den neu aufgelegten Tarifen schlechter. So hat die Techniker Krankenkasse in ihrem Tarif Selbstbehalt teilweise die von den Kunden zu tragenden Selbstbehalte erhöht, im Gegenzug die entsprechende Prämie aber nicht. Ebenso war bei der TK bisher ein Kombitarif verfügbar. Der wurde einfach abgeschafft.

Dass wechselwillige Kunden ganz schön aufpassen müssen, zeigt das Beispiel BKK Kassana. Die Kasse lobte in ihrer Eigendarstellung "bis zu 950 Euro Beitragsrückerstattung pro Jahr" aus. Das wäre gesetzlich jedoch nicht erlaubt. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass es sich um ein Missverständnis handele. Die Angaben seien auf die Laufzeit von drei Jahren bezogen. An unserem Test wollte die Kasse - warum auch immer - nicht teilnehmen.

Das sind Wahltarife

Selbstbehalt: Die Versicherten beteiligen sich bis zu einer vorab festgelegten Höhe an den Kosten. Dafür erhalten sie eine Prämie bis zu 600 Euro. Die höchstmögliche Prämie bis auf Ausnahmefälle geringer als die höchstmögliche Selbstbeteiligung. Das heißt, die Versicherten gehen mit Selbstbehalttarifen das Risiko ein, im Krankheitsfall draufzuzahlen. Die meisten Kassen begrenzen jedoch das Risiko. Niedrige Einkommen dürfen nur ein geringes Risiko eingehen, hohe ein höheres.

Beitragsrückgewähr: Ohne zusätzliches Risiko erhalten Versicherte einen Bonus, in unserem Test bis knapp 550,- Euro. Sie dürfen dafür ein Jahr lang nicht zum Arzt gehen. Ausnahmen gelten wie beim Selbstbehalt nur für verschiedene Vorsorgemaßnahmen und Arztbesuche von Kindern.

Kombitarife: Grundsätzlich lässt das Gesetz den Kassen die Möglichkeit, Mitgliedern eine Kombination von Selbstbehalt und Beitragsrückgewähr zu ermöglichen. Dadurch steigt die höchstmögliche Ersparnis auf 900 Euro pro Jahr.

Sparen ohne Wahltarif

Viele Kassen versuchen, ihre Versicherten mittels freiwilliger Bonusprogramme fit zu machen. Honoriert werden Sportabzeichen, Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen mit Sachprämien oder Geldprämien. Wer als Versicherter ausschließlich solche Fitness-Bonusprogramme nutzt, kann sparen und unterliegt nicht der dreijährigen Bindung. Möglich ist es aber, die Bonusprogramme mit einem Wahltarif zu kombinieren.

Wechseln trotz Wahltarif

Jeder Wahltarif bindet Kunden ganze drei Jahre lang an die Kasse. Das gilt auch für den Fall, dass die Kasse zwischenzeitlich einen Zusatzbeitrag erhebt. Allein wer nachweislich wirtschaftlich in eine Schieflage gerät, kann den Tarif wieder kündigen. Eine chronische Erkrankung wird hingegen nicht als Kündigungsgrund akzeptiert. Immerhin: Ändert die Kasse die Bedingungen für ihren Wahltarif können die Versicherten diesen per Sonderkündigung verlassen.

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