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145 Berufsunfähigkeitsversicherungen im Test

ÖKO-TEST April 2012
vom 30.03.2012

145 Berufsunfähigkeitsversicherungen im Test

Ausgereizt

Knapp 150.000 Menschen werden jedes Jahr in Deutschland berufsunfähig. Wer finanziell abgesichert sein will, muss selbst vorsorgen. Doch viele Verbraucher haben keine Chance auf einen solchen Vertrag. ÖKO-TEST hat 60 Berufsunfähigkeitsversicherungen geprüft und verrät, wie Sie gegensteuern.

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30.03.2012 | Den Beruf aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen zu müssen, kann jeden treffen. Statistisch gesehen ist die Zahl der Arbeitnehmer, die sich wegen schwerer Erkrankungen oder psychischer Belastungen für immer aus dem Job verabschieden müssen, in den vergangenen Jahren zwar tendenziell leicht zurückgegangen. Ende 2010 waren aber immerhin 1,2 Millionen Männer und Frauen in Deutschland erwerbsunfähig und jedes Jahr kommen im Schnitt weitere 150.000 dazu. Das Problem: Für die Betroffenen folgt auf das gesundheitliche Desaster nicht selten auch der finanzielle Absturz. Denn eine Erwerbsminderungsrente vom Staat gibt es längst nicht immer, und wenn fällt sie meist kümmerlich aus.

Wer 2010 invalide wurde, erhielt nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung als Mann im Schnitt rund 639 Euro Erwerbsminderungsrente, Frauen müssen sich sogar mit 562 Euro begnügen. Von diesem Bruttobetrag gehen dann noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag sowie gegebenenfalls Steuern ab. Kurz: Was unterm Strich als Nettoerwerbsminderungsrente übrig bleibt, ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Fast jeder zweite Erwerbsminderungsrentner ist armutsgefährdet, wie Herbert Rische, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Anfang des Jahres auf einer Tagung des Forschungsnetzwerkes Alterssicherung einräumte. Die Bundesregierung erklärt zwar, sie will für Abhilfe sorgen. Unterm Strich springen aber höchstens 55 Euro mehr Rente heraus. Den Betroffenen bleibt daher weiterhin oft nur der Gang zum Sozialamt, um Grundsicherung und/oder Wohngeld zu beantragen.

Wer dem Staat nicht auf der Tasche liegen will, muss selbst vorsorgen und eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Nicht nur der Bund der Versicherten hält einen solchen Vertrag für unverzichtbar. "Eine entsprechende Police sollte jeder haben. Sie ist noch weit wichtiger als die private Altersvorsorge", sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Denn private Versicherungen zahlen im Ernstfall eine monatliche Rente - zusätzlich zu Sozialrenten und anderen Versorgungsbezügen.

Trotzdem sind die Policen bislang kaum verbreitet. Nur zehn Prozent aller Deutschen über 14 haben einen privaten Vertrag. Von den derzeitigen Erwerbsminderungsrentnern können sogar nur vier Prozent auf Zusatzeinnahmen aus einer privaten Berufsunfähigkeitsrente zurückgreifen. Wird das Risiko vor dem finanziellen Absturz bei Berufsunfähigkeit von Verbrauchern also fahrlässig unterschätzt, wie die Versicherungsbranche immer wieder klagt? Oder hakt es beim Invalidenschutz an anderen Stellen?

ÖKO-TEST wollte es genauer wissen und hat zwei Vertragsvarianten unter die Lupe genommen. Bei selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherungen (SBU) erhält der Kunde ausschließlich eine garantierte Rente. Die wird gezahlt, sobald er in seinem Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr arbeiten kann. Bei der Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) wird der Schutz mit einer klein


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Untersucht wurden jeweils zwei Vertragsvarianten von privaten BU-Policen: Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen (SBU) mit klassischen Überschusssystemen (Sofortrabatt oder Bonusrente), Kombinationen aus einer Risiko-Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ). Die Risikolebensversicherung ist hier jeweils nur als Trägertarif zu sehen. Deshalb wird für die Risiko-LV jeweils die minimalste Todesfallleistung zugrunde gelegt, die für die jeweilige Kombination beim Versicherer möglich ist. Als Überschusssystem sind wiederum "Sofortrabatt" oder "Bonusrente" zulässig. Für alle Tarife wurde jeweils unterstellt, dass die Musterkunden (mit Ausnahme des Auszubildenden und der Studentin) eine monatliche BU-Rente von 1.500 Euro wünschen, im Falle des Azubis bzw. der Studentin wurden 1.000 Euro monatliche BU-Rente unterstellt. Versicherungs- und Leistungsendalter soll jeweils das 67. Lebensjahr des Musterkunden sein. Vertragsbeginn ist jeweils der 01.03.2012. Die Beiträge werden monatlich gezahlt. Die Überschüsse aus dem Tarif können als Sofortrabatt mit den Beiträgen verrechnet werden. Sofern der Versicherer diese Überschussverwendung nicht anbietet, wird auch die Bonusrente akzeptiert, sofern die abgesicherte Rente auf Basis der aktuellen Überschussdeklaration die gewünschte BU-Rente erreicht. Die Musterkunden sind gesund und weisen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf, die zur Ablehnung, Ausschlüssen oder Beitragserhöhungen führen würden.
Zur Ermittlung der Beiträge wurden folgende Musterfälle abgefragt: Auszubildender zum Einzelhandelskaufmann, geb. 19.08.1991, gewünschte BU-Rente: 1.000 Euro , 46 Jahre Vertragsdauer. Studentin der Sozialwissenschaften, geb. 07.11.1985, gewünschte BU-Rente: 1.000 Euro, 40 Jahre Vertragsdauer). Musterfall3: Steuerberater, selbstständig, zwei Angestellte, geb. 27.02.1980, gewünschte BU-Rente: 1.500 Euro, 35 Jahre Vertragsdauer. Bürokauffrau, angestellt, nur Bürotätigkeit, geb. 29.04.1982, gewünschte BU-Rente: 1.500 Euro, 37 Jahre Vertragsdauer. Bürokaufmann, angestellt, nur Bürotätigkeit, geb. 29.04.1982, gewünschte BU-Rente: 1.500 Euro, 37 Jahre Vertragsdauer. Ärztin für innere Medizin, angestellt im Krankenhaus, geb. 01.03.1982, gewünschte BU-Rente: 1.500 Euro, 37 Jahre Vertragsdauer. Krankenschwester, angestellt im Krankenhaus, geb. 01.03.1982, gewünschte BU-Rente: 1.500 Euro, 37 Jahre Vertragsdauer. Abgefragt wurden auch die Preise für den Orchestermusiker, angestellt, geb. 31.01.1969, gewünschte BU-Rente: 1.500 Euro, 24 Versicherungsjahre. Da der Orchestermusiker einzig bei der Cosmos Direkt versicherbar war, taucht dieser Musterfall in der Tabelle nicht weiter auf. Darüber hinaus wurde für die 24 am häufigsten ausgeübten Berufe laut Mikrozensus untersucht, ob diese ihre Invaliditätsrisiko im jeweiligen Tarif bis zum 67. Lebensjahr absichern können oder nicht. Sämtliche Vertragsdaten, Preise, versicherbaren Endalter und Vertragsbedingungen wurden zunächst verdeckt am Markt erhoben, überprüft und analysiert und den Anbietern anschließend zur Verifizierung zurückgespielt. Für die Untersuchung der Annahmepolitik wurden zudem über den Versicherungsmakler Helge Kühl Risikovoranfragen für fünf Modellfälle gestellt. In allen Modellfällen handelt es sich um reale Kunden, die der anonymisierten Weiterverwendung ihrer Daten, insbesondere ihrer Gesundheits- und Berufsdaten zugestimmt hatten. Die Antworten der Anbieter zu den anonymen Risikovoranfragen gelten ausschließlich für den jeweiligen Modellfall. Wird auch nur ein einziger Punkt bei den Gesundheitsfragen anders beantwortet, kann die Annahmeentscheidung schon wieder anders aussehen. Die abschließende Auswahl der Kriterien, die Bewertung der Inhalte und das abschließende Ranking der Tarife wurden allein durch ÖKO-TEST vorgenommen.