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17 Silikon-Fugenmassen im Test

Ratgeber Bauen 2015
vom 08.05.2015

Silikon-Fugenmassen, Sanitär

Pilzbremsen

Mit Silikon abgedichtete Fugen durchziehen heute fast jedes Badezimmer. Um Schimmelbefall zu bekämpfen, sind die Fugenmassen mit reichlich Bioziden ausgerüstet. Womit aber genau, darüber lassen viele Anbieter die Verbraucher im Unklaren.

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08.05.2015 | Silikonfugenmassen füllen und dichten Fugen ab, um Hohlräume, Wände hinter Fliesen oder den Unterboden vor eindringendem Wasser zu schützen. Manchmal dienen sie auch nur dazu, Unebenheiten zu kaschieren. So weit, so gut. Aber diese zähflüssigen Gemische, die kurz nach der Anwendung an der Luft austrocknen, bilden im Sanitär­bereich in Verbindung mit Dusch- und Badewasserrückständen einen optimalen Nährboden für Pilze und Schimmel jeder Art. Silikonfugenmassen in Badezimmern würden sich daher sehr schnell unästhetisch verfärben, wenn sie nicht mit einer Vielzahl an Bioziden ausgerüstet wären, um den Schimmelbefall zu bekämpfen.

Keimzerstörende Wirkstoffe - Isothiazolinone, Carbendazim und andere biozid wirkende Substanzen - werden eingesetzt, damit die Fugen aseptisch schön bleiben und die Dichtmittel nicht anfangen, vor sich hin zu gammeln. Doch diese Substanzen haben es in sich. Sie stellen vom ersten Tag an eine Umweltbelastung dar: Mit jeder Dusche und jedem Wischen werden die pilzhemmend wirkenden Inhaltsstoffe vom Wasser herausgewaschen, verschwinden durch die Abflussrohre der Kanalisation, wirken sich negativ auf die Wasserqualität aus und belasten letztendlich die Nahrungskette.

Eine Neuigkeit seit unserem letzten Test im ÖKO-TEST Spezial Bauen und Wohnen 2013 ist die mittlerweile geltende Deklarationspflicht der bioziden Stoffe. Im Biozidrecht haben sich seit dem 1. September 2013 grundlegende Aspekte geändert. Wenn eine biozidhaltige Silikonfugenmasse nach diesem Stichtag in Verkehr gebracht wurde, muss auf ­einer Verpackung, die das Produkt als pilzhemmend, fungizid oder schimmelgeschützt auslobt, der eingesetzte biozide Wirkstoff angegeben werden. Es nicht zu tun, "stellt einen Verstoß dar", sagt Dr. Viola Weinheimer, zuständig für behandelte Waren in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua). Rechtliche Konsequenzen für den Hersteller oder Händler gibt es derzeit dennoch nicht, "da die Chemikalien-Sanktionsverordnung gerade überarbeitet wird", so Weinheimer.

ÖKO-TEST hat 17 Silikonfugenmassen eingekauft. Wir wollten nicht nur wissen, wie sie sich im Gebrauch verhalten, sondern auch, welche problematischen Inhaltsstoffe sie enthalten und was ihre Hersteller per Deklaration angeben oder verheimlichen.

Das Testergebnis

Mehrzahl der Testprodukte überzeugt nicht. Fünf Produkte landen zwar mit "gut" im grünen Bereich. Sechs Silikonfugenmassen hätten aber nach Ansicht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wegen defizitärer Deklarationen nicht in Verkehr gebracht werden dürfen. Problematische Inhaltsstoffe verhageln weiteren Testprodukten das Gesamturteil.

Giftige zinnorganische Verbindungen. Dioktylzinn oder Dibutylzinn sind in sechs Kartuschen in so großen Mengen enthalten, dass sie zu einer starken Abwertung führen.

Pilzhemmende Stoffe. Isothiazolinone, Zinkpyrithion oder Carbendazim stecken in allen 17 Silikonfugenmassen. Sie sind unterschiedlich problematisch und werden entsprechen

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Gekauft wurden Silikonfugenmassen, die in feuchten Innenräumen eingesetzt werden können oder speziell für den Sanitärbereich angeboten werden. Insgesamt 17 Produkte haben unsere Einkäufer in Baumärkten und Fachgeschäften erworben, in denen sich auch Heimwerker üblicherweise versorgen. Die Preisspanne reicht von rund 5 bis 10 Euro pro 310-Milliliter-Standardkartusche.

Die Inhaltsstoffe
"Pilzhemmend", "Geschützt gegen Pilzbefall" oder sogar "5 Jahre Schimmel-Schutz-Garantie" wird auf vielen Kartuschen geworben. Uns interessierte, wie dieser Schutz zustande kommt. Also haben wir auf ein breites Spektrum sogenannter fungizider Wirkstoffe - inklusive Silber - untersuchen lassen. In vergangenen Tests fielen Silikonfugenmassen außerdem durch ihren extrem hohen Gehalt an zinnorganischen Verbindungen auf - sie werden für die Herstellung der Silikonfugenmassen genutzt, sind aber schon in geringen Mengen gesundheits- und umweltrelevant. Natürlich wollten wir hier wissen, ob die Hersteller inzwischen anders verfahren oder noch immer auf den Einsatz dieser Substanzen setzen. Weitere Parameter, etwa die Analyse auf unterschiedliche Weichmacher, ergänzten das Prüfprogramm.

Der Gewichtsverlust
Das wichtigste praktische Testkriterium bei Silikonfugenmassen ist die Messung, ob sie die Fugen, in die sie eingearbeitet werden, auch ausfüllend abdichten. Dafür muss der Anteil der flüchtigen Bestandteile so niedrig wie möglich sein. Wie gut oder schlecht eine Silikonfugenmasse in diesem Bereich ist, zeigt sich beim Gewichtsverlust.

Die Bewertung
Wer Waren in Verkehr bringt, die - weil ohne eine namentliche Deklaration der eingesetzten Wirkstoffe - nach geltenden Bestimmungen gar nicht hätten in Verkehr gebracht werden dürfen, kann bei uns im Gesamturteil nicht besser als mit "mangelhaft" abschneiden. Ebenfalls nicht besser als "mangelhaft" sind Produkte, in denen hohe Gehalte bestimmter zinnorganischer Verbindungen stecken, die bei Tieren und vermutlich auch bei Menschen immun- und hormonwirksam sind.

So haben wir getestet

Die Qualität einer Silikonfugenmasse kann von vielen Faktoren beeinträchtigt werden.