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30 Mittel gegen Haarausfall im Test

Hairlich

Ratgeber Gesundheit 10:2010 mit CD | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 03.09.2010

30 Mittel gegen Haarausfall im Test

Ein lichter werdendes Haupt gilt immer noch als Zeichen mangelnder Vitalität. Eine ganze Reihe von Arzneimitteln und Kosmetika soll den Haarschwund aufhalten oder gar umkehren. Doch unser Test ergab: Wirksame Abhilfe gibt es nur auf Rezept - inklusive Nebenwirkungen.

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Ein voller Haarschopf wird mit Attraktivität gleichgesetzt. Lichtet sich das Haupt, leidet die Seele, die weibliche mehr als die männliche. Während fast 85 Prozent aller Frauen sagen, sie täten alles, um einen Haarausfall zu stoppen oder umzukehren, würde jeder zweite Mann nichts gegen die zunehmende Kahlheit unternehmen.

Am häufigsten ist der erblich bedingte Haarausfall: Er beginnt bei Männern mit Geheimratsecken, die sich über eine Halb- bis zur Vollglatze auswachsen können. Bei Frauen macht er sich oft erst nach den Wechseljahren bemerkbar, verläuft viel milder und führt nur selten zur Kahlköpfigkeit.

Grundsätzlich verliert jeder Mensch ganz natürlich täglich zwischen 60 und 100 Haaren - bei einer Gesamtzahl von 90.000 bis 150.000 Kopfhaaren. Ursache ist der Wachstumszyklus des Haares: Zwei bis sechs Jahre lang befindet sich ein Haar in der Wachstumsphase und legt pro Monat rund einen Zentimeter zu. Dem schließt sich eine kurze Übergangsphase von ein bis zwei Wochen an, in der die Haarwurzel umgebaut wird. Danach folgt eine zwei- bis viermonatige Ruhephase, in der das Haar schließlich ausfällt. Diese drei aufeinanderfolgenden Phasen wiederholen sich kontinuierlich. Da sich im Laufe des Lebens - und je nach ererbter Ausstattung - die Wachstumsphase jedoch immer mehr verkürzt, werden die Haare weniger.

In Apotheken und Drogerien hat ÖKO-TEST insgesamt 30 Mittel eingekauft, die auf das Problem Haarausfall abzielen: neun rezeptpflichtige und fünf nicht rezeptpflichtige Arzneimittel, ein Nahrungsergänzungsmittel, eine ergänzend bilanzierte Diät und 14 Kosmetika. Für alle Produkte haben wir nach Wirksamkeits- beziehungsweise Nutzenbelegen gesucht. Äußerlich anzuwendende Präparate haben wir auch auf umstrittene und bedenkliche Inhaltsstoffe untersuchen lassen.

Das Testergebnis

An der Mehrzahl der Produkte können wir kein gutes Haar lassen. Von den Arzneimitteln schneiden lediglich die Finasterid-haltigen, nur zur Anwendung bei Männern zugelassenen, rezeptpflichtigen Präparate mit "gut" ab. Die Nutzenbelege aller Nichtarzneimittel reichen hingegen nicht aus, um selbst schwammig formulierte Hinweise zur Anwendung bei Haarausfall zu rechtfertigen.

Die Arzneimittel: Die Wirksamkeitsdaten von Finasterid stufen wir als überzeugend ein, das betrifft sieben Mittel im Test. Der Wirkstoff hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase und senkt so die Spiegel des Hormons Dihydrotestosteron (DHT) im Blut. In der Folge steigt die Anzahl der Haare. Zugelassen sind die 1-mg-Finasterid-Tabletten zur Behandlung früher Stadien des Haarausfalls bei Männern zwischen 18 und 41 Jahren. Wie in den Gebrauchsinformationen angegeben, fehlen allerdings Wirksamkeitsnachweise bei beginnenden Geheimratsecken und Haarverlust im Endstadium. Voraussetzung, um das Fortschreiten des Haarausfalls aufzuhalten, ist die kontinuierliche Einnahme des Präparates: Nach dem Absetzen gehen hinzugewonnene Haare wieder verloren. Die Langzeitrisiken sind allerdings noch ungeklärt. Mögliche Nebenwirkungen sind Libidoverlust, Erektionsstörungen und vermindertes Ejakulatvolumen. Zudem besteht der Verdacht, dass Finasterid Brustkrebs auslösen kann. Bei Frauen ist Finasterid wirkungslos und im gebärfähigen Alter wegen fruchtschädigender Wirkungen absolut unangebracht.

Die Wirksamkeit von Minoxidil in den beiden nicht rezeptpflichten Regaine-Präparaten ist "gut" belegt. Wie das ursprünglich als Blutdrucksenker eingeführte Minoxidil den Haarausfall stoppt, konnte bis heute nicht geklärt werden. Nach verschiedenen Studien können 20 bis 40 Prozent der behandelten Männer mit einem Stopp des Haarausfalls rechnen, zehn bis 20 Prozent mit einem Wiederwachstum kräftiger Haare. Bei Frauen ist der Effekt weniger ausgeprägt. Notenabzug gibt es für Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-Bereich. In seltenen Fällen kann Herzklopfen auftreten.

Für die Lösungen Ell-Cranell Alpha und Pantostin mit dem Wirkstoff Alfatradiol sind die Wirksamkeitsbelege nur wenig überzeugend. Zwar war in einer Studie eine Zunahme des Anteils der Haare in der Wachstumsphase zu verzeichnen, mangels Übersichtsfotografien blieb jedoch ungeklärt, ob der Haarausfall damit gestoppt war. In einer Vergleichsstudie mit Minoxidil wirkte Alfatradiol aber einem beschleunigten Haarausfall entgegen.

In den Mitteln Crinohermal Fem, Lösung und Alpicort F, Lösung stecken Kortisonabkömmlinge (Flupredniden-21-acetat und Prednisolon). Diese wirken zwar gegen Entzündungen der Kopfhaut. Ein positiver Effekt auf das Haarwachstum ist jedoch nicht belegt, auch nicht in Kombination mit anderen Wirkstoffen.

Die Wirksamkeit der Pantovigar, Hartkapseln erachten wir als noch nicht ausreichend belegt. Helfen soll die Mischung aus zwei B-Vitaminen, Trockenhefe, der Aminosäure Cystin und dem Protein Keratin bei diffusem Haarausfall und brüchigen Fingernägeln. Immerhin deutet eine kleine Studie mit 60 Teilnehmerinnen einen positiven Effekt auf die Wachstumsphase des Haares an.

Die Kosmetika versuchen mit einer bunten Palette verschiedenster Inhaltsstoffe neuen Haarwuchs zu aktivieren, den Haarausfall einzudämmen oder ihm vorzubeugen, die Haarwurzel zu stärken, zu schützen oder ihren Energieumsatz zu erhöhen. Eingesetzt werden unter anderem Koffein, Hopfenextrakt, Klettenwurzelextrakt, Ginseng, Vitamine, Aminosäuren, Eiweißbruchstücke (Peptide), Carnitin und Taurin. Allerdings liegen für diese Substanzen entweder keine oder (noch) nicht publizierte Daten vor, die einen Nutzen bei Haarausfall belegen. Die Firma Rausch, Anbieter der Rausch Original Haartinktur, schickte die Ergebnisse einer dreimonatigen Wirksamkeitsstudie mit gerade einmal 22 Probanden. Schlauerweise lief die Studie von Oktober bis Dezember, also zu einer Zeit, in der die Haardichte aufgrund jahreszeitlicher Schwankungen im Haarwachstum ohnehin natürlicherweise zunimmt. Allgemeine Hinweise auf mögliche positive Effekte einzelner Inhaltsstoffe mögen zwar plausibel erscheinen, dürfen nach Ansicht unseres Gutachters, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, "aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Daten aus konkreten produktbezogenen Studien fehlen, die die beanspruchte Wirksamkeit belegen".

Für die Substanz Aminexil (im Kerium- und im Vichy Dercos Technique-Spray) liegen nach Auffassung von Schubert-Zsilavecz ebenfalls keine überzeugenden Wirksamkeitsnachweise vor. So fehlt in einer Studie nicht nur eine Placebogruppe, sondern aufgrund der nur zwölfwöchigen Dauer können auch jahreszeitliche Schwankungen nicht ausgeschlossen werden.

Die anderen: Für das Nahrungsergänzungsmittel Innéov Haarfülle Anti-Haarausfall, Tabletten und Kapseln, die unter anderem Taurin und Grüntee-Extrakt enthalten und die Haarwurzel stärken und Haarausfall verlangsamen wollen, liegen keine publizierten Daten vor, die diesen Anspruch rechtfertigen würden. Das gilt auch für die ergänzend bilanzierte Diät Priorin, Kapseln "zur diätetischen Behandlung von hormonell erblich bedingten Haarwachstumsstörungen und Haarausfall bei Frauen", die auf einem Hirseextrakt, Pantothensäure und Cystin basieren.

Bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe: Der Rausch Haartinktur, Spezial-Lotion ist Resorcinol Acetat zugesetzt, das immer Spuren von freiem Resorcin enthält. Resorcin dringt in die Haut ein, löst Allergien aus und kann möglicherweise auch zu Leber- und Nierenschäden führen.

In mehreren Produkten stecken Cashmeran oder polyzyklische Moschus-Verbindungen, die sich im Fettgewebe anreichern. Auch allergisierende Duftstoffe wie Hydroxycitronellal oder Cinnamylalcohol fanden die von uns beauftragten Labore.

Für den Einsatz des Vergällungsmittels Diethylphthalat kassiert die Hälfte der kosmetischen Haarausfallmittel Notenabzug. Phthalate stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.

So reagierten die Hersteller

Die Anbieter der getesteten Nichtarzneimittel hatten wir vorab gebeten, uns Nutzenbelege für ihre Präparate zuzuschicken. Nur Dr. Kurt Wolff, Anbieter der Alpecin- und Plantur-Produkte, zog es vor, nicht zu antworten. Ansonsten waren die Reaktionen bemerkenswert. Wovon würden Sie mehr erwarten: Von einem Mittel, das "bei Haarausfall" oder einem, das "gegen Haarausfall" eingesetzt wird? Nach Auffassung des Dm Drogeriemarktes werde das Balea Men Coffein Tonikum "bei Haarausfall" angewendet, womit es sich um ein Kosmetikum handele, welches helfe, Haarausfall vorzubeugen. Hingegen würden "keine Wirkaussagen gegen Haarausfall ... getätigt. Dieses ist sehr wichtig, da es sich hierbei sonst um medizinische Wirkversprechen handeln würde!" Es verwirrt allerdings, wenn auf der Rückseite der Verpackung "Antihaarausfall-System" steht.

L'Oréal, Hersteller der Vichy Dercos Technique-, Neril- und Kerium-Produkte teilte mit: "Nach der Kosmetikverordnung müssen wir als Hersteller Wirksamkeitsnachweise zu den Auslobungen jedes Produkts auf Verlangen der zuständigen Behörde vorlegen. Wir legen die Studien grundsätzlich außerhalb dieser vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Verpflichtung nicht vor."

Für die Thymuskin Haarkur teilte uns der Anbieter mit, in Kürze werde die Veröffentlichung einer Studie italienischer Dermatologen erwartet.

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Mittel gegen Haarausfall: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Neril Reaktiv-Haartonikum
  • Garnier

    ungenügend

Kerium Anti-Haarausfall, Spray
  • La Roche-Posay (Apotheke)

    mangelhaft

Ell-Cranell alpha, Lösung
  • Galderma Laboratorium

    ausreichend

Finasterid-ratiopharm 1 mg Filmtabletten
  • Ratiopharm

    gut

Regaine Männer, 5% Lösung
  • McNeil

    befriedigend

Alpecin Medicinal Special Vitamin Kopfhaut- und Haar-Tonikum
  • Dr. Kurt Wolff

    ungenügend

Schwarzkopf Activ Men Anti-Haarausfall Systempflege Tonic
  • Schwarzkopf & Henkel

    mangelhaft

Finasterid-Actavis 1 mg, Filmtabletten
  • Actavis

    gut

Pantovigar, Hartkapseln
  • Georg Simons

    mangelhaft

Rausch Original Haartinktur
  • Rausch

    mangelhaft

Alpicort F, Lösung
  • Dr. August Wolff

    mangelhaft

Finasterid Stada 1 mg Filmtabletten
  • Stadapharm

    gut

Plantur 39 Coffein-Tonikum
  • Dr. Kurt Wolff

    mangelhaft

Crinohermal Fem, Lösung
  • Almirall Hermal

    mangelhaft

My Dok Haar Tonic
  • My Dok

    mangelhaft

Priorin, Kapseln
  • Bayer Vital

    mangelhaft

Propecia 1 mg Filmtabletten
  • MSD Sharp & Dohme

    gut

Finasterid-CT 1 mg Filmtabletten
  • CT-Arzneimittel

    gut

Innéov Haarfülle Anti-Haarausfall, Tabletten + Kapseln
  • Innéov Deutschland

    ungenügend

FinaHair 1 mg Filmtabletten
  • Hexal

    gut

Vichy Dercos Technique Aminexil Energy Männer, Spray
  • Vichy (Apotheke)

    mangelhaft

Finasterid AL 1 mg Filmtabletten
  • Aliud Pharma

    gut

Regaine Frauen, 2% Lösung
  • McNeil

    befriedigend

Seborin Anti-Haarausfall Energie-Tonic
  • Schwarzkopf & Henkel

    mangelhaft

Alpecin Liquid
  • Dr. Kurt Wolff

    ungenügend

Thymuskin Haarkur
  • Thymuskin

    mangelhaft

Ducray Neoptide, Spray
  • Pierre Fabre

    mangelhaft

Nivea Beautiful Age Haarwachstum Tonic
  • Beiersdorf

    mangelhaft

Pantostin, Lösung
  • Georg Simons

    ausreichend

Balea Men Coffein Tonikum
  • Dm

    mangelhaft

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Erschienen am 03.09.2010