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Babynahrung im Test: Nur fünf Pre-Milchpulver sind "gut"

Jahrbuch Kinder und Familie für 2020 | Autor: Meike Rix/kai | Kategorie: Kinder und Familie | 16.12.2019

Pre-Milchpulver im Test: Wir haben jede Babymilch auf problematische Inhaltsstoffe analysieren lassen.
Foto: ÖKO-TEST

Mütter, die nicht vollständig stillen können oder möchten, ernähren ihre Babys mit Pre-Nahrungen. Wir haben 16 Milchpulver getestet. Das Ergebnis: In fast allen stecken erhöhte Mengen an mineralölartigen Stoffen. Nur ein Drittel ist empfehlenswert.

Aktualisiert am 16.12.2019; Einkauf Testprodukte Feb, Jul & Okt 2019 | Muttermilch verändert sich im Laufe der Stillzeit – immer passgenau zu den Bedürfnissen des Babys. Nebenbei schützt das Stillen noch vor Infekten und Entzündungen im Säuglingsalter sowie dauerhaft vor Allergien und Asthma.

Natürliche Muttermilch ist so gesund für den Nachwuchs, dass sie durch künstliche Anfangsnahrung nicht zu übertreffen ist. Babys werden aber auch mit Milchpulvern zum Anrühren groß, wenn Mütter nicht voll stillen möchten oder können.

Pre-Nahrung-Test mit der besten Babymilch von Aptamil, Bebivita & Co.

In unseren Tests sind in Muttermilchersatz allerdings immer wieder Schadstoffe aufgefallen. Vor allem: krebserregende oder krebsverdächtige Fettschadstoffe, sogenannte 3-MCPD-Ester und Glycidylester. Sie können bei der Raffination entstehen – also bei der industriellen Reinigung von pflanzlichen Fetten und Ölen mithilfe von Wärme. Wir wollten wissen, ob die Qualität der Industrie-Anfangsmilch mittlerweile besser ist, und haben den Großteil des Angebots in Deutschland überprüft.

Wir haben 16 Pre-Nahrungen für Babys getestet. Alle Milchpulver haben wir von einem spezialisierten Labor auf Fettschadstoffe, Mineralölrückstände sowie Reste von chlorierten Desinfektionsmitteln untersuchen lassen. Auch die Zutatenlisten und die weiteren Angaben auf den Verpackungen haben wir uns ganz genau angeschaut.

Pre-Milch: Vier Milchpulver fallen im Test durch

Das Ergebnis: In fast allen getesteten Milchpulvern stecken erhöhte Mengen an mineralölartigen Stoffen und Substanzen, die sich aus Kunststoffbeschichtungen lösen können. Von vier Pre-Nahrungen raten wir unter anderem deshalb mit "mangelhaft" und "ungenügend" ab. Sieben Produkte landen noch irgendwo im Mittelfeld. Mit insgesamt "gut" empfehlen wir nur fünf Milchpulver, darunter drei Bio-Produkte.

Fettschadstoffe waren in den Anfangsnahrungen in diesem Test meist zum Glück nur noch in tolerierbaren Spuren nachweisbar. Einzig in der Babydream Anfangsmilch Pre von Rossmann wies das Labor noch einen vergleichsweise hohen Glycidylester-Gehalt nach, den wir abwerten.

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Oft mineralölartige Stoffe im Babynahrung-Test

Die Hauptprobleme sind Mineralöl- und Kunststoffbestandteile im Milchpulver. Ausgerechnet in zwei hochpreisigen Pre-Nahrungen im Test hat das von uns beauftragte Labor aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, kurz MOAH, nachgewiesen.

MOAH sind eine Gruppe von Stoffen, von denen einige möglicherweise krebserregend sind und die zum Beispiel aus Druckfarben in Lebensmittel übergehen können. Um welche MOAH-Verbindungen es sich in den beiden Nahrungen genau handelt, wissen wir nicht.

Speziallabore haben die Milchpulver im Test auf Schadstoffe untersucht.
Speziallabore haben die Milchpulver im Test auf Schadstoffe untersucht. (Foto: Labor)

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist jedoch seit Jahren darauf hin, dass Verunreinigungen mit MOAH in Lebensmitteln generell unerwünscht sind. Die Anbieter der 14 anderen Anfangsmilchpulver in unserem Test zeigen auch, dass die Industrie Verunreinigungen durch MOAH in der Fertigung vermeiden kann.

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Pre-Milch mit Mineralölbestandteilen belastet

Schwieriger ist das bei den gesättigten Kohlenwasserstoffen aus der Gruppe der MOSH. Sie waren in fast allen Milchpulvern im Test nachweisbar. Die Mengen überschreiten die Grenze, ab der wir nicht mehr von Spuren sprechen. Wie MOAH sind MOSH Mineralölbestandteile. Von ihnen ist bekannt, dass sie sich im menschlichen Fettgewebe und in der Leber anreichern.

Welche Risiken die ebenfalls nachweisbaren MOSH-Analoge mit sich bringen, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Sie lösen sich aus Kunststoffen, hier möglicherweise aus Beschichtungen der Innenbeutel der Milchpulver. Aus unserer Sicht sollten vorsichtshalber alle Verbindungen aus der Gruppe der MOSH in Lebensmitteln weitmöglich minimiert werden. Daher werten wir auch niedrige Gehalte ab.

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Kaum Fettschadstoffe in Anfangsmilch

Verunreinigungen mit Fettschadstoffen sind im Vergleich zu vergangenen Tests deutlich weniger geworden. Zwar wies das von uns beauftragte Labor in allen Anfangsnahrungen 3-MCPD-Ester nach sowie in einigen die problematischeren Glycidylester. Die aktuellen 3-MCPD-Gehalte in den getesteten Milchpulvern überschreiten aber nicht mehr die von der obersten EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA festgelegte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge. In unserem Test von 2015 waren viele Gehalte noch gut zehnmal so hoch.

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Für Glycidylester in Säuglingsnahrung gilt seit Kurzem ein Grenzwert, der bei keinem der getesteten Produkte überschritten wird. Die tägliche Aufnahmemenge ist nach unserem Testergebnis mit der Babydream Anfangsmilch Pre von Rossmann dennoch vergleichsweise hoch. Wir werten um zwei Noten ab. Glycidylester setzen während der Verdauung Glycidol frei, das als krebserregend und erbgutschädigend gilt.

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In Säuglingsmilch fehlen oft wichtige Nährstoffe

In den Zutatenlisten von sieben Säuglingsnahrungen fehlen Quellen für Docosahexaensäure (DHA) und Arachidonsäure (AHA). Diese Fettsäuren sind in der Muttermilch enthalten und wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen. Führende Wissenschaftler empfehlen den Nährstoff-Zusatz, denn Studien belegen positive Wirkungen auf die Entwicklung des Sehvermögens.

Bisher setzen Hersteller die Fettsäuren in Babymilchpulver freiwillig zu, etwa in Form von Fisch- oder Algenöl. Ab 2020 gilt ein gesetzlicher Mindestgehalt für DHA. Fettsäuren wegzulassen entspricht nicht dem Stand der Forschung.

Tipps zur Babynahrung für Säuglinge

In einigen Milchpulvern im Test fehlen für Säuglinge wichtige Nährstoffe.
In einigen Milchpulvern im Test fehlen für Säuglinge wichtige Nährstoffe. (Foto: Ben_Kerckx/Pixabay)

Worauf sie bei Anfangsnahrung achten sollten:

  • Pre-Nahrung für Babys enthält wie Muttermilch als einziges Kohlenhydrat Laktose. Kinder können sie im ganzen ersten Lebensjahr bekommen, in der zweiten Hälfte ergänzt durch Beikost.
  • Entsorgen Sie nicht getrunkene Reste von Babynahrung immer. Das Fläschchen schon mal für die Nacht anzurühren geht leider nicht, weil sich Keime vermehren, mit denen der kleine Organismus noch nicht zurechtkommt.

Diesen Test haben wir erstmals im ÖKO-TEST Magazin Mai 2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kinder und Familie für 2020, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 16 Pre-Säuglingsnahrungen in Pulverform auf Basis von Kuhmilchbestandteilen eingekauft. Ein spezialisiertes Lebensmittellabor untersuchte die Produkte auf bekannte Problemstoffe, die in Muttermilchersatznahrungspulvern vorkommen: Mineralölbestandteile, Chlorat und Perchlorat aus Desinfektionsmitteln und die krebserregenden beziehungsweise krebsverdächtigen Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidylester.

Anhand der Zutatenlisten haben wir überprüft, ob die Hersteller bestimmte Öle zusetzen, die als Quelle für die in den ersten Lebensmonaten besonders wichtigen Fettsäuren Omega-3 Docosahexaensäure (DHA) und Omega-6 Arachidonsäure (ARA) dienen.

Wir prüften außerdem die Zubereitungs- und Warnhinweise auf den Verpackungen und ob die Hersteller in ihren Werbeaussagen verbotenerweise den Eindruck erwecken, dass das Produkt dem Stillen vorzuziehen wäre.

Bewertungslegende

Zur Abwertung um vier Noten führt: ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 2 bis 4 mg/kg an Mineralölbestandteilen (MOSH/MOSH-Analoge) und zudem der Nachweis von MOAH (aromatischer Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 2 bis 4 mg/kg an Mineralölbestandteilen (MOSH/MOSH-Analoge); b) ein erhöhter Gehalt an Glycidylestern (berechnet als Glycidol), der zu einer Aufnahme von mehr als 1,4 μg pro Tag führt (bei der Bewertung sind wir von einer maximalen Tagesaufnahme von 0,4 μg/kg Körpergewicht für ein Kind mit 3,5 Kilogramm Körpergewicht ausgegangen, wir haben mit den auf der Verpackung vorgeschlagenen Tagestrinkmengen für die zweite Lebenswoche gerechnet); c) laut Zutatenliste ohne Quellen für langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (die LC-PUFA Docosahexaensäure [DHA] und Arachidonsäure [ARA]); als Quellen für DHA und ARA werden in den Pulvern üblicherweise eingesetzt: Fischöl, Algenöl und Öl aus Mortierella alpina. Zur Abwertung um eine Note führt: ein erhöhter Gehalt von mehr als 1 bis 2 mg/kg an Mineralölbestandteilen (MOSH/MOSH-Analoge). Das Gesamturteil beruht auf der Beurteilung der Inhaltsstoffe.

Testmethoden

MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: DIN EN 16995:2017 mod.; die Modifika­tion betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Gesamtfettgehalt: ASU L 02.00-11:2013. 3-MCPD-Ester (ber. als 3-MCPD) / Glycidylester (ber. als Glycidol): DGF C-VI 18 (10) mod.; die Modifikation betrifft eine andere Matrix und die vorherige Abtrennung des Fetts. Chlorat/Perchlorat: LC-MS/ MS (in Anlehnung an die Methode des EU Reference Laboratory for Highly Polar Pesticides für Perchlorat [QuPPe-AO-Method]). Gesamtkeimzahl (aerob): ASU L 48.01- 14: 1987. Enterobakterien: ASU L 00.00-133/1:2018. Cronobacter spp.: ISO 21528- 1:2004 mod.; die Modifikation betrifft das vereinfachte MPN-Verfahren. Escherichia coli: ASU L 48.01- 20:1987. Koag.-pos. Staphylokokken: EN ISO 6888-3:2005-07. Präsumtive Bacillus cereus: ASU L 00.00-33. Sporen mesophiler sulfitred. Clostridien: ASU L 00.00-57:2006 mod.; die Modifikation betrifft den Erhitzungsschritt zur Abtötung der vege­tativen Keime. Salmonellen: ASU L 00.00-20. Listeria monocytogenes: ASU L 00.00-32 mod.; die Modifikation bezieht sich auf das Anreicherungsmedium. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Februar, Juli und Oktober 2019.

Diesen Test haben wir erstmals im ÖKO-TEST Magazin Mai 2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Kinder und Familie 2019 im September 2019, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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