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15 Kindermatratzen im Test

ÖKO-TEST Dezember 2016
vom 24.11.2016

Matratzen, Kinder

Passt nicht

Die meisten Kindermatratzen hielten unserer Schadstoffprüfung stand. Der Praxistest offenbarte jedoch: Alle Modelle weisen Mängel auf, die sich mit etwas gutem Willen seitens der Hersteller leicht beheben ließen. Eine Markenmatratze ist ein totaler Reinfall - sie birgt eine potenzielle Erstickungsgefahr.

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24.11.2016 | Offizielle Zahlen zeigen, dass Unfälle von Kindern bis fünf Jahren häufig zu Hause passieren. Dabei wäre zumindest ein Teil der Unfälle vermeidbar. Nun sollen europäische Normen eine Reihe von Kinderartikeln zum Schlafen sicherer machen.

Die Norm, die sich um die Sicherheit von Kindermatratzen kümmert, heißt schlicht "DIN EN 16890". Sie soll dafür sorgen, dass sich Kinder im Bett nicht einklemmen, strangulieren oder Kleinteile verschlucken, erklärt Norbert Vogt von der Forschungsgruppe Industrieanthropologie der Universität Kiel. Noch ist die Bestimmung ein Entwurf, veröffentlicht und damit bindend wird sie wohl Mitte nächsten Jahres.

Experten brachten in der Vergangenheit Kindermatratzen immer wieder in Zusammenhang mit dem plötzlichen Kindstod. Dabei galten vor allem eine zu weiche Matratze ebenso wie Kissen als Risikofaktor. Dagegen haben sich Meldungen zur Gefahr durch ausgasende chemische Substanzen wie phosphororganische Flammschutzmittel als nicht plausibel herausgestellt. Die flammhemmende Ausrüstung von Matratzen ist in Deutschland im Gegensatz zu Großbritannien nicht üblich.

Können Eltern für ihr Baby schon heute eine Kindermatratze kaufen, die alle Sicherheitskriterien der neuen Norm erfüllt? Für eine entsprechende Prüfung haben wir 15 Produkte eingekauft. Zudem haben wir alle Modelle für eine Analyse auf Schadstoffe in verschiedene Labors geschickt.

Das Testergebnis

Gut bis Totalausfall. Zwei Kindermatratzen schneiden immerhin mit "gut" ab - beides sind Modelle von Firmen, die Naturbettenwaren anbieten. Bei vielen Matratzen verderben schlechte Praxisnoten ein besseres Gesamturteil. Die Reinfälle: Ein Markenmodell war zu weich und stellt so eine potenzielle Erstickungsgefahr dar. Bei acht anderen Modellen addieren sich kleinere Mängel ebenfalls zu einem roten Praxisurteil.

Zu weich! Die Paradies Baby- und Kindermatratze Maja ist zu weich. Darin könnte der Kopf eines Babys schlimmstenfalls so einsinken, dass Nase und Mund verschlossen werden und es erstickt. "Für die Matratzenhärte wurde in der neuen Norm eine klare Grenze definiert. Eine Kindermatratze, die diese Anforderung nicht erfüllt, also zu weich ist, stellt ein erhöhtes Risiko für ein Kind in Bauchlage dar", erklärt Norbert Vogt von der Universität Kiel. Das Gesamturteil der Matratze kann daher nur "ungenügend" lauten.

Zu groß. Einige Matratzen sind zu groß, selbst nachdem der Bezug zwei Mal gewaschen wurde. Das ist ein Problem, weil eine zu große Matratze nicht mehr richtig in den Bettrahmen passt. Positiv: Keine Matratze ist zu klein und birgt Gefahr, dass der Nachwuchs beim Hopsen oder Stehen zwischen Matratze und Bett rutschen und sich einklemmen könnte.

Weitere Macken. Viele Matratzen haben aufgeklebte Etiketten. Werden die Aufkleber vor Gebrauch nicht entfernt, könnten Kleinkinder sie abknibbeln und verschlucken oder damit Mund und Nase verkleben.

Füllung zugänglich? Wie verhindern die Firmen, dass Kleinkinder leicht an die Füllung der Matratze komme

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In das erste eigene Bett passen in der Regel Matratzen mit dem Format 70 mal 140 Zentimeter. Für unseren Test haben wir solche Modelle eingekauft, elf davon mit einem Kern aus Schaumstoff oder Kaltschaum, drei mit einer Füllung aus Latexkokos und eine Latexmatratze. Von Ikea haben wir eine Juniormatratze mit den Maßen 70 mal 160 Zentimeter dabei. Bei allen Produkten ist der Bezug abnehmbar und waschbar.

Der Praxistest
Alle Modelle wurden nach der neuen Norm E DIN EN 16890 getestet. Die Norm soll sicherstellen, dass von den Produkten keine Gefahr fürs Kind ausgeht: Ist die Matratze ausreichend fest? Weichen die Maße von den angegebenen ab, sodass Klemmstellen entstehen können? Stimmen nach dem Waschen des Bezugs noch Matratzenhärte und -maße? Sind Aufkleber vorhanden, können sich Kleinteile ablösen, ist die Füllung leicht zugänglich? Auf die Dauerhaltbarkeitsprüfung haben wir verzichtet, weil Kindermatratzen vergleichsweise kurz im Einsatz sind und die Modelle durch das niedrige Gewicht wenig strapaziert werden. Zusätzlich zu den Normkriterien beurteilten die Praxisprüfer auch die Qualität der Verarbeitung und wie sich die Matratze nach dem Waschen des Bezuges wieder beziehen lässt.

Die Inhaltsstoffe
Sind in den Matratzen Schadstoffe enthalten, die das Raumklima beeinträchtigen, bei Kontakt problematisch sind oder bei der Entsorgung die Umwelt schädigen können? Dazu haben wir alle Matratzen umfangreich auf problematische Substanzen wie Antimon, Flammschutzmittel und Weichmacher untersuchen lassen sowie die Kokos- und Latexunterlagen zudem auf Pestizide und eventuell ausgasende, krebserregende Nitrosamine.

Die Weiteren Mängel
In unserem vorigen Test warben viele Unternehmen mit fragwürdigen Auslobungen, dass ihr Produkt die Risiken im Zusammenhang mit dem plötzlichen Kindstod reduziere. Wir überprüften, ob dem immer noch so ist.

Die Bewertung
Eine Kindermatratze kann bei uns nur "sehr gut" abschneiden, wenn sie frei von Problemstoffen ist und die Praxisprüfung ohne Mängel besteht. Diese Kriterien hat keine der getesteten Matratzen vollständig erfüllt, denn selbst die Modelle, die völlig frei von Schadstoffen waren, gingen bestenfalls mit der Note "befriedigend" aus dem Praxistest. Fragwürdige, falsche und überflüssige Werbung sowie optische Aufheller verschlechterten bei einigen Modellen das Gesamturteil.

So haben wir getestet

Mit dem Kugeltest wurde geprüft, ob die Matratze zu weich.

So haben wir getestet

Oder ob sie ausreichend fest ist.