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46 Biere im Test

Regional schmeckt besser

Ratgeber Essen, Trinken und Genießen 9: 2009 | Kategorie: Essen und Trinken | 09.11.2009

46 Biere im Test

Durst wird durch Bier erst schön. Doch sind die großen Marken aus der Fernsehwerbung wirklich besser als die der kleinen Regionalbrauereien? Wir haben den Test gemacht. Das Ergebnis: Spitzenbiere werden bestimmt auch ganz in Ihrer Nähe gebraut.

Sie zahlen 100 Euro, werden Teilhaber einer Brauerei und bekommen jedes Jahr eine Kiste Bier. Und nach zehn Jahren kriegen Sie Ihre 100 Euro zurück. Dieses Angebot macht Ihnen Jan Opper, Geschäftsführer einer ganz kleinen Brauerei im hessischen Hinterland (das übrigens wirklich so heißt).

Zugegeben: Die Idee klingt ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich war auch die Idee, einem Insolvenzverwalter ein soeben bankrottgegangenes Brauhaus abzukaufen. Die Vision der Gründer, die teils gemeinsam die Schulbank gedrückt hatten: Die letzte Braustätte im Landkreis muss erhalten bleiben. Die Rechnung ging auf, seit rund zwei Jahren fließt das Bier wieder. In einem Umkreis von 35 Kilometern rund um den Brauereischornstein steht es im Getränkemarkt ganz selbstverständlich zwischen den großen Marken - und wird gekauft, weil die Verbraucher vermehrt nach regionalen Produkten fragen.

Dafür, dass traditionelle Marken "von hier" nicht verschwinden, hat auch Michael Ott gesorgt. Im Jahr 2001 waren dem Chef der Schussenrieder Brauerei aus Oberschwaben die Rechte an der über 400 Jahre alten Traditionsmarke Gögginger und der Bio-Marke Binger Lamm Bräu angeboten worden. Für Ott war klar, dass die Marken erhalten bleiben müssen. Ein Dutzend Produkte, darunter ein Öko-Vollmondbier und ein dunkles Bio-Bier mit dem Namen "Schwarzes Schäfle" würde es sonst vielleicht nicht mehr geben.

Aber Traditionspflege kann auch ganz anders aussehen, wie die Brauerei Weldebräu in der Kurpfalz zeigt. Auf ein besonderes Bier, gebraut aus Rohstoffen aus der Region, habe man schon immer großen Wert gelegt, erklärt Geschäftsführer Dr. Hans Spielmann. Das Dumme nur: Im Getränkemarkt habe man das dem Produkt natürlich nicht angesehen. Warum also sollte man dafür mehr ausgeben?

Mitte der 90er-Jahre entschloss man sich zu einem radikalen Schnitt. Dass "Aus Lust und Laune" gebraut wurde - so der Werbeslogan - sollte auch die Verpackung vermitteln: Welde füllte das Bier fortan in eine, von einem Künstler entworfene, spiralartig geschwungene Flasche, die aussieht, als würde sie tanzen. Die neue Pfandflasche war sofort Kult und ist heute mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet. In der ersten Zeit habe es sogar Schwierigkeiten mit dem Rücklauf gegeben, weil viele die leere Flasche als Blumenvase genutzt hätten. Auch die Szenegastronomie und die Veranstalter von Abipartys klopften auf der Suche nach einem coolen Bier zunehmend bei Welde an.

Man könnte noch viel mehr Geschichten von kleinen, jahrhundertealten Brauereien erzählen. Doch oft würden diese mit einem resignierten Geschäftsführer enden, der als Letzter das Licht ausmacht. Oder mit einem Insolvenzverwalter, der die Akte "Alte Brauerei" zuschlägt. Denn in den vergangenen Jahren haben die kleinen regionalen Brauereien gelitten. Gab es im Jahr 2001 noch mehr als 300 Brauereien mit einer Produktion zwischen 10.000 und 100.000 Hektolitern pro Jahr, waren es 2008 nur noch 242.

Zwei Entwicklungen machen den kleinen Brauern Angst: der eine ist der Trend hin zur großen Marke. Der andere: Es wird überhaupt immer weniger Bier getrunken. Flossen in den 70er- und 80er-Jahren noch zwischen 140 und 150 Liter Gerstensaft jede Kehle herunter, lag der Pro-Kopf-Verbrauch zuletzt bei nur noch etwas mehr als 110 Litern pro Jahr - Tendenz weiter fallend.

Wir wollten wissen, ob es wirklich immer die große Marke sein muss, und haben getestet: Zum einen 20 große Pils-Marken, denn das bittere, schlanke Pils ist die mit Abstand am meisten getrunkene Biersorte in Deutschland. Darüber hinaus im Test: 26 vergleichsweise kleine, regionale Marken aus allen Teilen Deutschlands. Hier haben wir neben Pils auch das regional beliebte mild-süffige Helle/Export, das naturtrübe Kellerbier sowie ein paar Spezialitäten getestet. Unsere Frage: Große Marke oder kleine Regionalbrauerei - wer macht das bessere Bier?

Das Testergebnis

Sie können nach Lust und Laune auswählen. Denn wir können alle Biere empfehlen, sowohl die großen Marken als auch die regionalen. Nur bei einzelnen Produkten gibt es kleine Einschränkungen.

Die Mehrzahl der Biere ist vom Geschmack her "sehr gut" und bekommt auf einer Skala mit maximal fünf Punkten, die für sensorische Prüfungen üblich ist, Punktzahlen zwischen 4,50 und 5,00 - also Oberklasse. Die kleinen Brauereien brauchen den Vergleich mit den großen Spitzenmarken also keinesfalls zu scheuen. Mehr noch: Wenn man ganz genau auf die Punktzahlen hinter dem Komma sieht, wird's an der Spitze ganz eng - und letztlich liegen ein paar regionale Brauereien vorne: Am meisten überzeugt haben das Ayinger Jahrhundert-Bier, das Pinkus Special, Bioland, das Hinterländer Pils, das Meckatzer Weiß-Gold und das Schussenrieder Original No.1 Museumsbier. Erst dann kommen in der Rangliste mit Rothaus Pils Tannenzäpfle und Beck's, Pils die ersten überregional verbreiteten Marken.

Biere, die sensorisch nicht restlos überzeugen konnten, erreichten auf der Fünf-Punkte Skala nur Werte zwischen 4,00 und 4,49 und damit ein "gut". Das Wicküler Pilsener bekam noch weniger als 4,00 Punkte und muss sich hier mit der Note "befriedigend" begnügen.

4,4 Vol.-% Alkohol hat das von uns beauftragte Labor im Riedenburger historisches Emmerbier, Bioland analysiert. Auf dem Etikett ist aber von 5,5 Vol.-% die Rede. Eine viel zu hohe Abweichung, finden wir, und werten um eine Stufe ab. Denn auch die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung erlaubt nur Abweichungen von einem halben Prozent.

So reagierten die Hersteller

Die Glückauf-Brauerei schickte uns einen Brief und erklärte, wir sollten die gefundenen Arsengehalte bitte "nicht veröffentlichen". Die Angabe "verunsichert den Verbraucher total". Statt Informationen zu unterdrücken, klären wir unsere Leser aber lieber auf und weisen darauf hin, dass die gefundenen Arsenspuren bei einem normalen Bierkonsum als gesundheitlich unbedenklich einzustufen sind.

Der Hersteller des Produktes Riedenburger historisches Emmerbier erklärt den zu niedrigen Alkoholgehalt mit einer zu kurzen bzw. zu schleppenden Vergärung, die auf unterschiedliche Rohstoffqualitäten zurückzuführen sei. Um eine etwaige Überschreitung der Alkoholangabe nach oben zu vermeiden, sei die Alkoholangabe auf dem Etikett relativ hoch angesetzt.

Das spricht für die regionale Marke

Umweltschutz: Die Wege sind kurz. Bierkästen aus anderen Teilen der Republik sind nicht nur befüllt lange auf der Autobahn unterwegs - auch die Kisten mit Leergut müssen früher oder später wieder zurück zur Brauerei.

Das Geld bleibt in der Region: Statt internationale Braukonzerne zu unterstützen, bleibt Ihr Geld in Ihrer Gegend und sichert hier Arbeitsplätze. Auch beim Sport- und Kultursponsoring geben sich die kleinen Brauereien "lokalpatriotisch": Statt des internationalen Fußballturniers oder des Fernsehkrimis unterstützen kleine Brauereien eher den örtlichen Sportverein oder den regionalen Künstlerclub.

Sortenvielfalt: Spezialitäten wie Dampfbier, Dinkelbier, dunkles Bier etc. gibt es oft nur von kleineren Brauereien. Große Brauereien beschränken sich oft auf Pils und Weizenbier.

Stichwort: Individualflasche

Mehrere Brauereien, darunter Veltins, Radeberger und Bitburger, aber auch kleine Brauereien füllen Bier in Mehrwegflaschen ab, auf denen ein Schriftzug der Brauerei auf dem Glas zu erkennen ist. "Individualflasche" nennt man sie in der Getränkebranche. Von den üblichen Bierflaschen können sie sich außerdem in der Form leicht unterscheiden. Glaubt man Brancheninformationen, könnten noch weitere Brauereien Individualflaschen auf den Markt bringen, um sich von der Konkurrenz abzusetzen und dem Produkt ein unverwechselbares Aussehen zu geben. Der Handel klagt dagegen über einen höheren Sortieraufwand. Denn je mehr verschiedene Bierflaschen es gibt, desto mehr werden falsch einsortiert. Ein Problem ist das auch für kleine Brauereien ohne aufwendige Flaschenerkennungsmaschinen. So kann es schon mal vorkommen, dass Bier versehentlich in eine falsch sortierte Individualflasche einer anderen Brauerei abgefüllt wird. Eine Öko-Bilanz für Individualflaschen gibt es noch nicht. Auf ein im Vergleich zur Standardflasche geringeres Gewicht weist Bitburger im Zusammenhang mit seiner neuen Individualflasche hin. Pro Kiste spare man zirka ein Kilogramm. So würden zwei Paletten Bier mehr auf einen Lastwagen passen. Zudem spare man durch die leichtere Flasche wertvolle Rohstoffe ein, sie könne auch mindestens genauso oft neu befüllt werden wie eine Standard-Bierflasche. Andererseits ist fraglich, ob durch den erhöhten Sortieraufwand nicht unnötig Ressourcen verschwendet werden. So oder so: Bier von Brauereien aus der Nähe und in Mehrwegflaschen - das ist auf jeden Fall eine gute Wahl.

Test kostenlos abrufen (PDF)

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Bier: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Wicküler Pilsener
  • Wicküler Brauerei

    gut

Karlsberg Urpils
  • Karlsberg Brauerei

    sehr gut

Hasseröder Premium Pils
  • Hasseröder Brauerei

    sehr gut

Beck's, Pils
  • Inbev

    sehr gut

Rothaus Pils Tannenzäpfle
  • Badische Staatsbrauerei Rothaus

    sehr gut

Graf Arco Edell Edel & Hell
  • Gräfliche Brauerei Arco Valley

    sehr gut

Dithmarscher Pilsener
  • Dithmarscher Privatbrauerei

    sehr gut

Pott's Prinzipal Premium Pilsener
  • Pott's Brauerei

    sehr gut

Kauzen Premium Pils
  • Kauzen-Bräu

    sehr gut

Darmstädter Braustüb'l Pilsner
  • Darmstädter Privatbrauerei

    sehr gut

Holsten Pilsener Premium
  • Holsten-Brauerei

    sehr gut

Jever Pilsener
  • Friesisches Brauhaus zu Jever

    sehr gut

Welde No. 1 Premium Pils
  • Privatbrauerei Weldebräu

    sehr gut

Flensburger Pilsener
  • Flensburger Brauerei

    sehr gut

Kirner Pils Premium
  • Kirner Privatbrauerei

    sehr gut

Neumarkter Lammsbräu Pilsner, Naturland, Bioland
  • Neumarkter Lammsbräu (Naturwarenladen)

    sehr gut

Westheimer Premium Pilsener
  • Stolberg'sche Brauerei Westheim

    sehr gut

Pinkus Special, Bioland
  • Brauerei Pinkus Müller

    sehr gut

Sternburg Pilsener
  • Sternburg Brauerei

    sehr gut

Rosen Pils Premium
  • Rosenbrauerei Pößneck

    sehr gut

Kloster Scheyern Kloster-Gold Hell
  • Klosterbier-Vertrieb

    sehr gut

Meckatzer Weiss-Gold
  • Meckatzer Löwenbräu Benedikt Weiß

    sehr gut

Glückauf Pilsener Premium
  • Glückauf-Brauerei

    sehr gut

Ayinger Jahrhundert-Bier
  • Brauerei Aying

    sehr gut

Bitburger Premium Pils
  • Bitburger Privatbrauerei

    sehr gut

Paderborner Pilsener
  • Paderborner Brauerei

    sehr gut

Hinterländer Pils
  • Hinterländer Brauhaus

    sehr gut

Störtebeker Pilsener
  • Stralsunder Brauerei

    sehr gut

Landsberger Premium Pils
  • Brauerei Landsberg

    sehr gut

Schussenrieder Original No 1 Museumsbier
  • Schussenrieder Erlebnisbrauerei

    sehr gut

Radeberger Pilsner
  • Radeberger Exportbierbrauerei

    sehr gut

Lübzer Pils Premium
  • Mecklenburgische Brauerei Lübz

    sehr gut

Riedenburger historisches Emmerbier, Bioland
  • Riedenburger Brauhaus (Naturwarenladen)

    gut

Schaumburger Premium Pilsener
  • Schaumburger Privat-Brauerei

    sehr gut

Reichenbrander Unser Helles
  • Brauerei Reichenbrand

    sehr gut

Warsteiner Premium Verum
  • Warsteiner Brauerei

    sehr gut

Kaiser Original
  • Kaiser-Brauerei Geislingen

    sehr gut

Krombacher Pils
  • Krombacher Brauerei

    sehr gut

Ketterer Edel
  • Familienbrauerei M. Ketterer

    sehr gut

Post Pilsener Premium algovia
  • Post Brauerei Weiler

    sehr gut

Rhöner Land Premium
  • Rhönbrauerei Dittmar

    sehr gut

Dachsenfranz Kellerbier
  • Adlerbrauerei Zuzenhausen

    sehr gut

Original Oettinger Pils, Gotha
  • Brauhaus Oettingen

    sehr gut

Veltins Pilsener
  • Brauerei C. & A. Veltins

    sehr gut

König Pilsener
  • König-Brauerei

    sehr gut

Astra Urtyp
  • Bavaria - St. Pauli-Brauerei

    sehr gut

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Erschienen am 09.11.2009

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