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17 Lehmfarben und Lehmstreichputze im Test

Ton an der Wand

Ratgeber Bauen 2015 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 08.05.2015

17 Lehmfarben und Lehmstreichputze im Test

Für die kreative Gestaltung von Oberflächen werden Lehmanstriche oft als natürliche und wohngesunde Alternative angepriesen. Doch die von uns getesteten Produkte wirken sich nur mäßig aufs Raumklima aus. Immerhin ist ihre radioaktive Strahlung vernachlässigbar, und an den Inhaltsstoffen gibt es nur wenig zu kritisieren.

Lehm ist ein uralter natürlicher Baustoff, der seit einigen Jahren ein beachtliches Comeback als ökologisches Material hingelegt hat. Grund für die Renaissance des Baustoffs ist die Tatsache, dass Lehm Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen, speichern und nach und nach wieder abgeben kann. So werden für die Schleimhäute ungesund niedrige oder schimmelfördernde hohe Luftfeuchtespitzen ausgeglichen, und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Luftfeuchtigkeit auf 45 bis 55 Prozent einpegelt - ein für den Menschen optimal verträg­liches Raumklima. Ein weiterer Grund für die neue Beliebtheit von Lehm: Räume lassen sich mit natürlichen Farbtönen und je nach Art des Auftrags mit besonderen Strukturen gestalten.

Lehm ist ein Gemisch aus Ton und unterschiedlichen sandigen Anteilen. Mit Wasser versetzt, entsteht eine plastische formbare Masse. Ton und Sand werden an vielen Orten in Deutschland gewonnen. Sie finden sich in verschiedenen geologischen Schichten. So ist zum Beispiel der Westerwald in Hessen ein Gebiet mit bedeutenden Vorkommen. Der dort ansässige Hersteller Maroton verwendet, wie er uns erläuterte, verschiedenfarbige Lehme und Sande aus der Region, die er selbst selektiv abbaut, sodass er ohne weitere Pigmente unterschiedliche Putze anbieten kann. Andere Hersteller greifen zu mineralischen Pigmenten, möglicherweise auch in die chemische Trickkiste, um ein großes Spektrum mit kräftigen Farbtönen anbieten zu können.

Lehmputz wurde in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Es stehen heute verschiedenste Produkte zur Verfügung. Als dicke Grund­putze schaffen sie eine ebene Grund­lage und dienen als Träger­schicht für Ober­putze, Fein- und Edel­putze, die dann die Optik ausmachen. Aber erst ab einer Stärke von etwa ­einem Zentimeter in ­einem durchschnittlich großen Raum kann der Lehm nach Aussagen von Fachleuten seine positiven Eigenschaften voll ausspielen. Bei den richtigen Lehmputzen ist allerdings handwerkliches Können vonnöten und sie sind teurer als normaler Gips- oder Zementputz. Deshalb, oder weil bereits ein anderer Putz vorhanden ist, begnügen sich Bauherren oft mit einem Lehmanstrich, der aber aufgrund der minimalen Stärke nur noch wenig oder gar nicht zum Raumklima beitragen kann. Weitere Nachteile: Lehm­anstriche gelten im Vergleich zu Dispersionen als weniger strapazierfähig, was sich zum Beispiel in einem höheren Abrieb zeigen kann.

Für Heimwerker sind Lehmfarben und Lehmstreichputze relativ einfach zu verarbeiten, ähnlich anderen Wandfarben. Lehmanstrichstoffe enthalten neben Ton noch ein weiteres Bindemittel zur Stabilisierung, zum Beispiel Stärke oder Zellulose. Lehmfarben gibt es bereits fertig angemischt, in Weiß mit Kreiden, Marmormehl oder Titandioxid - oder in zahlreichen Farben. Sie müssen mit einem oft synthetischen Konservierungsmittel haltbar gemacht werden. Als Streichputze bezeichnen sich Lehmfarben mit Kornanteilen, die oft noch angerührt werden und quellen müssen. Mit so


Lehmfarben/-streichputze: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Lesando Furioso Lehm-Streichputz
  • Lesando

Pronatur Lehmfarbe, naturweiß
  • Baufan

Clayfix Lehm Direkt Streichputz
  • Claytec

Tierrfino I-Paint Lehmfarbe, Dover-Weiss
  • Tierrfino

Greenline Lehmfarbe
  • Greenline

Lehmorange Lehmstreichputz
  • Lehmorange

Conlino Lehmstreichputz
  • Conluto

Pro Crea Lehmstreichputz
  • Pro Crea

Leinos Lehmfarbe
  • Leinos

Hornbach Lehmfarbe
  • Hornbach

Kreidezeit Vega Lehmstreichputz
  • Kreidezeit

Casa Natura Ravenna Lehmstreichputz  + Vinci Pigment Apricot
  • Casa Natura

Maroton Lehmstreichputz
  • Maroton

Schulz Lehmstreichputz + Acryl Vollton- u. Abtönfarbe Sahara
  • Schulz

Rapido-Lehmstreichputz + Pigment Oxydgelb
  • Lausitzer Naturbaustoffe

Volvox Espressivo Lehmfarbe, mont blanc
  • Ecotec Naturfarben

Livos Elerkos Lehmfarbe, weiß
  • Livos

17 Lehmfarben und Lehmstreichputze im Test
Ratgeber Bauen 2015 Seite 154
Ratgeber Bauen 2015 Seite 155
Ratgeber Bauen 2015 Seite 156
Ratgeber Bauen 2015 Seite 157
Ratgeber Bauen 2015 Seite 158
Ratgeber Bauen 2015 Seite 159

6 Seiten
Seite 154 - 159 im Ratgeber Bauen 2015
vom 08.05.2015
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Sofern im Angebot, haben wir in Baumärkten, Naturbaumärkten und über den Versandhandel sieben weiße, fertig angemischte Lehmfarben eingekauft, außerdem noch zehn farbige Lehmstreichputze. Bis auf eine Ausnahme sind diese in Pulverform und werden vor der Verarbeitung angemischt.

Die Inhaltsstoffe

Baustoffe aus der Erde können von Natur aus mit Schwermetallen belastet sein, das gilt auch für mineralische Pigmente, die zum Teil in Lehmfarben/-putzen verwendet werden. Teilweise werden auch noch synthetische Stoffe zugesetzt. So enthalten die fertig angerührten Lehmanstriche möglicherweise problematische Konservierungsstoffe. All das ließen wir prüfen, ebenso die natürliche radioaktive Eigenstrahlung der Produkte.

Die raumklimatische Wirkung

Lehmbaustoffe gelten als besonders förderlich für ein gutes Raumklima. Diese Eigenschaft lässt sich im Labor anhand des Pufferverhaltens gegenüber Wasserdampf bewerten. Lehm­putze der besten Normklasse weisen beispielsweise ein fünffach höheres Speichervermögen als ein Gipsputz auf. Ob auch dünne Lehmfarben und Lehmstreichputze diese Eigenschaft haben, testeten die Lehmexperten Ziegert/Seiler-Ingenieure aus Berlin.

Die Anwendung

Wie gut lässt sich die Lehmfarbe auf- und das Lehmpulver anrühren, wie leicht der Anstrich aufbringen und verstreichen? Unsere Tester erstellten Probeflächen und verglichen die Produkte untereinander.

Die weiteren Mängel

Wir nahmen auch die Deklarationen unter die Lupe, vor allem die der fertig angerührten Lehmfarben. Der Verbraucher sollte erfahren, welche Konservierungsmittel eingesetzt werden.

Die Bewertung

Stoffe, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können, sollten auch in natürlichen Baustoffen nicht vorhanden sein. Wir halten sowohl die Inhaltsstoffe als auch die raumklimatische Wirkung und die Anwendung für wichtig, allerdings haben die Inhaltsstoffe für uns die höchste Priorität.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
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Zugehörige Ausgabe:
Ratgeber Bauen 2015
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Erschienen am 08.05.2015

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