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10 Rollatoren im Test

ÖKO-TEST August 2011
vom 29.07.2011

10 Rollatoren im Test

Das geht nicht!

Ein Rollator soll altersschwache und gehbehinderte Menschen mobil machen. Aber gerade die günstigeren "Kassenmodelle" in unserem Test stecken voller Tücken: Schadstoffe in den Griffen, Rahmenbrüche und andere Mängel in der Praxisprüfung. Zum Glück sind auch eine "sehr gute" und drei "gute" Gehhilfen dabei.

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29.07.2011 | Ohne Rollator wäre Gertrud Kronberger aufgeschmissen: Nach einer missglückten Hüft-OP wurde der 88-Jährigen diese Hilfe verordnet. "Erst war ich fast zu eitel", sagt sie, "inzwischen bin ich froh, dass es die Dinger gibt". Gertrud Kronberger hat nämlich auch noch ein kleines Herzleiden. "Mit dem Stock allein, das strengt viel zu sehr an und gibt zu wenig Halt." Da sei der Rollator sehr entlastend.

Im Seniorenheim in Buxtehude fiel dem in Frankfurt am Main geborenen Stadtkind zunächst die Decke auf den Kopf. Mit Rollator kommt sie jetzt wieder öfter in Bewegung, kann selbstständig einkaufen gehen, ohne auf ihren Sohn angewiesen zu sein. Einmal pro Woche fährt sie sogar nach Hamburg, in den botanischen Garten oder in die riesige Parkanlage "Planten un Blomen".

Aber die Rollatortour in die Hansestadt fällt nicht leicht. Beim Ein- und Aussteigen in den Bus ist Gertrud Kronberger auf fremde Hilfe angewiesen, oft erweisen sich Stufen als unüberbrückbare Hürden. "Da muss man beim Austüfteln der Wegstrecke schon erfinderisch sein." Die Elbe überquert die rüstige Rentnerin mit der Fähre. "Ich bin kein Pflegefall", betont sie, "ich will noch was erleben."

Wie Getrud Kronberger sind immer mehr Menschen immer länger auf einen Rollator angewiesen. Schätzungen zufolge werden inzwischen jährlich bis zu 500.000 der Gehhilfen verkauft; an Menschen, die altersbedingt unsicher auf den Beinen sind, aber auch an jüngere MS-, Parkinson- oder Arthritispatienten.

"Der Rollator ist zum Lifestyleprodukt in Alten- und Pflegeheimen geworden", sagt Gunther Belitz, Chefredakteur des Magazins Handicap. Neben Standardgeräten, die nur ihre Funktion erfüllen, kommen zunehmend sogenannte Premiumrollatoren auf den Markt - schicke, speziell auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnittene Gehhilfen mit mehr oder weniger nützlichem Zubehör wie Stock- und Schirmhaltern, LED-Leuchten, Hupen, Rückspiegeln oder Frostschutzhandschuhen.

Auch Discounter haben den Markt für sich entdeckt: Erst im Mai hatte Lidl ein leichtes Alu-Modell für 99,99 Euro im Angebot. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Rollator auch im klassischen Warenhaus "irgendwo zwischen Reisegepäck und Fahrradabteilung positioniert wird", prognostiziert Branchenberater Thomas Appel im Wirtschaftsmagazin MTDialog.

Wir wollen wissen, ob die Gehhilfen wirklich halten, was sie versprechen und haben zehn gängige Produkte, darunter sowohl Standardrollatoren als auch teurere Modelle, einem umfangreichen Belastungstest unterzogen und im Labor überprüfen lassen, ob gesundheitsschädliche Stoffe in den Griffen stecken.

Das Testergebnis

Im Schadstofftest pfui, gravierende Mängel beim Praxistest: Nur ein einziges Modell - eines der beiden teuersten im Test - bekam in allen Disziplinen Bestnoten. Drei Rollatoren hatten lediglich kleinere Mängel und waren immer noch "gut". Knapp die Hälfte der Testprodukte konnte allerdings weder im Schadstoff- noch im Praxistest überzeugen. Für eine Produktgruppe, die älteren Menschen


Wir haben 10 Produkte für Sie getestet
Leichtgewichtsrollator  RL-120-Vario
Bischoff & Bischoff

Leichtgewichtsrollator RL-120-Vario

Brado M
Dietz

Brado M

Dolomite Jazz 520
Dolomite

Dolomite Jazz 520

Diamond Deluxe 2in1 Rollator
Drive Medical

Diamond Deluxe 2in1 Rollator

Etac Rollator Ono mit Korb
Etac

Etac Rollator Ono mit Korb

Gemino 30
Handicare

Gemino 30

Ideal-Rollator
Meyra

Ideal-Rollator

Rehaforum Rollator mit Eurobremse
Rehaforum Medical

Rehaforum Rollator mit Eurobremse

Russka Rollator mit Stockhalter
Russka

Russka Rollator mit Stockhalter

Topro Troja-M
Topro

Topro Troja-M

10 Rollatoren im Test
ÖKO-TEST August 2011 Seite 60
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ÖKO-TEST August 2011 Seite 66
ÖKO-TEST August 2011 Seite 67

8 Seiten
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vom 29.07.2011
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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben für jeden Geldbeutel etwas dabei: fünf günstigere Modelle, die größtenteils von den Kassen übernommen werden können, und fünf teurere Rollatoren, für die zumindest eine größere Zuzahlung fällig wird. "Die finanzielle Schmerzgrenze der Kunden liegt - je nach Modell - bei maximal 400 Euro", sagt Branchenberater Thomas Appel. Eingekauft wurden die Rollatoren samt Standardzubehör im Sanitätsfachhandel. Alle Produkte im Test sind sowohl für drinnen als auch für draußen geeignet.

Die Schadstoffe
Dauerhaften Kontakt hat der Benutzer nur mit den Griffen, deshalb haben wir uns darauf konzentriert. Das größte Problem: Phthalate, die sprödes PVC weicher machen sollen. Aber auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) können in dem schwarzen Kunststoffmaterial enthalten sein, wenn bei der Herstellung billige Weichmacheröle und Ruß eingesetzt werden. Außerdem wurden die Griffe auf giftige Schwermetalle untersucht.

Die Praxisprüfung
Wir ließen die Modelle von Experten nach dem neuesten Stand der Sicherheitstechnik untersuchen. Bei Belastungstests an vollautomatischen Maschinen wurde geprüft, ob die Gehhilfen stabil genug sind und auch zwei oder drei simulierte Rollatorleben lang ihren Zweck erfüllen. Das ist wichtig, da Gehhilfen auch gebraucht ausgegeben werden können. Zudem wurde ausprobiert, wie gut sich die Modelle ein- und verstellen lassen.

Beim Härtetest auf dem Rollenprüfstand gingen drei von zehn Rollatoren zu Bruch, allen voran der Leichtgewichtsrollator von Bischoff & Bischoff: "Bei diesem Modell wurde eine Schraube direkt durch die Biegung des Rahmenrohrs gebohrt", kritisiert André Gläser vom Prüfinstitut velotech.de, "ein Konstruktionsfehler des Herstellers, der schnell zum Rahmenbruch führen kann".

Spaziergänge auf Feldwegen, Einkaufsbummel über Kopfsteinplaster, das "Überrollen" von Türschwellen im Haus - diese Belastungen werden auf dem Rollenprüfstand simuliert. Zuvor belädt ein Tester die Rollatoren mit rund 50 Kilo Gewicht, verteilt an Griffen und Korb. Dann rattern die Gehhilfen abwechselnd in langsamer bis mittlerer Schrittgeschwindigkeit auf einer Prüfstrecke von rund 30 Kilometern über rotierende Walzen mit Unebenheiten (Leisten). Die Walzen haben eine Spezialbeschichtung, die dem Straßenbelag nahekommt.

Die Bewertung
Rollatoren sind medizinische Hilfen. Sie müssen Halt geben und so Stürze verhindern können. Deshalb geht das Teilergebnis "Stabilität/Sicherheit" zu 70 Prozent in das Testergebnis Praxis ein und dieses wiederum zu 70 Prozent ins Gesamturteil. Ein Produkt, das die Sicherheitsnorm nicht erfüllt, kann unterm Strich nur "ungenügend" sein. Produkte, die voller PAK, Phthalate und Blei stecken, können bestenfalls "mangelhaft" abschneiden.

So haben wir getestet

Beim Härtetest auf dem Rollenprüfstand gingen drei von zehn Rollatoren zu Bruch, allen voran der Leichtgewichtsrollator von Bischoff & Bischoff: "Bei diesem Modell wurde eine Schraube direkt durch
die Biegung des Rahmenrohrs gebohrt", kritisiert André Gläser vom Prüfinstitut velotech.de, "ein Konstruktionsfehler des Herstellers, der schnell zum Rahmenbruch führen kann".

So haben wir getestet

Spaziergänge auf Feldwegen, Einkaufsbummel über Kopfsteinplaster, das "Überrollen" von Türschwellen im Haus - diese Belastungen werden auf dem Rollenprüfstand simuliert. Zuvor belädt ein Tester die Rollatoren mit rund 50 Kilo Gewicht, verteilt an Griffen und Korb. Dann rattern die Gehhilfen abwechselnd in langsamer bis mittlerer Schrittgeschwindigkeit auf einer Prüfstrecke von rund 30 Kilometern über rotierende Walzen mit Unebenheiten (Leisten). Die Walzen haben eine Spezialbeschichtung, die dem Straßenbelag nahekommt.