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Ratgeber: Rückenoperationen

ÖKO-TEST April 2014
vom 28.03.2014

Rückenoperationen

Zu schnell, zu oft

Längst nicht alle Rückenoperationen wären notwendig. Auch künstliche Bandscheiben sind kein Allheilmittel. Trotzdem steigt die Zahl der operativen Eingriffe drastisch.

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28.03.2014 | Medizinisch lässt sich das nicht erklären: Von 2005 bis 2010 hat sich die Zahl der Wirbelsäulenoperationen bei AOK-Versicherten mehr als verdoppelt. Das geht aus dem Krankenhausreport hervor, den das wissenschaftliche Institut der AOK im Dezember 2012 veröffentlichte. Der Report bestätigt eine Tendenz, die das Statistische Bundesamt seit Jahren dokumentiert. Zusätzlich schlüsselt er mit einem Versorgungsatlas bis auf Kreisebene auf, wo die Ärzte am häufigsten zum Skalpell greifen: in Schleswig-Holstein, Bayern und Hessen.

In vielen Fällen hilft einfach abwarten

Offensichtlich wird das Missverhältnis bisweilen an Ländergrenzen, etwa zwischen Bayern und Baden-Württemberg. "Die Wahrscheinlichkeit, an der Wirbelsäule operiert zu werden, ist auf der bayerischen Seite sechsmal höher als auf der baden-württembergischen Seite", sagt Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), die den Versorgungsatlas gemeinsam mit der AOK erarbeitet hat. Diese Unterschiede erklärten sich weder genetisch noch durch besondere berufliche Beanspruchungen. Auch wenn die Gründe noch nicht bis ins Detail analysiert sind, einige Faktoren nennt Niethard: falsche ökonomische Anreize, zu viele Kliniken, zu viele Krankenhausbetten.

Ohne Zweifel, es gibt Notfälle, in denen eine Operation unumgänglich ist. Aber deutlich häufiger sind die Eingriffe gar nicht notwendig: Bei den meisten Bandscheibenvorfällen beispielsweise ist Abwarten genauso gut wie eine mit Risiken behaftete Operation. Das ergab eine niederländische Studie mit 283 Patienten, die bereits sechs bis zwölf Wochen lang an einem schweren Bandscheibenvorfall litten. Die zufällig ausgewählten Patienten, die sich das Bandscheibengewebe in einer Mikrooperation entfernen ließen, erlebten eine schnelle Besserung. Doch nach einem Jahr ging es auch denjenigen, die sich die Operation erspart und mit Schmerzmitteln und Physiotherapie durchgehalten hatten, genauso gut.

Krankenkassen empfehlen Zweitmeinung

Die Krankenhäuser erklären den deutlichen Anstieg der operativen Eingriffe anders als Niethard: Die Patienten werden älter, die Medizin macht Fortschritte, argumentiert die Deutsche Krankenhausgesellschaft und beruft sich dabei auf eine eigene Studie. Tatsächlich lässt der demografische Wandel mehr Operationen erwarten. Er erklärt aber nicht, warum im Jahr 2005 rund 7.000 AOK-Versicherte operiert wurden, um ihren Wirbelkanal zu entlasten, im Jahr 2010 dageg

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