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20 Nuss-Nougat-Cremes im Test

ÖKO-TEST März 2018
vom 22.02.2018

Nuss-Nougat-Creme

Rote Karte für Nutella

Kinder lieben den schokoladigen Aufstrich. Ginge es nach ihnen, könnte er jeden Tag auf dem Frühstückstisch stehen. Mit Blick auf unser Testergebnis ist das keine gute Idee. Mehr als die Hälfte der Cremes fällt mit einem "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.

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22.02.2018 | Eigentlich weiß es jedes Kind: Nuss-Nougat-Cremes enthalten viel Zucker und Fett. Das wissen auch die Eltern. Aber was heißt das genau? Wie süß und fettig sind die Aufstriche wirklich? Und wie viel darf davon noch guten Gewissens auf die Brötchenhälften des Nachwuchses?

Fakt ist, was in den hoch verarbeiteten Brotaufstrichen steckt, sieht man ihnen nicht an - und man schmeckt es auch nicht. Ein Blick auf das Etikett zeigt, dass die Cremes aus Zucker, Haselnüssen, Öl, Kakao, Magermilchpulver und Emulgatoren bestehen. Wer sich die Mühe macht, findet in der sogenannten Nährwerttabelle noch Angaben zu den Mengen an Fetten, Zucker oder Salz, die in 100 Gramm enthalten sind. Aber wie diese Gehalte einzuschätzen sind, ob sie als hoch oder niedrig zu bewerten sind, dazu sagt die Tabelle nichts aus.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert daher seit Jahren die Einführung einer farblich unterlegten Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen. "Mit der Ampelkennzeichnung können Verbraucher fett- oder zuckerreiche Lebensmittel beim Einkaufen auf einen Blick erkennen", sagt Carolin Krieger, Referentin für Ernährungspolitik beim vzbv. Die Ampel soll sich dabei auf 100 Gramm des Lebensmittels beziehen. Nur das schaffe Transparenz und ermögliche den Vergleich von Produkten innerhalb einer Warengruppe.

Die Lebensmittelbranche hat sich gegen eine Einführung einer Ampelkennzeichnung bislang erfolgreich gewehrt. Umso mehr überrascht der Vorstoß von sechs Lebensmittelkonzernen, darunter Nestlé, Coca-Cola und Unilever, sich einer farblichen Kennzeichnung von Nährwerten nun doch nicht mehr zu verschließen. Neu ist, dass sie die Ampel mit Portionen kombinieren wollen. Das birgt natürlich die Gefahr, dass sich hohe Nährstoffgehalte mit selbst erdachten, unrealistisch kleinen Portionen prima kleinrechnen lassen. Dazu Sara Mruck von Nestlé Deutschland: "Der Bezug der Ampel auf 100 Gramm spiegelt in vielen Fällen nicht die tatsächliche Aufnahme eines Lebensmittels wider." Bei einzelverpackten Produkten, wie einem Schokoriegel, könne eine gelbe statt einer roten Farbgebung dazu führen, dass Verbraucher ein positives Signal erhielten, die kleinere Portion zu wählen. Außerdem erhielten Hersteller so einen Anreiz, Produkte zu verbessern oder in kleineren Packungsgrößen anzubieten.

Dass es mit dem Ansatz der Industrie hingegen nicht weit her ist, zeigt das Beispiel der Nuss-Nougat-Cremes. Berechnet man diese - wie von den Unternehmen vorgeschlagen - mit einer Miniportion von 15 Gramm, dann steht die Ampel für Zucker, Fett und gesättigte Fette auf Gelb! Und das klingt nach einem halbwegs passablen Produkt, obwohl es zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht. Erst eine realistischere Portion von 30 Gramm lässt die Ampel für Zucker und die gesättigten Fette auf das "ehrlichere" Rot umspringen. Wählt man eine 40-Gramm-Portion, die etwa für Erwachsene keineswegs übertrieben groß ist, sind drei rote Punkte fällig.

Fazit: Wenn es scho

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Nuss-Nougat-Cremes stehen in jedem Laden. Im Test sind vor allem die weitverbreiteten Eigenmarken des Handels vertreten sowie Klassiker wie Nutella und Nusspli. Wir wählten auch drei Cremes ohne Palmöl aus.

Die Inhaltsstoffe
Der Brotaufstrich besteht zu einem größeren Teil aus Ölen und Fetten, darunter Palmöl, das vergleichsweise hohe Werte an 3-MCPD- und Glycidylestern aufweisen kann. Wir ließen die Cremes deshalb auf diese Fettschadstoffe untersuchen. Weil die Fette, aber auch Kakao und Nüsse mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen, etwa MOSH, verunreinigt sein können, ließen wir die Produkte darauf analysieren. Weitere Untersuchungen betrafen den Zuckergehalt, Schimmelpilzgifte, Weichmacher sowie gentechnisch veränderte Organismen (GVO), die etwa aus dem eingesetzten Emulgator Sojalecithin stammen könnten. 2009 wies ein von uns beauftragtes Labor in zwei Nuss-Nougat-Cremes genmanipuliertes Soja nach. Ob dieses Problem noch besteht, ließen wir erneut überprüfen.

Die Weiteren Mängel
Unter dieser Überschrift schauten wir auf den Etiketten unter anderem nach übertriebenen Werbeaussagen oder Portionsangaben, die eventuell zu klein ausfallen.

Die Bewertung
Bei der Bewertung der Fettschadstoffe haben wir ein etwa dreijähriges Kind mit einem Körpergewicht von 15 Kilogramm und eine Tagesportion von 30 Gramm zugrunde gelegt. Auffällig ist die Fettschadstoff-Komponente Glycidol. Sie führt in einem Fall zum Abzug von vier Noten. Den Zucker bewerten wir als "stark erhöht", wenn 30 Gramm der Aufstriche mehr enthalten, als ein etwa dreijähriges Kind an einem Tag höchstens aufnehmen sollte. Mehr als die Hälfte dieser Zuckermenge werten wir als "erhöht". Die Gehalte an Mineralölbestandteilen (MOSH/POSH) stufen wir als gering (Spuren) bis "sehr stark erhöht" ein.

So haben wir getestet

Realistische Portion? 30 Gramm Nuss-Nougat-Creme lassen sich problemlos auf einer etwas größeren Scheibe Brot verteilen.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 3/2018:

Nuss-Nougat-Creme

Rote Karte für Nutella.

Dass Nuss-Nougat-Cremes nicht gerade gesund sind, dürfte jeder wissen. Doch wie viel darf man eigentlich noch guten Gewissens auf die Brötchenhälften schmieren? Das wollte ÖKO-TEST wissen und hat 20 Produkte im Labor untersuchen lassen. Dort wurde nicht nur nach Schadstoffen gesucht, sondern auch der Zuckergehalt gemessen und analysiert, ob Schimmelpilzgifte, Weichmacher oder gentechnisch veränderte Organismen enthalten sind.