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Ratgeber: Ehrenamt und Bürgerstiftungen

ÖKO-TEST Februar 2011
vom 28.01.2011

Ratgeber: Ehrenamt und Bürgerstiftungen

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Freiwillig und ohne Bezahlung zu helfen, das gehört für viele Deutsche einfach dazu. Etwa ein Drittel der Bundesbürger engagiert sich ehrenamtlich. Schwierig wird es allerdings, wenn sich die Politik auf das bürgerschaftliche Engagement allzu sehr verlässt.

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28.01.2011 | Spätestens um 7:30 Uhr steht er jeden Morgen an der Kreuzung, jetzt im Winter dick eingepackt gegen die Kälte. "Verkehrshelfer" steht groß auf seiner grellgelben Jacke. Seit über 17 Jahren leitet Dieter Michalzik in Dresden Schulkinder über die Straße, stoppt mit seiner Kelle den Autoverkehr, um kleineren wie größeren Schülern einen sicheren Übergang zu ermöglichen. "Manche kenne ich noch als i-Dötzchen, das sind heute junge Frauen und Männer."

Doch der inzwischen 74-Jährige ist mehr als ein normaler Schülerlotse: Er hat sich angewöhnt, eine Armbanduhr zu tragen, weil die Grundschüler ihn häufig fragen, wie lange sie noch Zeit haben, bis um acht Uhr der Unterricht beginnt. Auch aufgeschlagene Knie und andere Wehwehchen zeigen die kleineren Kinder "ihrem" Schülerlotsen, der für jeden ein paar freundliche Worte hat. Zum Kindertag Anfang Juni gibt es von ihm Bonbons, umgekehrt schenken ihm viele Schüler ein paar Plätzchen oder andere kleine Dinge zu Weihnachten. Sogar eine selbst gebastelte Medaille hat er schon bekommen.

1993 hatte sich Dieter Michalzik auf einen Aufruf des Landes Sachsen gemeldet, in dem Schulweghelfer gesucht wurden. Michalzik war damals schon einige Zeit arbeitslos, sein Betrieb musste nach der Wiedervereinigung schließen. "Ich war 56 Jahre alt, da hatte ich keine großen beruflichen Perspektiven mehr." Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe kam ihm der Aufruf gerade recht. "Das ist eine gute Sache. Ich habe etwas Sinnvolles zu tun und eine Regelmäßigkeit in meinem Leben."

Der Dresdner ist nur einer von vielen ehrenamtlich Tätigen in Deutschland. Ob als Schülerlotse oder bei der Freiwilligen Feuerwehr, als Schöffe oder "Grüne Dame" in Krankenhäusern, im Tierschutz oder in Umweltgruppen, bei den Globalisierungsgegnern von Attac oder für das Internetlexikon Wikipedia, in Sportvereinen oder Kirchgemeinden, in der Jugendarbeit oder in Selbsthilfegruppen: Ohne die freiwilligen Helfer würden viele Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens kaum funktionieren. Mehr als ein Drittel der Bundesbürger, nämlich 36 Prozent, sind ehrenamtlich engagiert - Männer häufiger als Frauen, Erwerbstätige mehr als Arbeitslose, Ältere weniger als Jüngere.

Diese Fakten stammen aus dem dritten Freiwilligensurvey der Bundesregierung von 2009 - denn längst hat die Politik den Wert der ehrenamtlichen Arbeit entdeckt. Das bürgerschaftliche Engagement hat schließlich nicht nur einen gesellschaftlichen Nutzen, sondern auch große volkswirtschaftliche Bedeutung.

Wird die freiwillige Hilfe ausgenutzt?

Wie hoch die ist, hat die AMB Generali Gruppe für den von ihr in Zusammenarbeit mit der Prognos AG herausgegebenen Engagementatlas 2009 ausrechnen lassen: 7,5 Prozent der gesamten Arbeitszeit, so das Ergebnis der Befragung von mehr als 44.000 Menschen, werden durch freiwilliges Engagement erbracht. Bei einem angenommenen (niedrigen) Stundenlohn von 7,50 Euro tragen Ehrenamtliche damit jährlich eine Arbeitsleistung von nahezu 35 Milliarden Euro zum Gem


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