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106 Öko-Stromtarife im Test

ÖKO-TEST April 2010
vom 26.03.2010

106 Öko-Stromtarife im Test

Grün ist nur das Feigenblatt

Wer Öko-Strom kauft, will nicht, dass dafür an anderer Stelle mehr Strom aus Atomkraft und Kohle produziert wird. Doch genau das geschieht, wenn die Mehrheit der Grünstromanbieter weiter schmutzigen Strom vermarktet. Das zeigt auch unser Test mit über 100 grünen Tarifen.

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26.03.2010 | Sven Wiegmann hat den Überblick verloren. Der studierte Geograf aus dem holsteinischen Glückstadt ist zwar guten Willens, Stereoanlage, Kühlschrank und andere Elektrogeräte nur mit grünem Strom laufen zu lassen, doch das ist nicht so einfach. Die nahen Flensburger Stadtwerke haben zwar CO2-freien Strom aus einem Schweizer Wasserkraftwerk im Programm, was sie auf Nachfrage bestätigen. Gleichzeitig kauften die Konzerne, denen das Wasserkraftwerk gehört, für ihre Kunden in der Schweiz Kohlestrom aus Deutschland. Zu allem Überfluss beteiligten sie sich noch am Neubau eines Kohlekraftwerks in Brunsbüttel. "Schweizerische Unternehmen verdienen, teilweise mithilfe deutscher Stadtwerke, viel Geld am Öko-Strom-Markt und stellen gleichzeitig die Versorgung der heimischen Bevölkerung von Wasserkraft auf Kohlestrom ohne Kraft-Wärme-Kopplung um", zeigt sich Wiegmann erschüttert. Sein ernüchterndes Fazit: Der Umstieg deutscher Haushalte auf Öko-Strom sorgt direkt für den Bau zusätzlicher Kohlekraftwerke in Deutschland.

Tatsächlich ist es für den Verbraucher schwer, die wahre Quelle seines Stroms und die unternehmerischen Verstrickungen seines Lieferanten zu erkennen. Der Fall der Flensburger Stadtwerke zeigt eine der typischen Strategien der Energieversorger. Sie vermarkten im Inland als Öko-Strom, was sie bei meist alten Wasserkraftwerken im Ausland einkaufen. Der ferne Stromproduzent schließt die bei ihm möglicherweise auftretende Lücke im Stromangebot durch Kohle oder sonstigen schwarzen Strom aus dem Ausland. Auch der Stromversorger Vattenfall verkauft zum Beispiel in Hamburg Strom aus Wasserkraftwerken seiner schwedischen Heimat als Öko-Strom, betreibt aber in Deutschland jede Menge Atommeiler und baut auch neue Kohlekraftwerke.

Eine zweite gängige Praxis für die Spiegelfechterei mit Öko-Angeboten verlangt noch nicht einmal zwingend nach grenzüberschreitendem Stromverkehr. Die großen Stromkonzerne, die alle Arten von Energieerzeugung im Programm haben, können je nach Kundenwunsch ihre Tarife maßschneidern. Öko-Strom für die grünen Verbraucher, konventionellen für den großen Rest, dem egal ist, wie der Strom erzeugt wurde. Bei diesem Rest wird der Anteil des ohnehin im Mix vorhandenen grünen Stroms ein wenig geringer. Am Strommix des Konzerns insgesamt ändert sich nichts. Ganz gleich, wie viele Verbraucher sich für ein solches Schummel-Öko-Angebot entscheiden: Die CO2-Menge bleibt gleich hoch.

Dabei wird der Öko-Strom häufig über Tochtergesellschaften oder andere Versorger verkauft, an denen die großen Stromkonzerne Beteiligungen halten. So vertreibt die hessische Entega bundesweit Öko-Strom der südhessischen Energie AG (HSE). Die HSE investiert auch tatsächlich in Windenergieanlagen und in die Sonnenenergie. Das HSE-Tochterunternehmen NATURpur hat eine Photovoltaikanlage im heimischen Bundesland gebaut und will noch in diesem Jahr in der Nähe von Ulm ein Sonnenkraftwerk mit einer Leistung von 9,4 Megawatt hinzukaufen. So weit, so gut. Gleichzeitig aber gehören 40 Prozent von HSE dem Eon-Konzern, dem größten deutschen Stromunternehmen. Eon verkauft zum Beispiel über Eon-Hanse zu 43,8 Prozent Strom aus Kernkraft und 36,4 Prozent aus fossilen Quellen.

Ein weiteres Beispiel für die Öko-Strom-Vermarktung über Tochtergesellschaften liefert der Versorger Eprimo, der zum großen Reich des RWE-Konzerns gehört. Der zweitgrößte deutsche Stromproduzent erzeugt 60 Prozent seines Stroms aus Stein- und Braunkohle. Die zum Konzern gehörende Gesellschaft Eprimo dagegen ist vergleichsweise sauber. Das Unternehmen liefert zu seinem Tarif PrimaKlima Strom aus 69 Laufwasserkraftwerken in Österreich, die ihre Turbinen vom Schmelzwasser der Alpen antreiben lassen. "Durch das wachsende Interesse der Stromkunden an Öko-Strom-Produkten konnten bisher ruhende, also ungenutzte Potenziale aktiviert werden", sagt Eprimo-Sprecher Jürgen Rauschkolb. Auch lässt Eprimo den Strom tatsächlich ins deutsche Netz einspeisen.

Dem Strom aus der Steckdose sieht man nicht an, woraus er gewonnen wird. Physikalisch ist ohnehin nichts zu machen. Der Strom für Haus und Fabrik kommt in jedem Fall aus dem nächstgelegenen Kraftwerk. So bestimmen es die kirchhoffschen Regeln, benannt nach dem deutschen Physiker Gustav Robert Kirchhoff. Der hat schon 1845 klar bewiesen, dass der Strom keinen Umweg fließt.

"Wichtig ist nicht, woher mein Strom kommt - wichtig ist, dass mehr umweltfreundlicher Strom ins Netz kommt", sagt daher Dominik Seebach vom Freiburger Öko-Institut. "Oder noch wichtiger", ergänzt er, "dass weniger konventioneller Strom ins Netz kommt." Doch selbst diese Sicherheit ist nur schwer zu haben. Auch die zahlreichen Gütesiegel und Zertifikate bieten keine endgültige Gewähr für sauberen Strom: "Kein Kunde kann heute sicher sein, dass er grünen Strom fördert, wenn er grünen Strom bezahlt", sagt Uwe Leprich, Professor an der Universität für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken.

Was der wohlmeinende Verbraucher fördert, ist "insbesondere die separate Vermarktung der Umwelteigenschaft des Ohnehin-Grünstroms", weiß Leprich. Vor allem Wasserkraft aus norwegischen und österreichischen Quellen dient als beliebter Lieferant des grünen Feigenblatts. Und an diesem Nachschub herrscht für die nächsten zehn Jahre kein erkennbarer Mangel. Deshalb warnt Stromexperte Leprich: "Anlagen im europäischen Ausland, die für die bundesdeutsche Öko-Strom-Vermarktung genutzt werden, sind insgesamt mit Vorsicht zu genießen."

Von jenseits der Grenzen strömt indes auch der grüne Strom der reinen, konzernunabhängigen Öko-Strom-Anbieter ins Land. Der Versorger Lichtblick kauft im großen Stil in Österreich und Norwegen ein. Auf das skandinavische Land verlassen sich auch die Elektrizitätswerke Schönau (EWS). "Wir haben uns für Norwegen entschieden, weil wir hier Kraftwerke finden, deren Betreiber nicht mit der Atomindustrie verflochten sind", begründet EWS die Wahl.

"In wissenschaftlich strengem Sinne wird ökologisch korrekter Strom in Anlagen erzeugt, die wegen der Öko-Strom-Nachfrage zusätzlich errichtet werden", so Leprich. Nur dadurch sei zu erreichen, dass aus der Öko-Strom-Nachfrage auch ein "ökologischer Zusatznutzen" resultiere. Gerade dieses "wegen" ist im Einzelfall aber meist schwer dingfest zu machen. Auf jeden Fall können als zusätzlich nur solche Anlagen gelten, die nach 1998 gebaut worden sind. In jenem Jahr wurde der deutsche Strommarkt liberalisiert und den Kunden wenigstens theoretisch freigestellt, den Stromanbieter zu wechseln. Erst von da an gab es für die Verbraucher überhaupt die Möglichkeit, sich beim Stromeinkauf an der Art der Stromerzeugung zu orientieren.

Nun steigt unzweifelhaft der Anteil des grünen Stroms aus neuen Anlagen am gesamten deutschen Stromverbrauch. Im Jahr 2009 lag die grüne Quote insgesamt bei gut 16 Prozent und war damit etwa dreimal so hoch wie zehn Jahre zuvor. Den größten Beitrag zu diesem Anstieg leistet die Windenergie mit 38 Prozent, gefolgt von Bio-Masse und Wasser. Die Sonnenenergie trägt mit einem Anteil von 6,2 Prozent in Deutschland die rote Laterne. Bis zum Jahr 2020 kann der Anteil des Öko-Stroms am gesamten Stromverbrauch bei entsprechenden Investitionen auf 47 Prozent steigen, sagen Prognosen.

Der unverkennbare Siegeszug der erneuerbaren Energien hat nur indirekt etwas mit der steigenden Vorliebe der Verbraucher zu tun. "Der freiwillige Öko-Strom-Markt ist nach wie vor ein Nischenmarkt", sagt Öko-Institut-Experte Seebach. Haupttreiber für den Ausbau aus erneuerbaren Energien in Deutschland sei das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG. Es regelt, schlicht gesagt, die Höhe der den erneuerbaren Energien zugebilligten Subventionen. Wer immer Strom aus neuen, umweltfreundlichen Quellen ins Netz abgibt, erhält dafür mehr Geld je Kilowattstunde, als er selbst für seinen Strombedarf bezahlen muss.

Die Sätze werden mehr oder weniger laufend verändert und sukzessive gesenkt, um der steigenden Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien Rechnung zu tragen. Hausbesitzer sollen nach der jüngsten Änderung nun vom 1. Juli 2010 an nur noch 33 Cent für jede aus ihrer Solaranlage ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde erhalten, statt bislang 40 Cent.

Auch die Stromindustrie profitiert von den Bestimmungen des EEG. Deshalb können die Öko-Strom-Kunden nicht jede Investition der großen Konzerne auf ihre engagierte Nachfrage zurückführen. "Strom aus sauberen Kraftwerken zu beziehen, ist gut. Noch mehr hilft es allerdings der Umwelt, mit Öko-Strom die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen langfristig zu verändern", urteilt der Stromversorger Greenpeace Energy.

Neben dem klaren gesellschaftlichen Trend zu erneuerbaren Energien und der Förderung durch das EEG nennt Eon-Sprecher Jens Schreiber auch den Umstand, "dass Erneuerbare in eine industrielle Phase eingetreten sind", die Investitionen "im großen Stil" lohnend erscheinen lassen. Mit dem Engagement der großen Konzerne auf dem einstigen Nischenmarkt des Öko-Stroms wird das Gelände nicht übersichtlicher. Die unendlichen Verflechtungen und Beteiligungen der Stromanbieter untereinander machen es schwer, die guten von den weniger guten, die nur schlechten von den ganz bösen Stromtarifen zu trennen. Eine Erkenntnis aber hilft auf jeden Fall weiter. "Der beste Öko-Strom ist der Strom, der gar nicht verbraucht wird", sagt der Freiburger Öko-Institut-Experte Seebach.

Damit schalten wir den Computer aus. Zuvor bekommen Sie aber noch die Ergebnisse unseres Tests, für den wir über 100 Öko-Stromtarife überprüft haben.

Das Testergebnis

Elf Tarife landen auf dem ersten Rang. Es sind allesamt reine Öko-Strom-Anbieter, die nicht zusätzlich konventionellen Strom verkaufen. Naturstrom, Lichtblick, Naturwatt und Greenpeace heben sich außerdem durch einen breiter ausgelegten Öko-Energiemix mit neuer Technologie ab. Lichtblick bezieht grünen Strom immerhin zu elf Prozent aus Bio-Masse. Naturstrom besorgt sich neben 51 Prozent Wasserkraft auch Öko-Strom aus moderner Technik: zu 48,7 Prozent aus Wind und einem noch geringen Teil aus Solarenergie. Greenpeace kommt immerhin auf fünf Prozent Wind.

Bester Öko-Strom-Verkäufer trotz parallelem konventionellen Angebot ist Entega mit dem Produkt Entega Naturpur. Entega-Strom enthält im Normalpaket keinen Atomstrom, aber einen hohen Anteil erneuerbarer Energie.

Wasser ist in der überwiegenden Zahl der Tarife die einzige oder wichtigste Öko-Strom-Quelle - auch bei den reinen Öko-Strom-Anbietern.

Über die Produktion ihres Wasserstroms machen die wenigsten Anbieter detaillierte Aussagen. Viele wissen nicht einmal, ob er aus alten abgeschriebenen Anlagen oder aus neuen Wasserwehren kommt. Ohne diese Informationen ist eine differenzierte Bewertung der Öko-Strom-Tarife nicht möglich. Daher bleibt der Test an dieser Stelle unbefriedigend. Denn es gibt durchaus Unterschiede. Beispiel Energiewerke Schönau. Das älteste der fünf Wasserkraftwerke, aus denen sich EWS versorgt, ging im Jahr 2004 ans Netz, ist also vergleichsweise neu. EWS fördert überdies den Bau von Photovoltaikanlagen und der noch äußerst raren Bio-Masse-Kraftwerke. Auch andere pure Öko-Strom-Anbieter kaufen im Ausland ein, so Naturwatt in Norwegen zum Teil aus Wasseranlagen, die erst 2006 entstanden, und in der Schweiz aus komplett modernisierten Anlagen. Naturwatt fördert aber auch Photovoltaikanlagen in Deutschland. Drei Viertel des Greenpeace-Stroms stammen aus Österreich, unter anderem von der Tochter Planet Energie, die aber auch mehrere neue Windparks und Photovoltaikanlagen in Betrieb hat. Lichtblick ergänzt seinen Mix mit dem Bio-Masse-Heizkraftwerk in Sulzbach. Naturstrom versorgt sich zurzeit fast komplett aus kleinen und mittleren Wind- und Wasseranlagen in Deutschland und betreibt den Neubau von Anlagen offensiv, auch bei Photovoltaik. Erst dieser Aus- und Aufbau neuer, sauberer Stromkapazitäten qualifiziert ein Unternehmen zum wirklich grünen Versorger.

Hier handelt es sich allerdings um die Angaben der Anbieter. Die Zertifikate zur Herkunft des Strom sind oft wenig aussagekräftig. Weil sie uns allzu dürftig in Bezug auf die Frage erschienen, ob zumindest ein Teil des Wasserstroms aus neuen Anlagen stammt, haben wir sechs reine Öko-Tarife um einen auf den 2. Rang abgewertet.

Anbieter, die auch konventionellen Strom verkaufen, landen mit Ausnahme von Entega bestenfalls auf dem 3. Rang. Sie bekamen für ihren Atom- und fossilen Strom Minuspunkte. Denn wer Öko-Strom kauft, will nicht, dass sein Geld bei Unternehmen landet, die an Atomkraft verdienen und möglicherweise sogar neue Kohlekraftwerke bauen. Wegen der nicht klärbaren Frage, woher der Wasserstrom im Öko-Tarif stammt, kommen sie mit dem 3. oder 4. Rang zumindest teilweise zu gut weg.

Erschreckend ist, dass etliche der konventionellen Angebote mehr radioaktiven Abfall produzieren als im Bundesschnitt. Bei der CO2-Emission verursacheneine höhere Belastung als der Durchschnitt.

Die nach EEG-Gesetz vorgeschriebene Kennzeichnung des konventionellen Strommix ist auf den Internetseiten der Anbieter oft erst nach Dutzenden Klicks und mit viel Spürsinn aufzufinden. Das ist wenig kundenfreundlich. Das Glei­che gilt für das Marketinginstrument der Zertifikate. Sie sind oft versteckt oder gar nicht aufzufinden - selbst bei Anbietern, die mit besonders guten Labeln werben könnten.

Öko-Strom-Gütesiegel

Ok-Power

Wer vergibt es? Der Energie-Vision e. V., gegründet von WWF, Verbraucherzentrale NRW und Öko-Institut.

Was bedeutet es? Das Siegel wird für Stromtarife vergeben. Als Anreiz zum Bau neuer Anlagen für die umweltfreundliche Stromerzeugung muss mindestens ein Drittel des Stroms aus Anlagen kommen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Ein weiteres Drittel der Anlagen darf nicht älter als zwölf Jahre sein. Dabei darf der Anteil von Strom aus mit Erdgas befeuerter Kraft-Wärme-Kopplung bis zu 50 Prozent betragen. Alternativ ist ein sogenanntes Fondsmodell möglich, bei dem die Stromkunden einen Aufpreis zahlen, aus dem der Anbieter den Bau neuer Anlagen fördert. Für die Erzeugungsanlagen stellt Ok-Power bestimmte Umweltanforderungen. So soll zum Beispiel Strom aus Wasserkraft vor allem aus reaktivierten oder sanierten Kraftwerken kommen. Auch für Neuanlagen, Windkraftanlagen und Bio-Masse werden Anforderungen definiert. Strom aus Müllverbrennungsanlagen, Deponie- und Grubengas sind nicht zulässig. Grundsätzlich dürfen auch umstrittene RECS-Zertifikate, also Herkunftsnachweise, gekauft werden. Dadurch wird Strom, zum Beispiel aus alten ausländischen Wasserkraftanlagen, nur auf dem Papier nach Deutschland verlagert. Das Label wird für ein Jahr vergeben. Unabhängige Gutachter prüfen jährlich die Angaben von Erzeugern und Lieferanten.

Bewertung: Das Label ist nur eingeschränkt empfehlenswert. Der Kunde muss im Einzelfall prüfen, ob seine Präferenzen erfüllt sind. Nur die Hälfte des Stroms muss aus erneuerbaren Energien kommen. Der Druck zur Schaffung neuer Anlagen ist nicht sehr groß und der Kauf der umstrittenen Zertifikate bringt meist keinen Vorteil für die Umwelt. Kritiker bemängeln, dass auf diese Weise Kohle- und Atomstrom "umetikettiert" werden kann.

Grüner Strom Label

Wer vergibt es? Der Verein Grüner Strom Label e. V., gegründet auf Initiative von Eurosolar von verschiedenen Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden, wie BUND, NABU, Bund der Energieverbraucher.

Was bedeutet es? Die Kunden leisten in Form eines Fondsmodells eine Sonderzahlung von mindestens ein Cent je Kilowattstunde, Großkunden weniger. Damit fördern die Anbieter Anlagen, die allein mit der Vergütung aus dem Erneuerbare Energien Gesetz EEG nicht wirtschaftlich wären. Bei der Art der Anlagen orientiert man sich an den Bestimmungen des EEG, Deponiegas ist jedoch ausgeschlossen. Zusätzlich darf Bio-Masse nur in Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen mit mehr als 70 Prozent Wirkungsgrad verbrannt werden, die Rohstoffe sollen aus der Nähe der Anlagen stammen. Sonnenstromanlagen sollen vorrangig auf Gebäuden und Fassaden errichtet werden. Es werden zwei verschiedene Label vergeben. Zu hundert Prozent regenerativ erzeugter Strom trägt das Grüner Strom Label in Gold. Das Zeichen in Silber erhält Strom, der mindestens zur Hälfte aus erneuerbaren Quellen und bis maximal 50 Prozent aus Kraft-Wärme-Kopplung stammt, wobei auch fossile Brennstoffe zugelassen sind. Bei Neuanlagen ist Kohle jedoch quasi ausgeschlossen, weil nur kleine dezentrale Anlagen gefördert werden. Eine fiktive Stromlieferung durch Zertifikate ist nicht zulässig. Das Label wird für zwei Jahre vergeben und die Erfüllung der Vorgaben jährlich von einem unabhängigen Zentrum geprüft.

Bewertung: Dem Label in Gold kann man weitgehend vertrauen. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Förderung möglicherweise in nicht wirtschaftliche Projekte erfolgt. Das Grüner Strom Label Silber bietet für ökologisch orientierte Verbraucher zu wenig.

TÜV Nord

Wer vergibt es? TÜV Nord Cert und TÜV Nord Umweltschutz.

Was bedeutet es? Der TÜV Nord prüft nach einer wenig strengen Basisrichtlinie. Obwohl der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen werden soll, darf er bis zur Hälfte aus fossiler Kraft-Wärme-Kopplung stammen, zum Beispiel Erdgas. Auch der Kauf von Zertifikaten ist zulässig. Und es gibt keine Vorgaben zum Alter der Anlagen, mit denen der Strom erzeugt wird, oder Einschränkungen für deren Standorte. Die Aufschläge für Öko-Strom "kommen der Förderung erneuerbarer Energien, insbesondere dem Bau von regenerativen Anlagen, zugute". Welche das sind, ist nicht festgelegt. Auf Wunsch des Stromanbieters können jedoch auch andere zugesicherte Merkmale geprüft werden, die dann im Zertifikat explizit benannt werden.

Bewertung: Das Label ist in seiner Basisversion wenig hilfreich. Verbraucher müssen selbst prüfen, ob im Einzelfall umfassendere Zertifikate vorliegen.

TÜV Süd EE01, EE02, UE01, UE02

Wer vergibt es? Die TÜV Süd Industrie Service GmbH.

Was bedeutet es? Gleich vier verschiedene Stromzertifikate vergibt der TÜV Süd, die nur an der Nummer im Siegel zu unterscheiden sind. Als erneuerbare Energie wird alles zertifiziert, was nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert wird, also auch Grubengas. Selbst der Kauf von Zertifikaten ist zulässig. Das Zeichen EE01 wird an Stromangebote vergeben, die in diesem erweiterten Sinn zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Ein Viertel der dazu genutzten Anlagen darf nicht älter als drei Jahre sein. Preisaufschläge werden dazu verwendet, den Klimaschutz zu fördern. Zwei Drittel dieser Aufschläge müssen zum Bau neuer Anlagen genutzt werden. Beim Zeichen EE02 werden die Bedingungen dahingehend erweitert, dass der Strom zeitgleich bereitgestellt wird. Das ist zurzeit nur mit Wasserkraft möglich. Bei den Labeln UE01 und UE02 darf der Strom bis zur Hälfte aus fossil befeuerten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen kommen. Nach Aussagen des TÜV Süd haben diese deshalb auch nur eine geringe Marktbedeutung.

Bewertung: Die vier verschiedenen Varianten machen das Siegel für den Verbraucher sehr unübersichtlich. Die zugelassenen Energiequellen sind zu weit gefasst. Dabei müssen die Preisaufschläge nicht komplett in den Bau neuer Anlagen fließen und ein Großteil des Stroms kann aus alten Anlagen stammen. Wenig empfehlenswert sind die Label UE01 und UE02.



So haben wir getestet

Die Auswahl der Tarife

Wir haben zum einen alle Unternehmen unter die Lupe genommen, die bundesweit ausschließlich Öko-Strom anbieten. Zweitens suchte verivox die 100 billigsten Öko-Stromtarife aus der Liste aller Versorger in Deutschland heraus. Wir wollten herausfinden, ob bei einem günstigen Preis noch ein sauberes Qualitätsprodukt geboten werden kann. In dieser Gruppe waren immerhin noch drei, die - regional - ausschließlich Öko-Strom liefern. Die restlichen bieten auch konventionelle Produkte mit Atomstrom oder aus fossiler Energie an. Angebote, die im Volumen nur begrenzt verfügbar sind sowie Angebote mit mehr als zehn Prozent Kraft-Wärme-Kopplung im Öko-Produkt wurden nicht berücksichtigt. Diese Technologie nutzt Energie zwar effizienter, basiert aber meist auf Gas, Kohle oder Öl. Unberücksichtigt blieben auch Anbieter, die als Quellen pauschal "regenerative Energie" angeben und die Herkunft auf Nachfrage nicht spezifizieren.

Die Datenerhebung

Bei allen Anbietern wurde ausgewertet, aus welchen Stromquellen sich das Öko-Angebot zusammensetzt, welches Zertifikat dessen Güte bestätigt und ob das Unternehmen auch selbst Öko-Strom produziert. Bei den Anbietern mit konventionellen Produkten haben wir auch deren Herkunft berücksichtigt, zudem die dadurch verursachten Emissionen an radioaktivem Abfall und CO2. Zur Kontrolle haben wir allen Unternehmen einen Fragebogen geschickt, um die Daten bestätigt zu bekommen. Da nur knapp die Hälfte der Befragten geantwortet hat, holten wir die ausstehenden Werte telefonisch ein. Erschienen Angaben widersprüchlich, haben wir erneut nachgehakt, bis die Unternehmen sie endgültig bestätigten. Beim radioaktiven Abfall bleiben selbst bei Nachfrage die meisten bei ihren kommunizierten hohen Werten, auch wenn sie gelegentlich nicht ganz plausibel erscheinen.

Die Bewertung

Die Gesamtpunktzahl setzt sich aus einer Bewertung der einzelnen untersuchten Kriterien zusammen. Zusatzpunkte gab es für das Zertifikat Grüner Strom Gold und für eigene Öko-Strom-Anlagen. Abgezogen wurden die Anteile an Atom- und fossilem Strom und noch mal bei überdurchschnittlicher CO2-Belastung.

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