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Sensitive Pflaster im Test: Wie schneiden Hansaplast, Doc Morris & Co. ab?

Magazin März 2022: Wie die Kosmetikindustrie unsere Falten wegzaubern will | Autor: Hanh Friedrich/Frank Schuster/Hannah Pompalla | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 25.02.2022

Zahlreiche sensitive Pflaster im Test können wir empfehlen.
Foto: ÖKO-TEST

Ob ein kleiner Schnitt oder eine Schürfwunde am Knie: Pflaster schützen Wunden – und Sensitivpflaster sollen dabei besonders schonend für die Haut sein. Wir haben 18 solcher Produkte im Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis: Viele sind empfehlenswert. Aber nicht alle sind frei von Problemstoffen.

  • Im Test: 18 Pflaster, die als sensitiv oder hautfreundlich ausgelobt sind. Bei den meisten handelt es sich um Einzelpflaster (Strips); fünf andere Produkte sind längere Streifen, die zugeschnitten werden müssen.
  • Viele Produkte schneiden mit Bestnote ab – darunter auch einige sehr günstige Pflaster.
  • Ein Produkt fällt aus der Reihe: Es enthält nitrosierbare Amine, die in krebserzeugende Nitrosamine umgewandelt werden können. 

Noch ehe das Pflaster über der Wunde klebt, setzt der Körper eine Fülle an Abwehrreaktionen in Gang. Denn durch eine Verletzung verliert die Haut ihre schützende Funktion. Die Blutgerinnung wird aktiviert, Blutpfropfen dichten die verletzten Gefäße ab und Fresszellen bekämpfen eingedrungene Keime und Krankheitserreger.

Pflaster schützen die Wunde vor Keimen und dämpfen ab, falls man sich an derselben Stelle noch mal stößt. Wer empfindlicher Haut hat, sollte dann zu sogenannten Sensitivpflastern greifen.

Sensitive Pflaster sind schonender zur Haut

Wundpflaster schützen die Wunde und helfen beim Abheilen.
Wundpflaster schützen die Wunde und helfen beim Abheilen. (Foto: YAKOBCHUK VIACHESLAV/Shutterstock)

Sensitivpflaster sind aus einem weicheren und anschmiegsameren Material als andere Wundpflaster. Meist ist die Oberfläche ein Vliesstoff. Sie sind luftdurchlässig und atmungsaktiv. Eine weitere, nicht zu unterschätzende Eigenschaft: Die Klebeschicht ist dünn und mit einem hautverträglichen Klebstoff bestrichen, so dass es sich leichter entfernen lässt, ohne die Haut zu reizen.

Denn gerade die Klebeeigenschaften machen ein Pflaster häufig zum Problemfall. Entweder es haftet gut und lässt sich später nur schwer von der Haut lösen, oder es klebt nicht so gut und löst sich bereits bei der kleinsten Bewegung. Der Kleber kann allerdings – neben anderen Materialien und Herstellungsschritten – dafür sorgen, dass problematische Stoffe in das Pflaster gelangen.

Pflaster im Test: Hansaplast, Doc Morris & Co. im Vergleich

ÖKO-TEST wollte wissen, ob in den als besonders hautfreundlich ausgelobten Sensitivpflastern problematische Substanzen stecken. Deswegen schickten wir 18 Produkte in die Labore. Das Ergebnis: Für viele Pflaster konnten wir die Bestnote "sehr gut" vergeben – allerdings nicht für alle.

So sind wir in manchen Produkten auf Problemstoffe gestoßen, die aus unserer Sicht nicht in ein Wundpflaster hineingehören. Kritik gibt es auch für umweltschädliche Substanzen.

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Wir kritisieren Problemstoffe in Wundpflastern im Test

Ein Pflaster in unserem Test fällt negativ auf: Darin haben wir nitrosierbare Stoffe entdeckt. Das Problem: Nitrosierbare Amine können in krebserzeugende Nitrosamine umgewandelt werden. Wie die Stoffe in die Pflaster gelangen, können auch die Hersteller meist nur schwer erklären.

Sie können etwa bei der Vulkanisation von Kautschuk zu Gummi oder Latex entstehen, aber auch über Klebstoffe und Druckfarben, zum Beispiel aus den Faltschachteln, hineingelangen. Beim von uns überprüften Pflaster ist laut Herstellerangaben Latex ein Bestandteil der Kaltsiegelbeschichtung der Verpackung, das könnte den Fund des von uns beauftragten Labors also erklären.

Wir bewerten die vom Labor gemessenen Gehalte an nitrosierbaren Stoffen in den Pflastern als "erhöht". Dafür ziehen wir zwei Noten ab; diese Stoffe haben aus unserer Sicht an offenen Wunden nichts zu suchen.

Weitere unerwünschte Stoffe gefunden

Das von uns beauftragte Labor analysierte in zwei anderen Wundpflastern halogenorganische Verbindungen. Dabei handelt es sich um eine große Gruppe von Stoffen, von denen viele Verbindungen als allergieauslösend gelten, manche Krebs erzeugen und fast alle sich in der Umwelt anreichern.

In zwei weiteren Produkten wies das beauftragte Labor optische Aufheller im Pflasterband nach. Diese Weißmacher sind völlig unnötig und belasten die Umwelt, weil sie sich kaum abbauen. Deshalb werten wir hier unter den Weiteren Mängeln ab. Von diesen wenigen wunden Punkten abgesehen ist das Testergebnis jedoch insgesamt mehr als zufriedenstellend.

Tipps zu Wundpflastern

  • Nässende und frische Wunden täglich mit einem neuen Pflaster versorgen.
  • Denken Sie daran, den Tetanusimpfschutz regelmäßig aufzufrischen. Denn auch in kleine Wunden können Keime eindringen; dabei sind die Tetanus-Erreger besonders gefährlich. 

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 18 als sensitiv oder hautfreundlich ausgelobte Pflaster in Apotheken, Drogerien und Supermärkten eingekauft. Darunter sind bekannte Markenprodukte und Eigenmarken. Die meisten Packungen enthalten Einzelpflaster (Strips), fünf Produkte sind längere Streifen und müssen zugeschnitten werden. Wir ließen alle Pflaster in Laboren auf krebserregende Nitrosamine und deren Vorstufen, die nitrosierbaren Stoffe, untersuchen. Diese können bei der Herstellung der Klebstoffe während der Vulkanisation entstehen, aber auch über Druckfarben, zum Beispiel aus den Faltschachteln, in die Pflaster hineingelangen. Zudem untersuchten die Labore alle Produkte auf halogenorganische Verbindungen und optische Aufheller, unter denen Verbindungen sein können, die die Umwelt belasten oder allergische Reaktionen hervorrufen können. Hinzu kamen mit zinnorganischen Verbindungen und Antimon giftige Stoffe, die als Katalysatoren in der Silikon- und Polyesterproduktion dienen. Nicht zuletzt ließen wir die Kunststoffbestandteile von Verpackungen und Pflastern auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen wie PVC prüfen.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 0,1 bis 0,2 mg/kg nitrosierbare Stoffe (in Tabelle: "nitrosierbare Stoffe erhöht"). Zur Abwertung um eine Note führt: halogenorganische Verbindungen.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) optische Aufheller. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte nicht geprüft haben.

Testmethoden

Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht).
Zinnorganische Verbindungen: GC-ICP-MS.
Migrierbare Nitrosamine und nitrosierbare Vorstufen: Nach DIN EN 12868 2017-04. Migrationsbedingungen: ohne vorheriges Auskochen, Speichelsimulanz, 40 °C, 24h. Beim Gehalt der nitrosierbaren Vorstufen ist der Gehalt des korrespondierenden migrierbaren Nitrosamins abgezogen.
Halogenorganische Verbindungen: Binden der organischen Halogene an Aktivkohle. Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes.
Antimon: Elution von Schwermetallen mittels saurer Schweißlösung. Elementbestimmung mittels ICP-MS.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt und in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: November – Dezember 2021.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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