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17 Lehmfarben und Lehmstreichputze im Test

Guter Ton?

ÖKO-TEST August 2014 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 25.07.2014

17 Lehmfarben und Lehmstreichputze im Test

Erfüllen auch die dünnen Lehmanstriche aus dem Heimwerkerbereich die hohen Erwartungen an den natürlichen Baustoff Lehm? Die Inhaltsstoffe der von uns untersuchten Produkte sind meist akzeptabel und vor allem nicht verstrahlt. Doch das Raumklima verbessern die Lehmanstriche nur teilweise.

Lehm ist ein uralter natürlicher Baustoff. Mit gestampftem Lehm oder mit Lehmziegeln wurde schon vor Jahrtausenden gebaut und mit ihm die ersten massiven Wände errichtet. In älteren Häusern finden sich noch Innenwände aus Lehm. Auch in Geschossdecken und zum Verputzen wurde Lehm verarbeitet. Doch dann geriet der Baustoff bei uns ziemlich in Vergessenheit.

Seit einigen Jahren nun hat Lehm als ökologisches Material ein beachtliches Comeback hingelegt - vor allem in der Fachwerksanierung, als Putz und neuerdings auch als Anstrich. Grund für die Renaissance des Baustoffes ist die Tatsache, dass Lehm Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen, speichern und nach und nach wieder abgeben kann. So werden für die Schleimhäute ungesund niedrige oder schimmelfördernde hohe Luftfeuchtespitzen ausgeglichen und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Luftfeuchtigkeit auf 45 bis 55 Prozent einpegelt - ein für den Menschen optimal verträgliches Raumklima. Die enthaltenen Tonminerale können zudem Schadstoffe und Gerüche binden, hat die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Prüfkammern festgestellt. "Die Schadstoffe werden aber nicht aufgespalten und nur zu geringen Anteilen dauerhaft angelagert; sie werden langsam wieder in geringen Konzentrationen abgegeben", erläutert der von uns beauftragte Lehmexperte Professor Christof Ziegert aus Berlin. Die Tonminerale haben aber immerhin eine puffernde Wirkung. Ein weiterer Grund für die neue Beliebtheit von Lehm: Räume lassen sich mit natürlichen Farbtönen und je nach Art des Auftrags mit besonderen Strukturen gestalten.

Lehm ist ein Gemisch aus Ton und unterschiedlichen sandigen Anteilen. Mit Wasser versetzt, entsteht eine plastische formbare Masse. Ton und Sand werden an vielen Orten in Deutschland gewonnen. Sie finden sich in verschiedenen geologischen Schichten. So ist zum Beispiel der Westerwald in Hessen ein Gebiet mit bedeutenden Vorkommen. Der dort ansässige Hersteller Maroton verwendet, wie er uns erläuterte, verschiedenfarbige Lehme und Sande aus der Region, die er selbst selektiv abbaut, sodass er ohne weitere Pigmente unterschiedliche Putze anbieten kann. Andere Hersteller greifen zu mineralischen Pigmenten, möglicherweise auch in die chemische Trickkiste, um ein großes Spektrum mit kräftigen Farbtönen anbieten zu können.

Lehmputz wurde in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Es stehen heute verschiedenste Produkte zur Verfügung. Als dicke Grundputze schaffen sie eine ebene Grundlage und dienen als Trägerschicht für Oberputze, Fein- oder Edelputze, die dann die Optik ausmachen. Aber erst ab einer Stärke von etwa einem Zentimeter in einem durchschnittlich großen Raum kann der Lehm nach Aussagen von Fachleuten seine positiven Eigenschaften voll ausspielen. Bei den richtigen Lehmputzen ist allerdings handwerkliches Können vonnöten und sie sind teurer als normaler Gips- oder Zementputz. Deshalb oder weil bereits ein anderer Putz vorhanden ist, begnügen sich Bauherren oft mit einem


Lehmfarben/-streichputze: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Conlino Lehmstreichputz
  • Conluto

Lehmorange Lehmstreichputz
  • Lehmorange

Pro Crea Lehmstreichputz
  • Pro Crea

Greenline Lehmfarbe
  • Greenline

Hornbach Lehmfarbe
  • Hornbach

Clayfix Lehm Direkt Streichputz
  • Claytec

Lesando Furioso Lehm-Streichputz
  • Lesando

Livos Elerkos Lehmfarbe, weiß
  • Livos

Volvox Espressivo Lehmfarbe, mont blanc
  • Ecotec Naturfarben

Casa Natura Ravenna Lehmstreichputz  + Vinci Pigment Apricot
  • Casa Natura

Maroton Lehmstreichputz
  • Maroton

Pronatur Lehmfarbe, naturweiß
  • Baufan

Kreidezeit Vega Lehmstreichputz
  • Kreidezeit

Tierrfino I-Paint Lehmfarbe, Dover-Weiss
  • Tierrfino

Leinos Lehmfarbe
  • Leinos

Schulz Lehmstreichputz + Acryl Vollton- u. Abtönfarbe Sahara
  • Schulz

Rapido-Lehmstreichputz + Pigment Oxydgelb
  • Lausitzer Naturbaustoffe

17 Lehmfarben und Lehmstreichputze im Test
ÖKO-TEST August 2014 Seite 118
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ÖKO-TEST August 2014 Seite 123
ÖKO-TEST August 2014 Seite 124
ÖKO-TEST August 2014 Seite 125

8 Seiten
Seite 118 - 125 im ÖKO-TEST August 2014
vom 25.07.2014
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Sofern im Angebot haben wir in Baumärkten, Naturbaumärkten und über den Versandhandel sieben weiße, fertig angemischte Lehmfarben eingekauft, außerdem noch zehn farbige Lehmstreichputze. Bis auf eine Ausnahme sind diese in Pulverform und werden vor der Verarbeitung angemischt. Teilweise mussten die Pigmente für die Farbtöne separat gekauft werden, bei anderen hatte das Pulver schon den entsprechenden Farbton.

Die Inhaltsstoffe

Baustoffe aus der Erde können von Natur aus mit Schwermetallen belastet sein, das gilt auch für mineralische Pigmente, die zum Teil in Lehmfarben/-putzen verwendet werden. Teilweise werden auch noch synthetische Stoffe zugesetzt. So enthalten die fertig angerührten Lehmanstriche möglicherweise problematische Konservierungsstoffe. All das ließen wir prüfen, ebenso die natürliche radioaktive Eigenstrahlung der Produkte und den Übergang von Radon und Thoron in die Raumluft. Denn in der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über radioaktive Belastungen in Lehmhäusern.

Die raumklimatische Wirkung

Lehmbaustoffe gelten als besonders förderlich für ein gutes Raumklima. Diese Eigenschaft lässt sich im Labor anhand des Pufferverhaltens gegenüber Wasserdampf bewerten. Lehmputze der besten Normklasse weisen beispielsweise ein fünffach höheres Speichervermögen auf als ein Gipsputz, ein wesentliches Kaufargument für die meist teueren Lehmputze. Aber haben auch dünne Lehmfarben und Lehmstreichputze diese Eigenschaft? Die Lehmexperten "Ziegert/Seiler Ingenieure" aus Berlin testeten, wie sich diese Lehmanstriche auswirken. Als vergleichsweise schlechter Untergrund wurde dazu eine Gipskartonplatte und als guter Untergrund ein Lehmputz der besten Klasse ausgewählt. Kann man eine Gipskartonwand raumklimatisch aufwerten? Bleiben die guten Eigenschaften des Lehmputzes auch nach dem Auftrag der Lehmfarbe erhalten oder wird der eigentliche Puffer durch eine zu dichte Lehmfarbe abgeblockt?

Die Anwendung

Wie gut lässt sich die Lehmfarbe aufrühren und das Lehmpulver anrühren? Wie leicht lässt sich der Anstrich aufbringen und verstreichen? Wie tauglich ist das Produkt also für Heimwerker? Unsere Tester erstellten Probeflächen und verglichen die Produkte untereinander. Sie untersuchten auch, wie viel Farbe und Körnung sich im Gebrauch abreiben. Denn das wird an Lehmprodukten immer wieder kritisiert.

Die Weiteren Mängel

Wir nahmen auch die Deklarationen unter die Lupe, vor allem die der fertig angerührten Lehmfarben. Der Verbraucher sollte erfahren, welche Konservierungsmittel eingesetzt werden, und im Falle von allergieauslösenden Inhaltsstoffen eine Allergiker-Hotline anrufen können, um sich beraten zu lassen.

Die Bewertung

Stoffe, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können, sollten auch in natürlichen Baustoffen nicht vorhanden sein. Wir halten sowohl die Inhaltsstoffe, die raumklimatische Wirkung und die Anwendung für wichtig, allerdings haben die Inhaltsstoffe die höchste Priorität, weshalb das Gesamturteil nicht besser sein kann als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
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Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST August 2014
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Erschienen am 25.07.2014

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