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21 Grüne Bohnen im Test

ÖKO-TEST März 2014
vom 28.02.2014

Grüne Bohnen

Bohne voyage

Sie sind knackig, liefern Ballaststoffe und jede Menge Mineralstoffe. Kurz: Grüne Bohnen haben es in sich - manchmal aber auch nicht unerhebliche Pestizidrückstände. Wir wollten wissen: Ist die Ware, die führende Handelsunternehmen anbieten, zu empfehlen?

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28.02.2014 | Grüne Bohnen sind immer zu haben. Kommen sie nicht vom heimischen Freiland, wo Bauern sie von Mai bis Oktober ernten, wachsen sie von April bis Dezember im energieintensiven Unterglasanbau. Und die südlichen Anbauländer auf der Welt sorgen einmal mehr dafür, dass wir Verbraucher in Deutschland an 365 Tagen im Jahr in der Gemüseabteilung der Supermärkte zugreifen können. Dafür fliegt oder schippert Phaseolus vulgaris außerhalb der Saison mit mehr oder weniger großem CO2-Fußabdruck vor allem von Afrika in Richtung Verbraucher. Laut dem Statistischen Bundesamt lagen auf der Liste der zehn am häufigsten per Luftfracht nach Deutschland importierten Gemüsearten aus Drittländern Bohnen im Jahr 2008 auf Platz eins. 57 Prozent der per Flugzeug und dann mit gewaltigem CO2-Fußabdruck importierten Bohnen kamen übrigens aus Ägypten.

Es ist ein erheblicher Teil der Bohnenimporte, der auf dem Luftweg in die EU gelangt - wie viel genau ist nicht ganz klar: Während bei Anmeldungen im Extrahandel (Warenverkehr der EU-Mitgliedsstaaten mit Drittländern) die Angabe des Transportmittels vorgeschrieben ist, erfolgt diese im Intrahandel (Warenverkehr innerhalb des europäischen Binnenmarktes) fakultativ. Das hat zur Folge, dass letztendlich keine genauen Statistiken darüber existieren, auf welchen Wegen Gemüse nach Deutschland gelangt. Wenn Bohnen per Flugzeug von Afrika in die Niederlande transportiert werden und anschließend von dort per Lkw nach Deutschland, findet die Bohnenlieferung Eingang in die deutsche Einfuhrstatistik Intrahandel. Und hier ist die Angabe des Transportmittels eben nicht vorgeschrieben.

In den vergangenen Jahren haben amtliche Lebensmittelüberwachungsbehörden in Deutschland bei grünen Bohnen immer wieder Pestizidrückstände festgestellt, die die gesetzlich festgelegten Höchstmengen für einzelne Substanzen überschritten haben. Laut dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart fielen besonders Bohnen aus Kenia und Marokko auf.

Aus Sicht von Carina Weber, Geschäftsführerin des Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN) Deutschland, muss man den Pestizideinsatz auf afrikanischen Plantagen, die für den Export nach Europa produzieren, von dem auf kleineren Agrarflächen unterscheiden, auf denen Bauern für lokale Märkte oder den innerafrikanischen Handel produzieren. Dessen Bedingungen nennt Weber "katastrophal". Zum Vergleich: In Deutschland sprechen wir bei Pestiziden über Produkte, denen genaue Anwendungs- und Warnhinweise beiliegen, und die in der Regel Personen mit Erfahrung und Schutzausrüstung einsetzen. In afrikanischen Ländern lassen sich Bauern, die kleine Mengen an Gemüse für den Eigenbedarf oder den Verkauf auf lokalen Märkten produzieren, unbekannte Pestizidmischungen in Kanister abfüllen. "Da steht dann oft nur ,le produit' (das Produkt) als einzige Information drauf", weiß Carina Weber. Was drin ist und wie es wirkt, wissen Bauern nicht.

Was an Pestizidrückständen in grünen Bohnen steckt, die bekannte deutsche Supermarktketten verkaufen

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben in sieben Handelsunternehmen insgesamt 21 Proben grüne Bohnen eingekauft. Jeweils drei Proben aus konventionellem Anbau kauften wir bei Aldi Süd, Edeka, Lidl, Kaufland, Real und Rewe. Während des Zeitraums unseres Testeinkaufs hatten Aldi Nord und Alnatura Bohnen nicht in den Mengen im Angebot, die wir für die umfangreichen Untersuchungen der Inhaltsstoffe benötigten. Bei Denn's Biomarkt besorgten wir drei Proben Bio-Bohnen. Da es im Winter keine heimische Frischware gibt, stammen die meisten grünen Bohnen zurzeit aus Afrika - auch das spiegelt unser Testeinkauf wider.

Die Inhaltsstoffe
Da in der Vergangenheit deutsche Kontrollbehörden in Bohnen aus afrikanischen Ländern immer wieder überhöhte Pestizidrückstände und auch Höchstmengenüberschreitungen nachgewiesen hatten, stand die Untersuchung der Spritzmittel im Vordergrund unserer Laboranalysen. Auch ließen wir die Bohnen auf Perchlorat untersuchen. Das ist eine Substanz, die in hohen Dosen die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen kann und vermutlich über Dünger ins Gemüse gelangt. Sogenannte quartäre Ammoniumverbindungen wiederum werden außerhalb der EU zum Beispiel als Reinigungs- und Desinfektionsmittel in der Nacherntebehandlung eingesetzt. Ein Labor analysierte, ob die Bohnen mit diesen Substanzen belastet sind.

Die Bewertung
Für uns setzt vorsorgender Verbraucherschutz bei Pestizidrückständen deutlich unter gesetzlichen Höchstmengen an. Daher wertet ÖKO-TEST bereits ab, wenn ein Spritzmittelgehalt die entsprechende gesetzliche Höchstmenge zu mehr als zehn Prozent ausschöpft.

So haben wir getestet

Kommen Bohnen geflogen: Per Flugzeug und mit großem CO2-Fußabdruck wird das Gemüse importiert.