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31 Venenmittel im Test

ÖKO-TEST August 2016
vom 28.07.2016

Venenmittel

Beinfreiheit

Volkskrankheit Venenleiden: Was mit schweren Beinen und Besenreisern beginnt, kann unbehandelt schwere Folgen haben. Eine gezielte Prävention ist also wichtig und sinnvoll. Aber wie gut helfen Tabletten, Cremes und Co.? Wir haben 31 apothekenpflichtige und frei verkäufliche Produkte untersuchen lassen. Und: Mehr als die Hälfte wirkt nicht.

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28.07.2016 | Sommer ist die Zeit der kurzen Hosen und Röcke. Doch vielen vergeht die Lust auf luftige Outfits, wenn die Beine nicht mehr ganz so makellos daherkommen und die Waden von unschönen Besenreisern und Krampfadern durchzogen sind. Schätzungsweise 20 Prozent der Erwachsenen leiden unter geschwollenen, schweren oder juckenden Beinen, unschönen Verfärbungen oder Verdickungen. Hinter den Beschwerden stecken Venen, die ihre Funktion für den Rücktransport des verbrauchten, sauerstoffarmen Blutes von den Beinen ins Herz nicht mehr richtig erfüllen können.

Verhältnismäßig dicht unter der Haut liegen die kleinen Venen. Sie sind es, die sich als Besenreiser oder Krampfadern sichtbar abzeichnen. Die Hauptakteure in Sachen Blutrücktransport verlaufen jedoch zwischen den Wadenmuskeln: die tiefen Beinvenen. Werden die Muskeln beansprucht, drücken sie die Venen zusammen und das Blut kann schneller in Richtung des Herzens fließen. Die Beinvenen leisten Schwerstarbeit: Sie befördern mithilfe der Wadenmuskelpumpe täglich rund 7.000 Liter Blut entgegen der Schwerkraft nach oben. Das ist der längste Weg, den das Blut im menschlichen Körper bis zum Herzen zurücklegen muss. Plausibel also, dass Sport und Bewegung sich förderlich auf eine gesunde Venenfunktion auswirken. Wer hingegen häufig lange sitzt oder steht, hat ein erhöhtes Risiko für Venenerkrankungen, da nicht ausreichend Druck auf die Venen ausgeübt wird. Büroangestellte können ihren Beinvenen aber schon mit regelmäßigen Übungen unter dem Schreibtisch, bei denen sie die Wadenmuskulatur anspannen, etwas Gutes tun. Außerdem sollten die Beine im Sitzen besser nicht übereinandergeschlagen werden, da das die Venen in der Kniekehle abdrücken kann.

Dafür, dass das hochgepumpte Blut nicht wieder zurückfließt, sorgen die Venenklappen - zwei bis zwanzig davon gibt es pro Vene. Funktionieren diese Klappen nicht mehr richtig, beginnen die Probleme. Denn Venenleiden sind weit mehr als ein ästhetisches Problem in Form sichtbarer Äderchen auf den Beinen. Arbeiten die Venenklappen der tiefen Beinvenen nicht mehr richtig und das Blut fließt zurück ins Bein, kann es zu folgenreichen Blutstauungen kommen. Die "schwereren Fälle" landen dann zum Beispiel in der Klinik für Gefäßchirurgie in Regensburg bei Chefarzt Professor Dr. Markus Steinbauer: "Zu uns in die Klinik kommen Patienten dann, wenn sie schon offene Beine haben, wenn sie sehr krank sind oder wenn die Krampfadern saniert werden müssen wegen anderer gravierender Erkrankungen." So weit sollte man es nicht kommen lassen, sagt der Gefäßchirurg.

Frauen sind von Venenbeschwerden besonders häufig betroffen. Unsere Nachfrage beim Marktforschungsinstitut Insight Health zu aktuellen Verkaufszahlen zeigt, dass Frauen in der Apotheke dreimal so häufig Mittel gegen Gefäßerkrankungen und Krampfadern verlangen wie Männer. Ebenfalls auffällig: Mit 77 Prozent stellen die über 60-Jährigen die deutliche Mehrheit der Anwender. Hormonell bedingt machen viele Frauen aber bereits in der Sch

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In Apotheken, Drogerien und Supermärkten haben wir 31 Venenmittel zum Einnehmen und Einreiben gekauft. Zum Teil sind die Preise beachtlich: Die teuerste Venencreme kostet mehr als 20 Euro pro 100 Gramm, die teuersten Tabletten 1,67 Euro pro Tageshöchstdosis (das Päckchen für 13,88 Euro enthält insgesamt 50 Tabletten).

Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel
Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität Frankfurt hat für uns die Studienlage der Produkte überprüft. In seinem Gutachten bewertet er die verschiedenen Wirkstoffe und Darreichungsformen der Venenmittel nach aktuellem wissenschaftlichen Stand.

Die Hilfsstoffe
Hilfsstoffe erfüllen verschiedene Funktionen: In Tabletten dienen sie unter anderem dazu, den Wirkstoff in gewünschter Weise freizusetzen, in Salben, die Rezeptur homogen, haltbar und leicht verteilbar zu machen. Doch nicht immer sind die eingesetzten Hilfsstoffe unproblematisch. Wir haben die Produkte deshalb unter anderem auf PEG/PEG-Derivate, umstrittene Konservierungs- und Farbstoffe und allergisierende Duftstoffe geprüft.

Die Bewertung
Das Hauptaugenmerk des Tests liegt zwar auf der Beurteilung der Wirksamkeit und des Nutzens der Präparate, doch auch die Vollständigkeit des Beipackzettels spielt eine große Rolle. Werden die Anwender ausreichend vor möglichen Risiken gewarnt und auf ergänzende Behandlungsmaßnahmen wie die Kompressionstherapie hingewiesen? Außerdem gab es Abzüge für problematische Hilfsstoffe und für überflüssige Produktzusammensetzungen.

So haben wir getestet

Bunte Pillen: Einige Präparate zum Einnehmen enthalten allergisierende Farbstoffe.