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ÖKO-TEST Juli 2014
vom

Bodenbeläge, Elastische

Volt Ihr das?

Als Alternative zu PVC-Böden werden heute chlorfreie elastische Beläge angeboten. Unser Test zeigt: Sie sind deutlich geringer mit Schadstoffen belastet als PVC-Produkte. Doch leider gibt es auch einen Wermutstropfen: Alle untersuchten Marken haben sich stark elektrostatisch aufgeladen.

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27.06.2014 | PVC-Bodenbeläge sind - wie unsere früheren Tests gezeigt haben - wahre Schadstoffschleudern. Da steckt so einiges drin: hormonell wirksame Weichmacher und Stabilisatoren, reizende und umweltbelastende Flammschutzmittel, krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und noch vieles mehr. Dennoch werden sie gut verkauft, weil sie zumeist billig sind und als pflegeleicht gelten.

Doch ÖKO-TEST-Leser fragten in unserer Verbraucherberatung immer wieder nach Alternativen. Tatsächlich gibt es auch elastische Bodenbeläge aus Kautschuk und anderen Kunststoffen, die das Umweltzeichen Der Blaue Engel tragen. Dessen Vergabekriterien verbieten immerhin einige Stoffe oder begrenzen deren Mengen. Bisher ist die Zahl der zertifizierten Produkte allerdings noch sehr überschaubar.

Die alternativen elastischen Bodenbeläge kosten bis zu 70 Euro pro Quadratmeter - für das Geld könnte man auch Parkett- und Fliesenbeläge bekommen. Warum Verbraucher trotzdem zum Kunststoffbelag greifen? Der geringe Pflegeaufwand und die Unempfindlichkeit sind zum Beispiel für unseren Leser Leo Meis entscheidend, außerdem sind ihm Fliesen zu kalt und stoßempfindlich. Ähnlich argumentiert Axelle Bouteille, auf der Suche nach einem Belag für den Flur, der feuchteunempfindlich und angenehm beim Barfußgehen sein soll. Ihr Favorit aus Polyurethan sei weich, fühle sich gut an, sei strapazierfähig und sähe dabei auch noch gut aus.

Bodenbeläge aus Kautschuk werden überwiegend aus synthetischem Kautschuk hergestellt - teilweise mit Anteilen von natürlichem Latex, gewonnen aus dem Milchsaft des Kautschukbaums. Das Material ist sehr elastisch, rutschfest, geräuscharm und leicht federnd beim Begehen. Daher wird es - vor allem als Noppenmaterial - selbst in stark frequentierten öffentlichen Bereichen wie Bahnhöfen und Flughäfen eingesetzt. Die Oberfläche ist sehr dicht, sodass sich kein Schmutz in Poren setzen kann.

Daneben werden Bodenbeläge aus den Kunststoffen Polyurethan (PU) und Polyolefin angeboten. Polyurethane entstehen aus Reaktionen mit Isocyanaten. Diese Ausgangsstoffe sind krebsverdächtig; wenn die Reaktion jedoch abgeschlossen ist, sind die problematischen Verbindungen nicht mehr im Material nachzuweisen. Darüber hinaus werden Katalysatoren und Stabilisatoren benötigt, um dem Material die notwendigen Eigenschaften wie Licht- und Farbechtheit zu geben. Polyurethan kann hart und spröde, aber auch weich und elastisch sein. Die Bodenbelagshersteller Windmöller und Vorwerk setzen nach eigenen Aussagen zu 80 bis 90 Prozent nachwachsende Rohstoffe wie Rizinus- und Rapsöl ein und bezeichnen ihre Bodenbeläge als "Bio-Boden" oder "Bio-Polyurethan". Auf Isocyanate als Ausgangsstoff könnten sie jedoch nicht verzichten, dazu gebe es bislang noch keine Alternative - laut Windmöller werde jedoch daran gearbeitet. Polyolefine wiederum sind ein Sammelbegriff für Kunststoffe, die Polyethylen und Polypropylen enthalten, und die das Polyvinyl im PVC ersetzen. Zum Teil sind die Oberflächen noch beschichtet, zum Beispiel mit PU.

Um zu prüfen, ob die alternativen Materialien wirklich weniger belastet als PVC sind, schickten wir acht Beläge aus Kautschuk- und anderen Kunststoffmaterialien, die alle den Blauen Engel tragen, in die Labore und unterzogen sie einem aufwendigen Prüfprogramm auf Schadstoffe und Oberflächenspannung.

Das Testergebnis

In Bezug auf die Schadstoffbelastung sind vier elastische Bodenbeläge mit dem Blauen Engel eine gute Wahl. Und selbst die Produkte, die nur "mangelhaft" oder "ungenügend" abschneiden, enthalten deutlich weniger Schadstoffe als PVC-Böden. Allerdings laden sich alle Kunststoff- und Kautschukmaterialien ordentlich elektrostatisch auf.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
... konzentrierte sich auf elastische Bodenbeläge mit dem Umweltsiegel Der Blaue Engel, die als PVC-Alternative angeboten werden. Falls möglich, wählten wir leicht handhabbare Fliesen oder Planken, teilweise gibt es sie jedoch auch als Bahnenware.

Die Inhaltsstoffe
Sind die alternativen Beläge tatsächlich weniger belastet als die PVC-Schadstoffschleudern? Wir ließen die Bodenbeläge analog zu den PVC-Belägen aus früheren Tests analysieren. Das Prüfprogramm umfasste Weichmacher und Flammschutzmittel, zinnorganische Verbindungen und Schwermetalle, die als Katalysatoren oder Stabilisatoren eingesetzt werden, sowie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) - das sind Rückstände aus der Erdölindustrie. All diese Stoffe können negative Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt haben; zum Teil greifen sie in den Hormonhaushalt ein oder sind krebserregend. Da Der Blaue Engel für emissionsarme Produkte steht, wurde zudem gemessen, ob tatsächlich nur wenig ausgast.

Die Oberflächenspannung
Kunststoffoberflächen können sich elektrostatisch aufladen, je nach Zusammensetzung bauen sich die Spannungen schneller oder langsamer wieder ab. Sie wirken sich negativ auf das Raumklima aus, Staub und mit ihm auch Allergene und Schadstoffe werden aufgewirbelt. Im Labor wurden diese Oberflächenspannungen durch realistische Alltagsbedingungen erzeugt und gemessen, welche Widerstände ein Ableiten der Spannung verzögern.

Die Bewertung
Großflächige Bodenbeläge, mit denen man ständig in Berührung kommt, sollten möglichst keine Schadstoffe enthalten. Deshalb gewichten wir die Inhaltsstoffe stärker als die Oberflächenspannung. Sehr kritisch sehen wir - ganz im Einklang mit der Europäischen Kommission und der Europäischen Chemikalienagentur ECHA - die nachgewiesenen zinnorganischen Verbindungen, die das Immun- und das Hormonsystem schädigen können, und die deshalb auch in Verbraucherprodukten wie Bodenbelägen verboten sind - wenn auch mit hohem Grenzwert.

So haben wir getestet

Die Oberflächenspannung entstand zum Beispiel durch Reibung mit einer Schuhsohle