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Krabbelstrumpfhosen-Test: Welche Strumpfhosen weder Babys noch der Umwelt schaden

Magazin November 2019: Tschüss Fleisch! | Autor: Jörg Döbereiner | Kategorie: Kinder und Familie | 24.10.2019

Baby-Strumpfhosen im Test: Wir haben 18 Strumpfhosen ins Labor geschickt. Das Ergebnis: Viele sind empfehlenswert.
Baby-Strumpfhosen im Test: Wir haben 18 Strumpfhosen ins Labor geschickt. Das Ergebnis: Viele sind empfehlenswert. (Foto: ÖKO-TEST )

Strumpfhosen: Sie liegen in jedem Kleiderschrank für Kinder. Wir haben sechs Krabbelstrumpfhosen mit Noppen und zwölf einfache Strumpfhosen getestet. Viele können wir empfehlen, in Anti-Rutsch-Noppen stecken allerdings öfter Schadstoffe. 

Geringelt oder gepunktet, mit Bagger-Motiv oder Tapir: Auf Strumpfhosen für Kleinkinder geht es ganz schön bunt zu. Aber: Gefärbte Baumwolle direkt auf zarter Babyhaut – ist das wirklich zu empfehlen? Ja, ist es. Keine der Hosen im Test enthält krebserregende Farbbestandteile. 

Insgesamt haben wir 18 Strumpfhosen für Kleinkinder überprüft, sechs davon mit Noppen gegen das Rutschen auf glatten Böden. Fünf Produkte haben Bio-Baumwolle ausgelobt, eines Bio-Schurwolle und Bio-Baumwolle. Im Fokus des Tests: Material und Inhaltsstoffe. 

Krabbelstrumpfhosen-Test: Mehr als die Hälfte der Hosen empfehlenswert 

Das Ergebnis: Acht Baby-Strumpfhosen schneiden mit dem Gesamturteil "sehr gut" ab, sechs weitere bewerten wir mit "gut". Damit können wir mehr als die Hälfte der getesteten Baby-Strumpfhosen empfehlen. Vier Produkte im Test erhalten aber auch schlechtere Noten.   

Positiv aufgefallen ist, dass die Textilien nicht abfärben, wenn sie mit Speichel oder Schweiß in Kontakt kommen. Auch die günstigsten nicht. Nur eine Strumpfhose im Test schwächelt hier etwas. Außerdem erfreulich: Viele Produkte überzeugen im Schadstofftest. 

Die Materialien von vier Baby-Strumpfhosen im Test sind allerdings verunreinigt. Das liegt an: "ABS" und Schurwolle. Den Begriff "ABS" haben die Hersteller von der Autoindustrie abgeschaut. Sie meinen damit allerdings kein Antiblockiersystem. Sondern Kunststoffnoppen an Füßen oder auch Knien, die verhindern sollen, dass die Kleinen mehr über den Boden schlittern als krabbeln und beim Laufen lernen ausrutschen. Doch woraus bestehen die Noppen? Anders als bei den textilen Materialien machen die Hersteller das oft nicht transparent. 

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In drei Krabbelstrumpfhosen stecken Weichmacher  

Von uns beauftragte Labore fanden heraus: In den Noppen von drei Krabbelstrumpfhosen im Test stecken sowohl chlorierte Verbindungen als auch Weich­macher. Diese Kombination ist nicht ungewöhnlich: Die Weichmacher machen, wie der Name schon sagt, sprödes PVC weich. Früher setzten Hersteller für solche Zwecke gern Phthalate ein, von denen allerdings einige als fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. In Babyartikeln und Spielzeug sind sie inzwischen streng geregelt.

Die Hersteller stiegen deshalb um auf Ersatzstoffe wie beispielsweise Diethylhexylterephthalat (DEHT). Diese Substanz kritisieren wir in den drei Strumpfhosen. Sie kann sich aus dem Kunststoff lösen und ist in der Umwelt weit verbreitet. Was sie dort anrichtet, ist noch nicht genug erforscht. Chlorierte Verbindungen wie PVC sehen wir kritisch, weil sie die Umwelt belasten und in der Müllverbrennung gesundheitsschädliche Dioxine freisetzen.

Silikon in Noppen von Krabbelstrumpfhosen 

Die Noppen von drei weiteren Krabbelstrumpfhosen sind aus Silikon. Leider enthalten alle drei das Siloxan D6. Diese Substanz listet die europäische Chemikalienagentur (ECHA) als "besonders besorgniserregenden Stoff", weil er sich in der Umwelt anreichert und dort sehr schwer abbaubar ist. 

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Baby-Strumpfhosen im Test: Verzichten Sie auf Noppen, wenn Ihr Kind sicher krabbelt. So schonen Sie die Umwelt.
Baby-Strumpfhosen im Test: Verzichten Sie auf Noppen, wenn Ihr Kind sicher krabbelt. So schonen Sie die Umwelt. (Foto: Xiao Jiang/getty images)

In einer einzigen Schurwollhose im Test wies ein Labor Spuren eines Pestizids nach: Cypermethrin. Wir lassen Schurwolle darauf untersuchen, weil manche Schafzüchter es einsetzen, um Insekten von der Wolle fernzuhalten. Die europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft den Stoff als giftig und schädlich für die Haut ein. Außerdem schädigt Cyper­methrin die Umwelt, es ist unter anderem sehr giftig für Wasserorganismen.

Apropos Umwelt: Vier Baby-Strumpfhosen kritisieren wir aufgrund halogenorganischer Verbindungen. Viele Substanzen dieser Stoffgruppe können sich in der Umwelt anreichern. Manche lösen auch Allergien aus. In Textilien können sie aus dem Färben oder aus der Oberflächenveredelung stammen.

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Optische Aufheller in Baby-Strumpfhosen im Test 

Problematisch sehen wir außerdem optische Aufheller. Auch sie belasten die Umwelt. Hersteller setzen sie trotzdem gern ein, um Etiketten oder Garne noch ein Stück weißer zu machen. Echt überflüssig, finden wir. Ganz besonders bei Etiketten im Inneren der Hosen.

Bliebe noch der Schadstoff TBEP (Tris [2-butoxyethyl]phosphat): Ein Labor wies ihn in einer Baby-Strumpfhose im Test nach. TBEP gehört zur Gruppe der phosphororganischen Verbindungen und wird häufig als Flammschutzmittel oder Weichmacher eingesetzt, aber auch in Wasch- und Reinigungsprodukten. Er kann unter anderem der Haut schaden und hat nach unserer Auffassung in Krabbelstrumpfhosen nichts verloren. 

Strumpfhosen: Umwelt schonen und Geld sparen  

  • Wenn Ihr Kind auch ohne Noppen fröhlich krabbelt, können Sie der Umwelt die zusätzlichen Schadstoffe ersparen. 
  • Sie können Geld sparen und die Umwelt schonen, indem Sie Kinderkleidung im Freundes- und Verwandtenkreis aus- und verleihen und gebraucht kaufen. Viele Schadstoffrückstände aus der Produktion sind aus gebrauchten Textilien gut rausgewaschen. 
  • Es gibt Mietportale und (Online-)Secondhandläden für Kindersachen. Kilenda, Kindoo, Räubersachen und Tchibo-Share vermieten zunächst für einen Monat und rechnen danach tagesgenau ab. Das Portal Räubersachen ist auf ökologische Kinderkleidung spezialisiert und repariert diese auch. Keine Bange: Die Kleidung darf zwar bei der Rückgabe heile und sauber sein, Sie müssen aber auch nicht draufzahlen, wenn doch ein Loch und Möhrenbreifarbe drin sind. 

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 18 Strumpfhosen für Kleinkinder eingekauft, sechs davon mit Noppen gegen das Rutschen auf glatten Böden. Fünf Produkte haben Bio-Baumwolle ausgelobt, eines Bio-Schurwolle und Bio-Baumwolle. Die Größen bewegen sich zwischen 80 und 98. Wir ließen die Strumpfhosen je nach Material anders prüfen: Schadstofflabore analysierten alle auf krebserregende aromatische Amine, krebsverdächtige Formaldehyd/- abspalter und weitere problematische Verbindungen wie hormonell wirksame Weichmacher.

Außerdem mussten alle Produkte simuliertem Speichel und Schweiß standhalten, wobei sich die Farben der Textilien nicht verändern durften. Hosen mit Noppen ließen wir zusätzlich untersuchen, unter anderem auf krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und giftige zinnorganische Verbindungen. Produkte mit Polyester prüften wir auf Antimon, die Schurwollhose auf Pestizide. Besonders kritische Schadstoffe bewerten wir unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Andere, insbesondere umweltschädliche Stoffe, führen wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel auf. Sie können das Gesamturteil verschlechtern. In der Speichel- und Schweißprüfung traten allenfalls geringe Mängel auf, sie haben keinen Einfluss auf das Gesamturteil.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) halogenorganische Verbindungen; b) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen (hier: TBEP); c) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier: DEHT, Diethylenglycoldibenzoat, Dipropylenglycoldibenzoat). Unter dem Testergebnis Speichel- und Schweißechtheit führt zur Abwertung um eine Note: geringe Mängel = Note 4 im Expertenurteil auf einer Skala von 1 (schlechteste Note) bis 5 (Bestnote).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: Der Nachweis von Cypermethrin in einem Produkt aus Schurwolle, das mit kbT gekennzeichnet ist. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Nonylphenolethoxylate; b) Dodecamethylcyclohexasiloxan (D6). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt; b) optische Aufheller.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein „gutes“ Testergebnis Weitere Mängel beeinflusst das Gesamturteil nicht. Ein „befriedigendes“ oder „ausreichendes“ Testergebnis Weitere Mängel verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein „mangelhaftes“ oder „ungenügendes“ Testergebnis Weitere Mängel verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein „gutes“ Testergebnis Speichel- und Schweißechtheit hat keinen Einfluss auf die Bewertung. 

Testmethoden

Analyse je nach Zusammensetzung des Produkts:

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. Es wurden, wo vorhanden, die Kunststoffnoppen untersucht.

Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes.

Antimon im Eluat: Elution mittels saurer Schweißlösung, ICP-MS.

Optische Aufheller: Qualitativer Nachweis (UV-Licht).

Aromatische Amine: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung entsprechend DIN EN 14362-1:2017-05. Bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend DIN EN 14362-3:2017-05; GC/MS und HPLC/DAD oder TLC; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Bestimmungsgrenze: 1 mg/kg.

Formaldehyd: Vortest mit Carbazol/Schwefelsäure; ggf. quantitative Bestimmung nach DIN EN ISO 14184-1:2011-12.

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): GC-MSD, getestet auf 25 PAK nach EU/EPA/JECFA. Es wurden, wo vorhanden, die Kunststoffnoppen untersucht.

Zinnorganische Verbindungen:  NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-ICP-MS auf Monobutylzinn (MBT), Dibutylzinn (DBT), Tributylzinn (TBT), Tetrabutylzinn (TTBT), Monoktylzinn (MOT), Dioktylzinn (DOT), Tricyclohexylzinn (TcyT), Triphenylzinn (TPT). Es wurden, wo vorhanden, die Kunststoffnoppen untersucht.

Phthalate, Ersatzweichmacher, phosphororganische Verbindungen, sonstige Verbindungen: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung.

Nonylphenolethoxylate: LC-MS/MS nach Extraktion.

Siloxane: GC/MS nach Extraktion. Es wurden die Noppen analysiert.

Bisphenol A, Phenol: Migration in Anlehnung an DIN EN 71-10:2006, HPLC-FLD.

Pestizide in Textilien mit Schurwollanteil: GC-MS/MS.

Speichel-/Schweißechtheit: Nach DIN 53160-1, 2: 2010-10. Die Bewertung der Echtheitsprüfungen erfolgt unter den in der Norm festgelegten Bedingungen mittels Graumaßstab (Lichtechtheit mittels Blaumaßstab), wobei Note 5 die beste Note darstellt und Note 1 die schlechteste.

Einkauf der Testprodukte: Juli 2019 

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