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Augentropfen gegen Bindehautentzündung im Test: Diese Mittel helfen Ihnen

Magazin August 2019: So fair ist Ihre Lieblingsjeans | Autor: Frank Schuster | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 26.07.2019

Augentropfen gegen Bindehautentzündung im Test: Diese Mittel helfen Ihnen
(Foto: Fotos: Getty Images/iStockphoto/champja; Goodshoot/Jupiterimages/Getty Images)

Verklebte Lider, juckende, tränende oder gerötete Augen. Das können Anzeichen einer Bindehautentzündung sein. Viele Betroffene greifen dann zu rezeptfreien Augentropfen. Acht Mittel können wir empfehlen, vier fallen durch.

Eine Bindehautentzündung ist die mit Abstand häufigste Augenerkrankung. Auslöser sind oft äußere Reize wie Zugluft, Staub, Rauch oder gechlortes Wasser, aber auch allergische Reaktionen auf Pollen, Hausstaub oder Make-up. Im Normalfall ist eine einfache nicht infektiöse Bindehautentzündung nach zwei bis fünf Tagen vorbei.

Bei ansteckenden Formen können jedoch Bakterien, Viren oder Pilze ins Auge eingedrungen sein. Auch bestimmte Erkrankungen können mit einer Bindehautentzündung einhergehen: Schuppenflechte, Grüner Star oder Entzündungen der Hornhaut. Aus diesen Gründen raten Augenärzte, jeden Verdacht ärztlich abklären zu lassen. Die Beschwerden, die eine Bindehautentzündung vermuten lassen, können stets auch ein äußeres Warnzeichen für eine schwerwiegende Augenkrankheit sein.

Augentropfen gegen Bindehautentzündung im Test mit den besten im Vergleich

Rezeptfreie Mittel aus der Apotheke oder Drogerie helfen, wenn bei der Entzündung keine Keime im Spiel sind. Wir haben 14 Mittel gegen nicht infektiöse und allergische Bindehautentzündungen oder Augenreizungen geprüft, darunter Arzneimittel und Medizinprodukte.

Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Präparate ist empfehlenswert: Drei sind „sehr gut“, fünf „gut“. Allerdings fallen auch vier Präparate mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch.

Auffällig: Vier Mittel im Test enthalten einen maßgeblichen Inhaltsstoff, deren Wirkung laut unseres Gutachters Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Universität Frankfurt nicht ausreichend belegt ist. Der Nachweis sei nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin bisher als nicht erbracht anzusehen.

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Konservierungsstoffe in Tropfen als Problem 

Ein weiteres Mittel im Test beinhaltet einen Stoff, der eigentlich entzündungshemmend wirkt - allerdings ist die Datenlage für die Anwendung am Auge aus Sicht von Schubert-Zsilavecz unzureichend.

Konservierungsmittel halten die Flüssigkeiten nach dem Öffnen der Behältnisse keimfrei. Den Augen helfen sie nicht. Das in drei Produkten enthaltene Benzalkoniumchlorid kann Reizungen am Auge hervorrufen und die Hornhaut schädigen. Das in einem weiteren Mittel enthaltene Benzododeceniumchlorid ähnelt Benzalkoniumchlorid.

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Krebsverdächtiger Stoff in Mittel gegen Bindehautentzündung 

Besonders bedenklich ist allerdings Polyhexanid, das in einem Produkt eingesetzt wird. Diesen Konservierer, der auch Polyaminopropylbiguanid (PHMB) genannt wird, klassifiziert die EU als sogenannten CMR-Gefahrstoff. Er steht im Verdacht, Krebs auszulösen. Gut zu wissen: Etliche der Mittel mit problematischen Konservierungsstoffen gibt es auch in einer Variante ohne die bedenklichen Zusätze. Wir haben von diesen Produkten beide Varianten getestet. 

Im Test ist außerdem aufgefallen, dass vier Mittel Borsäure und Borate als Hilfstoffe enthalten. Die Substanzen kommen vor allem als Puffer zum Einsatz, damit die Augentropfen einen verträglichen pH-Wert bekommen. Allerdings handelt es sich dabei um Zellgifte, die durch die Haut in den Körper dringen können.

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Darauf sollten Sie beim Behandeln mit Tropfen achten 

  • Wer aus dem Fläschchen tropft: das Auge mit der Spitze der Flasche nicht berühren. So gelangen keine Keime in die Mittel.
  • Kontaktlinsen vor der Anwendung herausnehmen. Während einer Bindehautentzündung besser Brille tragen. Das entlastet. Zudem können Inhaltsstoffe wie Benzalkoniumchlorid Kontaktlinsen verfärben.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 14 Mittel gegen Bindehautentzündungen/Augenreizungen eingekauft. Gibt es von Mitteln sowohl konservierte als auch konservierungsmittelfreie Varianten, haben wir beide in den Test aufgenommen. Mit der Begutachtung der Wirksamkeit der Mittel beauftragten wir Professor Manfred Schubert-Zsilavecz. Er arbeitet am Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt.

Die Beipackzettel nahm unser Gutachter vor allem im Hinblick auf die Hinweise zur Anwendung und die Inhaltsstoffe unter die Lupe. Präparate mit einem Alpha-Sympathomimetikum (Tetryzolin, Naphazolin) als Wirkstoff sollten Warnhinweise für Patienten enthalten, die an Grünem Star (Glaukom), Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck leiden. Von allen Mitteln erwarten wir, dass sie in den Gebrauchsinformationen Empfehlungen zum Umgang mit Kontaktlinsen geben und den Hinweis, vor der Anwendung einen Arzt aufzusuchen.

Die wichtigste Frage bei Arzneimitteln ist, ob die Wirksamkeit für das beanspruchte Anwendungsgebiet Bindehautentzündung und/oder Augenreizungen belegt ist. Ist sie es nach Ansicht unseres Gutachters nicht, gibt es vier Noten Abzug. Bei den Medizinprodukten, die meist versprechen gegen Reizungen zu helfen, haben wir auch geprüft, ob sie sich zur Pflege und Befeuchtung der Augen eignen. Kritisch unter die Lupe genommen haben wir auch Hilfsstoffe wie Konservierungsmittel und Puffersubstanzen. Je nachdem wie bedenklich sie sind, vergeben wir zwei oder vier Minuspunkte.

Bewertungslegende 

Abwertungen Arzneimittel: Unter dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel führt zur Abwertung um vier Noten: eine nach Ansicht des von ÖKO-TEST beauftragten Gutachters nicht ausreichend belegte Wirksamkeit. Zur Abwertung um eine Note führt: ein fehlender Hinweis, dass bei Augenreizungen oder -rötungen vor der Anwendung ein Arzt befragt werden sollte. Unter dem Testergebnis Hilfsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Benzalkoniumchlorid; b) Borsäure/Borate.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel. Ein Testergebnis Hilfsstoffe, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Hilfsstoffe das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.

Abwertungen Medizinprodukte: Unter dem Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Augentrost (Euphrasia), dessen Wirksamkeit nach Ansicht des von ÖKO-TEST beauftragten Gutachters  nicht ausreichend belegt ist. Zur Abwertung um eine Note führt: ein fehlender Hinweis, dass bei Augenreizungen oder -rötungen vor der Anwendung ein Arzt befragt werden sollte. Unter dem Testergebnis Weitere Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Poly­hexanid. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Benzododeceniumchlorid; b) Borsäure/Borate.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe. Ein Test­ergebnis Weitere Inhaltsstoffe, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Inhaltsstoffe das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.

Testmethoden 

Wirksamkeitsbelege, maßgebliche Inhaltsstoffe und Beipackzettel: Begutachtung durch Gutachter. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Borsäure/Borate (in Medizinprodukten, wenn nicht deklariert): Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS.

Wir testen und bewerten regelmäßig Wirksamkeit und Nutzen von Produkten für die Gesundheit. Wie wir dabei im Detail vorgehen, erfahren Sie hier.

Einkauf der Testprodukte: Mai 2019. 

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