Das neue Buch von ÖKO-TEST: Gibt's das auch in Grün?

Magazin Januar 2024: Gesichtscremes | Autor: Kerstin Scheidecker/Katja Tölle | Kategorie: Freizeit und Technik | 28.12.2023

Unser ÖKO-TEST Buch hilft Verbrauchern und Verbraucherinnen dabei Greenwashing zu erkennen.
Foto: ÖKO-TEST

"Klimaneutrale" Kuhmilch, "korallenfreundliche" Sonnencreme und in Ketchup versteckte Tomaten aus China: Die Industrie tut so einiges, um uns Umweltsünden als vermeintlich grün zu verkaufen. Über diese Greenwashing-Versuche könnte man ein ganzes Buch schreiben – und genau das haben wir bei ÖKO-TEST getan.

  • In einem neuen Buch nimmt ÖKO-TEST Greenwashing-Versuche und andere Tricks der Industrie genau unter die Lupe.
  • Das Ziel: Verbraucher und Verbraucherinnen sollen Greenwashing besser erkennen und einfacher nachhaltig einkaufen können.
  • Das Buch mit dem Titel "Gibt's das auch in Grün?" erscheint am 7. Februar im Campus-Verlag.

Am Anfang war der Ärger. Vielleicht waren es die in Ketchup versteckten chinesischen Tomaten, die den Ausschlag gegeben haben. Oder die Chicken Nuggets, die aus Brasilien, Thailand und der Ukraine stammten – ohne dass ein Hinweis auf der Verpackung das klar gemacht hätte.

Sicherlich hat auch die Sonnencreme mit chemischen UV-Filtern, die als "korallenfreundlich" ausgelobt war, dazu beigetragen. Und all die anderen vollmundigen Versprechen, mit denen die Industrie inzwischen ihre Produkte grün färbt. Ein Blättchen hier, ein "eco-friendly" da – ein "klimaneutral" obendrauf, fertig ist das vermeintlich grüne Produkt.

ÖKO-TEST: Tricks der Industrie aufdecken 

Alles in allem hatte sich irgendwann genug Ärger angesammelt, um ihm Luft zu lassen – und das haben wir bei ÖKO-TEST getan. Wir haben ein Buch geschrieben, das all diese Greenwashing-Versuche und andere Tricks der Industrie ganz genau unter die Lupe nimmt. Was ist wirklich grün, was bloß grün gelogen? Und wie können wir das eine vom anderen unterscheiden?

Warum wir uns darüber ärgern? Weil Greenwashing schadet. Es schadet dem Großen und Ganzen, weil es die nachhaltige Entwicklung bremst. Weil wir Verbraucherinnen und Verbraucher die echten Bemühungen und Verbesserungen nicht erkennen können und nicht die wirklich umweltfreundlichen Produkte kaufen.

Und Greenwashing schadet im konkreten Einzelfall. Immer dann wenn Unternehmen für ihre blumigen Versprechen auf den Verpackungen mehr Platz brauchen – und dafür allen Ernstes die Verpackungen aufblasen. Wenn sie also Extra-Verpackungsmüll produzieren für ihre grünen Lüge.

(Foto: ÖKO-TEST)

ÖKO-TEST: Greenwashing erkennen

Aber klar: Wir ärgern uns über Greenwashing – und dennoch müssen wir einkaufen. Dabei wissen wir: Unser Konsum schadet der Umwelt, schadet Menschen, schadet Tieren. Für den Glitzer in unseren Lippenstiften arbeiten Kinder in indischen Minen, für unsere Milch leben Kühe angebunden in engen Ställen, in denen sie sich nicht bewegen können. Für unseren Ketchup bauen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter in China Tomaten an.

Unsere Waschmittel spülen jede Menge Chemikalien in die Meere und unser Hunger auf Erdbeeren und Avocados trocknet die Anbauländer aus. Und die Verpackungen, die unser Konsum mit sich bringt, bilden inzwischen riesige Plastikinseln in den Meeren. Und unser Strom? Ist selten so "öko", wie die Energieanbieter versprechen.

Die Industrie verkauft uns Umweltsünden – und wir kaufen sie. Weil wir sie selten überhaupt erkennen. Denn: Kein Hersteller, der chinesische Tomaten in seinem Ketchup verarbeitet, will, dass wir das wissen. Deswegen vertuscht er diesen ökologischen Irrsinn. Nur wie? Und wie verstecken Kosmetikhersteller Mikroplastik in ihren Tuben? Wie täuscht die Milch-Lobby Klimaschutz vor, obwohl die Landwirtschaft und speziell die Rinderhaltung einer der massiven Treiber der Klimakrise ist?

Unser Konsum beeinflusst Industrie und Politik

Das Buch, das wir bei ÖKO-TEST geschrieben haben, zeigt, wie wir die Tricks der Industrie erkennen – und was wir dagegen tun können. Wie wir bewusst kaufen können, ohne dabei ständig ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Dabei bleiben wir bewusst im Spannungsfeld zwischen "Was soll es schon bringen, wenn ich festes Shampoo kaufe?" und den großen, notwendigen Veränderungen, für die Politik und Industrie verantwortlich sind.

Wir wälzen die Verantwortung nicht auf die Einzelne oder den Einzelnen ab, hängen nicht dem Irrglauben an, dass individuelle Entscheidungen das Klima retten können. Aber wir lehnen uns auch nicht einfach zurück. Denn klar: Wir sehen Politik und Industrie in der Verantwortung, wissen aber auch, dass Veränderung im Großen durch Konsumveränderung im Kleinen möglich ist.

Denn: Bio-Lebensmittel im Discounter gibt es nur, weil die Verbraucherinnen und Verbraucher immer häufiger zu Bio gegriffen haben. Die Auswahl an veganen Ersatzprodukten ist nur so groß, weil immer mehr Menschen immer häufiger auf Fleisch verzichten. Und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist nur gekommen, weil das Bewusstsein dafür gestiegen ist. Weil Umwelt- und Verbraucherschützer so genau hingeschaut haben und immer wieder so laut auf die Missstände am anderen Ende der Lieferkette aufmerksam gemacht haben.

Jetzt das Buch vorbestellen: Gibt's das auch in Grün?

Die Industrie bewegt sich nicht freiwillig

Denn, wenn unsere Tests bei ÖKO-TEST eines seit Jahrzehnten zeigen, dann das: Die Industrie bewegt sich nicht freiwillig. Bewegung entsteht durch Druck – von Verbraucherschützerinnen, Umweltschützern und von jedem und jeder Einzelnen. Und von uns bei ÖKO-TEST.

Es hat sich schon viel bewegt. Schließlich hat auch die EU das Thema Greenwashing inzwischen auf dem Schirm und plant, viele der grünen Lügen im Laufe der nächsten Jahre zu unterbinden. Und es wird sich noch viel mehr verändern. Denn wir werden nicht aufhören, Produkte zu testen, uns über Klimalügen und Greenwashing zu ärgern und die Industrie immer wieder laut zu fragen: "Gibt's das auch in Grün?".

Der ÖKO-TEST-Ratgeber "Gibt's das auch in Grün?" erscheint am 7. Februrar 2024 im Campus-Verlag. 

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