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12 Einlagen bei Blasenschwäche im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom 11.10.2013

Einlagen bei Blasenschwäche

Was läuft denn da?

Harninkontinenz ist immer noch ein Tabuthema - obgleich schätzungsweise vier Millionen Menschen hierzulande daran leiden. Spezielle Einlagen könnten den Alltag erleichtern. In unserem Test gab es aber nur ein gutes Produkt, alle anderen waren Mittelmaß.

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11.10.2013 | Schätzungsweise vier Millionen Menschen leben hierzulande mit einer behandlungs- oder versorgungsbedürftigen Harninkontinenz. Die Hälfte von ihnen ist älter als 60 Jahre, Frauen leiden häufiger darunter als Männer. Bei Frauen liegt die Ursache häufig in einem schwachen Beckenboden, bei Männern in einer vergrößerten Prostata.

Im ÖKO-TEST: Sieben Einlagen bei Blasenschwäche für Frauen und fünf Produkte für Männer, vor allem für leichte bis mittlere Inkontinenz, eines für Männer mit Harntröpfeln. Wir wollten wissen, wie es um die Saugleistung der Produkte bestellt ist und wie gut Betroffene mit ihnen zurechtkommen. Und natürlich wurden die Einlagen auch auf Schadstoffe untersucht.

Das Testergebnis

Nur ein Produkt erreicht ein Gesamturteil "gut" (Hartmann MoliMed Premium Maxi), die anderen bleiben im Mittelmaß hängen.

Da man es einer Inkontinenzeinlage von außen nicht ansieht, ob der Hersteller sie für Harntröpfeln oder für leichte, mittlere oder schwere Blasenschwäche konzipiert hat, wäre eine solche Information für den Verbraucher wichtig. Bei Abena Abri San Premium 1, Attends Soft Saugstärke 5 und Param Ladies Extra fehlt ein solcher Hinweis auf der Verpackung, was wir mit Notenabzug in der Praxisprüfung quittieren. Als zu hoch gegriffen erwies sich im Praxistest die auf der Verpackung angegebene Einstufung der Tena Lady Einlagen Extra für mittlere Blasenschwäche sowie der Seni Man normal für leichte Blasenschwäche. Hier lief Testflüssigkeit aus. Die Tena-Einlagen eignen sich folglich nur für leichte Blasenschwäche, das Seni-Produkt lediglich für Harntröpfeln.

Wenn die Blase nicht mehr dicht hält, muss eine Einlage den abgegangenen Urin möglichst schnell aufsaugen. Und da die Einlage nicht nach jedem Malheur gewechselt wird, sollte sie auch dann noch gut saugen, wenn sie bereits Urin aufgenommen hat. Der Testsieger, die Hartmann MoliMed Premium Maxi, zeigte hier sowohl nach dem ersten als auch nach dem vierten Flüssigkeitsschwall sehr gute Werte. Fast genauso gut war die Attends Soft Saugstärke 5, beides Produkte für Frauen. Die Einlagen für die Männer schnitten in dieser Prüfung eher schlechter ab, insbesondere die Attends For Men Active Protection, Saugstärke 2 ließen beim Aufsaugen Tempo vermissen.

Die Rücknässung gibt Auskunft darüber, wie fest die Einlage den aufgesogenen Urin bindet. Hier sind besonders niedrige Werte erwünscht, da ein feuchtes Milieu die Haut im Genitalbereich stark belastet. Durch sehr geringe Rücknässung fielen hier insbesondere die Param Ladies Extra und die Tena Lady Einlagen Extra positiv auf. Die Männerprodukte ließen bei diesem Testkriterium arg zu wünschen übrig, drei fühlten sich unter den Händen der Prüfer regelrecht nass an: Tena Men Level 2, Facelle Diskret Hygiene-Einlagen Men Level 2 und Seni Man normal.

Zufriedene Probanden: Unsere Freiwilligen - allesamt Menschen mit Blasenschwäche, die schon länger Inkontinenzeinlagen benutzen - attestierten den Produkten überwiegend gute Eigenschaften.

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So haben wir getestet

Der Einkauf

Für diesen Test haben wir elf Einlagen für leichte bis mittlere Blasenschwäche sowie eine für Männer mit Harntröpfeln ausgewählt, die mittels eines Klebestreifens in der Unterhose fixiert werden, nicht aber solche, die beim Anlegen spezieller Netzhosen bedürfen. Die Mehrzahl der Produkte kauften wir in der Apotheke ein, nur wenige in der Drogerie, denn anders als einfache Binden sind Inkontinenzeinlagen immer noch ein typisches Apothekenprodukt. Da mehr Frauen als Männer von unfreiwilligem Harnverlust betroffen sind, landeten mehr Modelle für Frauen als für Männer im Test.

Die Praxisprüfung

... gliederte sich in zwei Teile: Zum einen wollten wir wissen, wie gut und wie viel Flüssigkeit die Einlagen aufsaugen. Dabei hat sich das von uns beauftragte Labor an einer Methode orientiert, die Urologen des Universitätsklinikums Kiel entwickelt haben: Die Einlage wird nicht zerschnitten und die Flüssigkeit - eine mit einem Indikator eingefärbte Kochsalzlösung als Urinersatz - so aufgegeben, dass sie einen Urinstrahl simuliert. Wie gut die aufgesaugte Flüssigkeit festgehalten wird, wurde durch Auflage von Filterpapieren ermittelt. Die Anwendung der beiden anerkannten Testverfahren haben wir verworfen, weil sie kaum praxisnah sind: Beim ISO-Tauchtest wird die komplette Einlage in eine Flüssigkeit eingetaucht und nach dem Abtropfen gewogen; beim MDS-Test werden Stücke aus dem Produkt herausgeschnitten und die Aufnahmekapazität dann unter Druck gemessen.
Zum anderen ging es uns um die Handhabung und den Tragekomfort. Dazu wurden die Produkte Männern und Frauen mit Blasenschwäche ausgehändigt, die regelmäßig Einlagen benutzen. Auf einer Skala von 5 = sehr gut bis 1 = sehr schlecht beantworteten sie Fragen, die vom Entfernen des Klebestreifens bis zur Hautverträglichkeit reichten.

Die Schadstoffe

Analysieren ließen wir auf Rückstände halogenorganischer Verbindungen, die beispielsweise beim Bleichen von Fasern mit Chlor entstehen können. Viele dieser Stoffe sind allergieauslösend. Ein weiterer Parameter waren umstrittene optische Aufheller.

Die Bewertung

Gute Einlagen bei Blasenschwäche saugen adäquate Mengen Flüssigkeit schnell auf und halten diese fest, sodass sie sich lange trocken anfühlen. Genauso wichtig wie die Laboruntersuchung war uns, wie Betroffene mit den Produkten zurechtkommen. Folglich fließen Flüssigkeitsaufnahme und Bewertung durch die Probanden zu gleichen Teilen ins Testergebnis Praxisprüfung ein. Das Material sollte natürlich möglichst frei von Schadstoffen sein, denn schließlich werden die Einlagen lange an empfindlichen Körperpartien getragen. Daher kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechtere der beiden Testergebnisse Praxisprüfung und Material.

So haben wir getestet

Ausgelaufen: Diese Einlage war mit dem simulierten Urinschwall überfordert.

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