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Radler-Test: Wie gut sind Bitburger, Becks & Co.?

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2021 | Autor: Birgit Hinsch/Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 15.10.2020

Radler im Test: Wir haben insgesamt 50 Biermixgetränke überprüft.
Foto: ÖKO-TEST

Ein Radler im Sommer ist erfrischend, doch sind die Biermixgetränke auch frei von Mängeln? Wir haben 50 Marken getestet, etwas mehr als ein Drittel ist empfehlenswert. Viele Radler schneiden allerdings nur mittelmäßig ab. Die Probleme: Zu viel Zucker und Spuren von Glyphosat. 

  • 18 Radler im Test schneiden "gut" ab, der Rest ist nur mittelmäßig.   
  • Am häufigsten kritisieren wir zu viel Zucker in den getesteten Radlern. 
  • Spuren des umstrittenen Pestizids Glyphosat stecken in fünf Radlern im Test.

Aktualisiert am 15.10.2020 | Gesetzlich ist nicht geregelt, wie ein Radler beschaffen sein soll. Allgemein bezeichnet man eine Mischung aus Bier und klarer Zitronenlimonade im Verhältnis 50:50 als Radler. Doch das Angebot ist vielfältiger geworden. Mit naturtrüben Saftbestandteilen oder unfiltriertem Bier schrauben Hersteller an Aussehen und Geschmack, mit dem Verzicht auf Aromen und Zusatzstoffe soll noch mehr Natur in die Flasche kommen.

Wir haben 50 Radler getestet: Klassische Mixgetränke aus Vollbier und klarer Zitronenlimonade, aber auch etliche Naturradler und naturtrübe Varianten.

Radler-Test: 18 Marken sind empfehlenswert

Das Ergebnis: Keines der Radler im Test schneidet "sehr gut" ab, 18 aber bewerten wir mit "gut". Die übrigen teilen sich ein breites Mittelfeld aus "befriedigenden" und "ausreichenden" Noten. Was sind die Gründe dafür? In Kürze: 

  1. Spuren des Pestizids Glyphosat
  2. Zu viel enthaltener Zucker 
  3. Fehlende Angaben zu Kalorien und Zutaten auf den Etiketten
  4. Einsatz von Zusatzstoffen in "natürlichen" Radlern 
Radler-Test: Alle Testergebnisse als ePaper kaufen

Spuren von Glyphosat in fünf Radlern im Test 

In fünf Radlern im Test wies das beauftragte Labor Spuren des umstrittenen Pestizids Glyphosat nach. Das ist deutlich seltener als im Bier-Test aus dem vergangenen Jahr. Vermutlich kommt Glyphosat aus dem verwendeten Getreide oder dem Malz. Gesundheitlich bedenklich sind die festgestellten Spuren nicht. Wir kritisieren Rückstände des Unkrautvernichtungsmittels unter anderem deshalb, weil es sich negativ auf die biologische Vielfalt auswirkt.

Das Ackergift ist eines des am meisten diskutierten Pestizide der letzten Jahre. Die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) stufte Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" ein. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA konnte oder wollte das nicht bestätigen.

Anstoßen auf den Sommer: Dafür können wir 18 "gute" Radler empfehlen.
Anstoßen auf den Sommer: Dafür können wir 18 "gute" Radler empfehlen. (Foto: Roman Samborskyi/Shutterstock)

Fakt ist: In Deutschland ist das Herbizid nach wie vor das mit Abstand am häufigsten versprühte Spritzgift. Vor allem die schädlichen Folgen für die Umwelt sind zuletzt mehr und mehr in den Fokus gerückt. Ungeachtet dessen steht das endgültige Aus für den Unkrautvernichter erst Ende 2022 an. Umso besser, dass die Bierbranche an dem Thema arbeitet. Laut dem Deutschen Brauer-Bund habe Überzeugungsarbeit in der gesamten Lieferkette dazu geführt, Rückstände von Glyphosat weitgehend zu vermeiden.

In Radlern steckt zu viel Zucker  

Zucker ist der Hauptgrund, weshalb kein Radler im Test besser als "gut" abschneidet. Verbraucher nehmen mit einer Flasche Radler oft schon mehr Zucker auf, als die WHO Erwachsenen nach ihren strengen Richtlinien für einen ganzen Tag als Obergrenze empfiehlt. Zucker fördert Übergewicht und Diabetes. Zuckerhaltige Getränke stehen in diesem Zusammenhang besonders in der Kritik. Denn sie machen anders als feste Nahrungsmittel nicht satt und ersetzen damit keine Mahlzeit.

Wir meinen: Zuckerarm trinken ist besser. Radler, die mehr als 2,5 Prozent Zucker enthalten, erhalten eine Note Abzug. Diese Grenze zieht die europäische Health-Claims-Verordnung für ein "zuckerarmes" Getränk. Ist doppelt so viel enthalten, werten wir um zwei Noten ab. Die 5-Prozent-Grenze haben auch die britischen Getränkehersteller im Blick. Packen sie mehr Zucker in ihre Produkte, wird eine Zuckersteuer fällig.

Radler-Test: Welche Marken sind empfehlenswert?

Fünf Radler im Test sind mit künstlichen Süßstoffen gesüßt. Das sorgt zwar für weniger Kalorien, ist aber keine ideale Lösung, denn Süßstoffe fördern unter anderem die Gewöhnung an süßen Geschmack.

Neben dem Zucker aus der Limonade hat auch das Bier ordentlich Kalorien. Ein halber Liter Radler kann es auf bis zu 225 Kilokalorien bringen. Ärgerlich, wenn Verbraucher diese Angaben auf dem Etikett nicht finden. Im Test betrifft das rund der Hälfte der Produkte. Auf zwei Radlern im Test steht noch nicht einmal ein Zutatenverzeichnis. Transparenz sieht anders aus.

Wie schmecken die Radler im Test? 

Im Test hatten manche Radler eine leichte Hopfenbittere im Abgang, andere waren leicht malzaromatisch und erfrischend säuerlich ausklingend. Positiv vermerkten die Prüfer, wenn Süße und Säure ausgewogen harmonierten. Objektive Fehler wie eine muffige Note stellten sie in keinem Getränk fest. Was den Geschmack angeht, liegen alle Radler im grünen Bereich.

(Foto: ÖKO-TEST)

Wie viel Natur steckt in "natürlichen" Radlern? 

Etliche Radler nennen sich "naturtrüb", "Naturradler" oder "100 % natürlich". Aber wie viel Natur steckt tatsächlich in den Produkten? Zunächst ist festzuhalten, dass "naturtrüb" lediglich das Aussehen eines Radlers beschreibt. Trüb wird das Produkt etwa durch die Zugabe von Saftbestandteilen oder unfiltriertem Bier. Meistens sind auch Stabilisatoren mit von der Partie, denn sie verhindern, dass sich Trübstoffe auf dem Flaschenboden absetzen.

Die Bezeichnung "Naturradler" verheißt hingegen eine besonders reine Zusammensetzung. Akzeptabel sind dafür aus unserer Sicht natürliche Zitrusaromen und -extrakte, nicht jedoch Zusatzstoffe wie Stabilisatoren, Antioxidations- oder Konservierungsmittel. Der Ursprung dieser Zusätze mag ein Naturstoff sein, tatsächlich sind sie aber aufwendig hergestellt. Sind Zusatzstoffe im Spiel, bemängeln wir die Bezeichnung "Naturradler".

Radler kaufen: Das sollten Sie beachten 

Darauf sollten Sie beim Kauf von Biermixgetränken achten:

  • Gut für die Umwelt und die Vielfalt der Braukultur: Radler in Mehrwegflaschen aus der näheren Umgebung einkaufen.

  • Werbung mit "Natur" hat auf Radlern wenig zu bedeuten. "Bio" dagegen ist ein gesetzlich geregelter Begriff und steht unter anderem für den Anbau der Zutaten ohne Pestizide.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 8/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Im Warenkorb landeten 50 Biermischgetränke der Sorte Radler. Wir schauten vorzugsweise nach klassischen Produkten aus Vollbier und klarer Zitronenlimonade, fanden aber auch etliche Naturradler und naturtrübe Varianten. Auch vier Bio-Produkte haben wir eingekauft.

Im Labor ließen wir die Radler auf Schwermetalle, Keime und Glyphosat untersuchen. Auch der Zuckergehalt und die Überprüfung des deklarierten Alkoholgehalts standen auf dem Prüfprogramm. Ausgebildete Sensorikexperten beschrieben den Geschmack. Entscheidend für das Gesamturteil ist vor allem der Zuckergehalt. Liegt er über 5 Gamm pro 100 Milliliter, kann das Getränk nicht besser als "befriedigend" sein. Einige Male führen Süßstoffe und der Nachweis des besonders bedenklichen Pestizids Glyphosat zum Notenabzug.

Die Deklaration lässt oft zu wünschen übrig: fehlende Angaben zu Nährwerten oder die Herausstellung eines Produkts als "Naturradler", obwohl Zusatzstoffe enthalten sind, kritisieren wir.

Bewertunsglegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein Zuckergehalt von mehr als 5,0 g pro 100 ml. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Zuckergehalt von mehr als 2,5 bis 5,0 g pro 100 ml; b) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid (hier: Glyphosat) in einer Menge von mehr als 0,01 mg/kg unverarbeiteter Braugerste, berechnet unter Berücksichtigung des Verarbeitungsfaktors 0,05 für Glyphosat in Bier (Quelle: BfR-Datensammlung zu Verarbeitungsfaktoren) und unter der Annahme, dass der im Produkt gemessene Gehalt vollständig aus der Braugerste des Bieranteils stammt; c) künstliche Süßstoffe.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) kein Zutatenverzeichnis; b) Dose oder PET-Einwegflasche. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Nährwerte und/oder Energiegehalt pro 100 ml nicht deklariert; c) ein aus unserer Sicht bei alkoholhaltigen Getränken ungeeigneter Hinweis auf der Flasche, das Produkt sei ein guter Durstlöscher oder vergleichbare Aussagen wie "für den großen Durst"; d) Auslobung des Produkts als "Naturradler", obwohl Zusatzstoffe enthalten sind.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Dieser Test löst den Test Biermischgetränke aus dem ÖKO-TEST Magazin 6/2008 ab.

Testmethoden 

Alkohol: Mebak WBBM 2.9.6.3. Extrakt, scheinbar: Mebak WBBM 2.9.6.3. Mikrobiologische Untersuchungen: Mebak Band 3, 2. Auflage 1996; 10.11.1.2, 10.11.1.4, 10.12.2. Gesamtsäure: Mebak Würze/Bier/Biermischgetränke 2012 3.2.3 Titrierbare Säure (berechnet als Zitronensäure). Glucose/Fructose/Saccharose/Maltose/Gesamtzucker: HPLC/HPAEC-PAD. Glyphosat: LC-MS/MS. Elemente (Aluminium, Arsen, Blei, Bor, Barium, Cadmium, Kobalt, Chrom, Kupfer, Quecksilber, Mangan, Nickel, Uran, Vanadium, Zinn, Zink): Quantitative Bestimmung gem. DIN EN ISO 17294-2 (01/2017). Bisphenol A: LC-MS/MS (Bestimmung in Dosenprodukten). Beschreibende Konsensverkostung: nach Einzelprüfungen wurden die Einzelergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebnis erarbeitet. Eine Punktevergabe oder anderweitige Bewertung erfolgte nicht. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: April/Mai 2020 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 8/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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