Essigreiniger im Test: Welche Reiniger am besten putzen

Magazin November 2022: Honig | Autor: Vanessa Christa/Heike Baier/Ann-Cathrin Witte | Kategorie: Bauen und Wohnen | 17.11.2022

19 Essigreiniger im Test: Wie heißen die Testsieger?
Foto: ÖKO-TEST

Der Großteil der Essigreiniger im Test ist empfehlenswert. Einige der getesteten Produkte enthalten allerdings aggressive Ameisensäure. Das wäre gar nicht nötig, denn die Putzmittel im Test funktionieren auch ohne ganz gut. 

  • Im Test: 19 Essigreiniger aus Drogerien, Supermärkten und Discountern getestet. Die meisten sind empfehlenswert.
  • Aggressive Ameisensäure haben wir in einigen Essigreinigern im Test gefunden. Das sehen wir kritisch, denn sie entfernt Kalk und Kalkseifen nicht besser als weniger aggressive Inhaltsstoffe. 
  • Das finden wir gut: Die meisten Kunststoffflaschen enthalten inzwischen einen hohen Rezyklatanteil.

Essig ist vielseitig einsetzbar. Die Säure darin wirkt gegen Kalk, miefige Gerüche und löst in begrenztem Maße auch Fett. Und sie ist biologisch gut abbaubar. Putzen mit Essig ist also naturnahes Putzen. 

Essigreiniger bestehen allerdings nicht nur aus Essigsäure, sondern kombinieren deren Vorteile in der Regel mit weiteren Säuren, schmutzlösenden Tensiden, Farb- und Duftstoffen. Ihre Stärke haben sie überall da, wo sich Kalk ablagert oder mit anderen Schmutzstoffen verbindet, vor allem in Küche und Bad. Doch wie gut lösen Essigreiniger Kalk oder Kalkverbindungen wirklich, und wie verträglich sind ihre Rezepturen?

An den 19 Produkten in unserem Test haben wir nicht sehr viel zu meckern. Fünf Essigreiniger schneiden mit "sehr gut" ab, zehn mit "gut". Der Rest ist immerhin "befriedigend".

Mit Essig lassen sich Fenster streifenfrei putzen.
Mit Essig lassen sich Fenster streifenfrei putzen. (Foto: TSViPhoto/Shutterstock)

Essigreiniger im Test: Aggressive Säure gefunden 

Neben der namensgebenden Essigsäure, enthalten die meisten Essigreiniger im Test noch weitere Säuren. Gegen Milch- und Zitronensäure haben wir auch gar nichts einzuwenden. Gegen Ameisensäure allerdings schon. Die halten wir für unnötig aggressiv. 

Warum? Ameisensäure ist stark flüchtig und geht deshalb sehr schnell in die Raumluft über. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft die Säure als "giftig beim Einatmen" ein. Laut Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung reizt sie selbst in verdünnter Form die Atemwege.

Das Interessante ist: Die sieben Produkte mit Ameisensäure schneiden im Praxistest gar nicht grundsätzlich besser ab. Unter ihnen gibt es welche mit "guter" und "sehr guter" Putzleistung.

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Überflüssiger Konservierungsstoff in einem Reiniger

Als überflüssig bewerten wir den Konservierungsstoff 2-Methyl-4-Isothiazolin-3-on (MIT), den das von uns beauftrage Labor in einem Essigreiniger im Test gefunden hat. MIT kann Allergien auslösen und die Haut reizen.

Wozu es in einem Essigreiniger einen Konservierungsstoff braucht, ist uns ohnehin schleierhaft – Essig selbst wirkt ja schon konservierend, und bei den sauren pH-Werten der Essigreiniger im Bereich zwischen zwei und drei dürften Bakterien es ziemlich schwer haben.

Ebenso wenig entsprechen dem natürlichen Image eines Essigreinigers die synthetischen Polymere in zwei Rezepturen. Diese flüssigen Kunststoffe gelangen mit dem Abwasser oder Klärschlamm in die Umwelt. Was sie dort anrichten, ist bislang noch kaum erforscht. Deswegen werten wir solche Stoffe ab.

Praxistest: So schneiden die Essigreiniger ab

Im Rahmen unseres Tests unterzog das Labor die Essigreiniger einer umfangreichen Praxisprüfung. Dafür mussten die Produkte ihre Reinigungsqualitäten unter Beweis stellen.

Im ersten Test überprüften die Prüfer die Essigreiniger zunächst auf ihre Kernkompetenz – das Lösen von Kalkablagerungen. Hierfür wurden Platten aus Carrara-Marmor in unverdünntes Produkt getaucht und nach einer simulierten Einwirkzeit von zehn Minuten gewogen, um zu bestimmten, wie viel des natürlicherweise im Marmor eingelagerten Kalks die Essigreiniger herausgelöst hatten.

Das Ergebnis: Fast alle der 19 Essigreiniger im Test konnten hier überzeugen. Nur ein Produkt schaffte es lediglich auf die Note "ausreichend".  

Essigreiniger im Test: Wie gut lösen sie Kalkseifen?

Nicht ganz so blendend sieht der Notenspiegel in der zweiten Disziplin aus, dem Lösen von Kalkseife. Diese Ablagerungen entstehen, wenn sich Seifen mit kalkhaltigem Wasser verbinden, und gelten als besonders hartnäckig.

Im Praxistest sprühten die Prüfer eine standardisierte Schmutzlösung auf hochglänzende weiße Kacheln, ließen unverdünnten Reiniger einwirken und prüften jeweils nach definierten Zeitpunkten, wie viel sauberer die Kacheln waren. Die stärksten Essigreiniger hatten mindestens 90 Prozent des Schmutzes nach 7,5 Minuten gelöst, ein Großteil der Reiniger im Test erreichten diese Marke nach zehn und nach 15 Minuten.

Allerdings erreichte einer der getesteten Essigreiniger das Ziel weit abgeschlagen nach 30 Minuten und schneidet damit beim Knacken von Kalkseife nur "mangelhaft" ab. Hierbei handelt es sich aber auch um das einzige Produkt im Test, dass kein Tensid enthält, sondern nur Essigsäure, Zitronensäure und Duftstoffe.

Die meisten Flaschen bestehen aus Rezyklat

Zum Schluss noch eine gute Nachricht: Im Rahmen unseres Testes ließen wir auch den Rezyklatanteil in den Plastikflaschen der Essigreiniger überprüfen und wurden angenehm überrascht. Denn drei Viertel der Produkte im Test sind in Flaschen abgefüllt, die unsere Marke von mindestens 30 Prozent Rezyklatanteil locker übersteigen. Die meisten Essigreiniger im Test kommen sogar auf über 80 Prozent.

Unsere Tipps für effektives Putzen mit Essig

Essigreiniger wirken gegen eine Vielzahl von Haushaltsproblemen.

  1. Gegen Kalk: Ein Essigwasser ist fix gemacht und eignet sich überall da zum Putzen, wo Kalk und Fett im Spiel sind. Dafür etwa eine Tasse Essigessenz auf einen Liter Wasser geben. Nimmt man Haushaltsessig statt Essenz, braucht es die fünffache Menge. Für hartnäckige Verkalkungen Tücher mit reiner Essigessenz tränken und länger einwirken lassen.
  2. Gegen Schlieren: Mit Essigwasser die Fenster zu putzen verhindert Schlieren: Abziehen, mit klarem Wasser nachspülen und trocken wischen.

  3. Gegen Gerüche: Essig neutralisiert Gerüche und ist deshalb ein bewährtes Mittel, zum Beispiel gegen müffelnde Kühlschränke. Essigessenz dafür mit der dreifachen Menge Wasser mischen.

  4. Gegen Bakterien: Essig wirkt antibakteriell und ist ein Lebensmittel – das ist gerade in der Küche praktisch. Schneidebrettchen oder Arbeitsflächen lassen sich mit Essigwasser hygienisch abwischen.

  5. Vorsicht bei säureempfindlichen Oberflächen wie Marmor und Naturstein. Hier besser mit mildem Neutralreiniger arbeiten.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 19 Essigreiniger eingekauft, darunter bekannte Marken sowie Eigenmarken von Supermärkten und Discountern. Bezogen auf einen Liter Reiniger bezahlten wir zwischen 75 Cent und 4,98 Euro.

Um zu überprüfen, wie gut die Reiniger Kalk und Kalkseifen entfernen, führte ein spezialisiertes Labor einen Praxistest auf Grundlage der Empfehlungen zur Qualitätsbewertung des Industrieverbands für Körperpflege- und Waschmittel (IKW) durch. Um das Kalklösevermögen zu überprüfen, haben die Experten kalkhaltige Marmorplatten in die Reiniger eingetaucht. Nach einer bestimmten Zeit wurden die Platten gewogen, um so die Menge des gelösten Kalks zu bestimmen. Wie gut die Reiniger Kalkseifen entfernen, haben die Experten mit eingefärbter Schmutzlösung geprüft. Damit behandelte Kacheln tauchten sie in die Essigreiniger und beurteilten nach verschiedenen Einwirkzeiten, wie viel Schmutz entfernt wurde. Weitere Labore untersuchten die Reiniger auf umstrittene halogenorganische Verbindungen, auf allergieauslösende Duftstoffe und Konservierungsstoffe wie Isothiazolinone. Anhand der Deklaration und des Datenblatts erfassten wir eingesetzte Säuren und synthetische Polymere. Wir überprüften, ob das Datenblatt mit den Inhaltsstoffen im Internet gut zu finden ist, und ließen die Verpackungen auf chlorierte Verbindungen analysieren.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 15 mg/kg MIT. Zur Abwertung um eine Note führt: Ameisensäure. Das Testergebnis Praxisprüfung beruht zu 50 Prozent auf dem gemessenen Kalklösevermögen und zu 50 Prozent auf dem gemessenen Kalkseifenlösevermögen. In das Kalklösevermögen gehen zu 66,7 Prozent das Kalklösevermögen senkrecht und zu 33,3 Prozent das Kalklösevermögen waagerecht ein. Kalklösevermögen senkrecht: ab 100 mg = sehr gut; 80–99 mg = gut; 61–79 mg = befriedigend; 46–60 mg = ausreichend und <46 mg = mangelhaft. Kalklösevermögen waagerecht: ab 1.500 mg = sehr gut; 1.000–1.499 mg = gut; 750–999 mg = befriedigend; 431–749 mg = ausreichend; 430 mg und weniger = mangelhaft. Beim Kalkseifenlösevermögen wird die Zeit bewertet, nach der mehr als 90 Prozent der Kalkseife gelöst war: 7,5 min = sehr gut; 10 min = gut; 12,5 min und 15 min = befriedigend; 17,5 min bis 25 min = ausreichend; 27,5 und 30 min = mangelhaft; mehr als 30 min = ungenügend.

Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Silikone und/oder weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: 2,2-Thiobisethanol oxirane polymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender chargenbezogener Nachweis hierzu; b) Datenblatt mit Inhaltsstoffliste im Internet nur schwer unter der auf der Verpackung angegebenen Webseite zu finden; c) Art der Säure nicht auf der Verpackung genannt.

Das Gesamturteil setzt sich zu jeweils 50 Prozent aus dem Testergebnis Praxistest und aus dem Testergebnis Inhaltsstoffe zusammen. Dabei werden alle Ergebnisse kaufmännisch gerundet. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe nicht. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als "befriedigend", wenn das Testergebnis Praxisprüfung "befriedigend" oder "ausreichend" ist.

Testmethoden

Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat: Extraktion mit TBME, GC-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Isothiazolinone: LC-MS. pH-Wert: Potentiometrie. Kalklösevermögen: Marmorplatten werden nach Spülen und Trocknen gewogen. Anschließend erfolgt das Eintauchen in das zu testende Produkt (Eintauchzeit senkrecht: 10 Sekunden, Eintauchzeit waagrecht: 10 Minuten). Für die Testmethode an senkrechten Flächen wurden die Platten für 10 Minuten senkrecht stehend gelagert. Anschließendes Abspülen der Platten unter fließendem Wasser, Trocknung und erneutes Wiegen. Es wurden fünf Wiederholungen, jeweils mit frischer Testlösung, pro Produkt durchgeführt. Kalkseifenentfernbarkeit: Für die Prüfung wird eine Schmutzsuspension aus Ethanol, Calciumstearat, Wasser und einem Pigment hergestellt. Die Komponenten werden gemischt und auf hochglänzende weiße Kacheln aufgesprüht. Die angeschmutzten Kacheln werden anschließend in definierten Zeitabständen in ein Aliquot des unverdünnten Produktes getaucht, sodass pro Kachel verschiedene Einwirkzeiten simuliert werden können. Die Einwirkzeit beträgt 2,5 / 5 / 7,5 / 10 bis max. 30 Minuten. Anschließend wird die Kachel unter fließendem Wasser abgespült, getrocknet und bewertet. Ermittelt wird die Zeit, in der die zu untersuchenden Reiniger eine Reinigungsleistung von 90 – 100 % erzielen. Die Bewertung erfolgt visuell. Pro Produkt und Zeitpunkt erfolgt eine 2-fache Bestimmung. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Mai 2022

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