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15 Allergiemittel für die Haut im Test

Salbungsvoll

ÖKO-TEST Februar 2009 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 30.01.2009

15 Allergiemittel für die Haut im Test

Gegen allergische Hauterkrankungen gibt es in der Apotheke eine Reihe rezeptfreier Präparate, die den Betroffenen das Leben erleichtern sollen. Immerhin sechs untersuchte Mittel haben mit "gut" abgeschnitten.

Schon seit Jahren plagt sich die 43-jährige Heike H. aus dem niedersächsischen Edewecht mit Hautausschlägen herum. Mal sind es entzündete Stellen im Genick, dann in den Ellenbeugen oder an den Fingern, seit einiger Zeit sind vor allem die Augenlider betroffen. "Ich weiß gar nicht mehr, wann es eigentlich begonnen hat. Bislang hat mir aber noch kein Hautarzt wirklich helfen können", berichtet die Finanzbuchhalterin.

Die Ursachen von Hauterkrankungen können höchst unterschiedlich sein: Infektionen durch Bakterien, Pilze oder Viren, Kontakt mit chemischen Substanzen, Allergien auf Nahrungsmittel oder Medikamente kommen in Betracht. Doch auch gestörte Körperfunktionen können die Haut in Mitleidenschaft ziehen - etwa eine zu geringe oder zu starke Talgproduktion, Autoimmunerkrankungen oder ein gestörtes Hormongleichgewicht.

Alles Mögliche hätte man ihr schon verschrieben, erzählt Heike H.: "Früher waren es Teerpräparate, die haben aber nichts gebracht. Besser waren da schon kortisonhaltige Cremes, da sah die Haut nach einiger Zeit besser aus." Da Kortison an den Augen nicht angewendet werden darf - es kann den Augeninnendruck erhöhen - bekam sie für diese empfindliche Hautpartie eine rezeptpflichtige Salbe mit einem anderen Wirkstoff.

Manchmal hilft Heike H. aber auch einfach eine Luftveränderung. "Nach einem kurzen Urlaub an Nord- oder Ostsee sieht die Haut immer wie neu aus", freut sie sich. Der entspannende Moment des Urlaubs scheint es aber nicht allein zu sein, denn eine Woche auf Mallorca habe diesen Effekt nicht. Vermutlich tut das besondere Reizklima der allergenarmen und salzhaltigen Seeluft ihrer Haut besonders gut.

Ekzeme äußern sich als entzündliche, meist juckende, aber nicht ansteckende Hauterkrankungen. Im akuten Fall zeigen sich Rötungen, Bläschen, Schwellungen, offene Stellen und Krusten, bei chronischen Erkrankungen wird die Haut trocken und schuppig, die Verhornung nimmt zu und schmerzhafte Risse (Rhagaden) bilden sich. Um die Ursachen abzuklären, erhebt der Arzt die Krankengeschichte und inspiziert die Haut. Gegebenenfalls veranlasst er weitere Untersuchungen, zum Beispiel Allergietests, oder nimmt einen Abstrich, um Erreger nachzuweisen.

Am häufigsten werden Kortikosteroide verordnet: Laut Arzneiverordnungsreport 2008 entfallen auf sie fast 45 Prozent der verordneten Tagesdosen aller Dermatika. Sie hemmen Entzündungen und Zellteilungen, was ihren Einsatz bei verschiedenen Hauterkrankungen begründet: Neurodermitis (atopische Dermatitis), Schuppenflechte (Psoriasis), Lichtdermatosen wie Sonnenbrand und juckende Hauterkrankungen. Für leichtere Beschwerden gibt es etliche rezeptfreie, äußerlich anzuwendende Zubereitungen.

ÖKO-TEST hat 15 apothekenpflichtige Allergiemittel für die Haut (antiallergische Cremes, Gele und ein Spray) eingekauft, begutachten und auf Schadstoffe untersuchen lassen. Fünf der 15 Produkte enthalten als Wirkstoffe Antihistaminika und richten sich vor allem gegen den Juckreiz bei Insektenstichen oder Sonnenbrand. In zehn Präparaten steckt Hydrocortison.

Das Testergebnis

Mittelprächtig: Kein Präparat im Test erzielt die Note "sehr gut", immerhin sechs beurteilen wir mit "gut". Ein Produkt erhält jedoch das Gesamturteil "mangelhaft".

Hydrocortison eignet sich zur Behandlung von leichten bis mäßigen entzündlichen, allergischen und juckenden Hauterkrankungen, weil es die Überreaktion des Immunsystems unterdrückt. Gleichzeitig hemmt Hydrocortison die Zellteilung, weshalb bei längerer Anwendung die behandelte Haut dünner werden kann. In den Beipackzetteln ist die Anwendungsdauer auf ein bis zwei Wochen beschränkt. Wie auch andere äußerlich aufgetragene Kortikoide unterdrückt Hydrocortison lediglich die Symptome, bekämpft jedoch nicht die Ursache der zugrunde liegenden entzündlichen Hauterkrankung. Wir werten Hydrocortison daher um eine Stufe ab.

Die antiallergischen Wirkstoffe Bamipin, Clemastin, Chlorphenoxamin, Dimetinden und Diphenhydramin sollen vor allem bei juckenden und allergischen Hautreaktionen wie Sonnenbrand und Insektenstichen helfen. Zwar können sie prinzipiell Entzündungen unterdrücken, doch ist zweifelhaft, ob die erwünschte Wirkung bei Anwendung auf der Haut überhaupt eintritt. Wir werten Bamipin, Dimetinden und Diphenhydramin daher um zwei Stufen ab, die halogenhaltigen Verbindungen Clemastin und Chlorphenoxamin um drei Stufen.

Das Anaesthecomp N Gel enthält eine Wirkstoffkombination aus dem Antihistaminikum Diphenhydramin und dem örtlich betäubend wirkenden Lidocain. Letzteres kann jedoch eine arzneimittelbedingte Kontaktallergie verursachen. Daher werten wir diesen Wirkstoff ab.

Die Beipackzettel sind im Großen und Ganzen ordentlich gemacht. Mit Ausnahme der Soventol HydroCort 0,5%, Creme von Medice weisen alle hydrocortisonhaltigen Zubereitungen auf Nebenwirkungen wie das Dünnerwerden der Haut oder die Bildung von Hautstreifen durch Schädigung der elastischen Fasern hin.

Drei Produkte enthalten mehr als ein Prozent Paraffine. Anders als die Bestandteile natürlicher Öle integrieren sich diese künstlichen Stoffe nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut. Da Paraffine die Reißfestigkeit von Kondomen vermindern können, ist ein Hinweis im Beipackzettel wünschenswert, der zu Vorsicht bei Anwendung der Creme im Genital- oder Analbereich mahnt.

Fünf Präparate enthalten PEG/PEG-Derivate. Wegen ihrer emulgierenden Wirkung werden diese Substanzen in Cremes eingesetzt, um die Bestandteile gleichmäßig zu mischen. Allerdings können sie auch die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.

Kommt es bei der Anwendung der Präparate zu Hautreizungen, kann dies an bestimmten Hilfsstoffen liegen, zum Beispiel dem Antioxidans Butylhydroxytoluol, den Konservierungsstoffen Sorbinsäure/Kaliumsorbat und Methyl-4-hydroxybenzoat, dem Löse- und Feuchthaltemittel Propylenglycol oder den Emulgatoren Cetyl- und Cetylstearylalkohol. Mit einer Ausnahme weist ein Extrapunkt in der Gebrauchsinformation den Anwender darauf hin.

Dünne Haut

Je dünner die Haut, desto besser werden Kortikoide aufgenommen - und desto größer auch die Gefahr von Nebenwirkungen. Besondere Vorsicht gilt daher bei Anwendung am Auge oder im Genitalbereich, wo die Haut besonders dünn ist. So werden am Augenlid oder am Hodensack rund 42 Prozent des aufgetragenen Hydrocortisons aufgenommen, an der Stirn immerhin noch sechs Prozent, auf dem Rücken 1,7 Prozent, in der Handfläche nur noch 0,8 und von der Fußsohle gar nur noch 0,14 Prozent.

Ekzeme

Häufiger Kontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln verschlimmert Ekzeme. Daher: Beim Putzen nach Möglichkeit Gummihandschuhe mit Baumwollfütterung tragen.

Die Neunerregel

Manchmal finden sich im Beipackzettel Anwendungshinweise wie dieser: Darf nicht länger als eine Woche auf einem Gebiet von mehr als einem Zehntel der Körperoberfläche aufgetragen werden. Doch wie viel ist das? Aus der Beurteilung der Größe von Verbrennungen stammt die Neunerregel, die zur Abschätzung weiterhilft. Dabei zählen Brust und Bauch, Rücken und jedes Bein je 18 Prozent, jeder Arm und der Kopf je neun Prozent sowie der Genital- und Analbereich ein Prozent.

So lindern Sie Juckreiz

Neben der ursächlichen Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankungen helfen folgende Maßnahmen, den Juckreiz zu lindern:

Zu vermeiden sind

-trockenes Klima, Hitze (Sauna), häufiges Waschen und Baden;

-der Kontakt mit irritierenden Stoffen wie Umschläge mit Teebaumöl;

-heißes und stark gewürztes Essen, größere Mengen von heißen Getränken und Alkohol;

-Aufregung und Stress;

-Hausstaub und Hausstaubmilben bei Atopikern.

Zu empfehlen sind

-milde, nicht alkalische Seifen, rückfettende Waschsyndets, lauwarmes Wasser, Badezeit maximal 20 Minuten;

-nach dem Duschen/Baden die Haut eincremen;

-bei Dermatosen das Abtupfen des Körpers ohne starkes Reiben;

-weiche, luftige Kleidung, z.B. aus Baumwolle

(keine Wolle, keine synthetischen Materialien);

-zur kurzfristigen Linderung des Juckreizes (auch während der Nacht): Cremes oder Lotionen mit Harnstoff, Menthol, Polidocanol, Gerbstoffen; feuchte oder kühlende Umschläge, kühles Duschen, Schwarzteeumschläge;

-den Juck-Kratz-Zyklus unterbrechen etwa durch Auflegen eines kalten Waschlappens und leichten Druck;

-Entspannungsübungen (autogenes Training).

Quelle: Deutsche Dermatologische Gesellschaft

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