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Schulranzen-Test: Jeder Zweite nicht sichtbar genug im Straßenverkehr

ÖKO-TEST April 2019: Titelthema Eier | Autor: Meike Rix/Kai Thomas/Jörg Döbereiner | Kategorie: Kinder und Familie | 28.03.2019

Schulranzen-Test: Jeder Zweite nicht sichtbar genug im Straßenverkehr
(Foto: ÖKO-TEST)

Wir haben elf Schulranzen getestet. Ergebnis: Sechs sind zu schlecht sichtbar im Straßenverkehr. Zwei Ranzen sind zudem "ungenügend" in puncto Inhaltsstoffe. Nur drei Modelle können wir insgesamt empfehlen.

Beim Start in die Schulzeit soll alles stimmen – auch der Schulranzen. Schließlich begleitet er das Kind jeden Tag. Das perfekte Modell gefällt optisch, ist ergonomisch, schadstoffarm und sorgt dafür, dass Ihr Kind auf dem Schulweg für Autofahrer gut zu sehen ist.

Schulranzen-Test: Scout, McNeill & Co. im Vergleich

Im Test: Wir haben elf aktuelle Schulranzen für Kinder im Grundschulalter ab der ersten Klasse eingekauft. Darunter auch Schulrucksäcke mit festem Boden. Bei allen Modellen haben wir von einem Praxislabor unter anderem die Ergonomie, Handhabung, Robustheit und vor allem auch die Sichtbarkeit im Straßenverkehr untersuchen lassen. Zudem unterzogen wir die Ranzen umfangreichen Schadstofftests.

Das Ergebnis: Vier Ranzen fallen im Test durch. Sie zeigen unter anderem verschiedene Mängel in Praxis- und Schadstoffprüfung und bieten zu wenig optische Warnwirkung im Straßenverkehr. Insgesamt sind ganze sechs getestete Ranzen zu schlecht sichtbar im Straßenverkehr. Der Herlitz Schulranzen Motion Plus Space schneidet im Test als einziges "ungenügend" ab.

Immerhin können wir unterm Strich zwei Modelle im Test mit „sehr gut“, einen mit „gut“ empfehlen. Vier Exemplare landen mit „befriedigend“ und „ausreichend“ im Mittelfeld.

Schulrucksäcke oft nicht gut sichtbar im Verkehr

Bei sechs Schulranzen sieht es im Straßenverkehr mehr oder weniger düster aus: Leucht- und/oder Reflektorflächen fehlen entweder ganz oder fallen nach Meinung der Laborexperten zu klein aus. Die Sichtbarkeit im Straßenverkehr bewerten wir deshalb bei fünf Modellen mit "ungenügend" oder "mangelhaft", bei einem Modell noch mit "ausreichend".

An drei Produkten im Test ist die Schulranzennorm ausgelobt. Diese Ranzen waren auch in unserer Praxisprüfung sowohl bei einsetzender Dämmerung als auch im Scheinwerferlicht bei Dunkelheit gut sichtbar, ebenso zwei weitere. Die Schulranzennorm verlangt, dass Hersteller zwei Mittel für mehr Sichtbarkeit großzügig einsetzen: reflektierende Flächen und Flächen mit leuchtenden Farben. Die Norm ist jedoch nicht gesetzlich verpflichtend.

Getestete Schulranzen oft nicht wasserdicht

Fünf Schulranzen überzeugen uns in Sachen Regenwettertauglichkeit nicht. Wenn bei Regen Wasser in das Hauptfach eindringt, kann das schnell Hefte und Bücher ruinieren. An zwei Modellen ist jeweils eine sehr gut funktionierende Regenhülle befestigt. Vier weitere Ranzen bestanden die Beregnungsprüfung auch ohne Hülle.

Positiv: Alle Ranzen haben ausreichend breite, gut gepolsterte Schultergurte, die mit einem Brustgurt in Position gehalten werden, und alle bieten guten Stauraum. Kleine Abstriche gab’s unter anderem für nerviges zu leichtes Umkippen der Ranzen, schwer verstellbare Schultergurte, relativ harte Rückenpolster und für einen schwer bedienbaren, scharfkantigen Verschluss.

Blei und Quecksilber in einigen Ranzen

Insgesamt sind die Schadstoffbelastungen weniger kritisch als in unserem Schulranzentest von 2017. Dennoch: Im Bodenmaterial der getesten Schulranzen der Marke Lego und von Samsonite wies ein von uns beauftragtes Labor Blei nach. Und in der dünnen Kunststoffschicht über dem McNeill-Logo steckt Quecksilber. Die Mengen sind relativ gering. Eltern brauchen sich also keine großen Sorgen machen. Das Labor geht davon aus, dass sich die Schwermetalle nicht aus den Materialien herauslösen. Wir wollen diese giftigen Stoffe aber schlicht gar nicht in Produkten finden. Die anderen Ranzen im Test zeigen, dass dies absolut machbar ist.

In den getesteten Ranzen der Marken McNeill und Step by Step steckt der problematische Weichmacher DPHP. Der Weichmacher hat sich laut Behörden im Tierversuch als schädigend für die Schilddrüse und die Hirnanhangsdrüse erwiesen.

Nur drei Schulranzen im Test empfehlenswert

In vier Ranzen kritisieren wir phosphororganische Verbindungen. In den Ranzen von Scooli und Herlitz wurde unter anderem TNPP nachgewiesen. Die Verbindung wird als Stabilisator in Kunststoffen eingesetzt und kann das hormonell wirksame Isononylphenol abspalten.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

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Testverfahren

Wir haben elf aktuelle Schulranzenmodelle für Kinder im Grundschulalter ab der ersten Klasse eingekauft. Dazu zählen laut Schulranzennorm auch die Schulrucksäcke mit festem Boden. Wir wählten bevorzugt bekannte Marken und Modelle aus, die große Leuchtflächen und Reflektoren für mehr Sicherheit im Straßenverkehr bieten.

Die meisten Ranzen werden in Sets mit Federmappen, Schlampermappen, Turnbeuteln, -taschen, oder Rucksäcken und noch mehr angeboten. Wir haben uns auf die Untersuchung der Schulranzen selbst konzentriert.

Ist der Ranzen ergonomisch sinnvoll bemessen, frei von Druckstellen und scharfen Kanten und hält dem harten Schulalltag stand? Diese und weitere Fragen zur Qualität untersuchten die Experten im Praxisprüflabor. Vier Kinder im Alter von sieben bis zehn testeten die Ranzen außerdem in Aktion und gaben dem Prüfleiter Rückmeldung.

Ein hohes Gewicht haben wir dem Sicherheitsaspekt der optischen Warnwirkung beigemessen. War diese sowohl bei Tageslicht als auch bei Dunkelheit schlecht, konnte das gesamte Testergebnis Praxisprüfung nicht besser als „mangelhaft“ sein.

In Sachen Schadstoffe unterzogen wir die Ranzen einem umfangreichen Screening unter anderem auf Weichmacher, problematische Farbstoffe, Schwermetalle und krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

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