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Kinderzahnpasta-Test: Gute Pasten auf Anhieb für Eltern nicht leicht erkennbar

Magazin März 2021: Gesund mit Eiweiß | Autor: Jörg Döbereiner | Kategorie: Kinder und Familie | 01.03.2021

Kinderzahnpasta im Test: Welche Marken sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Kinderzahnpasta gibt es in großer Auswahl in den Verkaufsregalen, doch nicht jede ist empfehlenswert. Unser Test zeigt: Viele Zahncremes enthalten problematische Inhaltsstoffe oder empfehlen nicht die richtige Menge an Fluorid. 15 aber schneiden mit Bestnote ab. 

  • Mit "sehr gut" sind 15 von 35 Kinderzahnpasten im Test empfehlenswert.
  • Von drei Kinderzahnpasten im Test raten wir ab, weil sie vor allem aufgrund bedenklicher und umstrittener Inhaltsstoffe durchfallen. 
  • Kinder sollten zwei Mal pro Tag ihre Zähne putzen und Fluorid in wohldosierten Mengen erhalten: entweder über Zahnpasta oder über Tabletten – nicht aber beides zugleich.  

Eine sehr gute Kinderzahnpasta auf Anhieb zu erkennen, ist nicht gerade leicht für Eltern. Die Qualität hängt nicht vom Preis ab. Und auch der häufig angebrachte Rat, bei Kosmetika im Zweifel zu zertifizierter Naturkosmetik zu greifen, gilt hier so pauschal nicht. Nein, man muss schon bei jeder einzelnen Kinderzahnpasta genau hinsehen, um die Unterschiede zu finden.

Kinderzahnpasta-Test: Elmex, Putzi & Co. im Vergleich

Wir haben 35 Zahncremes für Kinder bis sechs Jahren getestet. Mit der "sehr gut" empfehlen wir 15 Produkte, darunter keine Naturkosmetik, dafür aber einige der günstigsten für 60 Cent pro 100 Milliliter. Ein paar Kinderzahnpasten im Test sind nur mittelmäßig, und drei fallen durch unseren Test. Überzeugen die Produkte nicht, liegt das vor allem an den Inhaltsstoffen: 

  • Vier Kinderzahnpasten enthalten PEG-Verbindungen, die wir kritisieren, weil sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Zur Erklärung: In Zahncremes dienen sie unter anderem zum Binden der Paste.
  • Zwei dieser Kinderzahnpasten bekommen auch Notenabzug, weil sie Natriumlaurylsulfat enthalten. Dieser Stoff kommt als Tensid zum Einsatz, also als schäumende, waschaktive Substanz. Er kann allerdings die Schleimhäute reizen; es gibt mildere Alternativen.
  • Insgesamt drei Kinderzahncremes enthalten ein synthetisches Polymer namens Carbomer. Dieses flüssige Plastik kann über das Abwasser in die Umwelt gelangen. Wie genau es sich dort verhält, ist noch nicht ausreichend erforscht.
  • Zwei Kinderzahnpasten kritisieren wir wegen Zucker: Konkret geht es einmal um Glucose – ein Zucker, den Kariesbakterien gern abbauen. Im anderen Fall kommt Maltodextrin zum Einsatz. Das ist eine Mischung aus verschiedenen Stärkeabbauprodukten wie Glucose, Maltose und Maltotriose.
Kinderzahnpasta im Test: Wir haben 35 Produkte überprüft.
Kinderzahnpasta im Test: Wir haben 35 Produkte überprüft. (Foto: Oksana Kuzmina/Shutterstock)

Kinderzahnpasta mit Fluorid oder Fluoridtabletten?

Auch was auf den Kinderzahnpasten draufsteht, spielt für unsere Bewertung eine Rolle. Vor allem sollten die Kleinsten eine angemessene Menge an Fluorid erhalten. Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel, so lautet die Devise. Nicht zu wenig, weil gut belegt ist, dass Fluorid Karies entgegenwirkt, wenn Kinder genug davon erhalten. Nicht zu viel, weil das zu Fluorose führen kann. Diese Krankheit greift die Zähne an, sie zeigt sich durch weiße Flecken.

Das nötige Fluorid können Kinder entweder durch Zahncremes erhalten oder durch Tabletten. Falls sie bereits mit einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta putzen, sollten sie nicht auch noch Fluoridtabletten nehmen, denn das wäre zu viel des Guten. Umgekehrt brauchen sie aber zusätzliches Fluorid, wenn ihre Zahncreme keines enthält.

Aus diesem Grund sollten fluoridfreie Kinderzahnpasten nach unserer Ansicht einen Hinweis tragen, dass sie nur bei ausreichender Fluoridversorgung zu empfehlen sind. Sechs von elf fluoridfreien Pasten fehlt dieser Hinweis, deshalb ziehen wir ihnen unter den Weiteren Mängeln vier Noten ab.

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Fehlende Hinweise auf Kinderzahnpasten im Test

Und Kinderzahncremes mit Fluorid? Sie sollten aus unserer Sicht einen Hinweis enthalten, dass bei zusätzlicher Fluorid-Aufnahme ärztlicher Rat einzuholen ist. Schließlich gilt es, eine Überdosierung zu vermeiden. Hier patzen zwei Kinderzahnpasten im Test – auf der Verpackung fehlt ein solcher Hinweis.

Sieben fluoridhaltige Kinderzahncremes machen außerdem nach unserer Meinung keine oder nur lückenhafte Angaben dazu, wie sie zu dosieren sind. Bei acht weiteren sind diese Angaben zwar vollständig, aber veraltet. Zahnärztliche Fachverbände empfehlen für Kinder heute mehr Fluorid als früher, weil nur für die höheren Gehalte ein Karies vorbeugender Effekt belegt sei.

Auch wenn uns bei den Kinderzahnpasten manches nicht schmeckt: In einem Punkt haben sie sich verbessert. Anders als im Test von 2019 haben sie diesmal kein Problem mit Aluminium, Antimon, Blei, Cadmium oder Zink. Die Messwerte dieser Elemente waren in der Laboranalyse unauffällig.

Kinderzahnpasta im Test: 15 Produkte sind mit Bestnote empfehlenswert.
Kinderzahnpasta im Test: 15 Produkte sind mit Bestnote empfehlenswert. (Foto: Casezy idea/Shutterstock)

Fluorid richtig dosieren: Was gilt es zu beachten?

Wie viel Fluorid ist richtig?

Zahnärztliche Fachverbände (DGKiZ, DGPZM, DGZ) empfehlen seit 2018, dass Kinder ab dem ersten Zahn bis zum 2. Geburtstag zwei Mal täglich Zähne putzen sollten: mit einer erbsengroßen Menge einer Zahncreme mit 500 ppm Fluorid oder mit einer reiskorngroßen Menge mit 1.000 ppm.

Vom 2. bis zum 6. Geburtstag dann zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge mit 1.000 ppm Fluorid. An bleibende Zähne darf Junior- oder Erwachsenenzahncreme mit bis zu 1.500 ppm Fluorid.

Ist Fluorid giftig?

Ein Kind müsste enorme Mengen Zahncreme verschlucken, um in den Bereich zu kommen, wo Fluorid giftig wirken kann. Deshalb brauchen sich Eltern darüber keine Sorgen zu machen. Kinder sollten Fluorid-Zahncreme trotzdem ausspucken, um Fluorose vorzubeugen.

Ist Hydroxylapatit ein guter Ersatz?

Im Test wirbt eine Kinderzahnpasta mit dem Stoff Hydroxylapatit. Er ahmt natürlichen Zahnschmelz nach und soll beschädigte Zähne reparieren. Die wissenschaftliche Studienlage zur Karies-Vorbeugung ist aus unserer Sicht aber zu dünn, um ihn als gleichwertige Alternative zu Fluorid anzusehen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 35 Zahncremes eingekauft, die für Babys oder Kinder ausgelobt sind, darunter Marken von Drogerieketten und Supermärkten und auch zertifizierte Naturkosmetikprodukte. Drei Produkte enthalten einen Fingerling zur Pflege von Babyzähnen. Für die günstigsten Zahncremes haben wir rund 60 Cent pro 100 Milliliter bezahlt.

Die Produkte ließen wir in Schadstofflaboren untersuchen: auf halogenorganische Verbindungen, von denen viele als allergisierend gelten und sich in der Umwelt anreichern, auf Elemente wie giftiges Antimon oder Aluminium sowie auf Parabene und andere problematische Konservierungsstoffe. Eine weitere Analyse galt umweltbelastenden chlorierten Verbindungen in den Verpackungen. Über die Deklaration erfassten wir unter anderem das hautreizende Tensid Natriumlaurylsulfat, PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, und synthetische Polymere, die wir aus Gründen des Umweltschutzes kritisieren. Außerdem nahmen wir die Verpackungsangaben zu Fluorid, zur Dosierung und zur Altersauslobung in den Blick.

Ein sehr gutes Produkt verzichtet aus unserer Sicht auf umstrittene Inhaltsstoffe und deklariert nach den aktuellsten Empfehlungen der zahnärztlichen Fachverbände. Für veraltete oder lückenhafte Deklarationen ziehen wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel Noten ab.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Natriumlaurylsulfat; b) PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um eine Note führt: Maltodextrin und/oder Glucose.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) kein Hinweis bezüglich mehrfacher Fluoridgaben bei einer fluoridhaltigen Kinderzahncreme; b) kein Hinweis auf notwendige Fluoridgaben bei einer fluoridfreien Kinderzahncreme. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) keine oder lückenhafte Dosierangaben in deutscher Sprache bei einer fluoridhaltigen Kinderzahncreme (vgl. aktuelle Dosierempfehlung der Zahnärzte: ab erstem Milchzahn bis 2. Geburtstag: zweimal täglich putzen mit entweder einer erbsengroßen Menge einer Zahncreme mit 500 ppm Fluorid oder einer reiskorngroßen Menge einer Zahncreme mit 1.000 ppm Fluorid; ab dem 2. bis 6. Geburtstag: zweimal täglich putzen mit einer erbsengroßen Menge einer Zahncreme mit 1.000 ppm Fluorid); b) keine Angabe, wie oft die Zähne geputzt werden sollten, bei einer fluoridfreien Kinderzahncreme; c) synthetische Polymere (hier: Carbomer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Dosierangaben bei einer fluoridhaltigen Zahncreme vorhanden und vollständig, sie entsprechen aber nicht den aktuellen Empfehlungen der zahnärztlichen Fachverbände; b) Angabe, wie oft die Zähne geputzt werden sollten, bei einer fluoridfreien Kinderzahncreme vorhanden, Empfehlung lautet aber weniger als zweimal pro Tag; c) Umkarton, der kein Glas schützt und kein Zubehör (Fingerling/Fingerzahn) enthält.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Konservierungsstoffe (u.a. Parabene): LC-UV.
Halogenorganische Verbindungen: 1. Heißwasserextraktion, Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. 2. Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, ICP-MS.
Nanomaterial: Herstellung einer wässrigen Dispersion durch Behandlung mit einer Ultraschallsonotrode, Untersuchung auf Titandioxidpartikel mittels Single-Particle-ICP/MS.

Einkauf der Testprodukte: Oktober und November 2020 

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