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ÖKO-TEST Februar 2016
vom

Diät-Drinks

Keinen Schuss Pulver wert

Neues Jahr, endlich schlank? Dann aber bitte nicht mit Pulverdiäten. Mit "ausreichend" hat der Doppelherz Aktiv Diät Shake noch am besten abgeschnitten - während Almased, Yokebe und die meisten anderen mit einer glatten Sechs durchfallen. Aromen, Chlorat, Gentechnik und jede Menge unseriöse Versprechungen sind der Grund.

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29.01.2016 | Kalorienzählen, die komplizierte Zubereitung diättauglicher Mahlzeiten und ein schlechtes Gewissen, doch wieder zu viel gegessen zu haben ... Wer dazu keine Lust hat, dem dürften Schlankheitsmittel wie Almased oder Slim-Fast! wie ein Traum erscheinen: Einfach Pulver mit Wasser oder Milch zu einem cremigen Shake anrühren, einige Male am Tag trinken ... und schon schmelzen überflüssige Pfunde dahin wie Butter in der Sonne.

Genährt wird der Traum vom problemlosen Abnehmen durch die Werbeversprechen der Hersteller. Die Firma Herbalife etwa beschreibt ihr Produkt als köstliche, gesunde Mahlzeit. Anbieter Weber & Weber wirbt für seinen Multan Figur-Former mit Aussagen wie "sich fit und belastbar fühlen" und "gesund abnehmen". Almased preist das einzigartige Almased-Phänomen und verspricht eine schnelle und dauerhafte Gewichtsabnahme. Anbieter Biomo Vital (Xlim Aktiv Mahlzeit) verkauft sein Produkt als "selbstbestimmtes Gewichtsmanagement" ohne Jo-Jo-Effekt.

Aber was ist dran an den Pulvern, die dieser Tage in Apotheken und Drogerien im großen Stil angeboten werden? Beruhigend immerhin, dass die Produkte nicht irgendwie zusammengesetzt sein dürfen, sondern den Regularien der Diätverordnung unterliegen. Diese schreibt für Pulver, die als Tagesration eingenommen werden sollen, Mindestgehalte an Eiweiß, essenziellen Fettsäuren, Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen vor. Ziel ist, die wesentlichen Funktionen des Körpers aufrechtzuerhalten und den Abbau von Muskulatur zu begrenzen. Ganz verhindern lässt sich der Verlust von Muskelmasse aber nicht. Andere Produkte sollen lediglich einzelne Mahlzeiten eines Tages ersetzen. Sie nennen sich Mahlzeitenersatz.

Genaue Vorgaben gibt es für den Kaloriengehalt. So müssen Tagesrationen 800 bis 1.200 Kilokalorien (kcal) enthalten, während für eine einzelne Mahlzeit 200 bis 400 kcal vorgeschrieben sind. Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) unterscheidet in den seit 2010 zugelassenen Health Claims Mahlzeitenersatz zur Gewichtsreduktion - dies beginnt mit dem Austausch von zwei Hauptmahlzeiten - und Mahlzeitenersatz zur Gewichtsstabilisierung - dafür soll ein Diätdrink pro Tag verzehrt werden.

Für niedrig kalorische Formuladiäten - so der Fachbegriff - geben Fachleute einen Gewichtsverlust von 0,5 bis 2 Kilogramm pro Woche als machbar an. Aber wie sieht es langfristig aus? Laut einer US-Meta-Analyse von 2001 blieb von den anfänglichen stärkeren Gewichtsverlusten durch Formula nach fünf Jahren zwar mehr erhalten als von den geringeren Verlusten, die durch mäßig energiereduzierte Diäten erzielt worden waren. In der Summe waren es im Schnitt trotzdem nicht mehr als fünf bis sechs Kilo von ursprünglich 17 Kilogramm. Und das, obwohl nur Daten professioneller Therapiekonzepte ausgewertet wurden, die neben Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie auch eine Langzeitbetreuung umfassten. "Das heißt, selbst unter optimalen Bedingungen ist es fast unmöglich, das Gewicht zu halten", stellt Adipositasexperte Professor Hans Hauner von der Technischen Universität München fest. "Umso schlechter stehen die Chancen für frei verkäufliche Produkte, die keinerlei Betreuung vorsehen."

Für stark übergewichtige Menschen, die aus medizinischen Gründen abnehmen müssen, seien Formuladiäten hingegen sinnvoll - die Einbindung von medizinisch geschultem Personal vorausgesetzt, so Hauner.

Fest steht: Werden Formuladiäten falsch angewendet, können erhebliche Nebenwirkungen die Folge sein, etwa Kreislaufstörungen, Verstopfung, Elektrolytverschiebungen oder erhöhte Harnsäurespiegel. Schnelle und ausgeprägte Abnehmkuren bergen zudem ein erhöhtes Risiko für Gallensteinerkrankungen. Nicht zuletzt kann jede Gewichtsreduktion einen Teufelskreis aus wiederholten Abnehm- und Zunehmphasen in Gang setzen, den Jo-Jo-Effekt. Das ist nicht nur frustrierend, sondern führt über die Jahre oft zu zusätzlichen Kilos. Gut belegt ist, dass der Jo-Jo-Effekt auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes fördern kann.

Wir haben in Apotheken, Drogerien und Onlineshops 16 Diät-Shakes gekauft und von Experten auf ihre Zusammensetzung und Kennzeichnung prüfen lassen. Im Labor wurde zusätzlich auf Schadstoffe untersucht.

Das Testergebnis

Jetzt kommt's dicke. Zwölf von 16 Produkten sind "ungenügend" - ein skandalös schlechtes Ergebnis. Hauptgrund für das schlechte Abschneiden: zu wenig anwendungsorientierte Hinweise, dafür aber jede Menge Werbesprüche. Und: Die Auflagen der Diätverordnung in puncto Kennzeichnung sind deutlich zu lasch.

ÖKO-TEST Februar 2016

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Weitere Informationen

So haben wir getestet
Der Einkauf
Aus dem großen Angebot an Diät-Shakes wählten wir 16 verbreitete Produkte aus. Wir kauften sie in Apotheken, Drogerien und Onlineshops. Bevorzugte Geschmacksrichtung: Vanille.

Die Produkteigenschaften
Anhand der Packungsangaben ließen wir prüfen, ob die Nährstoffzusammensetzung den Vorgaben der Diätverordnung entspricht. Überprüft wurden sämtliche Anwendungen, also auch Startphasen zum Diätauftakt, sofern diese nahezu ausschließlich mit Pulvermahlzeiten bestritten werden sollen. Hinweise zum Umgang mit den Produkten klopften wir anhand eines Kriterienkatalogs ab, den wir mit fachlicher Unterstützung des Adipositasexperten Professor Hans Hauner entwickelten. Dazu wurden vorrangig Packungsangaben und -beilagen durchforstet, gegebenenfalls auch Internetseiten.

Die Inhaltsstoffe
Diät-Shakes sind Pulver zum Anrühren in Wasser oder Milch. Die Eiweißkomponente basiert auf Soja- oder Milchbestandteilen, hinzu kommen Zucker- oder Süßstoffe, Öle, Quellmittel, Pflanzenfasern, Aromen sowie Vitamine und MineraIstoffe. Im Labor ließen wir die Produkte auf Rückstände von industriellen Reinigungsmitteln, problematische Keime, Fettschadstoffe und gentechnisch veränderte Organismen untersuchen. Letztere können durch verunreinigtes Sojaprotein eingetragen werden.

Die Bewertung
Weil die falsche Anwendung der Produkte riskant sein kann, standen zunächst deren Zusammensetzung und Anwendungshinweise im Vordergrund. Danach kann ein Produkt, das die gesetzlichen Nährstoffvorgaben deutlich unterschreitet, bestenfalls mit "mangelhaft" abschneiden. Stärker abgewertet haben wir auch, wenn ein Arzthinweis fehlt. Unter den Inhaltsstoffen bemängeln wir erhöhte Gehalte an Chlorat, Perchlorat sowie Spuren gentechnisch veränderter Sojabestandteile, außerdem umstrittene Zusätze.

So haben wir getestet

Vanilleschote auf der Packung, aber keine Vanille enthalten? Das ist nicht mehr erlaubt.