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42 Berufsunfähigkeitsversicherungen für Einsteiger im Test

ÖKO-TEST September 2017
vom 31.08.2017

Berufsunfähigkeitsversicherungen für Einsteiger

Nichts geschenkt

Preiswerte Policen für junge Menschen überschwemmen derzeit den Markt der Berufsunfähigkeitsversicherungen. ÖKO-TEST hat Starter-Policen mit Normaltarifen verglichen, um festzustellen, wie günstig die Angebote wirklich sind.

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31.08.2017 | "Seinen Versicherungsschutz sollte man immer nach dem Risiko aufbauen und zuerst absichern, was in den Ruin führen kann", sagt Georg Pitzl vom Bundesverband der Versicherungsberater (bvvb). Doch hiervon sind viele Bundesbürger weit entfernt, weil sie nicht einmal eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben. Anscheinend ist den meisten Menschen gar nicht bewusst, dass alle die jünger als 57 Jahre sind, bei Berufsunfähigkeit keinen Cent aus der Rentenkasse erhalten. Daher warnt die Verbraucherzentrale NRW schon vor der verkannten Gefahr der Berufsunfähigkeit. So sind 76 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nicht abgesichert, wie die Hannoversche Versicherung 2016 in einer repräsentativen Umfrage ermittelt hat.

Um das abzustellen, bietet die niedersächsische Assekuranz nun eine Starter Police an. Damit ist sie längst nicht allein. Das Ratinghaus Franke & Bornberg aus Hannover hat marktweit 26 regionale und überregionale Anbieter identifiziert, die mit einem oder mehreren Start- oder Einsteiger-Tarifen junge Leute anlocken - und mit lautstarker Werbung. Die Hannoversche verspricht beispielsweise Studenten und Auszubildenden "100 Prozent Leistung zum halben Beitrag". Bei der Basler gibt es in den ersten fünf Jahren einen um "40 Prozent reduzierten Startbeitrag". Die Axa Starter-BU soll es "sehr günstig" geben, trotzdem wird eine leistungsstarke Rente versprochen. Freuen können sich scheinbar auch die Kunden der Continentale. Wer die "Premium-Vorsorge für Einsteiger" wählt, erhält angeblich "Mini-Beitrag und Maxi-Leistung".

Das hört sich gut an. Immerhin ist die private Berufsunfähigkeitsversicherung in den letzten Jahren arg in Verruf geraten. So sind die Bedingungen gespickt mit gefährlichen Haken und Ösen. Und ältere Menschen müssen mit hohen Risikozuschlägen oder Ausschlüssen wegen Vorerkrankungen rechnen. Zudem gibt es eine immer weiter fortschreitende Differenzierung der Berufe. Sie führt dazu, dass die Prämie für den Professor spottbillig und für den Dachdecker unerschwinglich wird. "Damit hat es die Versicherungswirtschaft tatsächlich geschafft, ein gutes und selbst von Verbraucherschützern empfohlenes Produkt für ganze Berufsgruppen unbezahlbar zu gestalten", ärgert sich der Versicherungsmakler Gerg Kemnitz aus Stollberg im Erzgebirgskreis.

Immerhin: Junge und damit meist gesunde Menschen, meistern die Gesundheitsprüfung in der Regel problemlos. Und nun sollen sie sogar noch besonders günstige Starter-Policen bekommen. Makler Kemnitz (bu-schutz24.de) hat für ÖKO-TEST jetzt 84 Tarife von 19 Versicherern durchgerechnet. Verglichen haben wir jeweils den Einsteiger-Tarif mit einem bedingungsgleichen Normaltarif. Basis waren die aktuellen Beiträge, die der Kunde nach Verrechnung mit Überschüssen zahlen muss. Als Musterkunden fungierten ein Student der Elektrotechnik und ein Elektriker in Ausbildung. Die 21-Jährigen versichern eine Berufsunfähigkeitsrente von 1.000 Euro im Monat bis zum 67. Lebensjahr.

Das Testergebnis

Auf den ersten Blick günstig. Sage und schreibe rund 66 Prozent günstiger sind im ersten Jahr die Monatsbeiträge des Barmenia Tarifs SoloBU variabel gegenüber dem Normaltarif SoloBU konstant. Beim Tarif B1S Starter der Hannoverschen spart man im ersten Jahr gegenüber dem Normaltarif B1 noch 59 Prozent und beim PBUS mit Pluspaket der Continentale liegt der Vorteil gegenüber dem Normaltarif noch bei 46 Prozent. Damit machen einige Versicherer gerne Werbung. Doch die Tarife sind nur am Anfang günstig.

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