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8 Kinderfahrradanhänger im Test

ÖKO-TEST März 2014
vom 28.02.2014

Kinderfahrradanhänger

Häng-over!

Für einen Fahrradanhänger muss man kräftig investieren, entsprechend hoch sind die Erwartungen an das praktische Kindertransportmittel. Doch drei von acht getesteten Modellen fallen im Sicherheitstest durch.

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28.02.2014 | Als Kinderfahrradanhänger vor 25 Jahren zum ersten Mal im Straßenbild auftauchten, wurden sie als Kuriosum belächelt: Mit diesen "Klapperkisten" soll man sich zwischen Autos durch den Straßenverkehr schlängeln - und dann auch noch mit kleinen Kindern hinten drin? Für viele Menschen war das unvorstellbar. Nachfolgende Crashtests haben aber gezeigt, dass der Anhänger die sicherste Variante ist, Kinder ab etwa sechs Monaten mit dem Fahrrad zu befördern.

Ein Anhänger bietet zahlreiche Vorteile im Vergleich zum Fahrradsitz: ein stabileres Fahrverhalten, Stauraum für Gepäck. Dazu werden die kleinen Passagiere besser vor Wind und Wetter geschützt. Bei einem leichten Unfall fallen sie nicht tief und sind im Innenraum sicherer aufgehoben - sofern die Kinder angeschnallt sind und Helme tragen. Und vorausgesetzt, dass der Anhänger wichtige Sicherheitseigenschaften aufweist.

Doch darauf war in der Vergangenheit nicht immer Verlass, wie unser letzter großer Fahrradanhänger-Test vor acht Jahren zeigte. Darin versagten die Deichselverbindungen einiger Modelle unter Belastung kläglich. Damals forderte ÖKO-TEST: "Einheitliche Sicherheitsnormen für Kinderfahrradanhänger sind dringend notwendig!" - und musste sich dafür zunächst wüste Beschimpfungen von den Herstellern anhören. Am Ende zeigten sich aber einige einsichtig und gaben an, ihre Produkte verbessern zu wollen.

Auch auf politischer Ebene hat sich etwas getan. Inzwischen gibt es eine Sicherheitsnorm, die seit 2013 europaweit gilt und nun endlich auch die von ÖKO-TEST geforderte Prüfung der Deichsel vorsieht. Deshalb waren wir natürlich gespannt, ob die heutigen Modelle - wahre Multitalente, die sich mit wenigen Handgriffen zum Buggy oder Jogger umbauen lassen - diese neuen Sicherheitskriterien erfüllen.

Doch es gibt noch etwas anderes, das zum Risiko für die Kleinen und ihre Eltern werden kann: Schadstoffe in Polstern, Sichtfenstern und Schiebegriffen. Auch hier interessierte uns nach den durchwachsenen Ergebnissen aus dem zurückliegenden Test, welche Hersteller ihre Produkte verbessert haben und welche diesbezüglich immer noch "einen Hänger haben". Wir schickten acht der gängigsten Doppelsitzermodelle in einen umfangreichen Praxistest, außerdem ließen wir die Materialien gründlich auf ihre Inhaltsstoffe untersuchen.

Das Testergebnis

Einige Hersteller haben viel dazugelernt, andere weniger: In den Fahrradanhängern der Anbieter Thule, Burley und Zwei plus zwei sind Kinder weitgehend sicher aufgehoben. Klassenprimus ist der am geringsten mit Schadstoffen belastete Chariot Chinook. Von den vier "befriedigenden" Modellen im Test überzeugte der ultraleichte Burley D'Lite am meisten - fast hätte es auch hier noch zu einem "guten" Gesamturteil gereicht. Dagegen erfüllen die Produkte von Kid's Touring, Kindercar und Monz wichtige Kriterien der neuen Sicherheitsnorm nicht.

Drei von acht Kinderkutschen rasseln durch die Sicherheitsprüfung: Der Kindercar Twin Safe schwächelte in puncto Seitenaufprallschu

ÖKO-TEST März 2014

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Getestet wurden die klassischen Zweisitzer. Darin finden zwei kleine Passagiere Platz oder auch nur ein Passagier mit viel Gepäck. Eingekauft wurde jeweils das Basismodell ohne Zusatzausstattung.

Die Inhaltsstoffe
Im Schadstofftest waren die Sitz- und Gurtpolster, die Sichtfenster und Griffe. In flexiblen Kunststoffteilen und in Textilbeschichtungen können Weichmacher enthalten sein und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Die Polster wurden auf problematische Farbstoffbestandteile wie aromatische Amine oder halogenorganische Verbindungen untersucht. Nonylphenolethoxylate sind zum Beispiel als Tensid in Waschmitteln enthalten, die viele Textilfabriken in Asien noch nutzen - sie stellen vor allem ein Umweltproblem dar. Außerdem wurden alle Produkte auf giftige Schwermetalle gecheckt.

Die Praxisprüfung
Experten beurteilten Ausstattung, Anleitung, Montage sowie wichtige Aspekte im Kindbereich wie gefährliche Ecken und Kanten oder die Sicherheit der Gurte. Hinzu kamen die Belastungstests: Auf dem Rollenprüfstand fuhren die Anhänger leicht überladen über eine Rüttelpiste. Anschließend wurden sie an der Deichselverbindung gedrückt und gezogen, um Beschleunigungs- und Bremsvorgänge zu simulieren. Zudem ließen wir die Modelle in Schräglage bringen (siehe oberes Foto), auf den Kopf stellen und seitlich "rammen". Basis bildete die Sicherheitsnorm EN 15918 (Stand: 4/2013). Wo es sinnvoll war, wurden die Kriterien ergänzt oder eigene Anforderungen formuliert.

Die Bewertung
Die Sicherheit beim Fahren steht bei einem Kinderanhänger an erster Stelle. Deshalb wurde dieser Aspekt am stärksten bewertet. Dabei spielte es für uns keine Rolle, ob die Modelle zu einem Zeitpunkt gefertigt wurden, als die neue Sicherheitsnorm bereits gültig war oder davor. Normkriterien sind in Fachkreisen lange vor deren Veröffentlichung bekannt. Es bleibt den Herstellern überlassen, diese frühzeitig umzusetzen.

So haben wir getestet

Hängenbleiber: Beim Monz ist die Ablenkvorrichtung (schräge Kante) vor dem Rad zu kurz .....

So haben wir getestet

...... sodass man leicht an einem Pfosten hängen bleiben kann.