Startseite

ÖKO-TEST April 2010
vom

Gesichtscremes

Haut rein!

Eine Tagescreme gehört in puncto Pflege zur Grundausstattung. Für die getesteten Cremes gab es viele "sehr gute" und "gute" Noten. Vor allem die Produkte der Naturkosmetikhersteller können wir empfehlen.

4468 | 99
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

Diesen Artikel aus unserem Archiv erhalten Sie kostenlos im Abruf!

26.03.2010 | Tagescremes sind ehrliche, nützliche Produkte. Eine gute Tagescreme kann man ohne Wenn und Aber empfehlen. Denn anders als Antifaltencremes oder Cellulitemittel machen sie keine falschen Versprechungen, sondern bieten eine Basispflege. Und die kann jede Haut gut gebrauchen.

Weil Tagescremes so wahrhaft nützliche Produkte sind, waren sie für ÖKO-TEST schon immer ein Thema. Vor 25 Jahren beschäftigte sich einer unserer ersten Tests mit Hautcremes. Bereits in der zweiten Ausgabe, im Mai 1985, brachten es die Hautcremes auf den Titel: "Formaldehyd geht unter die Haut" war dort zu lesen. Es war bekannt, dass Formaldehyd/-abspalter als Konservierungsmittel eingesetzt werden, kritisiert wurde das schon damals. Formaldehyd ist schließlich ein krebsverdächtiger Stoff, der Allergien auslösen kann.

Hormonell wirksame Lichtschutzfilter haben in Pflegecremes nichts verloren

Freilich sah der erste Kosmetik-ÖKO-TEST damals noch ganz anders aus. Denn Formaldehyd war der einzige Parameter, auf den wir die Cremes untersuchen ließen. 34 Produkte hatten die Tester damals ins Labor geschickt, in sage und schreibe 17 Proben wurden Formaldehyd/-abspalter nachgewiesen. In ÖKO-TEST gab es noch kein Gesamturteil, dafür jede Menge klein gedruckten Text und Informationen zu den Reaktionen der überraschten Hersteller, von denen damals viele behaupteten, in ihrer Creme stecke überhaupt kein Formaldehyd. Dass man Konservierungsmittel einsetzte, die Formaldehyd abspalten können, sahen die meisten nicht als Problem an.

In 25 Jahren hat sich eine Menge geändert. Zu den problematischen Formaldehyd/-abspaltern sind viele andere Testparameter und Schadstoffe gekommen, die nach ÖKO-TEST-Auffassung in Kosmetika nichts zu suchen haben. Unsere Untersuchungen sind umfangreicher und aufwendiger geworden, die Grundidee aber ist geblieben: Wir wollen die Verbraucher darüber informieren, welche Produkte Stoffe enthalten, die ein gesundheitliches Risiko bergen. Verbraucher sollen die Wahl haben, ob sie solche Stoffe an ihre Haut lassen oder ob sie auf Produkte ausweichen wollen, die frei von bedenklichen Substanzen sind.

Für unseren aktuellen Test haben wir 39 Tagescremes ausgewählt und in die Labore geschickt. Neben Naturkosmetikmarken finden sich darunter Eigenmarken von Drogerien und Discountern, exklusive Apothekenprodukte, bekannte Massenmarken und einige teure Cremes aus der Parfümerie.

Das Testergebnis

Nicht alles, aber vieles wird gut: 16 "sehr gute" und neun "gute" Marken sind für unsere Jubiliäumsausgabe ein schönes Ergebnis. Allerdings fallen auch acht Marken mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.

Was die Formaldehyd/-abspalter angeht, ist die Welt in den vergangenen 25 Jahren wirklich ein wenig besser geworden. Nur noch vier Marken im Test kommen nicht ohne aus, bei einer davon sind Formaldehyd/-abspalter nur in kleinen Spuren nachgewiesen worden. Statt 50 Prozent belasteter Proben sind es heute "nur" gut zehn Prozent. Übrigens: Zu den unbelasteten Proben gehörten schon vor 25 Jahren die Weleda Iris Tagescreme, die Rosentau Creme FF von Annemarie Börlind und die Aloe-Johanniskraut Feuchtigkeits-Creme von Lorien Goods. Aus Lorien Goods ist längst die Marke Logona geworden, an den Inhaltsstoffen der aktuellen Logona Tagescreme Aloe haben wir auch heute nichts zu bemängeln. Auch die heutige Annemarie Börlind Rosentau Hydro Stimulant Tagescreme sowie die Weleda Iris Tagescreme schneiden mit "sehr gut" ab.

Nicht nur Formaldehyd/-abspalter machen als Konservierungsmittel Probleme, auch umstrittene halogenorganische Verbindungen kritisiert ÖKO-TEST, da viele Vertreter dieser Stoffgruppe Allergien auslösen können. Sie stecken aber nur in einer einzigen Creme, in der Lancôme Aqua Fusion Gel-Crème.

Tagescremes sind meist leichte Emulsionen, in denen Fette und Wasser durch Emulgatoren zu einer gleichmäßigen Creme verbunden werden. Diese Emulsionen schützen die Haut im Idealfall vor dem Austrocknen, geben ihr Fett zurück und helfen, Feuchtigkeit zu speichern. Die Cremegrundlage ist dabei entscheidend. Natürliche Öle und Fette enthalten Stoffe, die auch im Schutzmantel der Haut vorkommen, beispielsweise Triglyceride, und sind deshalb zur Pflege besonders gut geeignet. Paraffine/Erdölprodukte und Silikone integrieren sich nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut, daher gibt es für neun Cremes mit diesen Inhaltsstoffen je einen Minuspunkt.

Auch nicht jeder Emulgator ist aus unserer Sicht optimal. PEG/PEG-Derivate können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen, sie sind in zehn Cremes enthalten.

Cremes von Naturkosmetikherstellern waren schon vor 25 Jahren in Ordnung

Leider wollen sich nicht alle Tagescremes auf die Funktion der guten Hautpflege beschränken. Viele enthalten UV-Filter, um die Haut vor der Sonne zu schützen. In 13 Marken kritisieren wir UV-Filter, die im Verdacht stehen, wie Hormone zu wirken.

Cremes helfen der Haut

Eigentlich kann sich die Haut ganz gut selbst schützen. Ihre Talgdrüsen produzieren Fett, das zusammen mit Schweiß und Stoffwechselprodukten an der Hautoberfläche einen hauteigenen Schutzmantel - auch Hydrolipidmantel oder Säureschutzmantel genannt - bildet. Doch gerade auf der Gesichtshaut wird dieser Schutzmantel oft gestört. Die Gesichtshaut wird geschminkt und wieder abgeschminkt, durch das Waschen mit Seife oder Waschgel werden ihr Fett und Feuchtigkeit entzogen. Das Gesicht ist öfter Wind und Wetter ausgesetzt als andere Körperstellen, und die Haut bekommt daher auch jede Menge Schmutz und Schadstoffe aus der Umwelt ab. Damit hat sie sich eine pflegende Unterstützung mehr als verdient. Eine gute Creme gibt der Haut Fett zurück und hilft ihr, Feuchtigkeit zu speichern.



So haben wir getesteten

Der Einkauf

Für unsere Jubiläumsausgabe wollten wir eine stattliche Zahl an Tagescremes testen. Wir haben deshalb die Eigenmarken wichtiger Drogerien und Discounter ebenso dabei wie eine große Auswahl zertifizierter Naturkosmetikmarken. Neben den Marktführern testeten wir diesmal auch die Cremes kleinerer Naturkosmetikhersteller. In der Regel wurden Cremes eingekauft, bei denen die Pflege und Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit im Vordergrund steht.

Die Inhaltsstoffe

Gute Pflege heißt auch Verzicht auf schlechte Stoffe. Zu den schlechten Inhaltsstoffen gehören Konservierungsmittel, die Allergien auslösen können, etwa umstrittene halogenorganische Verbindungen ebenso wie Duftstoffe, die häufig Allergien auslösen. Auch Substanzen, die sich im Körper anreichern wie polyzyklische Moschus-Verbindungen haben nichts in Produkten, die im Dienst der Schönheit stehen, zu suchen. Die Stoffe in einer Pflegecreme dürfen kein Risiko bergen. Bei Medikamenten nimmt man oft ein bestimmtes Risiko in Kauf, weil die Wirkstoffe Krankheiten heilen. "Keine Wirkung ohne Nebenwirkung", heißt es. Doch bei Kosmetika ist eine solche Nutzen-Risiko-Abwägung nicht zulässig. Kosmetika haben nur eine sehr geringe pflegende Wirkung, die leicht mit Stoffen ohne Nebenwirkungen erreicht werden kann.

Die Bewertung

Am härtesten gehen wir mit Formaldehyd/-abspaltern ins Gericht, da Formaldehyd ein krebsverdächtiger Stoff ist. Weniger streng kritisieren wir dagegen eine Cremegrundlage auf Basis von Paraffinen/Erdölprodukten/Silikonen, da es hier eher um das Thema Pflege geht als um potenzielle Gesundheitsrisiken. Die Verpackung spielt in unserem Bewertungssystem eine Nebenrollle. Nur wenn mehrere Verpackungsmängel zusammenkommen, hat das Auswirkungen auf das Gesamturteil.