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Wieder bedenkliche UV-Filter in Sonnencremes für Babys und Kinder im Test

Magazin Juni 2022: Wie gut ist mein Bier? | Autor: Christine Throl/Meike Rix/Lena Wenzel | Kategorie: Kinder und Familie | 27.05.2022

Sonnencreme für Babys und Kinder im Test: Viele Produkte sind empfehlenswert.
Foto: Gorlov-KV/Shutterstock

Sonnenschutz ist für Kinderhaut unverzichtbar. Da stellt sich die Frage, zu welcher Creme Eltern am besten greifen sollten. Neun Sonnencremes für Babys und Kinder im Test schneiden mit Bestnote ab – einige rasseln aber auch durch, darunter teure Marken. Kritik gibt es für bedenkliche UV-Filter.

  • Wir haben 21 Sonnencremes für Babys und Kinder getestet. Bevorzugt landeten parfümfreie oder als sensitiv ausgelobte Produkte mit einem Lichtschutzfaktor (LSF) von 50 oder 50+ in unserem Einkaufskorb.
  • Neun Sonnencremes sind mit "sehr gut" rundum empfehlenswert. 
  • Ärgerlich: Bedenkliche UV-Filter sind noch immer ein Problem. 

Die Haut von Babys und Kindern ist besonders dünn, und zu starke UV-Belastungen oder gar Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Risiko, später Hauptkrebs zu bekommen. Daher ist Sonnenschutz unverzichtbar.

Nach unserem Test von 21 Sonnencremes für Kinder mit einem Lichtschutzfaktor von 50 oder 50+ haben wir gute und schlechte Nachrichten.

21 Sonnencremes für Babys und Kinder im Test 

Gut: Wir können dieses Mal mit neun "sehr guten" deutlich mehr Cremes empfehlen als noch vor zwei Jahren. So haben die von uns beauftragten Labore weder problematische Konservierungsmittel gefunden, noch enthielten die parfümierten Mittel stark allergene oder aus anderen Gründen gesundheitlich kritische Duftstoffe.

Schlecht: Vier Sonnencremes für Kinder enthalten noch immer bedenkliche UV-Filter. Und einmal ist das von uns beauftragte Labor auf Silberchlorid gestoßen – das hat in Produkten für Kinder unter drei Jahren nichts zu suchen. Insgesamt rasseln fünf Sonnencremes für Kinder im Test durch. 

Sonnencreme für Babys und Kinder im Test: Welche Marken überzeugen?
Sonnencreme für Babys und Kinder im Test: Welche Marken überzeugen? (Foto: ShineTerra/Shutterstock)

Bedenkliche UV-Filter in Kindersonnencremes 

Es sind zwei UV-Filter, die wir im Test kritisieren: 

  • Homosalat: Neuere Daten aus Tierversuchen weisen darauf hin, dass er Leber, Nieren und Schilddrüse schädigen könnte.
  • Octocrylen: Aus diesem UV-Filter kann sich Benzophenon bilden, das als wahrscheinlich krebserregend gilt. Nachweisbar war der Stoff in allen drei Produkten mit Octocrylen – zweimal allerdings nur in Gehalten, die wir als Spuren bewerten.
  • Für beide Filtersubstanzen gibt es zumindest aus Zellversuchen Hinweise auf eine mögliche hormonelle Wirkung.

Bei aller Bedenklichkeit einiger UV-Filter: Jede der Sonnencremes für Kinder ist definitiv besser als ein Sonnenbrand. Da es aber Produkte mit chemischen UV-Filtern gibt, die Experten weniger kritisch sehen, empfehlen wir im Zweifel diese oder Sonnencremes mit den mineralischen Filtern Titandioxid und Zinkoxid.

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Titandioxid in Sonnencremes für Kinder  

Titandioxid und Zinkoxid als UV-Filter sind in der Regel zu erheblichen Teilen nanoförmig – das sind winzig kleinen Teilchen, die laut EU-Definition in der Größe zwischen 1 und 100 Nanometer liegen. Die Wirkung von Nanopartikeln im menschlichen Körper ist leider noch schlecht erforscht.

Wenn man es einatmet, ist Titandioxid unter anderem als vermutlich krebserregend eingestuft. Zudem ist es ab August in Lebensmitteln verboten, weil die EU-Chemikalienagentur (Echa) nicht sicher ausschließen kann, dass es im Körper erbgutschädigend wirkt. Durch die intakte Haut gelangt aber auch nanoförmiges Titandioxid nach derzeitigem Kenntnisstand nicht in den Körper.

Weil manche Verbraucher Nano meiden wollen, müssen Hersteller Zutaten in Nanogröße kenntlich machen. Zwei Mal fehlt uns dieser Hinweis. Denn das beauftragte Labor fand die Filter auch darin überwiegend im Nanobereich.

Mineralische Sonnencreme lässt sich schwerer auftragen

Übrigens: Sonnencremes mit mineralischen Filtern lassen sich für gewöhnlich etwas schwerer auftragen, sie verschmieren nicht so gut wie Cremes mit chemischen UV-Filtern. Dieser Effekt heißt "Weißeleffekt" und ist für viele gewöhnungsbedürftig.

Gerade bei Kindern hat er aber auch eine gute Seite: Beim Eincremen ist sichtbar, ob überall Creme hingekommen ist oder der Nachwuchs vielleicht eine Wange und die Nasenspitze vergessen hat.  

Auch eine leichtere Hautrötung ist schon ein Sonnenbrand, der das Risiko erhöht, dass ein Kind Jahre später an Hautkrebs erkrankt.
Auch eine leichtere Hautrötung ist schon ein Sonnenbrand, der das Risiko erhöht, dass ein Kind Jahre später an Hautkrebs erkrankt. (Foto: MNStudio/Shutterstock)

Silberchlorid als umstrittenes Konservierungsmittel 

Ein Unding: Eine Sonnencreme für Kinder im Test enthält ein umstrittenes Konservierungsmittel. Dabei handelt es sich um Silberchlorid. Das Problem? Laut Kosmetikverordnung dürfen Hersteller Silberchlorid in Mitteln für Kinder unter drei Jahren aber überhaupt nicht einsetzen.

Denn: Es lässt sich nicht ausschließen, dass sich Silber im Körper so anreichert, dass es zu schiefergrauen Verfärbungen auf der Haut kommen kann.

Der Anbieter argumentiert, dass das Produkt aber auch gar nicht für Kinder unter drei gedacht sei. Nur blöd, dass er das den Eltern auf der Verpackung nicht mitteilt – das wäre das Mindeste. Unser Urteil: "ungenügend".  

Flüssiges Plastik in Sonnencremes für Kinder 

Und sonst? Umstrittene Emulgatoren aus der Gruppe der PEG-Verbindungen, die fettige und wasserlösliche Komponenten miteinander verbinden, finden sich in zwei Sonnencremes für Kinder im Test. PEG-Verbindungen können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.

Einige andere Marken vermasseln sich ihr Gesamtergebnis durch Umweltaspekte: Sie setzen beispielsweise in ihren Kunststoffflaschen kein Recyclingmaterial ein oder konnten es uns nicht für die getestete Charge ausreichend nachweisen. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass reyceltes Plastik einen Teil der Kunststoffflaschen ausmacht. Auf diese Weise lässt sich Plastikmüll reduzieren. 

Ein weiteres Umweltproblem: In vielen Sonnencremes für Kinder im Test setzen die Hersteller Kunststoffverbindungen – also letztlich flüssiges Plastik – in der Rezeptur ein, die die Umwelt belasten können. Das ist unnötig. 

Kinder vor UV-Belastung schützen: Tipps 

Wir haben Tipps für Sie: So schützen Sie Ihre Kinder vor starker UV-Belastung. 

  1. Sparen Sie nicht mit der Sonnencreme für Kinder. Drei bis fünf Teelöffel Creme braucht es, damit Ihr Kind ausreichend geschützt ist.
  2. Auch wenn die Werbung auf den Kindersonnencremes die Wasserfestigkeit betont: Nach dem Abtrocknen unbedeckte Hautstellen großzügig nachcremen!
  3. Lichtschutzfaktor 50 bedeutet, dass Ihr Kind theoretisch 50-mal länger in der Sonne bleiben kann als ohne Creme. In unseren Breitengraden lautet die Empfehlung für Kinder während der Sommermonate: mindestens LSF 30 verwenden.
  4. Kinder brauchen nicht unbedingt eine spezielle Kindersonnencreme. Wichtig ist der hohe Lichtschutzfaktor.
  5. Maximal 60 Prozent sollten Sie die angegebene Schutzzeit nur ausschöpfen. Danach: Raus aus der Sonne.
  6. Noch wirksamer als Sonnenschutzmittel ist dicht gewebte, die Schultern und möglichst auch Arme und Beine bedeckende Kleidung in dunklen Farben – außerdem: Schirmmützen und Sonnenbrillen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 21 Kindersonnencremes in Drogerien, (Bio-)Supermärkten, in der Apotheke und im Reformhaus eingekauft, darunter drei zertifizierte Naturkosmetika. Bevorzugt griffen wir zu parfümfreien oder als sensitiv ausgelobten Produkten mit einem hohen oder sehr hohen Lichtschutzfaktor (LSF) von 50 oder 50+.

Anhand der für Kosmetikhersteller verpflichtenden Inhaltsstoffliste prüfte ein Labor, ob die Cremes Problemstoffe wie bedenkliche UV-Filter enthalten. Im Labor ließen wir die Produkte unter anderem auf halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/-abspalter analysieren, die auch in Kinderkosmetika immer noch als Konservierer eingesetzt werden dürfen. Außerdem ließen wir messen, ob sich in Cremes mit dem UV-Filter Octocrylen größere Mengen der krebsverdächtigen Substanz Benzophenon gebildet haben.

Um herauszufinden, ob auf Sonnencremes mit den mineralischen Filtern Titandioxid und Zinkoxid eventuelles Nanomaterial richtig deklariert ist, hat das beauftragte Labor nach einer im EU-Projekt "NanoDefine" beschriebenen Methode gearbeitet. Schließlich checkten wir, ob alle wichtigen Anwendungs- und Warnhinweise, die helfen, Hautkrebs zu vermeiden, auf den Flaschen, Tuben oder Kartons abgedruckt sind. Was wir bei Sonnenschutzmitteln nicht in Auftrag geben, ist ein Anwendertest, weil dabei bei Probanden Sonnenbrand ausgelöst wird. Die gängigen Filtersubstanzen sind wirksam. Die größten Unterschiede im Schutz entstehen dadurch, ob man das Produkt großzügig aufträgt.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: "Silberchlorid aufgebracht auf Titandioxid" in Produkten für Kinder, die eine Anwendung bei Kindern unter drei Jahren nicht ausdrücklich ausschließen. Gemäß Anhang V der EU-Kosmetikverordnung darf das Konservierungsmittel nicht in Mitteln für Kinder unter drei Jahren verwendet werden. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) bedenkliche UV-Filter (hier: Homosalat); c) ein gemessener Gehalt von mehr als 100 mg/kg Benzophenon. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) bedenkliche UV-Filter (hier: Octocrylen); b) mehr als ein Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/ künstliche paraffinartige Stoffe.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Silikone, wenn nicht schon wegen Silikonen unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe abgewertet wurde und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acrylates Copolymer, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Acrylates/Vinyl Neodecanoate Crosspolymer, Ammonium Polyacryloyldimethyl Taurate, C12-22 Alkyl Acrylate/Hydroxyethylacrylate Copolymer, Dimethicone, Hydrogenated Polyisobutene, Poly C10-30 Alkyl Acrylate, Silica Dimethyl Silylate, Triacontanyl PVP, VP/Eicosene Copolymer, VP/Hexadecene Copolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) das Fehlen eines oder mehrerer der folgenden Anwendungs- und Warnhinweise nach den Empfehlungen des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) auf der Verpackung oder auf dem Beipackzettel: 1 = Intensive Mittagssonne meiden. 2 = Vor dem Sonnen auftragen. 3 = Mehrfach auftragen, um den Lichtschutz aufrechtzuerhalten, insbesondere nach dem Aufenthalt im Wasser. 4 = Sonnenschutzmittel großzügig auftragen. Geringe Auftragsmengen reduzieren die Schutzleistung. 5 = Babys und Kleinkinder vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. 6 = Für Babys und Kleinkinder schützende Kleidung sowie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF größer als 25) verwenden. 7 = Auch Sonnenschutzmittel mit hohen Lichtschutzfaktoren bieten keinen vollständigen Schutz vor UV-Strahlen; c) fehlende Angabe "nano" bei Titandioxid und/oder Zinkoxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid- bzw. Zinkoxid nach Messung zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; d) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):

Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.

Delta-3-Caren: Ultraschallextraktion mit tert-Butylmethylether, GC-MS.

Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.

Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.

Silikone/Paraffine/Erdölprodukte: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS) oder LC-CG/FID (Paraffine).

Parabene: LC-UV.

Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID.

Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung ICP-MS.

Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: März 2022 

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