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Porridge im Test: Mehr als die Hälfte der Haferbreie ist empfehlenswert

Magazin August 2019: So fair ist Ihre Lieblingsjeans | Autor: Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 25.07.2019

Porridge im Test: Mehr als die Hälfte der Haferbreie ist empfehlenswert
(Foto: ÖKO-TEST )

Haferbrei galt lange Zeit als Arme-Leute-Essen. Heute liegt Porridge im Trend. Etliche Firmen bieten den Frühstücksbrei als Fertigmischung an. Wir haben 20 getestet. Welche Produkte wir empfehlen können.

Porridge ist ein gefragtes Fotomotiv, wenn es um die ästhetische Präsentation von Essen in sozialen Netzwerken geht. Und am neuen Superfrühstück wollen viele verdienen. Daher gibt es etliche Firmen, die den Frühstücksbrei als Fertigmischung anbieten - und sie machen ordentlich Rabatz um ihr Produkt. 

Wir haben insgesamt 20 Fertigporridges getestet, darunter zwölf Bio-Produkte und acht konventionelle. Im Fokus des Tests: die Inhaltsstoffe. Sind die Frühstücksbreie mit Schadstoffen belastet oder etwa mit Mineralölbestandteilen verunreinigt? 

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Porridge im Test: Die besten Frühstücksbreie im Vergleich 

Das Ergebnis: Zwölf von 20 Breien können wir mit dem Gesamturteil "sehr gut" oder "gut" empfehlen. Einige Marken enttäuschen allerdings auch im Porridge-Test. Sie enthalten bedenkliche Pestizide, Schimmelpilzgifte und zu viel Zucker. Ausgerechnet die Marke mit dem größten Medienrummel landet auf dem letzten Platz. 

Pestizide und/oder Wachstumsregulatoren sind in acht Produkten Thema, meist hat das von uns beauftragte Labor jedoch nur wenige Spurenmengen gefunden. Zur Erklärung: Wachstumsregulatoren, wie die synthetischen Pestizide Chlormequat oder Mepiquat, dienen unter anderem dazu, die Halmlänge von Getreide zu verkürzen und so dessen Standfestigkeit zu erhöhen. Chlormequat störte in Tierversuchen die Reizübertragung des Nervensystems. 

Im Frühstücksbrei einer sehr geläufigen Marke waren aber neben Spuren der Wachstumsregulatoren Chlormequat und Mepiquat noch fünf Pestizide im Spurenbereich nachweisbar. Sehr bedenklich ist vor allem das Pestizid Pirimiphos-methyl, weil es giftig für Bienen ist.

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Glyphosat und Schimmelpilzgift im Haferbrei 

In einem weiteren Porridge im Test war außerdem das besonders bedenkliche Pestizid Glyphosat nachweisbar. Die internationale Krebsforschungsagentur IARC stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen ein. 

Positiv ist, dass die Fertigporridges insgesamt deutlich weniger mit mineralölartigen Stoffen belastet sind als die Haferflocken in unserem Test von 2013. Anders als damals waren dieses Mal überhaupt keine problematischen aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachweisbar. Allerdings hat das beauftragte Labor in einigen Produkten noch Mineralölbestandteile in Gehalten gefunden, für die wir Noten abziehen.

Bei der Ernte und Lagerung von Getreide wie Hafer betreiben Landwirte, Zwischenhändler und die weiter verarbeitenden Betriebe einigen Aufwand, um Belastungen mit Schimmelpilzgiften zu vermeiden. Die gute Nachricht aus den Prüflaboren: Viele der in Hafer gefürchteten Gifte wie etwa Ochratoxin A waren nicht nachweisbar.

Auch die Gehalte an T2- und HT2-Toxinen, die blut- und immuntoxisch sind, waren in den meisten Produkten sehr gering oder gar nicht nachweisbar. Nur die Werte in zwei Frühstücksbreien lagen relativ hoch. Einen gesetzlichen Grenzwert für diese Gifte gibt es bisher nicht. 

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Ist Porridge gesund? 

Der Zuckergehalt in den trockenen Porridgemischungen stammt oft aus Trocken- und gefriergetrockneten Früchten, manchmal ist auch Kristallzucker zugesetzt. Oder die Produzenten arbeiten mit für den Laien besser klingenden Zutaten wie Saftkonzentrat, um dann eben ordentlich Fruchtzucker ins Produkt zu bringen. In den Breien im Test lag der Zuckergehalt pro 100 Gramm Inhalt zwischen 3 und 31 Gramm.

Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen, nicht mehr als 25 Gramm an freien Zuckern am ganzen Tag zu sich zu nehmen; Kindern noch weniger. Zu den freien Zuckern gehören laut WHO Lebensmitteln zugesetzte Zucker, darunter etwa Glucose, Fructose und Lactose, sowie in Honig, Sirup und Säften natürlich vorkommende Zucker.

Daher finden wir den Gesamtzuckergehalt von insgesamt vier Porridges im Test zu hoch. Diesen sind unter anderem Milchpulver, Zucker und/oder Fructose zugesetzt. In einer Portion dieser Fertigmischungen stecken in der Summe zwischen 15 und 20 Gramm Zucker.

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Darum ist Porridge ein gutes Frühstück 

Porridge enthält wichtige Nährstoffe: 

  • Haferflocken liefern einiges, woran es manchmal mangelt: hochwertiges Eiweiß, B-Vitamine, Zink und Eisen.

  • Sie sind magenschonend. Der in Haferbrei enthaltene Haferschleim kleidet den Magen-Darm-Trakt aus.

  • Dank der wertvollen Ballaststoffe steigt außerdem der Blutzuckerspiegel nicht so stark an und fällt nur langsam ab. Die Sättigung hält lange an.

  • Der bodenständige schottische Klassiker Porridge passt sogar in eine Ernährung nach ayurvedischer Ernährungslehre und traditioneller chinesischer Medizin: Diese empfehlen zum Frühstück eine warme Mahlzeit. 

Frühstücksbrei einfach zubereiten 

  1. 200 Milliliter Wasser, Kuh-, oder Pflanzenmilch zum Kochen bringen,
  2. 40 Gramm zarte Haferflocken einrühren,
  3. nach Geschmack etwa 10 Minuten quellen lassen,
  4. eine Prise Salz hinzufügen.
  5. Brei mit Obst oder etwas Nussmus aufpeppen.

Noch einfacher: Porridge als Overnight Oats vorbereiten. Das heißt, das ungekochte Hafer-Milch-Gemisch über Nacht im Kühlschrank quellen lassen.

Das sind unsere Tipps 

  • Wählen Sie eine zuckerärmere Variante von Porrdige aus. 
  • Genießen Sie Ihren Porridge aus richtigem Geschirr und verzichten Sie auf Einzelportionbecher. 
  • Es geht auch ohne Fertigmischung: Feine Haferflocken ohne Schnickschnack sind ähnlich schnell angerührt. 

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper. 

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Viele Fertigporridges am Markt stammen aus ökologischem Anbau. In unserem Test sind dementsprechend zwölf Bio-Produkte und acht konventionelle dabei. Alle werben mit Geschmacksrichtungen von Obstsorten, meistens Beerenobst. Die meisten Trockenmischungen lassen sich wahlweise mit Wasser, Pflanzenmilch oder Kuhmilch zubereiten. Ein paar Produkte enthalten schon Milchpulver.

Zunächst einmal hat ein von uns beauftragtes Labor nach Pestiziden und Wachstumsregulatoren in den Mischungen gesucht, denn sowohl der Hafer als auch andere Zutaten wie Trockenfrüchte sind häufig damit belastet. Außerdem standen Schimmelpilzgifte und Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen auf dem Programm.

Unsere Bewertung beruht auf den Inhaltsstoffen. Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen, Aromazusätze und besonders hohe Zuckergehalte ziehen das Gesamturteil runter. Für fünf oder mehr Pestizide in Spuren gab es ebenso einen Minuspunkt wie für den Nachweis von besonders bienengiftigen oder gesundheitlich bedenklichen Pestiziden. Weitere Mängel wie umstrittene Auslobungen oder chlorierte Verbindungen in den Verpackungen verschlechtern in der Summe das Gesamturteil.

Bewertungslegende 

Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Bei Bewertungen, die sich auf eine Portion beziehen, sind wir von den Zubereitungsempfehlungen auf den Verpackungen ausgegangen. Bei Produkten ohne Angabe einer Portionsgröße sind wir von einer Portion von 50 g je Produkt ausgegangen. Die angegebenen Zuckergehalte pro 100 Gramm und pro Portion beziehen sich auf die noch nicht zubereitete Trockenmischung und wurden aus der Summe der analysierten Einzelzucker (Glucose, Fructose, Saccharose, Lactose, Maltose) berechnet. Die Zuckergehalte wurden kaufmännisch gerundet. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) mehr als 2 bis 4 mg/kg der gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH/MOSH-Analoge (in der Tabelle „Mineralölbestandteile stark erhöht“); b) eine Summe der Schimmelpilzgifte T2-Toxin und HT2-Toxin, die pro Portion zu einer mehr als 50-prozentigen Ausschöpfung des TDI (tolerierbare tägliche Aufnahmemenge) von 1,2 µg/Tag für einen 60 kg schweren Erwachsenen führt.

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 bis 2 mg/kg MOSH/MOSH-Analoge (in der Tabelle „Mineralölbestandteile erhöht“); b) mehr als 0,01 mg/kg eines besonders bedenklichen Pestizids (hier: Glyphosat, Pirimiphos-methyl); c) fünf bis neun Pestizide und/oder Wachstumsregulatoren in Spuren; d) Aroma; e) ein Zuckergehalt in der Trockenmischung von mehr als 12,5 g pro Portion; e) Schwefeldioxid (hier Zutat Äpfel).

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: die Auslobung „ohne Zuckerzusatz“ auf einem Produkt, das als süßende Zutat Saftkonzentrat und/oder Fruchtsirup enthält. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die Abbildung von Bananen sowie frischen Bananenscheiben auf der Verpackung eines Produkts, das sich „mit Bananengeschmack“ nennt, aber laut Zutatenliste keine Banane enthält; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; c) der deklarierte Zuckergehalt liegt um mehr als 20 Prozent unter der Summe der analysierten Zucker; d) fehlende Angabe der Nährwerte für die Trockenmischung (stattdessen nur Angaben für das verzehrfertige Produkt); e) Werbung mit Selbstverständlichkeiten, hier „ohne Konservierungsstoffe laut Gesetz“. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „sehr gut“ oder „gut“ ist, hat keinen Einfluss auf das Gesamturteil.

Testmethoden 

MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: DIN EN 16995:2017 mod. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Pestizide/Wachstumsregulatoren: LC-MS/MS; GC-MS. Aflatoxine und weitere Mykotoxine: LC-MS/MS. Zuckerarten: HPLC-RI/PAD; Gesamtzucker daraus berechnet. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: April 2019.

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