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Kontaktlinsen-Test: 7 Monatslinsen lassen zu wenig Sauerstoff durch

Magazin Mai 2021: Tomaten | Autor: Frank Schuster | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 29.04.2021

Kontaktlinsen im Test: Welche Monatslinsen sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Monatslinsen aus Hydrogel oder Silikon-Hydrogel: Welche sind die bessere Wahl? Für uns sind Kontaktlinsen empfehlenswert, wenn sie genügend Sauerstoff ans Auge lassen und ohne den Problemstoff Bor in der Aufbewahrungsflüssigkeit auskommen. Das leisten nicht alle im Test. 

  • Im Test: Neun Kontaktlinsen aus Silikon-Hydrogel, sieben aus Hydrogel.
  • Mit Bestnote schneiden drei überprüfte Monatslinsen ab. 
  • Ärgerlich: Nicht alle überprüften Monatslinsen lassen genug Sauerstoff ans Auge. 
  • Kritisch sehen wir auch, dass die Aufbewahrungsflüssigkeit von zehn Kontaktlinsen im Test Bor enthält. 

Monatslinsen sind zum täglichen Tragen gedacht. Sie befinden sich stundenlang im Auge. Manche Nutzerinnen und Nutzer lassen sie sogar länger drin als ausgelobt  – manchmal sogar über Nacht. Daher ist es besonders wichtig, dass die Kontaktlinsen ausreichend Sauerstoff ans Auge lassen.

Kontaktlinsen im Test: Auch Augen müssen atmen 

Damit die Augen gesund bleiben, ist Sauerstoff unerlässlich. Zu wenig davon und es kann unter anderem zu Schädigungen der Hornhaut oder zu einer Bindehautentzündung kommen. Unser Test von 16 weichen Monatslinsen zeigt: Nicht alle erzielten im Labor in puncto Sauerstoffdurchlässigkeit sehr gute Werte. Viermal waren die Werte sogar so gering, dass wir zwei Noten abziehen.

Luft darf gerne ans Auge – aber nicht Sonne. UV-Strahlung kann das Auge schädigen. Neun Linsen im Test sind mit einem UV-Schutz ausgelobt. Das Labor prüfte mit einem Spezialgerät deren Durchlässigkeit für UV-Strahlung. An acht Produkten hatten die Experten nichts zu bemängeln. Nur die Kontaktlinsen eines Anbieters erfüllten hier nicht die Kriterien (Klasse 2) der Kontaktlinsennorm DIN EN ISO 18369. Sie lassen zu viel UV-Strahlung durch.

Kontaktlinsen im Test: Wir haben 16 weiche Monatslinsen überprüft.
Kontaktlinsen im Test: Wir haben 16 weiche Monatslinsen überprüft. (Foto: life-literacy/Shutterstock)

Vorsicht bei Kontaktlinsen mit UV-Schutz 

Wichtig zu beachten: Kontaktlinsen schirmen nur die Pupille und Teile der Iris ab. Der Rest des Auges bleibt den Sonnenstrahlen schutzlos ausgesetzt. Deshalb ist es ratsam, in der Sonne zusätzlich eine Sonnenbrille über den Kontaktlinsen zu tragen –  selbst wenn die Linsen einen UV-Schutz besitzen.

Ein entsprechender Hinweis in den Trageanleitungen findet sich jedoch nur auf zwei Produkten. Gesetzlich ist er zwar nicht vorgeschrieben und auch die neue europäische Verordnung über Medizinprodukte, die Ende Mai 2021 in Kraft tritt, verlangt ihn nicht konkret. Wir meinen aber, ein solcher Hinweis ist wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden und die Kunden nicht in falscher Sicherheit zu wiegen. 

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Zwei Kontaktlinsen im Test schwächeln bei Passform

Damit die Kontaktlinsen perfekt passen und Sehschwächen ausgleichen, müssen drei Angaben stimmen:

  1. Brechwert ("dpt", Dioptrien)
  2. Basiskurve ("BC")
  3. Durchmesser ("DIA")

Das von uns beauftragte Labor hat die Linsen nachgemessen und mit den Angaben auf den Verpackungen verglichen. In puncto Brechwert und Basiskurve lagen alle Ergebnisse im grünen Bereich. Beim Durchmesser bewegten sich jedoch zwei Linsen außerhalb der laut Norm zulässigen Grenzabweichung.

Beide Produkte hatten jeweils einen um mehr als 0,2 Millimeter zu großen Durchmesser. Das mag nach sehr wenig klingen. Aber eine solche Abweichung kann schon Einfluss auf die Sitzeigenschaften auf dem Auge oder beim Handling haben.

Von 16 Kontaktlinsen im Test sind drei mit "sehr gut" empfehlenswert.
Von 16 Kontaktlinsen im Test sind drei mit "sehr gut" empfehlenswert. (Foto: Rido/Shutterstock)

Monatslinsen in Aufbewahrungsflüssigkeit: Bor als Problem 

Kommen wir zur Aufbewahrungsflüssigkeit: Weiche Monatslinsen stecken neu gekauft in Blisterpackungen und schwimmen darin in einer Aufbewahrungsflüssigkeit. Beim Einsetzen gelangt auch immer etwas von der Lösung mit ins Auge. ÖKO-TEST hat die Flüssigkeiten im Labor untersuchen lassen.

Auffällig: Zehn Produkte enthalten Bor. Borsäure oder Borate sorgen in den Lösungen als Pufferstoffe für einen stabilen pH-Wert. Die Zutat ist allerdings problematisch: Borverbindungen können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Zusätzlich ärgerlich aus Verbrauchersicht: Nur wenige Hersteller deklarieren den Inhaltsstoff auf der Verpackung. Nur auf drei Produkten war Borat als Puffermittel angegeben.

Monatslinsen im Test: Fakten im Überblick 

  • Wir haben 16 weiche Monatskontaktlinsen in Drogeriemärkten, Optikerläden und online eingekauft, darunter auch Eigenmarken. Neun Linsen sind aus Silikon-Hydrogel, sieben aus Hydrogel. Insgesamt neun sind mit UV-Schutz ausgelobt.
  • Drei Kontaktlinsen im Test schneiden mit "sehr gut" ab. Sie lassen genügend Sauerstoff ans Auge und kommen ohne den Problemstoff Bor in der Aufbewahrungsflüssigkeit aus.
  • Mit "mangelhaft" fallen zwei überprüfte Kontaktlinsen durch. Damit raten wir vom Kauf der Produkte ab. 

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 16 weiche Monatskontaktlinsen in Drogeriemärkten, Optikerläden und online eingekauft, darunter auch Eigenmarken. Neun Linsen sind aus Silikon-Hydrogel, sieben aus Hydrogel. Insgesamt neun sind mit UV-Schutz ausgelobt. Für den Vergleichstest wählten wir Linsen mit einen Brechwert von –2,00 Dioptrien (dpt) aus.

In einem umfangreichen Praxistest kontrollierten die Experten eines spezialisierten  Labors, ob die Linsen der Kontaktlinsennorm DIN EN ISO 18369 entsprechen und die von den Herstellern deklarierten Angaben zu Durchmesser, Brechwert (Dioptrien) und Basiskurve tatsächlich stimmen. Weitere Prüfpunkte waren die für die Augengesundheit wichtige Sauerstoffdurchlässigkeit und – falls ausgelobt – der UV-Schutz.

Ein anderes Labor analysierte die Aufbewahrungsflüssigkeiten, in denen die Kontaktlinsen in ihren Blisterpackungen schwimmen, auf problematische Borverbindungen. Borsäure und Borate sorgen in den Flüssigkeiten als Pufferstoffe für einen stabilen pH-Wert. Eine Kontaktlinse soll in erster Linie gut funktionieren. Deshalb ist für uns das Ergebnis der Praxisprüfung für das Gesamturteil entscheidend. Kritische Inhaltsstoffe oder unzureichende Deklarationen können das Gesamturteil verschlechtern.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Praxisprüfung: Unter dem Testergebnis Praxisprüfung führt zur Abwertung um zwei Noten: eine Sauerstofftransmissibilität kleiner bis annähernd 24 Dk/t im überwiegenden Teil, jedoch nicht an jeder Stelle der Kontaktlinse (in Tabelle: "Sauerstoffdurchlässigkeit mit deutlichen Mängeln"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) eine Sauerstofftransmissibilität größer als 24 Dk/t bis annähernd 35 Dk/t im überwiegenden Teil, jedoch nicht an jeder Stelle der Kontaktlinse (in Tabelle: "Sauer[1]stoffdurchlässigkeit mit Mängeln"); b) bei Auslobung von UV-Schutz eine Durchlässigkeit von UV-Strahlung, die nach DIN EN ISO 18369 nicht Klasse zwei (τUVA < 0,50 und τUVB< 0,05) erfüllt (in Tabelle: "UV-Schutz mit Mängeln"); c) eine Abweichung des deklarierten Durchmessers über der nach DIN EN ISO 18369 zulässigen Grenzabweichung von ± 0,20 mm (in Tabelle: "Durchmesser  weicht ab").

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: der Nachweis von Bor in der Aufbewahrungsflüssigkeit.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: eine unzureichende  Deklaration der Inhaltsstoffe (hier: fehlende Angabe des Puffers und/oder von Borsäure/Boraten in der Aufbewahrungsflüssigkeit). Zur Abwertung um eine Note führt: bei Auslobung von UV-Schutz ein fehlender Hinweis auf der Packung und/oder den beiliegenden/mitgelieferten Tragehinweisen, dass der UV-Schutz einer Kontaktlinse nicht genügt, um das gesamte Auge zu schützen und die Funktion einer Sonnenschutzbrille zu ersetzen, auch wenn sich ein solcher Hinweis auf  der Homepage des Anbieters findet.  

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Ein Testergebnis Inhaltsstoffe, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.

Testmethoden

Testmethoden: Wassergehalt, Material, UV-Schutz, Aufbewahrungsflüssigkeit: per Deklaration.

Durchmesser: nach EN ISO 18369. Mindestens 30-minütige Äquilibrierung in Standard-Kochsalzlösung. Messung per OCT (Optimec is830). Basiskurve (BOZR und BCE): Nach EN ISO 18369. Mindestens zweistündige Äquilibrierung in Standard-Kochsalzlösung, Temperatur 20 Grad Celsius ± 5 Grad Celsius. Messung per OCT (Optimec is830). BOZR = Radius der optischen Zone der Rückfläche. BCE = äquivalenter rückseitiger Krümmungsradius. Scheitelbrechwert: Nach EN ISO 18369. Mindestens 30-minütige Äquilibrierung in Standard-Kochsalzlösung. Abtupfen der Linse mit Filterpapier. Messung mittels Scheitelbrechwert-Messgerät (Nikon).

Sauerstoffdurchlässigkeit: Ermittlung des Sauerstoffprofils aus dem resultierenden Linsendickenprofil (OCT-Messung) mittels Verknüpfung der Materialkenngröße Dk/t und der zentralen Mittendicke laut Hersteller per OxiMap® Software. Beurteilung des Profils durch das beauftragte Labor auf einer Skala von 1 bis 6, wobei 1 das beste Ergebnis ist und 6 das schlechteste.

Durchlässigkeit für UV-Strahlung (UVA und UVB): Messung des spektralen Transmissionsgrades mittels Ulbricht-Kugel, Wellenlängenbereich: 250 nm bis 800 nm. 

Bor in der Aufbewahrungsflüssigkeit: ICP-MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: November 2020/Januar 2021

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