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30 Gewürze im Test

ÖKO-TEST Oktober 2011
vom 30.09.2011

Gewürze

Schwarze Scha(r)fe

Im Gewürzregal kommt die ganze Welt zusammen. Aber leider nicht nur in puncto Geschmack, sondern auch in Sachen Pflanzenschutzmittel. Zum Glück gibt es auch unbelastete Produkte.

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30.09.2011 | Es sind nur winzige Mengen, die niemanden umbringen. Doch im Gewürzstreuer kommen sie gleich in Gruppen zusammen: Spuren von Pestiziden, meist gesundheitsschädliche Stoffe, die überall auf der Welt eingesetzt werden. Sie sollen Pflanzen vor Insekten, Pilzen oder Unkraut schützen.

Während sich bei frischem Obst und Gemüse in den vergangenen Jahren viel getan hat, sind Gewürze offenbar weiter das Sorgenkind im Supermarkt: Schon im Jahr 2005 hat ÖKO-TEST bei einer Pestiziduntersuchung bis zu neun verschiedene Chemikalien pro Produkt gefunden, teils auch in stark erhöhten Mengen. Keine Einzelfälle: Bei den Kontrollen des Landesbetriebs Hessisches Landeslabor fangen die Behörden am Frankfurter Flughafen regelmäßig Gewürze ab, die besser nicht in die Läden kommen sollten: Curryblätter aus Indien, Chili aus Ägypten, Sellerieblätter aus Thailand. Bei manchen Waren wird mehr als jede zweite Probe beanstandet. Bestimmte Lebensmittel sind so verdächtig, dass die Ware grundsätzlich erst "vorgeführt" werden muss. Die traurige Kehrseite der konsequenten Kontrollen: Importeure weichen teils auf andere Flughäfen aus, auf denen nicht so streng geprüft wird.

Auffällige Proben zu finden, zu untersuchen und gegebenenfalls zu beanstanden, ist die Aufgabe der Überwachungsbehörden. Dabei sind es immer nur Stichproben aus dem Gewürzregal, die auf den Labortischen der Ämter landen. Etwa 50 Proben pro Jahr kommen beim Pestizidexperten Dr. Michelangelo Anastassiades vom CVUA Stuttgart zusammen. Immer wieder mal wird eine Gewürzprobe als "nicht verkehrsfähig" beurteilt. Vor ein paar Jahren war vor allem Paprika problematisch. Mehrfachrückstände, also eine Kombination mehrerer Pestizide, seien bei Gewürzen ganz normal. Zehn oder mehr Stoffe zu finden, sei nichts Ungewöhnliches, erzählt Anastassiades.

Ist ein solcher Cocktail winzigster Chemikalienmengen ein Risiko für die Gesundheit? Das weiß niemand so genau. Man geht davon aus, dass sich die Wirkungen sehr nahe verwandter Stoffe einfach addieren. Hier ließe sich eine mögliche Gefahr noch am leichtesten abschätzen. Da es aber mehrere Hundert Pestizide und damit Millionen von Kombinationen sehr unterschiedlicher Stoffe gibt, kann man sich vorstellen, wie schwer es ist, ein Risiko abzuschätzen, wenn es um eine Mixtur aus zehn oder mehr Chemikalien geht. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung kann nicht festlegen, ob ein Pestizidmix gefährlich ist oder nicht.

Aber warum sind gerade Gewürze oft auffällig, während es sich vielerorts im Obst- und Gemüsehandel durchgesetzt hat, dass gesetzliche Höchstmengen nicht voll ausgereizt werden und auch nur eine geringe Anzahl verschiedener Stoffe in einem Produkt vorkommen darf? Ein Problem ist die Vermischung. Gerhard Weber, Geschäftsführer vom Fachverband der Gewürzindustrie, erklärt, wie sich zum Beispiel ein Paprikapulver zusammensetzen kann: Eine Sorte aus Brasilien für den Grundgeschmack, eine Spur Chili aus Indien für die Schärfe, eine Portion fruchtiger Paprika aus Ägy

ÖKO-TEST Oktober 2011

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Je zehn Produkte Paprika, Currypulver und Oregano haben wir sowohl als konventionelle Ware als auch in Bio-Qualität eingekauft. Darunter auch speziellere Curry-Mischungen. Außerdem achteten wir darauf, dass von jeder großen Ladenkette zumindest ein Produkt im Test ist.

Die Inhaltsstoffe
Mit verschiedenen Screeningverfahren hat das von uns beauftragte Labor nach mehr als 500 Pestiziden gesucht. Außerdem ließen wir Paprika und Curry auf Rückstände des giftigen Begasungsmittels Ethylenoxid untersuchen. Bei Oregano funktioniert dies aber nicht, da das Kraut selbst geringe Mengen dieses Stoffes bilden kann, was die Analyse stört. Weiter haben wir nach Keimen und Schimmelpilzgiften suchen lassen.

Die Bewertung
Welche Pestizidmengen in einem Gewürz enthalten sein dürfen, ist gesetzlich geregelt. ÖKO-TEST wertet bei bestimmten Stoffen aber schon ab, wenn ein Teil der Höchstmenge ausgeschöpft ist. Auch eine Vielzahl verschiedener Spuren werten wir ab. Bei einer Gewürzmischung wie Curry kann man Pestizidrückstände aber nur korrekt bewerten, wenn man die Rezeptur der Mischung kennt. Wir haben deshalb jeden Hersteller um die Rezeptur gebeten und anhand dieser unsere Bewertung vorgenommen. Hat uns der Hersteller die Rezeptur nicht mitgeteilt, haben wir uns nach den beiden Hauptzutaten gerichtet.

So haben wir getestet

Erst auf dem Labortisch zeigt sich, ob ein Gewürz mit krankmachenden Keimen belastet ist