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12 gemusterte Tapeten im Test

Immer an der Wand entlang

ÖKO-TEST April 2009 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 27.03.2009

12 gemusterte Tapeten im Test

Mustertapeten haben sich vom absoluten Tabu zum modischen Hingucker gemausert. Über Geschmack lässt sich dabei streiten. Über die Schadstoffe, die man sich ins Haus holt, nicht. Bedruckte Papiertapeten sind im Vergleich zu den beschichteten Modellen weniger belastet.

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Entweder geht diese scheußliche Tapete - oder ich. Das sollen die letzten Worte des Schriftstellers Oscar Wilde gewesen sein. Er ging. Die Tapete blieb.

Wohnzeitschriften und Einrichtungsshows im Fernsehen verkünden die frohe Botschaft schon etwas länger: keine Angst vor Farbe und extravaganten Mustern. Unsere Wände vertragen mehr Lebensfreude, Sinnlichkeit und Witz. Dass sich der Markt schon voll auf die neue Liebe zur Wandbekleidung eingestellt hat, kann man auf Fachmessen wie der Heimtextil in Frankfurt eindrucksvoll sehen:

Die Zeiten, in denen alte Tapetenreste aus den Siebzigern vom Speicher geholt und an die Wand geklebt wurden, um ironisch mit den Dekosünden der Eltern oder der eigenen Jugend zu spielen, sind vorbei. Das wird hier sofort klar. Die Tapete wird wieder ernst genommen. Alte Entwürfe aus Bauhaus-Zeiten werden neu aufgelegt, Chinoiserien, wie sie auch schon im 18. Jahrhundert in den Salons betuchter Damen und Herren zu finden waren, werden neu interpretiert. Und zwischen reduziert und verspielt gibt es alle möglichen Spielarten - vom Wandkleid von der Stange bis hin zum maßgeschneiderten Seidenoutfit, handbemalt und handbestickt. Auf den Theken der Aussteller stapeln sich Musterbücher, Tausende. Wo anfangen?

Wer sich auch mit den technischen Voraussetzungen, dem Tapezieren, beschäftigt, der wird seinen Blick nicht von den Musterwänden lenken können, die die Ausstellungsflächen säumen. So nahe man auch heranrückt: keinerlei Ansätze. Keine sichtbaren Stöße. Nicht die kleinste Unebenheit. Wie das geht? "Ein superglatter Untergrund und so viele Versuche, bis es perfekt ist", erklärt ein Fachmann hinter vorgehaltener Hand.

Zu Hause kann man von solchen Umständen nur träumen. Und schon schleichen sich Zweifel ein, ob ein paar Rollen Tapete wirklich reichen, um dem Wohnzimmer den Charme eines venezianischen Palazzos oder eines schicken Großstadtlofts zu verleihen?

ÖKO-TEST hat in Baumärkten und bei Raumausstattern Mustertapeten eingekauft, darunter große, marktbestimmende Marken, aber auch eine Auswahl kleinerer Anbieter. Neben Tapeten mit aufgeschäumter Struktur finden sich auch einfache Papiertapeten in unserem Test. Insgesamt zwölf Modelle wurden in verschiedenen Laboren untersucht. Im Praxistest mussten sie zeigen, wie gut sie sich verarbeiten lassen.

Das Testergebnis

Mustertapeten mit Kunststoffbeschichtung sind ein Problem: Weichmacher, zinnorganische Verbindungen, PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe, flüchtige organische Verbindungen und optische Aufheller - die beauftragten Labore fanden jede Menge Schadstoffe darin. Die reinen Papiertapeten der Hersteller Erismann, Graham & Brown und Lutèce sind wesentlich geringer belastet.

Weichmacher sorgen dafür, dass die Kunststoffschicht, die meist als aufgeschäumte Farbpaste auf das Trägermaterial aufgebracht wird, lange elastisch bleibt. Die Hersteller setzen vor allem Weichmacher ein, die in Produkten für Babys und Kleinkinder stark reglementiert sind. Über den Hausstaub gelangen sie in die Wohnung, in Kleidung, Essen, Luft.

In Sachen Verarbeitung waren die von uns beauftragten Fachmänner im Großen und Ganzen zufrieden. Die Vliestapeten, die als "besonders leicht und schnell zu verarbeiten" angepriesen werden, machten ihnen aber ordentlich zu schaffen. "Für einen Laien ist die Wandklebetechnik, die diese Tapeten erfordern, nur schwer durchführbar", erklärt der Maler- und Lackierermeister Peter Hoffmann von der August-Bebel-Schule in Offenbach, der zusammen mit Auszubildenden die Tapeten auf ihre Praxistauglichkeit testete. "Das Hantieren mit der kompletten Tapetenrolle ist kompliziert. Rollt man sie von oben in das Kleisterbett, ist etwa die Gefahr groß, dass Kleister auf die Frontseite kommt." Die glänzenden Stellen, die zurückbleiben können, sind bei Mustertapeten ein echter Makel. Bei der Hälfte der Tapeten waren die Flecken trotz aller Bemühungen nicht zu entfernen.

Eine gute Verarbeitungsanleitung ist das A und O bei einer Mustertapete. Den Fachmännern fielen vor allem zwei Punkte negativ auf: Hersteller verzichten zum Teil auf den Hinweis, wie wichtig ein farblich neutraler beziehungsweise, ein auf die Tapetenfarbe abgestimmter Untergrund ist. Und in etlichen Anleitungen gab es keine Hinweise, wie Kleisterflecken entfernt werden sollten.

Wer schon einmal selbst tapeziert hat, kennt den beißenden Geruch, der bisweilen aus frisch aufgerollten Tapeten aufsteigt. Wir ließen messen, welche Stoffe aus den Tapeten ausgasen und die Raumluft belasten. Besonders die P+S International Vliestapete fiel bei dieser Prüfung negativ auf. Sie gaste nach 24 Stunden noch immer jede Menge flüchtiger organischer Verbindungen aus, darunter auch Aromaten, die das Nervensystem schädigen können und teilweise krebsverdächtig sind. Bei der Graham & Brown Monsoon Home, Chrysanthemum - Damson Tapete sowie der Esprit Home Vliestapete fiel die Ausdünstung von Acrylaten negativ auf. Sie können Allergien verursachen.

Oben hui, unten pfui?

Für die Vorbereitung des Untergrundes sollte man sich genug Zeit nehmen. Raufasertapeten verzeihen die ein oder andere Unebenheit, Mustertapeten nicht: Hier zeigen sich kleine Unsauberkeiten sofort durch offene Fugen oder Muster, die nicht mehr zusammenpassen.

Aber bitte mit Farbe

Bei Mustertapeten bietet sich an, die Wand darunter je nach Tapetenfarbe hell oder dunkel zu grundieren. So können auffällige Blitzer, die bei offen stehenden Fugen entstehen, vermieden werden.

Haftungsprobleme

Bei Vliestapeten sollte der Kleister möglichst satt auf die Wand aufgetragen werden. Wichtig: Nie mehr als eine Bahn im Voraus einkleistern. Häufig zieht der Kleister schnell ein, im Nahtbereich klebt die Tapete dann nicht mehr.

Glanzparade

Eingetrockneter Kleister hinterlässt auf Tapeten glänzende Flecken. Solange der Kleister feucht ist, kann er meist mit einem leicht angefeuchteten Stoffstück abgetupft werden. Rubbeln ist hier verboten, vor allem bei Papiertapeten löst sich schnell Farbe ab. Bei porigen Strukturtapeten hilft ein feines Bürstchen.

Professionell tapezieren

... heißt der Leitfaden von Lothar Steinbrecher und Roland Wahl. Hier gibt es jede Menge weitere Tipps zu Untergrundvorbereitung, Verarbeitung, Werkzeugen und vieles mehr. Erschienen bei Callwey, 39,95 Euro.

Das A und O beim Tapezieren ist der richtige Untergrund. Je ebener und glatter dieser ist, desto besser ist das Ergebnis. Insgesamt wurden 150 Quadratmeter Untergrund vorbereitet: glatt, sauber, trocken, tragfähig und weiß pigmentiert.

Bei den meisten Vliestapeten entfallen Weichzeiten. Der Kleister kommt direkt auf die Wand, die Tapete wird zugeschnitten, aufgerollt und ins Kleisterbett gelegt. So einfach, wie die meisten Hersteller diesen Vorgang in ihrer Anleitung beschreiben, ist es allerdings in der Praxis nicht.

Lassen sich die Tapeten auch schön glatt anbringen? Oder schlagen sie Blasen, Falten, verziehen sie sich? Alles in allem waren die Prüfer mit den Tapeten zufrieden. Sie ließen sich gut handhaben, rissen nicht und behielten die Form.

Beim Abrollen der Tapete ins Kleisterbett ist die Gefahr groß, dass Kleister auf die Sichtseite kommt. Auch in den Fugen drückt sich häufig Leim durch. Die Kunst ist nun, diese Flecken möglichst spurlos zu entfernen. Mit einem leicht angefeuchteten Tuch tupften die Auszubildenden die Oberfläche ab, solange die Kleisterflecken noch frisch waren. Rubbeln war streng verboten. Richtig fleckenfrei blieb nur die Hälfte der Tapeten.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

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Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Zwischen Dezember 2008 und Januar 2009 waren die ÖKO-TEST-Einkäufer in Baumärkten und bei Raumausstattern unterwegs, um Mustertapeten einzukaufen.

Problematische Inhaltsstoffe

Tapeten sollen gut aussehen. Das stellt einige Anforderungen an das Material. Die Farbe soll lichtbeständig sein, die Oberfläche waschbeständig, und damit die Tapete später schön an der Wand liegt, muss sie sich gut verarbeiten lassen. Die wenigsten Modelle bestehen nur aus Papier und Druckfarbe, häufig werden auch Kleb- und Kunststoffe verarbeitet.

Um alle Anforderungen zu erfüllen, greifen die Hersteller zu einer Vielzahl von Problemstoffen. Umweltbelastende optische Aufheller sorgen für strahlend weißen Eindruck, Kunststoffe, etwa PVC, machen die Tapeten abwaschbar, müssen aber häufig mit Phthalatweichmachern elastisch und mit zinnorganischen Verbindungen hitze- und lichtbeständig gemacht werden. Phosphororganische Verbindungen sollen die Tapeten schwerer entflammbar machen, nicht zuletzt können bedenkliche halogenorganische Verbindungen über das Bleichen des Papiers oder die Farben ins Produkt gelangen. Teilweise gasen Stoffe aus und verpesten nicht nur beim Tapezieren die Raumluft. Unsere Labore haben daher nach flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) gesucht. Auch der Frage, ob krebserregende Azo- und Allergien auslösende Dispersionsfarben eingesetzt wurden, gingen wir in diesem Test nach.

Der Praxistest

Wie sich die einzelnen Tapeten verarbeiten lassen, prüfte für uns der Maler- und Lackierermeister Peter Hoffmann mit Unterstützung seiner Schüler - Auszubildende der Fachstufe Maler und Lackierer in der August-Bebel-Schule in Offenbach. Tapeziert wurden vier Bahnen jeder Tapete - und das streng nach den Vorgaben der Hersteller. Bewertet wurde die Handhabung vom Zuschneiden über das Tapezieren bis hin zum Entfernen von Kleisterflecken. Auch die Qualität der Verarbeitungsanleitung wurde geprüft.

Die Bewertung

Tapeten sollen sich gut verarbeiten lassen, denn nur dann sehen sie auch gut aus. Ebenso wichtig ist, dass sie den Wohnraum nicht mit Schadstoffen belasten. Eine Tapete, die voller Schadstoffe steckt und im Testergebnis Inhaltsstoffe "ungenügend" abschneidet, können wir auch trotz sehr guter Verarbeitungsqualitäten nicht empfehlen. Sie bekommt auch "ungenügend" im Gesamturteil. Umgekehrt sind schadstofffreie Tapeten, die bei der Verarbeitung Schwierigkeiten machen und kein zufriedenstellendes Ergebnis liefern, nichts als ein Ärgernis. Daher kann das Gesamturteil auch nicht besser sein als das Testergebnis der Praxisprüfung. Richtig gut sind also nur Tapeten, die sowohl schadstofffrei als auch gut zu verarbeiten sind.