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10 Schulranzen im Test

ÖKO-TEST März 2013
vom 22.02.2013

10 Schulranzen im Test

Untragbar

Angeblich wollen die Eltern keine Ranzen mit "uncoolen" Neonflächen kaufen. Deshalb fehlen sie auf einigen Modellen. Die Ranzen sind aber noch aus einem anderen Grund richtig uncool: Sie strotzen vor Schadstoffen - und daran sind ganz bestimmt nicht die Eltern schuld.

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22.02.2013 | Nach unserem letzten Test Schulranzen erhielten wir die Zuschrift eines verzweifelten Vaters, der vor dem Problem stand, einen Ranzen für seinen Sohn kaufen zu müssen: "Alle inakzeptabel aufgrund der Schadstoffbelastung!" Kein Testmodell kam deshalb für ihn infrage. "Erbsubstanzschädigende Inhaltsstoffe gehören nirgendwo rein!"

Der besorgte Vater stellte sich all die ausgasenden und vor sich hin stinkenden Schulranzen in einem schlecht belüfteten Klassenzimmer vor - eine Katastrophe. Denn manche Schadstoffe, etwa polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), riechen wirklich übel. Zumindest ihr Sohn sollte da nicht auch noch zur Gesamtbelastung beitragen, entschieden die Eltern.

Nach langem Suchen wurde der besorgte Vater im Internet fündig. Da gab es doch wahrlich einen Hersteller, der einen aus ökologischen Materialien gefertigten Schulranzen anbot. Die Argumente überzeugten ihn, hier hat ein Hersteller sich wirklich Mühe gegeben: mit einem Baumwollbezug aus kontrolliert biologischem Anbau, bedruckt ohne Schwermetalle, die Verstärkungsmaterialien komplett aus recycelten Materialien auf Zellulosebasis, imprägniert mit pflanzlichen Ölen und Wachsen, Griffe und Verstärkungen aus pflanzlich gegerbtem Leder einer deutschen Gerberei. Nicht ganz ohne Kunststoff durch den Innenaufbau aus Polypropylen, den Gurten sowie der Reflexionsfolie aus Polyester, aber alles komplett PVC-frei.

Zur Einschulung gab es also den nicht ganz so hippen und schreiend bunten Tornister, dekoriert mit springenden Walen auf dem Rücken, die Eltern haben ihrem Sohn erklärt, warum. Und auch nach eineinhalb Jahren in der Praxis ist die Familie mit der Wahl sehr zufrieden.

Ein solches Fazit würde auch ÖKO-TEST gern an die Leser weitergeben. Deshalb wollten wir wissen, wie es um die Qualität der aktuellen Schulranzenmodelle bestellt ist. Beim Einkauf fiel zunächst auf, dass die Dekore wieder etwas zurückhaltender geworden und nicht mehr unbedingt mit allem möglichen Klimbim überladen sind. Offensichtlich fand das vermeintlich Kindgerechte gar nicht immer Gegenliebe. Kinder bevorzugen sehr wohl schlichtere Aufmachungen, sofern sie überhaupt die Auswahl dazu haben.

Auch an der Tragetechnik wurde gearbeitet. Immer mehr Ranzen sind wie Trekkingrucksäcke mit einem Beckengurt ausgestattet, damit sie noch besser am Rücken anliegen und ihn entlasten. Außerdem geht der Trend hin zu weicheren Ranzen, teilweise auch schon für die Einsteigermodelle. Vor allem jüngere Eltern wollen ihre Kinder cooler und lässiger ausstatten, argumentieren die Hersteller.

Wir kauften acht unterschiedlich gestaltete und geformte Anfängerranzen ein, darunter ein aktuelles Modell der "Bio-Schultasche", die Familie Rieger so überzeugt hat. Neben der klassischen Tornisterform sind auch Ranzen dabei, die einem Trekkingrucksack ähneln, ein Modell hat abgesehen von Boden und Rücken eine weiche Rucksackform. Außerdem im Einkaufskorb: zwei echte Schulrucksäcke für die etwas fortgeschritteneren Schüler.


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So haben wir getestet

Der Einkauf
Jedes Jahr kommen neue Modelle und Designs auf den Markt. Manche zielen von der Aufmachung her eher auf Mädchen, andere auf Jungen. Wir haben acht aktuelle Einsteigerranzen von bekannten Markenherstellern eingekauft, darunter auch den School-Mood von Fredy Zwenger aus dem Waldorfshop und den von Leder Wolf als "Bio-Schultasche" beworbenen Anfängerranzen aus Baumwolle. Außerdem im Test: Zwei Schulrucksäcke, die auch schon in der Grundschule den Erstklässlerranzen ablösen.

Die Gebrauchseignung
Ganz vorne steht die Sicherheit. Unsere Experten prüften, inwieweit die Modelle der Schulranzennorm DIN 58124 entsprechen. Doch auch Handhabung und Verarbeitung standen auf dem Programm.

Die Inhaltsstoffe
Die beauftragten Labore nahmen die Schadstoffe unter die Lupe, die bekantermaßen in Kunststoffen und Textilien eine Rolle spielen können. Haben die Hersteller etwas getan, um die Belastung zu reduzieren? Sind Reflektoren und andere Teile immer noch aus schadstoffträchtigem PVC?

Die Bewertung
Die Schadstoffbelastung ist für ÖKO-TEST immer ein wichtiges Thema, aber im Falle der Ranzen finden wir die Gebrauchseignung und hier vor allem die Sicherheit noch wichtiger. Auch Schüler mit Schulrucksäcken sollten sicher ans Ziel kommen. Wenn ein Ranzen bei Tag schlecht sichtbar ist oder ein Rucksack zudem nur über minimale Reflektorflächen verfügt, kommt das Produkt im Test Gebrauchseignung nicht über ein "ausreichend" hinaus. Unter den nachgewiesenen Schadstoffen werten wir deutliche Gehalte von Phthalat-Weichmachern und Dibutylzinn am strengsten ab, weil sie im begründeten Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken.

So haben wir getestet

Nur große Reflexionsflächen machen einen Ranzen in der Dunkelheit sicher. Das sollte auch für die Rucksäcke gelten, die zwar nicht mehr der Norm unterliegen, aber auch schon von Grundschülern benutzt werden. Die grellen Neonfarben sorgen dafür, dass die Kinder bei Tages- und bei Dämmerlicht von Weitem gesehen werden. Neben dem Messen im Labor ließen wir die Wirkung auch im Freien überprüfen.

So haben wir getestet

Knall auf Fall: Eine spezielle Vorrichtung stauchte die beladenen Ranzen, wie es im Alltag ständig geschieht. Dazu wurden sie tausendmal zehn Zentimeter angehoben und fallen gelassen.

So haben wir getestet

Wie lange haltbar? Zig Male wurden die Verschlüsse betätigt, um die Verarbeitung zu prüfen: Es gab nur wenige Mängel. Wichtig war auch die Regenwasserprüfung, bei der die Ranzen zehn Minuten