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15 Kontaktlinsenpflegemittel für weiche Kontaktlinsen im Test

ÖKO-TEST März 2014
vom 28.02.2014

Kontaktlinsenpflegemittel für weiche Kontaktlinsen

Eine Linsenweisheit

Kontaktlinsen müssen gepflegt werden, sonst drohen dem Auge Schäden. Besonders komfortable Hilfe bieten Kombilösungen, die gleichzeitig reinigen und desinfizieren. Doch etliche Produkte kommen nicht gegen die Keime an.

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28.02.2014 | Rund 3,4 Millionen Menschen in Deutschland tragen zumindest gelegentlich Kontaktlinsen. Dabei schwören vier von fünf Linsenträgern auf die weiche Variante. Tatsächlich dürfte die Zahl der Kontaktlinsenträger insgesamt aber eher höher sein: "Die Zahlen berücksichtigen nicht den Kontaktlinsenverkauf über fachfremde Branchen wie den Onlineverkauf", sagt Ingo Rütten vom Zentralverband der Augenoptiker in Düsseldorf. Auffallend sei zudem, dass auch die Zahl jener Menschen, die schon mal Linsen getragen haben, aber dies heute nicht mehr tun, ebenfalls bei etwa 3,4 Millionen liege.

Ein Grund für die hohe Abbrecherquote könnte sein: Immer häufiger kommen Patienten mit bedenklichen Hornhautschäden zum Augenarzt. Dass viele Betroffene erst mit bereits weit fortgeschrittenen Hornhautveränderungen kommen, ist für Dr. Gerald Böhme, ehemaliger Leiter des Ressorts Kontaktlinsen im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, leicht zu erklären: "Weiche Kontaktlinsen setzen die Empfindlichkeit herab und unterbinden so den Schmerz, der sonst frühzeitig als Warnzeichen auf winzige Verletzungen oder eine beginnende Entzündung der Hornhaut hinweist. Wer formstabile Linsen trägt, merkt schon die ersten Symptome einer Irritation."

Und die Zahl der Hornhautschäden nimmt weiter zu, seit Kontaktlinsen und Pflegemittel über Internet und Versandhandel zum Anwender gelangen, bedauert Böhme. Auf ein anderes Problem weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hin: Etwa drei Viertel der Kontaktlinsenträger vernachlässigen Hygiene und Pflege ihrer Sehhilfen. Infektionen können die Folge sein, die zu Bindehaut- oder Hornhautentzündungen führen können.

Komplikationen sind vor allem dann zu befürchten, wenn die Linsen zu lange getragen werden, beispielsweise über Nacht, obwohl sie dafür gar nicht zugelassen sind. Oder sie werden nicht nach der vom Hersteller empfohlenen Zeit ausgetauscht. Denn Fett und Eiweiß aus der Tränenflüssigkeit lagern sich auf der weichen Kontaktlinse ab und bilden einen idealen Nährboden für Keime.

Die meisten Linsenträger pflegen ihre Linsen inzwischen mit Kombilösungen, die sich sowohl zur Reinigung und Desinfektion als auch zur Aufbewahrung und Benetzung eignen sollen. Dabei müssen diese All-in-one-Lösungen einen wahren Spagat vollbringen: einerseits keimtötend wirken, andererseits gut vom Auge vertragen werden. Tatsächlich aber "gelangen mit Multifunktionslösungen potenziell toxische Verbindungen an die Kontaktlinsen und damit auch an die Hornhaut", schreibt Dr. Riad Khaireddin, Augenarzt an der Universitätsklinik St. Josef-Hospital Bochum, in der Zeitschrift Der Ophthalmologe.

Geregelt sind die Mikrobiologischen Anforderungen und Prüfverfahren für Produkte und Systeme zum Hygienemanagement von Kontaktlinsen in der Norm DIN EN ISO 14729. In einer Direktprüfung ("Stand-alone-Test") müssen die Pflegemittel innerhalb der empfohlenen Einwirkzeit drei verschiedene Bakterien jeweils um mindestens 99,9 Prozent sowie zwei verschiedene Pilze

ÖKO-TEST März 2014

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Eingekauft wurden 15 Pflegemittel für weiche Kontaktlinsen, die sich zum Teil auch zur Pflege von Silikon-Hydrogel-Linsen eignen. Es handelt sich um Kombiprodukte, in denen Kontaktlinsen aufbewahrt werden können und die reinigen, desinfizieren sowie benetzen. Bezugsquellen waren Optiker, Drogerien, Apotheken und Internethändler.

Der Praxistest
Mit der Überprüfung der Wirksamkeit der Kontaktlinsenpflegemittel haben wir das akkreditierte und anerkannte Prüfinstitut HygCen - Centrum für Hygiene und medizinische Produktsicherheit in Schwerin beauftragt. Dieses ist international anerkannt und steht unter fachärztlicher Leitung. Das Standardprüfverfahren für Kontaktlinsenpflegemittel ist in der Norm DIN EN ISO 14729 festgelegt. Wir haben diese insofern modifiziert, als wir die Mittel zwar auf drei Bakterien, aber nur auf einen der beiden Pilze (C. albicans) haben einwirken lassen. Weil E. hirae als Standard für die Prüfung von Produkten mit antimikrobiellen Aussagen gilt, wurde er anstelle des in der Norm genannten Keims S. marcescens gewählt.
Da Experten die Norm als nicht weitreichend genug beurteilen, haben wir die Mittel zusätzlich im Hinblick auf ihre zellschädigenden Eigenschaften miteinander verglichen. Geprüft wurde an einer Zellkultur, weil ein Test am lebenden Objekt ethisch nicht vertretbar ist. Weiterhin ließen wir testen, wie gut die Kontaktlinsenpflegemittel gegen ein verbreitet vorkommendes Virus wirken. Dabei haben wir uns an einem gängigen Verfahren orientiert, das als Vortest unter anderem für Haut- und Händedesinfektionsmittel dient.

Die Inhaltsstoffe
Kontaktlinsenpflegemittel werden als Medizinprodukte vertrieben. Die Hersteller deklarieren die Inhaltsstoffe oft nicht vollständig. In unklaren Fällen haben wir entweder die Hersteller um weitergehende Informationen gebeten oder die Lösungen im Labor auf Borsäure und gegebenenfalls die Linsenbehälter auf Silber untersuchen lassen.

Die Bewertung
Pflegemittel für (weiche) Kontaktlinsen sollen in erster Linie verschiedenste Keime ausreichend dezimieren, aber gleichzeitig möglichst sanft zum Auge sein. Daher haben wir das Testergebnis Praxisprüfung stärker gewichtet (60 %) als das Testergebnis Inhaltsstoffe (40 %). Mittel, die in der Praxisprüfung versagen, können allerdings durch gute Resultate bei den Inhaltsstoffen keinen Boden gutmachen.

So haben wir getestet

Staphylococcus aureus, ein Verursacher von Hornhautentzündungen, war einer der Keime, den die Mittel im Test dezimieren mussten.