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Ratgeber: Schäden im Kindesalter

ÖKO-TEST November 2017
vom 26.10.2017

Ratgeber: Schäden im Kindesalter

Haltung bewahren

Stundenlang zu sitzen gehört schon zum Alltag vieler Schulkinder. Ohne sportlichen Ausgleich können sich Haltungsschäden entwickeln, die spätestens im Erwachsenenalter zu Schmerzen und Problemen führen. Gezieltes Training kann Besserung bringen.

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26.10.2017 | Erst sitzen sie den halben Tag in der Schule, dann nachmittags über den Hausaufgaben. Dazwischen wird am Computer gespielt oder über das Smartphone gebeugt mit den Freunden gechattet. Abends eine Runde Fernsehen zur Entspannung. Bewegte Kindheit? Fehlanzeige. Abgesehen vom Sportunterricht plus vielleicht noch Fußballtraining, Tanz- oder Reitstunde spielt sich das Leben vieler Heranwachsender weitgehend im Sitzen ab.

Das hat Folgen - nicht nur für Beweglichkeit und Körpergewicht, sondern auch für Haltung und Rücken. Denn wenn Bauch- und Rückenmuskulatur nicht gut ausgebildet sind, hat die Wirbelsäule keine gute Stütze. Kinderärzte und Orthopäden schlagen inzwischen Alarm. "Mehrere große Studien haben ergeben, dass Rückenschmerzen auch bei Kindern und Jugendlichen ein weitverbreitetes Phänomen sind und in den letzten Jahren massiv zugenommen haben", weiß der Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Ernsthafte organische Erkrankungen wie etwa eine Skoliose oder Morbus Scheuermann finden die Ärzte allerdings bei höchstens 15 Prozent der Kids. Klagen über Rückenschmerzen sind aber immer ein Signal für Bewegungsmangel, Muskelschwäche und Haltungsschäden.

Reichlich Erfahrung damit haben Wissenschaftler und Ärzte der Universität des Saarlandes gesammelt. Hier läuft seit 1999 das Projekt "Kid-Check", über 2.300 Kinder hat das ehrenamtlich arbeitende Team seitdem kostenlos auf Haltungsschwächen und -schäden untersucht. Die Bilanz: Über die Hälfte der Heranwachsenden hat eine schlechte Körperhaltung. Mit offenen Augen gerade zu stehen und die Muskulatur anzuspannen, das schaffen die meisten noch. Vielen gelingt es aber nicht mehr, die aktive aufrechte Haltung mit geschlossenen Augen beizubehalten. Schuld daran sei neben einer schwachen Muskulatur auch ein Mangel an Körpergefühl, sagt der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Dr. Oliver Ludwig. "Die Wahrnehmung des eigenen Körpers hängt zu sehr von den Augen ab."

Normalerweise informieren zahlreiche Sinneszellen in Muskeln, Sehnen, Haut und im Gleichgewichtsorgan das Gehirn, welche Position der Körper gerade einnimmt, wie die Gelenke stehen und wie die Muskulatur gespannt ist. Das wird als Körpereigenwahrnehmung oder Körpergefühl bezeichnet. Bei Bewegungsmuffeln sind diese wenig genutzten Sinne regelrecht abgestumpft. Umso wichtiger werden die Informationen, die die Augen dem Hirn liefern. Denn für uns völlig unbewusst, registrieren die Augen im äußeren Bereich des Gesichtsfeldes ständig, ob und wie sich unsere Körperposition ändert. Deshalb können die meisten Menschen, wenn die Muskeln nicht zu schwach sind, ihre Körperhaltung korrigieren, wenn die Augen geöffnet sind - denn das hat ihr Gehirn ja geübt. Mit dem Schließen der Augen fällt die Haltung aber in sich zusammen. Die Folgen sind beispielsweise nach vorn hängende Schultern, ein Rundrücken, ein vorstehender Kopf oder ein starkes Hohlkreuz.

"Das kann man aber wieder lernen", macht Oliver


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