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Apfelmark und Apfelmus im Test: Kritik an Pestiziden und zu viel Zucker

Magazin August 2020: Radler | Autor: Johanna Michl/Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 28.07.2020

Apfelmark und Apfelmus im Test: Insgesamt sieben Produkte schneiden "sehr gut" ab.
Foto: ÖKO-TEST

Apfelmus oder Apfelmark: Welches Produkt ist die bessere Wahl? Wir haben insgesamt 20 Apfelbreie untersucht. Der Test zeigt: Es gibt teilweise Probleme mit Pestiziden und aus unserer Sicht zu hohen Zuckergehalten.

  • Sieben Produkte im Test können wir mit Bestnote empfehlen, zwei fallen durch. 
  • Bio ist besser: Apfelmus und Apfelmark aus Bio-Anbau ist in unserem Test frei von synthetischen Pestiziden.
  • Jedem Apfelmus im Test wird Zucker zugesetzt, daher empfehlen wir eher Apfelmark zum Verzehr. Hier stammt die Süße aus den Früchten.

Äpfel sind von Natur aus wunderbar süß – sie enthalten um die elf Prozent Zucker. Mehr müsste es eigentlich auch in einem Apfelmus nicht sein. Doch die offiziellen Vorgaben in den Leitsätzen für Obsterzeugnisse schreiben etwas anderes vor. Die Zuckerkonzentration in "Apfelmus" muss danach mindestens stolze 16,5 Prozent betragen. "Zu viel" – sagt ÖKO-TEST.

Dabei können Hersteller diese ungesunde veraltete Vorschrift leicht umgehen, indem sie ihre Produkte einfach Apfelmark nennen. Für Apfelmark gibt es keinen Mindestzuckergehalt. Im Geschäft stehen Apfelmus und Apfelmark ohnehin nebeneinander und sehen – abgesehen von der Bezeichnung – völlig gleich aus. Und nicht nur das: Sie schmecken auch ähnlich gut – dank der natürlichen Süße der Äpfel.

Apfelmus und Apfelmark im Vergleich 

Egal ob Apfelmark oder Apfelmus: Apfelbrei kann viel. Kartoffelpuffer und Pfannkuchen zu einem kompletten Gericht abrunden, Joghurts und Müslis aufpeppen, kräftigen Apfelgeschmack in Kuchen und Desserts bringen. Allergiker, die keine frischen Äpfel vertragen, können den pasteurisierten Brei meist problemlos genießen. Beim veganen Backen kann er sogar als feuchtigkeitsspendender Ei-Ersatz funktionieren.

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Wir wollten wissen, welche Apfelbreie frei von Schadstoffen wie Pestiziden sind und gleichzeitig gut schmecken. Dafür haben wir zwölfmal Apfelmus und achtmal Apfelmark in die Labore geschickt. Das Ergebnis ist überwiegend erfreulich.

Beim Apfelmark vergeben wir in den meisten Fällen ein "sehr gut". In allen Apfelmusen im Test kritisieren wir den Zuckerzusatz. Insgesamt fünf Produkte erhalten Minuspunkte für Pestizidbelastungen.

Apfelmark und Apfelmus im Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft.
Apfelmark und Apfelmus im Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft. (Foto: Ildi Papp/Shutterstock)

Apfelmus im Test: Kritik an Pestiziden

Vereinzelt haben wir Inhaltsstoffe in Apfelmusen im Test gefunden, die wir beanstanden: 

  • In einem Apfelmus im Test ist der gesetzliche Rückstandshöchstgehalt für den synthetischen Wachstumsregulator Mepiquat überschritten. Zur Erklärung: Wachstumsregulatoren sind Pestizide, die eingesetzt werden, um das Wachstum zu beeinflussen.
  • Spuren des Antipilzmittels Carbendazim fand das Labor in einem Apfelmus im Test. Carbendazim steht in Verdacht, die Fortpflanzung zu schädigen und krebserregend zu sein. Außerdem ist in dem Mus der Gehalt des Insektizids Flonicamid erhöht – ein Pestizid, das Insekten vertreiben beziehungsweise töten soll.
  • Drei Apfelmus-Marken enthalten Spuren des aus unserer Sicht bedenklichen Pestizids Acetamiprid. Es gefährdet unter anderem Bienen.
  • Auffällig: Alle Bio-Produkte im Test waren frei von Pestiziden, in den anderen Produkten hat das Labor jeweils Spuren von mindestens einem Pestizid nachgewiesen.

Diese Kritikpunkte führen dazu, dass zwei Produkte nur mittelmäßig abschneiden und zwei weitere mit schlechten Gesamturteilen durch den Test fallen.

In Apfelmark steckt weniger Zucker 

Obwohl Äpfel schon von Natur aus schön süß sind, enthalten alle Apfelmuse zusätzlich zugesetzten Zucker – der skurrilen Leitsatz-Vorgabe sei dank. Zur Erinnerung: Der Zuckeranteil muss mindestens 16,5 Prozent erreichen. Das ist ungesund und muss sich dringend ändern. Wir sagen: Die Leitsätze müssen dem aktuellen Kenntnisstand angepasst werden.

Apfelmus im Test: Ist Apfelmark die bessere Alternative?
Apfelmus im Test: Ist Apfelmark die bessere Alternative? (Foto: Moving Moment/Shutterstock)

Sie sollten für hochwertige und gesunde Lebensmittel sorgen und nicht ungesunde Rezepturen künstlich erhalten. Denn derzeit hat man mit Apfelmus schwupps sein Zuckerpensum erreicht: Nach einem Schälchen kann die Maximalempfehlung der Weltgesundheitsorganisation schon erreicht sein. Im Schnitt liegt der deklarierte Gesamtzuckergehalt beim Apfelmark im Test bei 10,8 Prozent. Das entspricht dem natürlichen Zuckergehalt vieler Äpfel.

Im Apfelmus liegt der Zuckeranteil im Durchschnitt bei den für die Produktbezeichnung vorgegebenen 16,5 Prozent. Angesichts der gesundheitlichen Nachteile von hohem Zuckerkonsum halten wir Apfelbreie ohne Zuckerzusatz für die bessere Variante.

So schmecken die getesteten Apfelbreie 

In der Sensorikprüfung schnitten alle Apfelmuse im Test und fast alle überpüften Apfelmarke tadellos ab. Das heißt: Aussehen, Konsistenz und Geruch waren in Ordnung. Die Breie schmeckten nach Apfel, süß und säuerlich. Ob man leicht oder deutlich süß beziehungsweise säuerlich bevorzugt, ist Geschmackssache. Nur in zwei Produkten im Test kritisierten die Experten eine leicht bittere Geschmacksnote.

Das könnte Sie auch interessieren: Apfelmus können Sie einfach selber machen. Der Vorteil: Das Mus enthält keine Zusatzstoffen und Sie können selbst entscheiden, wie viel Zucker Sie hinzufügen. In drei Schritten zum selbstgemachten Apfelmus: Apfelmus selber machen: Rezept mit fünf Zutaten.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Im ÖKO-TEST-Einkaufskorb landeten zwölfmal Apfelmus, davon dreimal bio, und achtmal Apfelmark, darunter sieben Bio-Produkte. Die Preisspanne reicht von 0,58 Euro bis hin zu 4,63 Euro pro 700 g. Die Leitsätze für Obsterzeugnisse schreiben für Apfelmus einen Mindestzuckergehalt vor. Die Fruchtsaft- und Erfrischungetränkeverordnung beschreibt Fruchtmark als das durch physikalische Verfahren aus der Frucht gewonnene Erzeugnis.

Um festzustellen, ob bereits verdorbene Äpfel verarbeitet wurden, haben wir alle Produkte auf den Stoff Ergosterol untersuchen lassen, der in Schimmelpilzen vorkommt. Die Prüfer begutachteten zudem, ob sich Flüssigkeit absetzt, was ebenfalls auf Verderbnis hinweisen würde. Außerdem ließen wir die Breie auf Pestizide sowie die Wachstumsregulatoren Chlormequat und Mepiquat untersuchen. Geschulte Sensorik-Prüfer bewerteten Farbe, Konsistenz, Geruch und Geschmack. 

Bewertungslegende 

Die Angaben zur Herkunft der Äpfel und zum Apfelgehalt beruhen auf Angaben der Hersteller.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: Wachstumsregulator Mepiquat über Grenzwert (EU-Rückstandshöchstgehalt bei Äpfeln: 0,02 mg/kg). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) der Zusatz von Zucker (nach Deklaration); b) ein bis zwei besonders bedenkliche Pestizide in Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg (hier: Carbendazim, Acetamiprid); c) ein Gehalt eines Pestizids, der (unter Berücksichtigung von Verarbeitungsfaktoren, sofern nach BfR- oder EFSA-Liste verfügbar) die gesetzliche Rückstandshöchstmenge von ≥0,1 mg/kg um mehr als 10 bis 50 Prozent ausschöpft (in der Tabelle: "erhöht"). Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Sensorik: Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: eine mit "leicht bitter" gekennzeichnete Abweichung im Geschmack.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Deckeldichtung; b) die Auslobung "Laut Gesetz ohne Konservierungsstoffe", bei einer Produktgruppe, bei der dies selbstverständlich ist.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Sensorik bzw. ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Chlormequat u. Mepiquat: nach §64 LFGB L00.00-76:2018-12 mod. Die Modifizierung betrifft die Anwendung auf fetthaltige pflanzliche und auf tierische Produkte, sowie die Einwaage. Ergosterol: Extraktion nach Verseifung, semipräparative Fraktionierung und Reinigung, HPLC-UV. Fließverhalten: Ausschütten einer definierten Menge an Apfelmus/-mark nach Umrühren auf eine flache Unterlage. Beschreibung des Breitlaufens und ggf. einer Beobachtung der Absonderung von Flüssigkeit nach einer Wartezeit von 2 min. Sensorik: ASU L.00.90-16:2006. Nach Einzelprüfungen wurden die Ergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebnis erarbeitet. Pestizidscreening: DIN EN 15662. Probenvorbereitung nach QuEChERS, Bestimmung mittels GC-MS/MS und LC-MS/MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: April 2020 

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