Heizen mit Holz: Ist das noch öko?

Magazin November 2022: Honig | Autor: Volker Lehmkuhl | Kategorie: Bauen und Wohnen | 03.11.2022

Kann ich noch ohne Bedenken mit Holz heizen?
Foto: Matt Prince/Shutterstock

Kaminöfen und Pelletheizungen galten als klimaneutral und gemütlich. Doch Experten äußern mittlerweile heftige Kritik. Was ist da los?

Verzichten Sie aus Klimaschutz-, Luftreinhalte- und ökologischen Gründen auf die Nutzung von Holz zur Wärmeversorgung Ihres Hauses." Autsch, das hat gesessen! Denn was das Umweltbundesamt (UBA) als oberste deutsche Umweltbehörde auf seiner Website schreibt, widerspricht allem, was landläufig über Holz als Brennstoff bekannt ist. Danach wird beim Verbrennen von Holz nur so viel CO2 frei, wie der Baum beim Wachsen verbraucht hat. Und ökologisch ist Holz ja sowieso, oder?

"Keine andere Heiztechnologie hat so hohe Schadstoffemissionen wie die Holzverbrennung", widerspricht Christian Liesegang, zuständiger Experte beim UBA. 20 Prozent der Emissionen besonders kleiner und gesundheitsschädlicher Feinstaubpartikel (PM2,5) stammen laut UBA aus Holzfeuerungen.

Heizen mit Holz? "Lieber mit Holz bauen als heizen" 

Während die Freisetzung der gesundheitsschädlichen, bis in die tiefen Lungenabschnitte vordringenden Feinstäube im Verkehr stark zurückgegangen ist, sei der Ausstoß aus Holzheizungen stabil hoch. "Dazu kommen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die sich an die Staubpartikel anlagern und Krebs auslösen können", erklärt Liesegang die Haltung der Behörde.

Auch die Sache mit dem klimaneutralen Heizen mit Holz stimme nicht: "Für den Klimaschutz ist Holz eine sogenannte Senke, da es das CO2 für lange Zeit binden kann", betont Liesegang. Beim Verfeuern gelange dieses CO2 jedoch in die Atmosphäre. Daher sei es für den Klimaschutz besser, Holz zunächst in langlebigen Produkten zu nutzen, anstatt es direkt zu verbrennen. "Lieber mit Holz bauen als heizen", sagt der UBA-Experte.

Nicht nur in Altstädten riecht es im Winter heftig nach Holz- oder gar Kohlefeuern. Für die Gesundheit deutlich schädlicher sind Feinstaub- und Rußemissionen.
Nicht nur in Altstädten riecht es im Winter heftig nach Holz- oder gar Kohlefeuern. Für die Gesundheit deutlich schädlicher sind Feinstaub- und Rußemissionen. (Foto: imago images/avanti)

Streit um die Zukunft des Waldes

In die gleiche Kerbe hauen der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), die Deutsche Umwelthilfe oder Robin Wood. "Waldholzverbrennung ist ein Konzept von gestern. Die Holzverfeuerung verursacht enorme Mengen zusätzlicher Emissionen und vermeidbarer Waldschäden", sagt zum Beispiel Nabu-Waldreferent Sven Selbert.

Statt auf solche schädlichen Scheinlösungen zu setzen, müsse Deutschland in die Energieeffizienzoffensive gehen und volle Kraft beim Ausbau einer auf grünem Strom basierenden Wärmetechnik geben. Auch als Alternative zu Erdgas sei die Holzverbrennung keine Lösung. Durch seine geringe Energiedichte verlässt beim Heizen mit Holz nach Angaben des Nabu pro gewonnener Kilowattstunde circa dreimal so viel CO2 den Schornstein wie beim Heizen mit Erdgas.

"Würde man also den jährlichen Erdgasverbrauch in Deutschland durch Holzenergie ersetzen wollen, würde das erstens auf einen Schlag die Menge von etwa zehn deutschen Jahresernten an Holz vernichten und zweitens den CO2-Ausstoß verdreifachen", rechnet Selbert vor.

"Feinstaubausstoß aus Holzheizungen sinkt seit Jahren"

Das sehen Vertreter der Holzheizbranche naturgemäß anders. "Hinsichtlich der gesamten Staubemissionen sind Holzfeuerungen insgesamt nur zu rund acht Prozent beteiligt, der Feinstaubausstoß aus Holzheizungen sinkt seit Jahren", sagt Frank Kienle, Geschäftsführer des Industrieverbands Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI), der unter anderem die Interessen der Hersteller von Kamin-, Pellet-, Kachelöfen, Herden und Heizkaminen vertritt.

"Die CO2-Bilanz eines einzelnen Baumes als Grundlage einer Bewertung zu nehmen, wie es zum Beispiel das Bundesumweltministerium tut, ist nicht korrekt. Vielmehr muss der Wald als Ganzes betrachtet werden, und da wächst bei uns mehr Holz nach, als geerntet wird", ergänzt Kienle.

Mehr Holzzuwachs bedeute auch mehr gebundenes CO2. "In den letzten Jahren ist der Holzvorrat um sieben Prozent angestiegen", betont Kienle und bezieht sich dabei auf Zahlen der Bundeswaldinventur von 2014.  

Bislang wächst in Deutschland mehr Holz nach, als geerntet wird. Ob das so bleibt, ist angesichts der geschlagenen Schadholzmenge und anderer Faktoren fraglich.
Bislang wächst in Deutschland mehr Holz nach, als geerntet wird. Ob das so bleibt, ist angesichts der geschlagenen Schadholzmenge und anderer Faktoren fraglich. (Foto: imago images/Jan Eifert)

Hoher Druck auf dem Wald 

Ob diese Bilanz Bestand hat, wird die derzeit laufende Bundeswaldinventur 2022 zeigen. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts lassen eine Trendwende erkennen: Demnach werden in Deutschland seit 2017 sehr viel mehr Bäume gefällt, 2021 wurde ein Rekordwert erreicht.

Gründe sind vor allem massive Waldschäden durch Insekten wie den Borkenkäfer und die anhaltende Trockenheit. In der Pandemie haben sich die Holzexporte verdreifacht, die Nachfrage nach Bauholz steigt. Und durch die stark gestiegenen Preise für Erdgas und Heizöl werden viele Ofenbesitzer öfter mit Holz heizen.

Bis August 2022 wurden Zuschüsse für 134.000 neue Holzheizungen beantragt – fast doppelt so viele wie im gesamten Jahr zuvor. Dass perspektivisch Branchen wie die Chemieindustrie die im Holz enthaltenen Rohstoffe stärker nutzen wollen, um selbst klimaneutral zu werden, erhöht den Druck auf den Wald zusätzlich.  

Heizen mit Holz: Scheitholz oder Pellets?

Was in Statistiken und Aussagen häufig untergeht, sind die technischen Unterschiede der Holzheizung. "Die Kritiker werfen alles in einen Topf", ärgert sich Anna Katharina Sievers, die beim Deutschen Pelletinstitut (Depi) die Kommunikation leitet.

"Holz verbrennen ist nicht gleich Heizen mit Pellets", betont sie. Sowohl der Brennstoff als auch die Technik der Heizkessel und Öfen seien moderner und effizienter als bei Scheitholzöfen. "Die Abgaswerte sind viel niedriger und die allermeisten Pellets entstehen aus Spänen, die in der Sägeindustrie anfallen."

Tatsächlich sind Pellets hinsichtlich Zusammensetzung und Feuchtigkeit genormt, und heutige Heizkessel halten die gegenüber Scheitholzöfen deutlich niedrigeren Grenzwerte ein. Schaut man genauer hin, sind es vor allem Scheitholzöfen, die einen Großteil der Luftschadstoffe ausstoßen.

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Erlaubte Staubwerte für Einzelöfen

Fast 80 Prozent des Feinstaubs aus Holzfeuerungen kommen aus den beliebten Einzelöfen mit ihren gemütlich flackernden Flammen. Hier sind Verbrennungstechnik und Effizienz vor allem bei alten Geräten häufig schlecht. Generell bieten von Hand beschickte und gesteuerte Öfen viele Gelegenheiten für Fehlbedienungen, die dann schwarzen Rauch in den Himmel steigen lassen.

Seit vielen Jahren läuft deshalb im Prinzip ein Nachrüst- und Austauschprogramm nach den Vorgaben der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung. Ältere Holzheizungen müssen bestimmte Grenzwerte einhalten. Doch die von den Schornsteinfegern kontrollierte Vorgabe hat ein Vollzugsproblem. Kaum eine Kommune legt sich mit Hausbesitzern an, deren Ofen stillgelegt oder ausgetauscht werden müsste.

In einem Pelletofen läuft die Verbrenung automatisch und sauberer ab. Elektronik steuert die Zufuhr von Luft und Brennstoff abhängig von der eingestellten Raumtemperatur.
In einem Pelletofen läuft die Verbrenung automatisch und sauberer ab. Elektronik steuert die Zufuhr von Luft und Brennstoff abhängig von der eingestellten Raumtemperatur. (Foto: MCZ; privat)

Wie mit Holz heizen?

Doch was tun, wenn zum Beispiel eine Wärmepumpe als Ersatz für eine alte Ölheizung nicht infrage kommt? Vor allem für ältere Häuser sind besonders schadstoffarme Pelletkessel eine Alternative. Modelle mit Brennwerttechnik holen vergleichsweise viel Wärme aus dem Holz. Bei anderen sorgen Abscheider im Abgasstrang für sehr niedrige Staubwerte, manche Modelle schaffen beides.

Wenn es doch ein Einzelofen sein muss, sind bei Scheitholzöfen Geräte mit dem Blauen Engel empfehlenswert. Die stoßen dank Katalysatoren und Filtern vergleichsweise wenig Feinstaub aus. Allerdings sind gegenwärtig nur fünf Modelle von vier Herstellern zertifiziert. Kein einziges Modell trägt derzeit das vom HKI gemeinsam mit dem TÜV Süd entwickelte, deutlich aufwendigere Label für emissionsarme Öfen.

Tipps zum Heizen mit Holz

Wer sich beim Heizen mit Holz nicht auskennt, wählt am besten einen Ofen mit automatischer Verbrennungssteuerung. Generell darf nur trockenes, naturbelassenes, unbehandeltes Holz in den Ofen. In einem Pelletofen läuft die Verbrennung vollautomatisch ab, Zeit- und Thermostatsteuerung machen den Betrieb komfortabel, außerdem fällt wenig Asche an. Die Feinstaubwerte sind dank genormter Pellets und gesteuertem Brennvorgang deutlich niedriger als bei einem Kaminofen.

Zahlreiche Hersteller schaffen es, das Flammenbild wie bei einem Scheitholzofen wirken zu lassen. Wassergeführte Modelle versorgen ein kleines Haus – kombiniert mit einer thermischen Solaranlage bleibt im Sommer der Ofen kalt. Manche Modelle wärmen über Luftkanäle ein oder zwei Nachbarräume mit.

Einen Nachteil hat Holz zum Heizen momentan mit anderen Energieträgern gemeinsam: Die Preise sind rasant gestiegen. Profitierten zum Beispiel Pelletheizer bislang von stabilen Kosten deutlich unter den Öl- und Gaspreisen, muss man inzwischen drei- bis viermal so viel zahlen wie noch 2021.

Mit 15 bis 18 Cent pro Kilowattstunde sind Pellets derzeit so teuer wie Heizöl. Eine definitive Aussage zur Preisentwicklung macht momentan niemand. Bei Scheitholz sieht es ähnlich aus. Durch den meist schlechteren Wirkungsgrad der Öfen ist das Heizen damit eher noch teurer, zumindest bei gekauftem Brennholz.  

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