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Ratgeber: Rückenoperationen

Spezial Rücken
vom 17.04.2015

Rückenoperationen

Oft geht es ohne

Zweifellos: Manche Operationen sind notwendig. Einige sogar sofort. Insgesamt aber wird zu schnell und zu oft operiert. Für Kliniken lohnt es sich, und Rückenkranke hoffen, dass endlich die Schmerzen aufhören. Diese Hoffnung kann trügen.

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17.04.2015 | Manchmal muss es ganz schnell gehen: Wenn sich der Stuhlgang und das Wasserlassen nicht mehr kontrollieren lassen, ist das immer ein Notfall. Dann sollte man nicht erst zum Arzt gehen, sondern sofort ins Krankenhaus. Es drückt vermutlich ein Bandscheibenvorfall auf das Nervenfaserbündel am Ende des Rückenmarks und eine Operation muss so schnell wie möglich Platz schaffen. Auch bei Lähmungen an Armen und Beinen sollte der gequetschte Nerv so schnell wie möglich befreit werden. Sinnvoll kann eine Operation außerdem sein, wenn sich trotz Physiotherapie, Schmerzbehandlungen oder Akupunktur über einen langen Zeitraum nichts verändert und die Beschwerden heftig sind. Oder wenn Wirbelgleiten oder ein zu enger Wirbelkanal die Nerven reizen. Dann lindert eine Operation die Beschwerden schneller. Notwendig ist sie, wenn wegen des zu engen Spinalkanals bereits das Gehen schwerfällt. Dann verhindert eine Operation, dass die Betroffenen bewegungsunfähig und pflegebedürftig werden.

Die Indikationen haben sich nicht geändert. Medizinisch ist daher schwer zu erklären, warum die Zahl der Wirbelsäulenoperationen im vergangenen Jahrzehnt stark gestiegen ist. So meldete die AOK im Dezember 2012, dass sich die Zahl der Operationen in Krankenhäusern von 2005 bis 2010 mehr als verdoppelt hat. Der Verdacht lag nahe, dass die Kliniken ihre Betten mit gut planbaren Operationen auslasten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft bestätigte zwar in einer eigenen Untersuchung, dass es mehr Operationen gibt, hatte dafür aber eine ganz andere Erklärung: Die Patienten werden älter, die Medizin macht Fortschritte.

Tatsächlich lässt der demografische Wandel mehr Operationen erwarten. Er erklärt aber nicht die regionalen Unterschiede, die aus dem Versorgungsatlas hervorgehen, den die AOK ebenfalls 2012 gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) erarbeitet hat. Demnach wurde in Schleswig-Holstein, Bayern und Hessen deutlich häufiger an der Wirbelsäule operiert als in Sachsen oder im Saarland. Offensichtlich wurde das Missverhältnis an manchen Ländergrenzen. So war auf der bayerischen Seite die Wahrscheinlichkeit, an der Wirbelsäule operiert zu werden, sechsmal höher als auf der baden-württembergischen Seite.

Inzwischen bezweifeln die wissenschaftlichen Fachgesellschaften die AOK-Zahlen. So hält Professor Frank Kandziora, Wirbelsäulenchirurg und Vorsitzender der Sektion Wirbelsäule der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), die Zahlen für viel zu hoch gegriffen. Tatsächlich würden in der Statistik viele Operationen mehrfach gezählt, da einzelne Operationsschritte jeweils extra für die Abrechnung kodiert werden müssten. Als Beispiel nennt er die Versteifung der Wirbelsäule, bei der sowohl die Bandscheibe entfernt als auch ein Implantat eingebracht werden müsse.

Manchmal hilft abwarten

Tatsache ist trotzdem: In den meisten Fällen sind die Eingriffe nicht zwingend. Bei den meisten Bandscheibenvorfäll

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