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Mittel gegen Haarausfall im Test: Mehr als die Hälfte fällt durch

ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik für 2011 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 05.11.2010

Mittel gegen Haarausfall im Test: Wir haben 30 Präparate überprüft.

Ein lichter werdendes Haupt gilt immer noch als Zeichen mangelnder Vitalität. Eine ganze Reihe von Arzneimitteln und Kosmetika soll den Haarschwund aufhalten oder gar umkehren. Doch unser Test ergab: Wirksame Abhilfe gibt es nur auf Rezept – inklusive Nebenwirkungen.

Ein voller Haarschopf wird mit Attraktivität gleichgesetzt. Lichtet sich das Haupt, leidet die Seele, die weibliche mehr als die männliche. Während fast 85 Prozent aller Frauen sagen, sie täten alles, um einen Haarausfall zu stoppen oder umzukehren, würde jeder zweite Mann nichts gegen die zunehmende Kahlheit unternehmen.

Am häufigsten ist der erblich bedingte Haarausfall: Er beginnt bei Männern mit Geheimratsecken, die sich über eine Halb- bis zur Vollglatze auswachsen können. Bei Frauen macht er sich oft erst nach den Wechseljahren bemerkbar, verläuft viel milder und führt nur selten zur Kahlköpfigkeit.

Mittel gegen Haarausfall im Test: Sieben sind "gut"

In Apotheken und Drogerien hat ÖKO-TEST insgesamt 30 Mittel eingekauft, die auf das Problem Haarausfall abzielen: neun rezeptpflichtige und fünf nicht rezeptpflichtige Arzneimittel, ein Nahrungsergänzungsmittel, eine ergänzend bilanzierte Diät und 14 Kosmetika. Für alle Produkte haben wir nach Wirksamkeits- beziehungsweise Nutzenbelegen gesucht. Äußerlich anzuwendende Präparate haben wir auch im Labor untersuchen lassen.

Das Ergebnis: An der Mehrzahl der Produkte können wir kein gutes Haar lassen. Von den Arzneimitteln schneiden lediglich die Finasterid-haltigen, nur zur Anwendung bei Männern zugelassenen, rezeptpflichtigen Präparate mit "gut" ab. Insgesamt sind sieben Mittel gegen Haarausfall empfehlenswert. Die Nutzenbelege aller Nichtarzneimittel reichen hingegen nicht aus, um selbst schwammig formulierte Hinweise zur Anwendung bei Haarausfall zu rechtfertigen.

Langzeitrisiken von Arzneimitteln ungeklärt 

Die Arzneimittel: Die Wirksamkeitsdaten von Finasterid stufen wir als überzeugend ein. Der Wirkstoff hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase und senkt so die Spiegel des Hormons Dihydrotestosteron (DHT) im Blut. In der Folge steigt die Anzahl der Haare. Zugelassen sind die 1-mg-Finasterid-Tabletten zur Behandlung früher Stadien des Haarausfalls bei Männern zwischen 18 und 41 Jahren. Voraussetzung ist die kontinuierliche Einnahme des Präparates.

Die Langzeitrisiken sind allerdings noch ungeklärt. Mögliche Nebenwirkungen sind Libidoverlust, Erektionsstörungen und vermindertes Ejakulatvolumen. Zudem besteht der Verdacht, dass Finasterid Brustkrebs auslösen kann. Bei Frauen ist Finasterid wirkungslos und im gebärfähigen Alter wegen fruchtschädigender Wirkungen absolut unangebracht.

Ist Wirksamkeit der Mittel belegt? 

Die Wirksamkeit von Minoxidil in den beiden nicht rezeptpflichten Regaine-Präparaten ist "gut" belegt. Nach verschiedenen Studien können 20 bis 40 Prozent der behandelten Männer mit einem Stopp des Haarausfalls rechnen, zehn bis 20 Prozent mit einem Wiederwachstum kräftiger Haare. Bei Frauen ist der Effekt weniger ausgeprägt.

Für die Lösungen Ell-Cranell Alpha und Pantostin sind die Wirksamkeitsbelege nur wenig überzeugend. Nicht belegt ist ein positiver Effekt für die Mittel Crinohermal Fem, Lösung und Alpicort F, Lösung.

Als noch nicht ausreichend belegt sehen wir die Wirksamkeit der Pantovigar, Hartkapseln. Helfen soll die Mischung aus B-Vitaminen, Trockenhefe, Cystin und Keratin bei diffusem Haarausfall und brüchigen Fingernägeln. Immerhin deutet eine kleine Studie mit 60 Teilnehmerinnen einen positiven Effekt auf die Wachstumsphase des Haares an.

Mittel gegen Haarausfall: So schneiden Kosmetika ab 

Die Kosmetika versuchen mit einer bunten Palette verschiedenster Inhaltsstoffe neuen Haarwuchs zu aktivieren, den Haarausfall einzudämmen oder ihm vorzubeugen. Eingesetzt werden unter anderem Koffein, Hopfenextrakt, Klettenwurzelextrakt, Ginseng, Vitamine, Aminosäuren, Eiweißbruchstücke (Peptide), Carnitin und Taurin. Allerdings liegen für diese Substanzen entweder keine oder (noch) nicht publizierte Daten vor, die einen Nutzen bei Haarausfall belegen.

Die anderen: Für das Nahrungsergänzungsmittel Innéov Haarfülle Anti-Haarausfall, Tabletten + Kapseln, die die Haarwurzel stärken und Haarausfall verlangsamen wollen, liegen keine publizierten Daten vor, die diesen Anspruch rechtfertigen würden. Das gilt auch für die Priorin, Kapseln "zur diätetischen Behandlung von hormonell erblich bedingten Haarwachstumsstörungen und Haarausfall bei Frauen", die auf einem Hirseextrakt, Pantothensäure und Cystin basieren.

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